Februar 16, 2012 1

Und dann nach Wien

By in verreist

Und dann ist es Donnerstag und es geht los. Nach Wien. Mit dem Flugzeug. Und ich bin noch nie geflogen. Der Vater vom Mann fährt uns zum Flughafen, aussteigen, Abschied, habt schöne Tage in Wien!, rein ins Flughafengebäude. Und ich bin aufgeregt. Und verwirrt, denn ich habe keine Ahnung, wie dieser Flughafen funktioniert. Ich trabe also einfach dem Mann hinterher und mache ein belangloses Gesicht. Einchecken, Gepäckaufgabe, Sicherheitskontrolle, der Mann ist ungefähr 500 Mal geflogen und weiß, wie es geht. Bei mir piept es, ich bleibe einfach stehen, keine Ahnung was nun passiert, einer der Sicherheitsfritzen pampt mich an “Los, geh da rüber!” und schon checkt mich eine Dame mittleren Alters zünftig mit einem Metalldetektor ab, umdrehen, rechtes Bein hoch, linkes Bein hoch, Arme hoch, mein Rücken wird befummelt und dann ist es auch schon vorbei. Bitte räumen Sie Ihre Sachen da jetzt weg. Ich bin verblüfft, hat der Kerl mich jetzt wirklich geduzt? Und wie gehen die bitte mit mir um? Und hat die Frau mir tatsächlich gerade an meinen Brüsten herumgefummelt? Da kommen schon meine Sachen in dem Plastikkasten über das kleine Rollband, schnell, schnell, alles zusammenraffen und zur Seite gehen. Ich muss ziehe Jacke und Schal ein, hänge die Tasche um und bin sprachlos. Der Mann läuft voraus, weiter geht´s, ins Café, wir haben noch nicht gefrühstückt. Am Fenster eine Bekannte aus Konstanz, wir haben uns seit sicher zwei oder drei Jahren nicht mehr gesehen, wie klein ist doch die Welt, wir unterhalten uns und ich vergesse erst einmal, dass ich gleich in diese Maschine muss. Dann weiter zum Gate, da sitzen die anderen schon alle und wie in diesen Flugzeugkatastrophenfilmen sind alle Typen vertreten. Der Zyniker mit Cordjacket, die Alte mit der riesigen Brille und dem Nerzmantel, die alleinreisende Schwangere, eine Gruppe unbekümmerter Studenten, der Businesstyp, der ununterbrochen mit dem Handy telefoniert. Und weil es da schon eine andere dicke Frau gibt, kann ich einfach die Hälfte des verliebten Paares sein. Das ist gut.

Dann geht es los. Tickets vorzeigen, die Treppe runter, aufs Rollfeld, dort in den Bus, dann zum Flugzeug und über die Treppe da rein. Es regnet, es windet, meine Frisur ist hinüber.  Die Maschine heißt Dnjepopetrovsk, nicht wirklich beruhigend, und dann sind wir auch schon drin. Und hatte ich vorher mit dem Schlimmsten gerechnet, ist es innen noch viel enger. Und hellblau, türkis und ungefähr Baujahr 1970. Wir drängeln uns durch den Gang, rausrennen ist nicht mehr, hinter mir sind außerdem diese 50 Leute, die unbedingt alle in dieses Ding wollen. Zum Glück sind unsere Plätze schon in der vierten Reihe. Jacke und Tasche schnell in den Kasten und mich in den Sitz stopfen und einfach erstmal ruhig bleiben. Und nicht hysterisch werden, sondern atmen. So wie es eben geht, denn der Sitz ist eng. Sehr eng. Vie zu eng für mich! Der Mann hält meine Hand. Hinter mir höre ich eine sitzt eine Frau, ungefähr 55 Kilo: “Also so eng wie hier habe ich es auch noch nie erlebt.” Wenigstens leiden auch schlanke Menschen. Dann sollen wir uns anschnallen und, ja, so ist es eben nun einmal: Der Gurt ist für mich zu klein und der Mann muss für mich eine Verlängerung ordern. Draußen fährt ein Rotkreuzwagen vor, jemand im Rollstuhl wird noch schnell ins Flugzeug gehievt, ob die mich vielleicht mitnehmen würden, frage ich mich, doch zu spät,  die Tür wird geschlossen, die Maschine fängt an zu rollen und ich bekomme Panik, weil ich meinen Gurt noch nicht zu machen kann und daher sterben werde, weil wir ja gleich abstürzen oder aber mindestens entführt werden. Da, endlich mein Gurt wird gebracht, schnell alles festnesteln, die Maschine rollt und rollt und rollt, immer schneller und schneller und auf einmal haben wir locker 260 Sachen drauf und ich falle fast in Ohnmacht, mir war nicht klar, dass man vorm Start so schnell fahren muss. Die Machine zieht hoch und flupp, wir fliegen. Es geht steil nach oben, mein Magen hängt noch irgendwo da unten auf dem Rollfeld und ich überlege, wieviel Erbrochenes so in meinen Schal passt.

Der Mann hält meine Hand, schon sind wir in den Wolken, das Licht wird heller und heller, wir fliegen durch die Wolkendecke hindurch und dann ist da dieser sagenhafte blaue Himmel und ich kann es kaum fassen, wie hoch oben wir auf einmal sind. Und muss ein bisschen heulen. Und hysterisch kichern auch. Und mich über die komischen Trennvorwände wundern, die die Flugbegleiterin vor unserer Nase zuzieht, damit wir nicht sehen können, dass die in der ersten Klasse vor uns belegte Brötchen bekommen. Bei uns gibt es dafür echt österreichische Mannerwaffeln. Hallo Wien!

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One Response to “Und dann nach Wien”

  1. […] mit alten und aber auch mit neuen Freunden anfing. Im Februar die Flucht vor dem Karneval nach Wien, wofür ich zum ersten Mal richtig fliegen musste, außerdem ein Heiratsantrag im Riesenrad hoch […]