Februar 1, 2015 2

Schreiben

By in 365

Und dann sind da diese Texte, die geschrieben werden müssen und um die ich erst einmal ein paar Tage herumschleiche, weil ich mal wieder den Anfang nicht finde. Das Büro dafür wenigstens schön machen wollen und Hyazinthen aufstellen und als sie schliesslich anfangen zu blühen, riecht es wie im Puff. Coworking also, denn im Puff kann ich nicht schreiben. Kaffee mitnehmen, im neuen schicken Thermosbecher mit dem Patentverschluss, der es möglich macht, gleichzeitig von allen Seiten zu trinken. Das ist irgendwie komisch, denn wer hat schon so einen Mund. Der Deckel verschliesst außerdem den Becher nicht dicht, also läuft der Milchkaffee aus und ruiniert die Tasch, das Zeug lässt sich aus dem Kunstleder nicht mehr rauswaschen und stinkt zwei Tage später, als gäbe es kein Morgen. Mit Waschmittel, Essig und bakteriozidem Zeug versuchen, der Sache wieder Herr zu werden, aber das macht alles nur noch schlimmer, schliesslich riecht die Tasche nach totem Esel und das ist noch viel ekelhafter als die Hyazinthen, die mittlerweile in voller Pracht blühen, so dass ich das Büro nicht mehr betreten kann. Das ist alles blöd, denn ich kann ja auch nicht mehr raus ohne die Tasche, mit aber schon gar nicht, denn so, wie die riecht, werde ich damit sicher sofort verhaftet. Ans Weiterschreiben ist so natürlich auch nicht zu denken. Also klicksel ich im Internet herum, wundere mich ein bisschen über die Leute und bestelle außerdem ein paar Schuhe, weil die als superbequem angepriesen werden. Als ich sie dann ein paar Tage später in der Hand halte, sind sie in der Mitte ungefähr halb so breit wie mein Fuß und ich wundere mich noch mehr über die Leute, denn wer hat bitte solche Füße? Thermosbecher mit undichten Deckeln, Schuhe mit halb so breiten Sohlen wie benötigt, die Welt ist doch bekloppt. Die Schuhe gehen also zurück, genau genommen brauche sie ja auch nicht, denn ich kann ja eh nicht raus. Es hilft alles nichts, ich muss was tun und das Problem in seiner Basis bekämpfen, also klicksel ich im Internet herum und bestelle am Donnerstagmorgen eine neue Tasche, die am Donnerstagabend auch schon geliefert wird. Am Freitag also wieder Coworking, jetzt kann ich ja wieder raus. Ohne Thermosbecher diesmal allerdings, ich kann ja auch Tee trinken. Endlich ein bisschen schreiben, aber nicht lange, denn mittags drücken meine alten, unbequemen Schuhe und so kann ich einfach nicht arbeiten und schreiben erst recht nicht.

Es ist kompliziert, wirklich. Aber am Montag, am Montag, da schreibe ich was, irgendwo, irgendwas, ehrlich jetzt.

Januar 24, 2015 0

Schnee

By in 365

schnee

Und geschneit hat es am Wochenende. Um sieben Uhr aufgestanden und rausgeguckt: Alles Grün. Um neun  wieder aufgestanden und rausgeguckt: Alles weiß. Mittags dann aber schon mitleidig den Richtung Pilzberg wandernden, Schlitten durch den tauenden Schnee-Kies-Matsch hinter sich herziehenden Kindern hinterhergeguckt. Und abends war alles wieder wie immer: Grau, nass, trüb.

Januar 14, 2015 0

Kräutertee

By in 365

tee

Die Küchenschränke ausmisten und dabei unter anderem neun Tüten Kräutertee, drei Packungen Semmelbrösel, zwei angebrochen Tüten Risotto sowie acht verschiedene Mehlsorten finden, bei der ich eine nicht mehr identifizieren kann, weil sie ohne Label in eine Dose umgefüllt wurde und wann das war, weiss ich doch ich nicht. Die noch nicht angebrochenen Gewürztüten, die ich mir 2007 in Amsterdam gekauft haben, werfe ich glaube ich weg. Außerdem: Unser Foodblog ist fertig und läuft: Küchensofa.com

Januar 11, 2015 0

Tulpen

By in 365

tulpen

Das Beste im Januar: Dauernd Tulpen kaufen können, ohne dabei unangenehm aufzufallen, weil man dauernd Tulpen kauft.

