Tag 12 – Edinburgh: Minced Pie und eine Menge Whisky
Nach einer schlaflosen Nacht stehen wir um kurz nach sechs auf, packen den ganzen Kram in die Koffer, frühstücken und fahren raus zum Kopenhagener Flughafen. Ungefähr 20 Mal müssen wir unsere Pässe vorzeigen, ich darf mich außerdem von einem Sicherheitsmann von oben bis unten befummeln lassen, weil gerade keine Frau da ist und dann fragt er mich auch noch, warum ich Tampons in der Hosentasche hätte. Irgendwann endlich sitzen wir im Flugzeug und es geht los. Bei den Norwegian Airlines gibt es WLan während das Fluges und das ist gut, denn die Fliegerei und ich, wir werden wohl keine wirklichen Freunde mehr, Turbulenzen auf 10.000 Meter Höhe finde ich nach wie vor nicht so lustig und schon gar nicht, wenn das Flugzeug dann auch noch komische Kurven im Sinkflug über das Meer fliegt.
Und dann sind wir auch schon da: In Edinburgh. Wir steigen in ein altmodisch rund geformtes Taxi, der Fahrer ist ein junger aufgeschlossener Typ, er fragt uns, woher wir kommen und ob wir schon mal da waren, dann gratuliert er uns zur Hochzeit und findet unsere Rundreise ziemlich cool und da denke ich zum ersten Mal, dass die Schotten so ganz anders sind als die Dänen und die Schweden, nämlich viel aufgeschlossener, zugänglicher.
Wir wohnen im Apex City Hotel am Grassmarket, das Zimmer ist noch nicht fertig, wir sind ein bisschen frustriert, weil wir so furchtbar müde sind und eigentlich schlafen möchten, aber das geht nicht, dass die Zimmer noch nicht fertig sind, hat auch mit der Zeitverschiebung zu tun, denn hier ist man noch eine Stunde zurück. Am Grassmarket essen wir also erstmal was, die Sonne scheint und es hat gute 25 Grad, wir sitzen auf einer Terrasse und ich bestelle mir “Minced Pie” und denke dabei an irgendeine Pastete mit Minzsauce, aber das ist natürlich ein Irrtum, “minced” heißt einfach “gehackt” und das kochendheiße und optisch leider sehr unschöne Zeug in dem Teig ist einfach eine Art Hacksauce. Dazu Karotten, Erbsen und Fritten, die Sauce lasse ich lieber mal stehen.
Und dazu Guinness, wir sind ja schließlich in Schottland:
Danach sind wir noch noch hinüberer, im Hotel schlafen wir erstmal bis fünf Uhr durch. Das Zimmer ist großartig – schön groß, sehr hübsch und modern eingerichtet, alles top in Schuss und ein großes Bad mit Badewanne und einer Dusche, in der locker vier Leute gleichzeitig duschen könnten. Mit dem WLan hat man sich hier auch nicht so, es gibt einen Code und über den kann man sich gleichzeitig mit allen Geräten gleichzeitig einloggen. In Kopenhagen war das so ganz anders, da bekamen wir zwei Codes für vier Geräte, beim Bloggen war das teilweise sehr nervig. Und überhaupt, der Service hier, so sehr hat sich bisher in all den anderen Hotels noch keiner um uns bemüht. Und weil wir aufs Zimmer eine Weile warten mussten, bekommen wir sogar noch eine 25-Prozent-Rabatt-VIP-Karte fürs Restaurant geschenkt.
Abends laufen wir ein bisschen durch die Stadt…
…einmal hoch zu dieser Burg und die lange Hauptstraße entlang, eine Kirche gucken wir noch an und dann landen wir auch schon in einem Pub, “Whiski” heißt der und es ist die “Whiskybar des Jahres”. Wir essen was, ich nehme Sausages & Mash, dazu gibt es eine sauleckere Rotwein-Zwiebelsauce und es schmeckt großartig.

Weil es eine gute Bar ist, folgt auf das Bier ein Whisky und dann bestellen wir noch einen Flight – das sind vier Whiskys, bei uns sind es Clynelish, Glenturret, Edradour und Glen Garoich. Die probieren wir nacheinander und auf einmal haben wir die Sonne nicht nur im Herzen, sondern nun auch im Gesicht scheinen. Die Franzosen am Nebentisch bestellen “Steak Ale Pie” und man sieht ihnen dabei an, dass sie mit Steaks rechnen, denn sie bestellen “Two Steaks” und als das Gemisch aus gehacktem Steak und einer Art Pie darüber kommt, machen sie lange Gesichter und wir sitzen daneben und finden es komisch, das mit dem “minzed Pie” ist ja auch schon wieder so lange her. Irgendwelche Musiker packen ihre Fideln aus und spielen eine halbe Stunde lang das gleiche Lied, der Barkeeper, der bisher keinem der Gäste ins Gesicht geguckt hat, lacht und fängt an, hinter der Theke zu tanzen.
Wie Schottland so ist, kann man nach einem halben Tag wohl noch nicht so sagen, ich glaube, es ist ein bisschen kantig, erdig und unglaublich warmherzig und ein bisschen bin ich schon verliebt.








