Ich kann einfach nicht anders

Es gibt so Dinge, die kann ich einfach nicht. Nicht, weil ihre Erledigung mich irgendwie überfordern würde, nein, das ist es nicht, ganz im Gegenteil: Bei den Dingen, die ich einfach nicht kann, weiß ich sofort, sobald sie sich auch nur irgendwie andeuten, was zu tun wäre, um unangenehme Folge zu vermeiden. Nur: ich kann es nicht. Ein seltsamer Mechanismus setzt sich in Gang, vielleicht irgendwas mit noch nicht erforschten Magneten, und der ist nicht mehr aufzuhalten.

Ich kann zum Beispiel frischgewaschene schwarze Socken nach dem Waschen nicht zusammenrollen, sondern muss sie, es geht leider nicht anders, im Flur in den großen Korb werfen, in dem bereits 179 andere einzelne schwarze Socken liegen, weil nämlich auch mein Mann frischgewaschene schwarze Socken nicht zusammenrollen kann. Das ist ein sehr lästiger Zwang und wir leiden darunter auch sehr, denn eigentlich möchten wir diese schwarzen Socken ja wieder anziehen. Es geht nur nicht, denn wie soll man unter 179 einzelnen schwarzen Socken bitte ein einziges, zusammengehörendes Paar finden, ohne dabei verrückt zu werden! Und so müssen wir zwei Mal pro Jahr neue schwarze Socken kaufen. Was ich auch nicht kann: Mich für dieses Blog für ein neues Blogtheme entscheiden. Tut mir Leid, ich weiß ja, dass ich Sie, meine Leser, damit seit Jahren völlig kirre mache, aber es geht einfach nicht: Ich habe, obwohl ich sicher pro Monat um die 50 Themes durchprobiere, noch immer keines gefunden, das all das, was ich mir von einem Theme wünschen würde, bietet. Bitte bleiben Sie trotzdem nicht weg, ich stehe halt unter einem geheimnissvollen Zwang, gegen den ich einfach nicht an kann. Ich kann auch nicht in die Stadt gehen, ohne mir ein neues Halstuch zu kaufen. Das ist blöd, ich weiß und ich habe wirklich versucht, dagegen anzukämpfen, aber ich kann einfach nicht anders. Nun könnte ich ja wenigstens so nach und nach, die Tücher, die ich seit 20 Jahren nicht mehr getragen habe, einfach entsorgen, um Platz für die neuen zu machen, aber: ich kann sie auch nicht wegwerfen! Und so besitze ich mittlerweile glaube ich 50 Halstücher. Und 43 Halsketten auch. Naja, und außerdem knapp 60 Hosen. Eben die, die mir mal gepasst haben und es vielleicht auch bald wieder tun werden, dann die, die mir aktuell passen und dann noch die, die mir mal gepasst haben, aber nun zu groß sind und mir hoffentlich nie wieder passen werden, aber das kann man ja nie wissen. Und ja, das ist alles furchtbar lästig, denn haben Sie schon mal versucht, 60 Hosen in einem Kleiderschrank zu lagern? Aber ich kann nicht anders, ich muss sie aufbewahren, denn vielleicht brauche ich sie ja irgendwann mal. Naja, und dann kann ich nicht aus dem Haus gehen, wenn ich mein Haar nicht mit Schaumfestiger X und Haarspray Y gebracht habe. Ja, ich wäre da ja auch gerne flexibler, aber benutze ich andere Produkte, sehe ich nun mal aus wie ein Pferd und kann so natürlich nicht raus. Was soll man da machen!

Und dann sind da noch die anderen Dinge, die Liste ist lang und ich nenne nur einige, damit Sie sich so ungefähr einen Eindruck verschaffen können: Ich kann nicht an Sushi denken, ohne nicht am gleichen Tag noch welches zu essen. Ich kann nicht damit aufhören, die Stimme von Marla Glenn zu hassen. Ich kann keinen Kaffee ohne Milch trinken. Ich kann wichtige Post nicht öffnen. Ich kann keinen Linseneintopf essen. Ich schaffe es nicht, meine Flip Flops ins Schuhregal zu stellen. Das Leeren von Papierkörben ist mir auch unmöglich. Wie unter Hypnose bin ich ferner dazu gezwungen, Spüliflaschen umgekippt in die Spüle zu werfen, so dass sie auslaufen. Mit Geld kann ich auch nicht.

Und was ich schon gar nicht kann: Bei Twitter Leuten aus dem Weg gehen, die ich aus Gründen doof finde, bzw. das wenigstens für mich behalten. Das ist hart, aber Sie sollten wissen, dass auch ich darunter leide, denn der Ärger ist, sobald ich so jemanden nur von Weitem sehe, vorprogrammiert. Und meistens gibt es mächtigen Ärger. Nun wirkt mein Account vielleicht nicht so, als wäre ich auf Ärger aus, nein, das läuft ja alles viel subtiler. So subtil, dass selbst ich das meistens gar nicht mitbekomme, aber die Folgen sind immens. Einer hat sich deswegen mal so über mich geärgert, dass er überall erfolgreich herumerzählt hat, ich hätte ihm mehrfach anonym auf den Anrufbeantworter gestöhnt und weil dieser Kerl viele Lemminge Fans hat, haben mich daraufhin drei Follower entfolgt. Auch meine Witze über die Favmafia haben mich unzählige Favs gekostet. Und als ich mich damals über die Michael-Jackson-Hysterie lustig gemacht habe, kam der F. und hat mir einen ordentlichen Einlauf verpasst. Schön war das nicht. Über Verantwortung gegenüber meinen Followern hat der mir nämlich etwas erzählt und ich muss heute noch weinen, wenn ich daran denke.

