August 31, 2012 1

Tag 9: Kopenhagen – Auf der Öresundbrücke, ein bellender Chinese und eine ziemlich mickrige Meerjungfrau

By in Auf Reisen

Irgendwann im Mai war es, da lief dieser mehrteilige schwedisch-dänischer Krimi: Mitten auf der Öresundbrücke wird eine zweigeteilte Leiche gefunden, der eine Teil liegt auf der dänischen, der andere auf der schwedischen Seite, puh, igitt, gruselig, und über mehrere Folgen hinweg ermitteln nun dieser dänische Polizist und diese schwedischen Polizistin herum, was anfangs nicht sonderlich gut läuft, denn während er Stress daheim mit seiner Frau hat, weil er fremd gegangen ist, ist sie sowas wie ein autistischer Polizei-Nerd. Wie auch immer, wir haben alle Folgen angeguckt, sogar der Mann, obwohl der sonst Krimis hasst und als wir dann unsere Reise planten, dachten wir, fahren wir halt auch mal über diese Brücke, ist ja anscheinend immer was los da. Und das haben wir heute dann auch gemacht und zwar mit der Bahn. Von Karlskrona kann man direkt bis zum Hauptbahnhof Kopenhagen fahren, einmal quer durch Südschweden, und das dauert gerade mal drei Stunden.20120831-223333.jpg

Ich liebe es, mit dem Zug zu reisen. Man sitzt da so rum, liest was (Wolfgang Herrndorf), hört Musik, isst ab und an einen Keks und guckt ansonsten einfach aus dem Fenster und lässt die Landschaft an einem vorbeirauschen. Das Gefühl, unterwegs zu sein, ist hier ein ganz anderes als in einem Flugzeug, viel direkter eben. Unzählige Schwedenhäuschen, viele Felsen, Wälder, ab und an Felder, im Zug riecht es dezent nach Käsefüßen und irgenwann stelle ich fest, dass das ja meine ollen Schuhe von Lands End sind, aber da kann ich dann leider auch nichts machen.

Unsere riesigen Koffer haben wir irgendwie unter die Sitze geklemmt, Abstellflächen für Gepäck gibt es nicht in diesem Zug, dafür aber einen Zugbegleiter, der ohne weiteres bei den Chippendales auftreten könnte, riesige Zugtoiletten und statt ekliger Kippmülleimer unter den Tischchen hängen da praktische Plastiktüten, in die man seinen Müll hineinsteckt und jede Stunde kommt ein anderer Zugbegleiter und räumt den Kram weg. Der ist allerdings nicht ganz so attraktiv wie der andere. Prima Nackenkissen gibt es, die sind aus Leder und höhenverstellbar, und sogar den Arm kann man prima auf dem kleinen Absatz unter dem Fenster abstützen. Zugfahren in Schweden ist sehr angenehm, wesentlich angenehmer als in Deutschland jedenfalls. Von der Brücke allerdings sehen wir nicht viel, die Bahn fährt eine Etage tiefer, links ist halt Wasser und rechts auch, nicht wirklich spektakulär. Leichen waren auch keine zu sehen, aber es kann ja nicht überall Schwedenkrimi sein.

In Kopenhagen fahren wir mit dem Taxi ins Hotel, im Esplanaden wohnen wir, und als wir an der Rezeption sagen, dass wir im Honeymoon sind, bekommen wir eine Flasche Weißwein geschenkt und ein Zimmer mit durchgehendem Doppelbett, hurra! Das Zimmer ist nett geschnitten und liegt nach hinten raus, die Matratzen sind fest, was nach den weichen Matten in Karlskrona und auf der Fähre nach dort eine Wohltat ist. Schrankplatz gibt es mehr als genug, dafür aber nur zwei Kleiderbügel, jedes Hotel hat eben so seine Eigenheiten und versuchen, sie zu verstehen, würde einen glaube ich irgendwann verrückt machen. Zwei Kleiderbügel, geht´s noch? Fünf frisch in Karlskrona gewaschene und gebügelte Tuniken habe ich im Koffer und ehrlich gesagt bin ich mit sowas empfindlich, Stinkschuhe hin oder her! Ansonsten ist das Zimmer ein bisschen heruntergewohnt, das Bad auch nicht ganz so pieksauber wie das in Schweden, aber der Rest wiegt das locker wieder auf.

Ein paar Straßen weiter mieten wir uns Räder und als wir durch die Stadt radeln, fühle ich mich wie Königin Beatrix, nur viel besser, in Städten radeln ist so viel würdevoller als zu Fuß durch die Straßen zu tapern, habe ich schon erwähnt, dass ich fast nichts mehr hasse, als zu Fuß durch Innenstädte zu laufen?

