Tag 6: Karlskrona – Rumradeln auf den Schären und Riesenkäse bei Lidl

Und dann sind wir in Karlskrona, beziehungsweise auf einer der Nachbarinseln, eine gute Stunde zu früh und völlig übermüdet spuckt uns die Fähre aus und da stehen wir wieder wie vor ein paar Tagen in Gdynia auf einem Parkplatz im Nirgendwo und trotzdem ist hier alles so ganz anders. So aufgeräumt irgendwie. Und organsierter. Der Bus kommt dann auch gleich, der Fahrer spricht perfekt englisch und einen Sitzplatz haben wir auch. Wir sitzen hinter drei Polen, die auch auf der Fähre waren, zwei Frauen und ein Mann, er sieht aus wie Onkel Popov, nur in betrunken und die eine der Frauen hat sich ihr strähniges Haar mit zwei Schleifchen drapiert und schreit dauernd “Kurwa!” durch den Bus und dann fällt ihre pinke Reisetasche mit dem Glitzertiger, die auf unseren Koffern liegen, auch noch runter und der Mann und ich reden einfach mal wieder ein bisschen auf finnisch. Meine Haare sehen vermutlich auch nicht viel besser aus, nur ohne Schleifen, denn wir haben ja noch nicht geduscht.

30 Minuten dauert die Fahrt und dann sind wir auch schon in Karlskrona, fünf Minuten geht es zu Fuß noch ins Hotel und um kurz vor neun sind wir dort. Die Dame an der Rezeption guckt grimmig und erklärt uns, vor zwölf sei unser Zimmer nicht fertig, die Koffer dürfen wir aber abstellen und aufs Klo auch, ein bisschen verzweifelt sind wir trotzdem, denn eigentlich möchten wir nur heiß duschen und einfach noch ein Stündchen schlafen. Ein paar Häuser weiter gibt es ein kleines Kaffee, für umgerechnet 20 Euro bekommen wir zwei Latte Macchiato und zwei belegte Brötchen, ich habe mein Buch im Koffer liegen lassen und das freie WLan im Cafe funktioniert auch nicht. Aber der Kaffee ist sehr gut.

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Dann ist es zehn Uhr, also laufen wir ein bisschen durch die Stadt, Räder wollen wir uns mieten, ich bin quengelig, denn Lust auf die Lauferei habe ich überhaupt nicht, dafür aber zwei Blasen an den Füßen und die bequemen Laufschuhe liegen bei meinem Buch im Koffer und ich fühle mich immer nur noch mehr ungeduschter. Wann bin ich eigentlich zum letzten Mal mit Haaren draußen herumgelaufen, die ich zuletzt am Vortag gewaschen hatte, so 1984 vielleicht? Bei Facebook jammere ich ein wenig herum, jemand kommentiert, das sei ja alles ganz schön stressig, was wir da machen würden, das seien doch Flitterwochen und überhaupt, wo bleibe da die Zweisamkeit? Ich weiß ja nicht, was andere Leute so in ihren Flitterwochen machen, aber anstrengend und unzweisam war es bei uns weniger, ab und an ist halt mal sowas wie heute mit dem Einchecken im Hotel oder man ist halt mal müde, aber was soll`s, dafür werden wir in diesen drei Wochen unendlich viel sehen. Und ich kenne auch niemanden, mit dem es sich entspannter reisen würde als meinen Mann. Der hat jederzeit alle Tickets und Fahrtzeiten parat, weiß immer, wo man hin muss und trägt außerdem meinen sauschweren Koffer dauernd irgendwelche Treppen hinauf. Und überhaupt hat er die ganze Route zusammengestellt und so wie es bisher aussieht, hat er das mehr als großartig gemacht. Und was er auch gut kann: Mich geduldig ertragen, wenn ich mal wie heute Morgen kurz nicht gut gelaunt bin. Mit meinem Mann reisen ist also mehr als gut.

Dann haben wir endlich unsere Räder, zwei quitschgelbe Dinger mit Körben am Lenker, drei Gängen und keinem Licht, hier im Norden braucht man sowas wohl nicht, was auch immer, wir fahren jedenfalls einfach ein bisschen herum. Die über 30 Schäreninselchen, auf der die Stadt verteilt liegt, sind mit kleinen Brücken miteinander verbunden, auf der wohl siebten oder achten Insel, Dragsö heißt sie, gibt es einen Campingplatz in einem kleinen Wäldchen und davor eine Wiese und da setzen wir uns erstmal hin, um ins Wasser zu gucken. Links ein paar Felsen und oben drauf hübsche Schwedenhäuser, im Wasser ein Steg mit einer paar Booten und wir mitten drin, in diesem Postkartenidyll. Schön ist es in Karlskrona.

 

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Um kurz nach zwölf checken wir schließlich im Hotel ein, unser Appartment liegt im dritten Stockwerk eines Wohnhauses – eine kleine Küchenzeile und ein sehr hübsch eingerichteter Wohn- und Schlafraum, alles frisch und modern eingerichtet und vor allem blitzsauber. Duschen, noch die Fotos von gestern posten und eine Stunde schlafen, dann ist es drei und wir müssen irgendwas zu Mittag essen. Um die Zeit haben die meisten Restaurants zu, und wie teuer hier Essen sein kann, haben wir morgens schon gemerkt, also gibt es einen Döner von der Bude auf dem großen Platz in der Mitte der Stadt, dann fängt es an zu regnen und wir flüchten unter den Vorbau einer Kirche und essen dort, auf den Säulenabsätzen sitzend, dazu gibt es Zitronensprudel und ich frage mich, warum sie den bei uns nicht auch verkaufen. Wir radeln Richtung Leuchtturm…

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…und dann einfach immer weiter am Ufer entlang, es ist nicht sonderlich warm, aber wunderschön hier. Und seltsamerweise fast menschenleer. Ab und an ein Jogger und ein paar Spaziergänger, das wars aber auch schon. Dazu kein Stadtlärm und keine Autos, nur das Rauschen der Wellen. Karlskrona ist so entspannt.

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Der Mann da oben auf dem Fahrrad ist übrigens meiner.

Wir radeln noch ein bisschen weiter, dann tun uns die Hintern von den harten Fahrradsatteln weh und wir machen auf der kleinen Felsinsel, Stakholmen, noch eine kleine Pause.

 

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Auf Essen gehen haben wir heute keine Lust mehr, wir beschließen, bei Lidl (!) einfach Brot und was fürs Drauflegen zu kaufen. Viele der Produkte kenne ich von unseren Supermärkten, aber die riesigen Käsestücke, die sie hier abgepackt verkaufen, die finde ich dann doch sehr verwunderlich. Aber Menschen, die viel Käse essen, können eigentlich nur zu den Guten gehören.

Und morgen? Da fahren wir raus auf die Insel Aspö und legen uns ein bisschen an den Strand. Und vielleicht gehen wir auch Schwimmen, das Wetter soll schließlich schön werden.

5 comments

  1. Puppe

    Hach…Karlskrona. Auf Dragsö haben wir ein paar dufte Tage verbracht und sind auch mit dem Radl in die Stadt. Schön ist auch eine Bootstour durch die Schärenlandschaft. Aber ihr seid ja schon mit dem Boot angekommen und konntet jedem Inselchen “Hallo” sagen.