Nun kann man einfach sagen: Du musst doch Leuten nicht folgen und auch ansonsten nichts von ihnen lesen, wenn Du das nicht willst oder: Guck halt einfach nicht hin. Aber das geht nicht, weil ich eben ein großes Internet habe, in dem es vor Menschen nur so wimmelt.Und all diese haben auch wieder große Internete voller Menschen, die wiederum auch große Internete voller Menschen haben. Und alle kennen sich irgendwie untereinander. Was würde ich für ein Internet ohne Menschen geben, aber das geht ja nicht. Und wenn nun eben der @X, die @Y oder die @Z, die ich alle aus bestimmten Gründen nicht leiden kann und denen ich daher versuche, aus dem Weg zu gehen, irgendwas total Bescheuertes tun, kann das durchaus bis in mein eigenes Internet mit hineinschwingen. Und dann ist es auf einmal da und wenn es blöd läuft, piekt und zwickt es da so lange herum, bis ich es nicht mehr ignorieren kann. Ich stehe eben unter diesem Zwang. Ich meine, was sind das auch für Leute, die Favstarproaccounts haben! Oder die, die aus erfolgreichen Bücher eins zu eins in ihren Tweets und Blogs abschreiben, um sich als “Autoren” feiern zu lassen, weil sie meinen, das merkt keiner. Da muss man doch reagieren. Oder dieser Typ aus meinem Stadtteil, der einer Bekannten seit Jahr und Tag nachstellt und neulich sogar eine Ein-Mann-Anti-Meine-Bekannte-Demo plante, um sie noch mehr zu piesacken. Oder die Einschleimer, die, kurz bevor ihr neues Produkt auf den Markt kommt, sich an “Persönlichkeiten” im Netz heranschmeicheln und auf einmal Mitglied überall werden, weil sie sich davon erhoffen, dass die dann Werbung für das Produkt machen, obwohl sie sich eindeutig nullstens für nur irgendwelche Belange dieser Gruppierung interessieren und ARGGHHHHHH, Moment, ich muss mal kurz einen Sandsack zerbeissen.

Natürlich weiß ich ganz genau: Auf solche Leute irgendwie zu reagieren kann nur ungut enden, denn wer sich öffentlich so aufführt, kann eindeutig nicht ganz normal sein und entsprechend auch nicht irgendwie normal reagieren, wenn man darauf reagiert. Das Irre liegt sozusagen dann in seiner Natur, er kann halt nicht anders. Doch so sehr ich mich bemühe, wegzugucken: Das kann ich dann halt auch nicht! Aber jetzt kommt`s: Nicht können heißt nicht automatisch, dass man es auch nicht will. Also ich meine: ich kann nicht, aber ich finde das auch gut so und ich will ja das so. Ich finde Drüberreden besser als Drüberschweigen, wenn jemand blödes Zeug macht oder sich doof verhält und ich finde auch, dass Dinge nicht besser werden, nur weil man sie ignoriert. Und wer hat was davon, wenn man dagegen nicht angeht? Ja eben. Und ein klein wenig lustig ist es ja auch oft, ja, ich gebe es zu. Wenn Ihnen das nicht passt, dann gehen Sie halt woanders hin und ignorieren Sie mich. Wenn Sie können!

60 Hosen zu haben ist gar nicht so uncool, ich musste jedenfalls noch nie ohne eine das Haus verlassen, egal wieviel ich gewogen habe. Und die Schals räume ich einfach in die leere Sockenschublade. Ist ja genug Platz drin

7 comments

  1. Kiki

    Über Leute mit favstar Proaccounts wundere ich mich auch immer wieder. Nicht, daß ich favstar nicht auch witzig fände, aber 60 Schleifen im Jahr dafür hinlegen, daß ein Typ in Singapur die Twitter API abschnorchelt, das Ganze mit Google AdSense unterlegt und ich dann sehen kann, wer mich mal gefaved hat?
    Dafür würde ich maximal einmalig den flattr Button betätigen, aber hey, kann jajeder sein Geld ausgeben wie er will und der Jahrmarkt der Eitelkeiten hält genügend Attraktionen bereit, wie wir wissen. Andere malen sich glitzernde Einhörner mit Regenbögen auf ihre French Manicure.
    Aber was wollte ich eigentlich sagen? Ah ja: schönes theme!

  2. frau k.

    ach Frau Elise, all das macht sie nur noch mehr symphatisch..

    und mir dann wieder einfällt, dass wir uns immer noch nicht mal im “echten Leben” getroffen haben, aber das ist leider so einer meiner Zwänge, dazu müsste ich in vielleicht in diese grosse Millionenstadt fahren, und das ist schwierig. Manchmal vermisse ich das urbane Großstadtleben und manchmal kriegen mich keine Zehnpferde dahin. Aber irgendwann, irgendwann kriegen wir das auch mal hin…

  3. Frau Meike

    Hier, als ich auf diesen Beitrag verlinkt habe, sah das Blog aber noch anders aus, oder?
    Falls ja: gefiel mir irgendwie besser.
    Falls nein: ich muss unbedingt meine Gedächtnistabletten einnehmen, ich muss unbedingt meine … was nochmal?

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