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Wir radeln also so herum, immer der Nase nach, radeln in Kopenhagen ist großartig, denn überall gibt es Radwege und überhaupt sind hier einfach alle auf dem Rad unterwegs. Wir landen beim oder am, ich weiß nicht, wie man das nennt, Nyhavn, der Mann war hier vor Jahren schon mal was essen und wir haben Hunger. Am Nyhavn ist die Hölle los, hier trifft man sich am Freitagabend in den zahllosen kleinen Restaurants, viele sitzen aber auch einfach mit mitgebrachten Getränken auf der Mauer an der Seite. Es ist so ganz anders als in Karlskrona, denn hier gibt es richtig Leben auf der Straße. Fisch gibt es überall in den Restaurants zu essen, Schnecken, Lobster, Ostseefisch, Muscheln, Austern, Kopenhagen ist immerhin eine Hafenstadt, wir gehen aber einfach in einer der Nebenstraßen zum Chinesen und essen Ente.  Als wir an der Vorspeise, scharfe Rippchen, herumnagen, beiße ich mir ein Stück Zahn ab und bin ein bisschen geschockt, zum Glück tut es nicht weh und dann sind da am Nebentisch noch die Chinesen und der eine niest dauernd in die Mitte des Tisches und anfangs sind wir auch davon ein bisschen geschockt, weil wir erst glauben, da säße ein Hund, den das Niesen hört sich wie Bellen an, aber es ist dann doch nur der Chinese und das lenkt dann von der Sache mit dem Zahn auch wieder ab. Unser Essen jedenfalls war lecker.

Nach dem Essen steigen wir am Nyhavn in eines der Boote, die einstündige Touren über die Kanäle und durch den Hafen fahren, eben das, was eben Touristen hier so machen. Wir sitzen ein wenig eingepfercht, vor uns gestikulierende Spanier, hinter uns zwei Frauen mit zwei Kindern, die uns permanent in die Rücken boxen und an den Haaren ziehen, kühl ist es, aber golden leuchtet die Abendsonne über das goldblaue Wasser, während wir durch unzählige kleine Nebenkanäle fahren, vorbei an alten prächtigen Gebäuden, unzähligen Booten, Straßencafés aus denen die Leute uns fröhlich zuwinken. Es ist wunderschön.

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Wir fahren am Militärhafen vorbei, dann an der königlichen Yacht, ein Matrose in Uniform steht an der Reeling und winkt uns zu, und schließlich halten wir an der Meerjungfrau. Mit Märchen hatte ich es nie, mit denen von Hans Christian Andersen sowieso nicht, der war eh ein komischer Kauz, der die meiste Zeit seines Lebens in Hotels wohnte und dabei immer ein langes Seil dabei hatte, um sich damit, wenn es mal brennen sollte, aus dem Fenster abzuseilen. Die Meerjungfrau ist ziemlich mickrig, gerade mal ein Meter hoch, doch die Leute auf dem Schiff springen extatisch auf und fotografieren wie verrückt, zumindest den Rücken, denn das Ding ist ja zum Ufer hin ausgerichtet. Ich wundere mich ein wenig. Am Ufer steht eine große Gruppe Menschen, die das Ding von vorne fotografiert, einer hat sich außerdem auf die Steine des Ufers gesetzt und sieht aus, als würde er die Statue anbeten. Ich verstehe das Theater nicht so ganz und fotografiere einfach die Leute, wie sie die Statue fotografieren und nicht mal das sieht auf dem Foto irgendwie interessant aus.
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Dann fahren wir zurück zum Nyhavn und steigen aus, später trinken wir noch einen Kaffee und fahren anschließend einfach ins Hotel.

Kopenhagen erinnert mich an Amsterdam in schön, es ist bunt und lebendig, überall das Wasser, nur ist alles etwas prächtiger und vor allem weniger laut. Wenn das mit dem Restaurant auf Aspö nichts wird, vorausgesetzt, dass das mit dem Seemann in der Danziger Bucht nicht klappt, dann kaufe ich mir eines dieser Hausboote, die ich heute gesehen habe, und mache da ein Wollgeschäft drin auf. Ganz bestimmt.

 

 

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One Response to “Tag 9: Kopenhagen – Auf der Öresundbrücke, ein bellender Chinese und eine ziemlich mickrige Meerjungfrau”

  1. Susanne sagt:

    Ach, es liest sich einfach soooo schön. Ich hab nun so oft geschmunzelt bei diesem Post :-)
    Danke dafür :-)