Köln, Sülz und die Sache mit den Imis und den Pimmocks

Oktober 22nd, 2012 § 25 comments

Die Sache mit der Heimat ist übrigens gar nicht so einfach. Da, wo man seine Heimat hat, sind nämlich leider immer auch die Anderen. Die Anderen, das sind die, die nicht von hier sind. Wo “hier” ist, ist dabei erstmal egal. Ebenso egal ist es, dass die Anderen auch eine Heimat haben. Aber diese Heimat, daran lässt sich nun mal nichts ändern, ist eben woanders und somit die falsche Heimat. Denn DIE HEIMAT, das weiß jedes Kind, ist einzigartig und kann es daher logischerweise auch nur an einen einzigen Ort geben.

Da man leider fast überall von Menschen umgeben ist, die von woandersher kommen, ist die Sache mit der Heimat sehr anstrengend. Diese Anderen tun nämlich so, als wäre es das normalste der Welt, seelenruhig durch die Straßen zu laufen, in denen mal selber doch als mit seinen erstem Paar Diskorollschuhe gefahren ist. Manche von denen ziehen sogar in die Häuser, an denen man Morgen für Morgen auf dem Schulweg vorbeilaufen musste. Und wieder andere kaufen darüber hinaus in den Supermärkten ein, wo man sich als Teenager für Drei Mark 99 seine Flasche Faber Sekt gekauft hat, um sie hinterher mit den Freunden im Park zu trinken. Die Anderen tun einfach so, als wäre es völlig selbstverständlich, so zu leben, als wären sie hier zuhause und das ist natürlich mächtig unverschämt und geht gar nicht. Darum ist es wichtig, auf die eigene Heimat gut aufzupassen, denn was wäre, wenn diese Anderen irgendwann mal überhand nehmen würden? Dann wäre es doch so, dass es auf einmal viel mehr Heimat woanders gäbe, also da, von wo die Anderen jeweils herkommen. Und dann wäre die eigene Heimat irgendwann verloren. Und dann könnte man auch niemanden mehr beschimpfen, dass er einem nämlich die Heimat wegnehmen würde und hier daher nichts zu suchen habe und daher am besten ausgewiesen werden solle. Und was sollte man dann bitte den lieben langen Tag tun?

Köln sei so weltoffen und tolerant, heißt es immer. Doch gleichzeitig unterscheiden Kölner ziemlich genau zwischen „echten“ Kölnern und solchen, die es nicht sind und thematisieren das alles auch gerne bei sich jeder bietenden Gelegenheit. Sogar eigene Namen gibt es für die nicht „echten“ Kölner, nämlich Pimmocks“oder „Imis“. Als „Pimocks“ wurden ursprünglich Gastarbeiter bezeichnet, die einst bei der Erntezeit auf dem Land dringend gebraucht wurden, nachdem die Preußen aus der Stadt abgerückt waren. In der Regel kamen sie aus dem Osten oder der Lünebürger Heide und konnten nicht besonders gut lesen oder schreiben und so erhielt der Begriff des „Pimmocks“ eine verächtliche Konnotation, die sich bis heute erhalten hat. Wobei damals die wenigstens Landarbeiter damals wirklich gut lesen oder schreiben konnten, auch nicht die, die aus dem Rheinland stammten, aber das nur nebenbei. Die Gastarbeiter arbeiteten aber nicht nur auf dem Land, sondern auch im Bergbau im rheinischen Braunkohlerevier, das sich rund um die Stadt erstreckt. Und natürlich kamen die Gastarbeiter im letzten Jahrhundert auch längst nicht mehr vorrangig aus der Lüneburger Heide, sondern auch aus Ostpreußen, was ein bisschen etwas mit dem Ausgang des zweiten Weltkrieges zu tun hatte. Als dann endlich das Wirtschaftswunder da war und die Automobilindustrie in Deutz kräftige Unterstützung nötig hatte, kamen sie außerdem auch aus Spanien, Italien und vor allem der Türkei und waren hier herzlich willkommen, denn sie wurden dringend gebraucht. Bei Ford zum Beispiel. Die meisten von ihnen blieben in der Stadt, holten ihre Familien nach und richteten sich nach und nach eine neue Heimat ein. Oder anders: Köln hat eine lange Tradition als Einwandererstadt. Mal abgesehen davon, dass es Köln in der heutigen Größe eigentlich auch nur gibt, weil die Römer die ehemalige Ubiersiedlung im Jahr 50 nach Christus zur Stadt erklärt hatten und danach einiges dafür taten, um sie zu einer prächtigen Stadt auszubauen. Und die Römer kamen, soweit ich weiß, auch nicht gerade von hier, sondern aus Italien. Und dass es den typischen Kölner Karneval eigentlich nur wegen den Franzosen gibt… aber egal.

