Kllmmmmppppppppp

März 8th, 2012 § 2 comments

Abends radele ich vom Büro nach Hause. Als ich vor unserer Wohnung auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu den Fahrradständern einbiege, sehe ich eine eigenartige Szene: Vor dem Nachbarhaus steht, drei Meter neben den Fahrradabstellplatz, ein Kastenwagen mit geöffneten Hecktüren. Davor ein Mann in einem dunklen Anzug , der mit einem Rollwagen beschäftigt ist. Dieser besteht aus einem Metallgestell, ist etwa zwei Meter lang, 40cm breit und etwa hüfthoch, oben gibt es eine Ablagefläche. Darauf liegt etwas Längliches, das in eine graue Plastikfolie eingepackt ist. Der Mann erstarrt in seiner Beschäftigung und schaut zu mir, bis ich mit dem Rad hinter der kleinen Mauer verschwunden bin, an der der Fahrradständer steht. Als ich mein Rad abschließe, höre ich ein dumpfes Geräusch. Kllmmmmppppppppp. Ich packe meine Tasche aus dem Korb und gehe über die Straße hinüber zu unserem Haus, drehe mich um und schaue nochmal zum Auto zurück. Der Rollwagen ist nun leer, der Mann steht gebeugt davor und nestelt am Gestänge herum. Dann hebt er seinen Kopf, richet sich auf und schaut mich an. Ich verstehe nicht. Ich schaue an ihm vorbei in das Innere des Autos. Darin steht ein heller Holzsarg. Er ist geschlossen. Nun sehe ich auch die Beschriftung an der Seite des Autos: “Bestattungen” steht dort. Ich schaue wieder zum Mann und für Sekunden stehen wir beide ganz still und sehen uns einfach nur an. Dann kommt jemand vom Haus zum Wagen gelaufen, ein vielleicht 30jähriger Mann. Der Mann im dunklen Anzug wendet sich ihm zu, sie reden miteinander. Ich krame in meiner Tasche nach dem Schlüssel, schließe die Haustür auf und gehe ins Haus. Und denke über das dumpfe Geräusch nach. Dann weiß ich es: Das war das Geräusch, das  entsteht, wenn jemand eine in eine graue Plastikfolie eingepackte Leiche, die er zuvor alleine in diesem Sack von der Rollbahre hochgehievt hat, in einen Sarg rutschen lässt. Kllmmmmppppppppp.

 

 

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