Eichhörnchentage

Februar 1st, 2011 § 3 comments

Wenn ich aus dem Fenster meines Büros hinausschaue, kann ich in den Garten sehen. Ein schöner Garten ist es, viel Wiese, Rosensträucher an der Seite, ein Sandkasten, ein paar vergessene Kinderbälle, alte hohe Bäume ringsherum, in denen die Eichhörnchen herumspringen. Am Ende des Gartens dann der Zaun zum Nachbargrundstück mit dem Nachbarhaus und seiner großen Fensterfront, in die ich zwischen den Bäumen hindurch hineinsehen kann. Büroräume sind dort untergebracht, vielleicht von einem Architekturbüro oder einer Werbeagentur, viel kann ich nicht erkennen, weil mir auch im Winter Äste den direkten Blick versperren.

Den ganzen Tag lang ist dort das Licht an, moderne lange Halogenleuchten hängen an der Decke, oft leuchten sie schon morgens um 7 Uhr, aber immer nur bis spätestens 16.30 Uhr, denn dann werden die Rollläden heruntergelassen, Feierabend. Ich sehe einen Schreibtisch und ein paar Aktenschränke an der Wand, und immer wieder diese Menschen, die in dunkler Kleidung durch den Raum laufen, den ganzen Tag lang, sie tragen Dinge herein und dann auch wieder hinaus. Was sie genau tun, erschließt sich mir nicht, aber sie sehen gut dabei aus, irgendwie wichtig und so, als würden sie etwas bedeutungsvolles tun und sich dessen auch bewusst sein. Oft sehe ich diesen ältern Mann, auch er trägt meist dunkle Pullover, manchmal steht er am Fenster und schaut hinaus und dann stelle ich mir vor, wie er sich, genau wie ich hier drüben auf meiner Seite, überlegt, was da auf der anderen Seite ist. Vermutlich beobachtet er aber auch einfach nur die Eichhörnchen in den Bäumen.

Manchmal wünsche ich mir, ich wäre ein Teil dieses Gewusels. Ich würde in meinem dunklen Pullover an meinem Schreibtisch sitzen, würde ab und an Dinge hinein- und wieder hinaustragen und dabei wie die anderen irgendwie bedeutungsvoll aussehen. Und wenn es 16 Uhr wäre, dann würde ich die Rollläden an den großen Fenstern zum Garten herunterlassen und nach Hause gehen.

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§ 3 Responses to Eichhörnchentage"

  • Wenn ich aus dem Fenster meines Büros schaue, blicke ich auf das Flachdach der Spielhalle, die direkt unter uns ist. Ich blicke in einen weiß gekalkten Hinterhof und sehe eine Unmenge an Tauben in den leeren Fenstern hocken und darauf warten, dass der Winter vorübergeht. Und wenn ich das Fenster öffne, bekomme ich den verfliegenden Geruch der Zigaretten in die Nase, die die Spielhallenjunkies vor der Tür rauchen.
    Darf ich zu Ihnen kommen? Da ist es schöner, wie mir scheint.
    Frau Müller

  • Daniela sagt:

    Der Blick nach draußen ist schön und hier im Home-Office ist es auch schön. Und ruhig ist eben manchmal schon arg. Aber wir könnten Kaffee & Kuchen machen und ein paar Lieder beim Arbeiten singen :)

  • [...] geschoben. Danach aus dem Fenster gestarrt und geguckt, wie die Blätter von den Bäumen fallen. An die Agentur gedacht, die früher im Haus gegenüber war, in dem jetzt diese Leute mit der biodynamischen Schaukel wohnen. Ein Eichhörnchen beobachtet, das [...]