Was aber hat es nun mit den Imis und den Pimmocks wirklich auf sich? „Enne Pimmok es enne Fremde, dä Ete-Pitete es un sich net aanpasse will. Pimmoks die sich aanjepass hann, weede zom Immi“,, so kann man hier nachlesen. „Imi“ kommt dabei nicht von „Imigrant“, sondern von „enne imiteete Kölsche“, also jemand, der imitiert, Kölner zu sein. Das trifft für die Gastarbeiter nun sicher nicht zu, aber eigentlich auch nicht unbedingt für alle anderen, die irgendwann in die Stadt zugewandert sind. Ich kenne jedenfalls niemanden, der es schafft, Kölner täuschend echt nachzumachen, denn das ist allein durch den kölschen Dialekt gar nicht möglich. Und was unter „Ete-Pitete“ zu verstehen ist, ist auch nicht ganz klar, mit Bildung kann es jedenfalls nichts zu tun haben, denn wenn man sich die aktuelle Studie vom Integrationsrat der Stadt Köln anschaut, wird klar, dass einen typischen Fremden gar nicht gibt. Imigranten leben in völlig verschiedenen “Milieus” – “Milieu” ist nicht abwertend gemeint, sondern ist ein feststehender Begriff aus der Statistik, mit dem Bevölkerungsschichten beschrieben werden: 12 Prozent stammen jedenfalls aus dem “statusorientiertem Milieu” und 11 Prozent aus dem “Intellektuell-Kosmopolitischen Milieu” – das könnte eventuell auf dieses “Ete Pitete” hinweisen, wenn diese Gruppe zusammengerechnet nicht eben nur schlappe 23 Prozent ausmachen würde. Der Rest ist setzt sich nämlich völlig anders zusammen: 9 Prozent stammen aus dem “entwurzelten Milieu”, 16 Prozent aus dem “Arbeitermilieu”, 15% aus der “Subkultur”, 16 Prozent aus dem “bürgerlichen Milieu”, 13 Prozent aus dem “multikulturellem Performer-Milieu” und 7 Prozent aus dem “religiös-verwurzelten Milieu”. Einen “typischen Imi” oder “Pimmock” gibt es also gar nicht.

Aber was bedeutet das nun für die “Imis”? Wer sind sie denn nun und wo findet man sie, fragte ich mich lange. Bis ich letzte Woche endlich fündig geworden bin. Und zwar bei Facebook! Da gibt es eine Sülz-Gruppe und auf die wurde ich vor ein paar Wochen von einer Bekannten aufmerksam gemacht, die dort mehrere Texte und Bilder von mir gefunden hatte. Texte aus diesem Blog, aber auch PR-Texte, die ich an ein Kölner Portel verkauft hatte und eben Fotos. Das war insofern problematisch, weil ich PR-Texte immer mit einfachen Nutzungsrechten verkaufe und diese daher nur zweckgebunden verwendet werden dürfen, sofern nichts anders ausgemacht wurde. Und natürlich ist es schlichtweg nicht in Ordnung, anderen Leuten Texte zu klauen, um sich selber als Autor auszugeben. Denn keiner der Artikel war verlinkt worden, nirgends war ich als Autorin genannt worden und gefragt worden bin ich natürlich auch nicht, ob das denn in Ordnung gehe.

In der Regel diskutiere ich in solchen Fällen mit den Dieben nicht lange herum, sondern schicke eine Unterlassungserklärung und eine saftige Rechnung. In dem Fall war es eine rein privat betriebene Seite. Die Betreiberin entschuldigte sich, versprach, meine Texte zu löschen und gelobte Besserung, daher beließ ich die Sache dabei. Die anderen drei Autoren, denen auch Texte geklaut worden waren, taten es ebenso, was ich sehr großzügig fand, denn einer der Person waren nicht wie mir nur eine Hand voll Sachen geklaut worden, sondern um die 50 Texte, so dass man von einem “Versehen” nicht wirklich sprechen konnte. Aber es ging ja auch ein bisschen um Sülz – den Stadtteil, in dem die anderen Autoren und ich ja auch gerne leben, daher fiel die Entscheidung nicht ganz schwer. Sie habe es nur gut gemeint, erklärte auch die Diebin außerdem zerknirscht. Nichts desto Trotz gucke ich seitdem ab und an auf der Seite vorbei, vor allem, da offensichtlich weiterhin Inhalte von anderen geklaut werden, aber eben diesmal nur von anderen.

