Heimat
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Das Gastmahl

Und dann stehen wir in der Küche und fangen mit dem Kochen an. Ich werfe fünf Kilo Kartoffeln in den Topf und der Mann püriert drei Kilo Himbeeren im Blender. 12 Leute haben wir eingeladen. Gemeinsame Bekannte, Kollegen vom Mann, die Eltern vom Mann und Bekannte von mir. Kölner Bekannte. Einmal im Jahr, das hatten wir uns damals beim Einzug vorgenommen, laden wir alle ein, die wir mögen. Letztes Jahr hatte ich noch keine eigenen Bekannten zum Einladen – ein Jahr, so lange dauert es eben, bis man in so einer neuen Stadt Fuß fasst. Der Mann rührt die Masse fürs Himbeer-Tiramisu und drei Kilo Mehl zu Brotteig an, ich pelle die Kartoffeln, schnipple Zwiebeln und Kräuter und brate Speckwürfel an. Danach will ich den Nudelsalat machen. Viel hat sich in diesem einen Jahr verändert, auch der Freundeskreis, überlegen wir uns. Jemand flog raus, andere kamen dazu. Und auch die Wohnung hat sich verändert, sagt der Mann, während er die Marinade für den Schinken vorbereitet und ich den Feldsalat putze. Hatten wir damals noch meinen alten wackeligen Ikeatisch und eine Geschirrsammlung, in der es keine zwei gleichen Teile gab, steht hier nun der schöne Holztisch mit der Eichenplatte, an dem man problemlos zehn Leute platzieren kann. Ohne nervige Tischbeine, um die man dabei seine Beine wickeln muss, wenn man in der Tischmitte sitzt, sage ich, während ich die Sauce für den Kartoffelsalat anrühre und die Tomaten achtele. Wir haben lauter gleiche Stühle, wir haben nun sogar eine Lampe, die über dem Tisch hängt und an den Wänden hängen Bilder. Es gibt ein Sideboard, auf dem wir das Buffet aufbauen können. Wochenlang hatten wir danach gesucht und über die Farbe diskutiert. Bloß kein Weiß, hatte der Mann damals gesagt, später hatten wir uns dann zum Glück doch auf das Weiß einigen können. Nichts ist schlimmer als diese Pseudo-Eichen-Optik, die gerade überall modern ist, hatte ich damals gesagt. Schlimmer sind eigentlich nur blaue oder gelbe Vorhänge. Das war vielleicht ein Geschraube, das Ding zusammenzubauen, sagt der Mann und rührt aus den übrigen Himbeerpürree zwei Daiquiri mit Rum an. Und dann die Küchenschränke, sage ich und schäle Avocados für die Guacamole. Die hatten wir anfangs noch nicht und so stand der ganze Kram ständig auf der Arbeitsplatte herum, während wir die Vorräte irgendwie in den Unterschrank stopften, um die dort nie wieder zu finden. Nun sind zwei superlange Küchenschränke von Ikea an der Wand. Die mit den Falttüren. War ich froh, als die endlich an den Wänden hingen, sagt der Mann und spült die Schüssel, in der ich die Meerrettich-Sauce zubereiten möchte. Sogar Magnetbuchstaben haben wir jetzt am Kühlschrank, mit denen wir unanständige Worte schreiben. Manchmal fallen einzelne Buchstaben herunter, weil die Magnete nichts taugen und als dann dort statt “Pimmel”, “Sau” und “Penis” irgendwann “Pimmelu” und “Penix” steht, lachen wir uns die halbe Nacht lang darüber tot und erzählen überall herum, das wäre der Titel für unseren neuen Webcomic. Und der Balkon, sage ich, während ich Kräuter, Limettensaft, Pfeffer und Salz mit der weichen Butter vermische. Da steht nun ein riesiger Grill, in dem wir den 5-Kilo-Schinkenbraten garen werden, neben dem Balkontisch von Fermob. In Türkis. Und die Blumenkästen aus Alu, die ich im Frühjahr mit den Schwiegereltern gekauft hatte, als ich so furchtbar Halsweh hatte. Das war schlimm. Und dann die ganzen Blumen, die ich ausgesucht hatte, viel zu viele waren das, sage ich und rühre noch schnell den Curry-Dip an. Aber schön sah es aus, alles Ton in Ton.

So viele Anschaffungen, die wir in diesem Jahr getätigt haben, um die Wohnung einzurichten – Dinge, die wir lieben. Und noch ein bisschen mehr aber die Art und Weise, wie sich das alles gefunden hat in diesem Jahr.

 

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