September 10, 2012 1

Tag 18 – Guernsey: Im Meer schwimmen

By in Auf Reisen

Über die Hotel-Rezeption haben wir uns Fahrräder gemietet und die braucht man auch auf Guernsey, wenn man kein Auto hat, denn die Insel ist groß und es gibt unendlich viele kleine Straßen und Wege, auf denen man sich ziemlich gut verlaufen kann. Für Fußgänger und Radler gibt es verkehrsberuhigte Wege, auf denen die Autos nur 15 Meilen schnell fahren dürfen, alles andere wäre gefährlich, denn die Wege sind alle gerade mal so breit, dass ein Auto gerade eben mal so durchpasst.

guernsey 1Vor Jahren habe ich im Fernsehen mal eine Doku über die Kanalinseln gesehen, man sah Familien gemütlich und fröhlich singend durch von Hortensien und Rosen gesäumte Wege radeln, links und rechts war das Meer und der Sprecher erzählte, dass Autofahren nicht erlaubt sei. Das muss das Fahrradparadies sein, dachte ich damals und irrte mich ganz gewaltig, denn Radeln auf Guernsey ist, nun ja, irgendwie gar nicht so einfach, vor allem, wenn man als nicht ganz schlanke Person ein Fahrrad mit extra kurzem Abstand zwischen Lenkstange und Sattel bekommen hat, wo man gerade eben noch so durchpasst, aber nur, wenn man sich zuvor ordentilch mit dem einen Fuß am Boden abgestoßen hat, um die Schwungphase für das Durchzwängen zu nutzen. Ganz blöd ist es, wenn man eine etwas weitere Hose und ein langes Oberteil trägt, die sich beim Aufsteigen dann auch ab und an schön am Sattel hängen bleiben, meistens aber gerade dann, wenn man sich an irgendwelchen Straßenkreuzungen beeilen muss, weil da ja noch die anderen Autos hinter einem sind und man sich ein bisschen konzentrieren muss, um das mit dem Rechtsverkehr auf die Reihe zu bekommen und das ist gar nicht so einfach manchmal.  guernsey 2Das ist aber noch nicht alles: Cool an meinem Rad sind die top Federung und die 18 Gänge, denn auf Guernsey geht es manchmal mächtig bergauf und noch mächtiger bergab, auch mal mit Steigungen um die 20 Grad und gerne auch mit 90-Grad-Kurven mittendrin, vorwiegend an Stellen, an denen man mit sowas so gar nicht rechnet. Die Insel befindet sich auf einer Art Hochplateau und runter zum Meer gibt es einen Höhenunterschied von irgendwas zwischen 70 und 100 Metern und die muss man eben rauf oder runter, je nachdem, wohin man möchte. Das macht zwar Spaß (wenn man erstmal auf dem Rad sitzt), ist dann aber eher sportlich als gemütlich.

Bevor es los geht, decken wir uns im Supermarkt „Mark & Spencer“ mit Proviant ein und dann fahren wir einfach los, quer über die Insel an irgendeinen der Sandstrände zum offenen Meer hin. Warm ist es, aber auch windig und bewölkt und als wir am menschenleeren Strand sieht es dort nicht wirklich einladend aus, um im Meer zu schwimmen.

S20120910-093419.jpgeit Tagen freue ich mich aufs Meer und jetzt, wo es da ist, möchte ich nicht hinein. Zunächst jedenfalls. Der Mann springt in die Badehose und legt vor, und als ich ihn da so im Wasser stehen sehe, mache ich es ihm nach und ab, rein. Saukalt ist es zunächst, aber dann mehr als großartig.

Hinterher gibt es ein Strandpicknick, Käse-Scones, Shortbreas, Chicken Wings, Saft und Milch, was man am Strand eben so isst, und dann radeln wir einfach weiter, vorbei an einer Bucht mit kleinen Booten, dann an einem Aussichtspunkt, an dem man die Klippen und die Steilküste sieht.

guernsey 5Die Radelei ist anstrengend, macht aber doch ziemlich viel Spaß, die Landschaft ist wunderschön und überall riecht es so nach Äpfeln, Kuhdung und den unzähligen Geranien, Hortensien und Petunien, die überall wuchern. Sogar Palmen wachsen hier! Dann fängt es an zu regnen und wir stellen uns unter einem Baum unter, aber das hilft nicht wirklich und irgendwann sind wir hübsch durchnässt, also zurück ins Hotel und da springen wir einfach, weil wir es können, nochmal in den (beheizten!) Pool und führen den anderen Gästen unsere Bademode vor. Und auch, wie erwachsene Menschen unwahrscheinlich viel Spaß mit einer grasgrünen Badegurke aus Schaumstoff haben können.

Abends schließlich essen wir mehr als gut im „The Captains“, einem Pub ein paar Straßen weiter. Ich habe einen herrlichen Gratin mit Lobster, Crabs und Prawns, der Mann Scholle, davor gibt es frittierte Prawns mit Chili-Sauce und hinterher essen wir noch Nachtisch – der Mann nimmt einen Sticky-Toffee-Pudding und ich das Mango-Parfait und danach haben wir beide einen Zuckerschock, denn unter „süß“ versteht man hier eindeutig etwas ganz anderes als bei uns daheim. Und dann der Heimweg durch dunkle Gassen, denn Straßenbeleuchtung gibt es keine und natürlich haben auch unsere Räder kein Licht. Aber es gibt ja noch die Sterne, die in vollster Pracht am Himmel leuchten. Und unsere Handys.

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One Response to “Tag 18 – Guernsey: Im Meer schwimmen”

  1. Jen sagt:

    Those colourful boats – I didn’t see those! Where were they?