Wie auch immer, hier, bei dieser Gruppe, stand sie dann endlich schwarz auf hellblau, die Beschreibung des typischen Sülzer “Imi” und die möchte ich hier einfach mal wörtlich zitieren:

 ”Meiner Meinung liegt das Problem darin, dass wir zu viel Zugegezogene pseudo-Intellektuelle in Sülz haben und die Öko’s machen alles kaputt im Veedel. Was meinst Du wie die sich hier vorkommen?”  – “JA SIE HABEN DIE NASE OBEN U WOLLEN BESSER SEIN ALS DIE EINGESESSENEN IN SÜLZ” – “Ja so ist es. Die sprechen noch nicht einmal Kölsch und wenn Du als Kölner Kölsch sprichst, wirst Du noch dumm angeschaut. Ich mache das dann extra, damit sie nichts mehr verstehen. Ganz schlimm, so finde ich, ist es auf der Berrenrather Straße….. Vor dem Alnaturladen… Die Leute sollte man des Veedels verweisen….. Die gehören hier nicht hin, ist jetzt meine persönliche Meinung….” -  “DA GEBE ICH DIR RECHT” – “Danke !!! Da sind wir ja einer Meinung…. Viele andere aus dem Veedel denken ebenso…. Aber gegen eine solche Flut von Immi’s kann man nicht machen.”

An anderer Stelle wird dann nochmal genauer erklärt, was es mit diesen “Öko-Immi’s” auf sich hat:

“Öko: Stets Fahrradfahrend auf dem Bürgersteig, schnell pampig werdend. Gegen Auto tretende Fahrradfahrer (speziell Berrenrather Strasse), Menschen die dm Mitarbeitern mit ihren Laktiaeintoleranzen auf den Keks gehen, die jegliche Inhaltsstoffe eines Haarshampoos erläutert haben möchten. Leute die mich als geistig verroht beschimpfen, wenn ich im 12 Apostel ein Fleischgericht bestelle. Menschen die ihre Kinder ganze Regale ausräumen lassen und dann noch frech werden, wenn man darauf hinweist, dass das Kind das bitte unterlassen soll. Das sind Öko’s”.

Und da war ich dann doch wieder ganz froh. Denn ganz offensichtlich bin ich dann doch kein “Immi”, den man, wie an weiterer Stelle gefordert wurde “raus aus dem Veedel” verweisen müsse, weil Sülz von den “Immis dominiert” werde, weswegen es “heute nicht mehr so schön in unserem Veedel” sei. Warum? Na ist doch klar: Ich kaufe eigentlich nie bei Alnatura ein, sondern schräg gegenüber bei Naturata. Aber auch nur einmal in zwei Monaten, ehrlich! Eine Laktoseintoleranz habe ich auch nicht und was in meinem Shampoo drin ist, ist mir relativ egal. Ich bin auch nicht pseudo-intellektuell, sondern eher intellektuell. Reden Leute Kölsch, gucke ich nicht dumm, sondern antworte auf badisch. Und stehen in der Berrenrather Autos in zweiter Reihe auf der Straße, trete ich beim Vorbeiradeln auch nie auf die Tür, wenn mich wieder mal fast einer beim Öffnen der selbigen vom Rad nietet, nein, dann beschimpfe ich ihn einfach als Vollidioten und rufe gegenbenfalls, falls er mich doch erwischt haben sollte, die Polizei. Wenn ich dann noch leben sollte, weil ich in der Zwischenzeit nicht von einem anderem Auto auf der Straße liegend überfahren wurde.

Ob ich besser bin als alteingesessene Sülzer, weiß ich auch nicht. Zumindest kann ich mich verbal besser als einige von ihnen ausdrücken und weiß zum Beispiel auch, dass man “Imi” mit einem “m” und im Plural ohne Deppenapostroph schreibt. Und ich weiß auch, dass man man sich in Köln nur dann Kölner nennen darf, wenn man in der dritten Generation hier lebt. So wie die meisten der jungen Türken in Mülheim zum Beispiel.

Also die Türken übrigens, gegen die Gruppierungen wie die fürchterlichen Typen rund um “Pro Köln” so mobil machen und deren Äußerungen auf Facebook die Betreiberin der Sülz-Seite, die so gegen die “Immi’s” und die “Öko’s” hetzt, gerne mit einem “Like” versieht. Aber das ist eine andere andere, gruselige Geschichte. Ich muss jetzt auch los, durch die Straßen laufen und in einem Sülzer Supermarkt noch was einkaufen. Nicht, weil ich Sülz so phantastisch finde übrigens, sondern weil ich hier halt einfach zuhause bin. Meine Heimat aber ist woanders.