Januar 7, 2015 0

Schweinskopfsülzenschnitzel

By in 365

Schmerzen im Bein, Ibuprophen und mehrfach Tränen, weil es so langsam wirklich keinen Spaß mehr macht, obwohl es nun zügig vorangeht und 95 Prozent erreicht sind und vielleicht, vielleicht ab nächster Woche dann nach ganzen drei Monaten Verband ein Pflaster reicht. Eins, das ich mir selber aufkleben kann, dass es in wasserdicht gibt und dass es mir ermöglicht, ohne den nervigen Duschsack, den ich nicht alleine festkleben kann, dann zu duschen, wann ich will, meinetwegen auch zehn Mal am Tag. Das ist mehr als toll. Toll ist sicher auch, dass die Schmerzen gute Schmerzen sind, weil nämlich die neugewachsene und nun freigelegte Haut dem Leben Hallo sagt und die neugewachsenen Nervenenden in ihrer Begeisterung fröhlich Ping Pong spielen, aber das alles tut teilweise weh und wenn dann noch die Katze über die ganze Geschichte latscht, erst recht. Vier bis fünf auf meiner Schmerzskala heute Morgen also und die geht bis zehn.

Auch Schönes gibt es aber: Kalkulieren fürs neue Projekt zum Beispiel, so langsam wird es nämlich konkret. Und ein neues Kochblog, in das ganze 91 Foodartikel umziehen. Die waren vorher schon in zwei anderen, später aber aufgelösten Foodblogs und lagen nun eine Weile im Häkelblog herum. Allerdings reichte das nicht, um “anhand von Fresstweets ein Leben in Saus und Braus zu simulieren” und weltmännisch war das alles schon mal gleich gar nicht, darum nun also eben so.

Januar 2, 2015 0

Frühstück wie immer

By in Heimat, Köln halt

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Fast ist es schon ein kleines Ritual: Freitagmorgen im Osterspey frühstücken gehen, um der Putzfrau die Wohnung zu überlassen. Die kommt diesmal zwar einfach nicht, weil wir aber schon so früh aufgestanden sind, gehen wir trotzdem los. Wie immer sind wir die ersten im leeren Laden. Der Chef ist da und räumt vorne die Kuchentheke ein, als wir eintreten, begrüsst er uns wie alte Freunde. Wir laufen durch das menschenleere Café, die Einrichtung stammt aus den 80ern, lachsfarbener abgesessener Plüsch und Tische mit dunklem, in Holz eingefasstem Marmor. Wie immer nehmen wir den Tisch hinten rechts am Fenster mit Blick zum Garten, wie immer bestellt der Mann ein französisches Frühstück, Spiegeleier mit Speck und Latte und ich das große Frühstück mit Milchkaffee. Wie immer kommt mein Ei erst, als ich mein erstes Brötchen bereits gegessen habe, wie immer ist der Orangensaft ein bisschen zu kalt, wie immer liegt auf der Wurst-Käseplatte so viel, dass man damit nicht nur die drei zum Frühstück gehörenden, sondern locker sechs oder sieben Brötchen belegen könnte. Dann kommt dieses andere Paar, beide um die 70. Er trägt eine Pudelmütze mit Bommel und sie die Hundeleine, an deren Ende ein halbgroßer zotteliger Mischling zerrt. Der Chef begrüsst auch sie wie alte Freunde, bevor sie ihre halben belegten Brötchen und den Kaffee bestellen und als alles da ist, klappen sie ihre mitgebrachten Zeitungen auf, in denen sie schweigend lesen. Als der Lieferant mit dem Gemüse für den Mittagstisch kommt und nach hinten in die Küche läuft, springt der Hund auf, um ihn wild anzubellen. Das Paar, der Chef, der Lieferant und wir lachen uns an, der Hund beruhigt sich wieder und dann bestelle ich, wie immer, meinen zweiten Milchkaffee. Draußen im Garten springt ein Eichhörnchen durch die Bäume.

Nächsten Freitag kommen wir wieder. Oder übernächsten halt.