P.S. Die meisten Sülzer, die ich mittlerweile persönlich kennengelernt habe, sind übrigens sehr nette Menschen. Und die Kölner auch!

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§ 25 Responses to Köln, Sülz und die Sache mit den Imis und den Pimmocks"

  • Die @Frau_Elise schreibt über “Imis” und “Pimmocks”: http://t.co/6qes2YWf

  • drikkes sagt:

    Die Vermischung von Fremdenverachtung und Gentrifizierunggegenerschaft ist schon eine fiese Kombination. Der Prenzlberger Schwabenhaß läßt grüßen!

    • Frau Elise sagt:

      In Sülz ist das besonders ausgeprägt – viele der alten Häuser aus den 50ern und 60ern werden hier gerade renoviert, wo man hinguckt sind Baustellen – und natürlich werden die Wohnungen dann teurer als vorher verkauft oder vermietet, klar, die Wohnugn ist ja dann auch mehr wert. Das führt bei einigen Alteingesessenen wohl zu Neid. Kann man auf dieser einen Seite auch ganz gut nachlesen – das ist eines der Argumente, was da immer genannt wird: “Die Neuen nehmen uns die Wohnungen weg, die wir uns nicht leisten können”. Ist blöd, klar, aber wer in eine neurenovierte oder gebaute Wohnung hier in Sülz zieht, tut das ja seltenst, weil er anderen was wegnehmen will…

      • drikkes sagt:

        Gentrifizierung als reines Neidproblem abzutun, greift dann doch etwas zu kurz. Aber da man wenig gegen ihre negativen Effekte ausrichten kann, sollte man sie halt einfach hinnehmen. So ist der Kölner halt, er wäre ja auch nicht glücklich, wenn er bei aller Fußballiebe nicht über den FC meckern könnte.

      • kluelz sagt:

        Ja, Sülz gehört derzeit zu den absoluten IN-Vierteln von Köln und auch die darin begründete erhöhte Nachfrage nach Wohnungen sorgt für höhere Mieten bei Neuvermietungen. Nur solche Tendenzen gab es immer schon und das wird sich auch irgendwann einmal wieder ändern und plötzlich ist Deutz und auch Kalk hyper in. Schon in Romanen aus dem 19. Jahrhundert las ich von solchen Tendenzen in Paris. Da werden die Altbauten plötzlich restauriert und die Schickeria zieht ein.

        Dass es hier weiterhin einigermaßen gemischt zugeht, dafür sorgen die Genossenschaften und Genossenschaftsbauten mit übrigens auch sehr schönen und aber preiswerten Wohnungen, gibt es ja auch noch und nöcher in Sülz und auch Klettenberg. Und das ist auch gut so.

  • kluelz sagt:

    Also ich wohne ja nun schon relativ lange in diesem Sülz — fast 14 Jahre –, als Imi, klaro. Und diese Art von Sülzern, die Du beschreibst, habe ich auch erst vor kurzem kennengelernt und zwar zeitgleich mit Dir. Ich denke ja, das sind vereinzelte Ausnahmefälle, die es nahezu überall geben dürfte. Auf kölsch heißen die auch Kraat, auf hochdeutsch Spießbürger. Nur wenige haben nach meiner Einschätzung eine zugleich ziemlich rechts orientierte politische Gesinnung.

    • Frau Elise sagt:

      Solche Leute gibt es überall, dass Menschen aber so viel Tamtam um ihr Stadtteil machen, habe ich selten erlebt. Allein schon immer die Diskussionen darum, wo denn nun genau Stadtteilgrenzen verlaufen. In Sülz ist das alles schon ein bisschen sehr speziell und ich frage mich, warum eigentlich. Sülz bietet eine ganz gute Lebensqualität, ja, gerade durch die guten Einkaufsmöglichkeiten, gut ist auch die Nähe zum vielen Grün. Aber “schön” in dem Sinne ist es hier nicht und ein spezielles Flair wie beispielsweise die Südstadt hat Sülz auch nicht.

      • kluelz sagt:

        Je nu, das mit dem Flair — eigentlich mag ich das Wort nicht — ist nicht ganz so offensichtlich wie in der Südstadt, aber durchaus im Vergleich mit anderen Stadtteilen vorhanden. Wo sich dieses Sülz nun genau befindet halte ich schon für interessant, immer wieder darüber diskutieren — da gibt es auch nix zu diskutieren — würde ich allerdings auch nicht wollen.

        Ansonsten möchte ich mit suelz-koeln.de eigentlich gar kein Tamtam machen, sondern einfach berichten. Unsere Lokalpresse schafft nämlich längst nicht alles Berichtenswerte, wenngleich immer mehr. Und da wo die Berichterstattung in der Lokalpresse aufhört, wollte ich ergänzen. Zwischenzeitlich schaffe ich allerdings auch längst nicht mehr alles. Wird irgendwie immer mehr.

        Ich mache das, weil es mir Spaß macht, jedenfalls meistens. Die Kölner Südstadt hat übrigens auch eine Stadtteilseite, nein eigentlich sogar eine Stadtbezirksseite, die ich sehr schätze: http://www.meinesuedstadt.de/ Die haben zwar viel später begonnen als ich, haben es aber, da dort sogleich eine Reihe von Profijournalisten zugange sind, es in nur zwei Jahren zu erheblich mehr Reputation gebracht.

        Dass ich, als ich zurück nach Köln zog, nach Sülz kam, war eher Zufall. Gesucht hatte ich auch in einigen anderen Stadtteilen, darunter auch in der Südstadt. Wer weiß, vielleicht hätte ich dann auch einen Südstadtblog eröffnet und wäre von den heutigen Betreibern “überrannt” worden. ;-)

        Begonnen hatte ich ja einfach mit einer Fotogalerie aus Sülz-Klettenberg. Die Idee dazu kam mir, als ich während einer Autofahrt in einem Radiofeature von einem Fotografen die Empfehlung hörte, dass die Menschen mehr ihre unmittelbare Umgebung fotografieren sollten. Sobald sie auf Reisen gingen entstünden hunderte von Urlaubsfotos und ihre unmittelbare Umgebung fotografierten sie in aller Regel nicht und hätten damit auch später keine umfassende Erinnerung daran. Und ja, er meinte auch, dass man seine Wohnung dokumentieren solle für später. Das hingegen meide ich eher und beschränke mich auf unseren Doppelstadtteil.

        Also das war 2005, als ich damit loslegte, durchaus ungewöhnlich und irgendwie neu. Auch sowas wie bilderbuch-koeln.de startete erst beträchtlich später. Heute hingegen postet ja fast jeder auf Twitter, Facebook & Co. Fotos von privatesten Angelegenheiten.

        • Frau Elise sagt:

          Wie auch immer, mir ist das Beschriebene hier in Sülz einfach aufgefallen, ich kannte das in dieser Form von den Orten, wo ich bisher gelebt habe, nicht. In Konstanz beispielsweise würde man sich nie darüber unterhalten, ob man nun in Petershausen oder im Königsbau wohnt und wo nun genau das Berchengebiet anfängt. Das ist da einfach nicht so wichtig. Dafür hat man da andere Themen – die Schweizer und die Schwaben beispielsweise :)

          • kluelz sagt:

            Ja, aber diese ultralokalen Blogs sind ja auch relativ neu. Konstanz ist einfach noch nicht soweit. *g

          • Frau Elise sagt:

            Quatsch. Da gibt es mehrere – Dornröschen, Seemoz, See-online zum Beispiel. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl sind es es sogar mehr pro Leser. See-online gibt es erst seit zwei oder drei Jahren, die anderen deutlich länger, so um die fünf Jahre müssten es jeweils mindestens sein. übrigens alle von gestandenen Journalisten geführt.

            Der Unterschied ist höchstens, dass es weniger Artikel über Veranstaltungen oder Geschäfte gibt wie jetzt bei Dir oder der Südstadt-Seite, weil man weniger PR, sondern eher über Stadtgeschehen oder Stadtpolitik schreibt. Das liegt sicher auch daran, dass es deutlich mehr und deutlich bessere Wochenzeitungen und Stadtmagazine gibt als in Köln, in denen allgemeine Infos zum Kulturgeschehen oder über den Einzelhandeln abgefeiert werden – E1NS, der Konstanzer Anzeiger, Qlt, akzent, seehas, Kulturmagazin, usw. Das Kölner Wochenblatt zum Beispiel, dass ich einmal pro Woche finde, lese ich nie, weil da einfach nichts drin steht, um Unterschied zu den Konstanzer Blättern, wo man doch viel Interessantes findet.

            Aber: Es ging hier eigentlich nicht um Dein Blog oder Kölner Stadtportale, sondern darum, wie Kölner mit ihren Imis umgehen… :)

  • Alexander sagt:

    Der Kölner ist halt der toleranteste Mensch der Welt, solange man nicht aus Düsseldorf kommt, auf der anderen Rheinseite lebt (Deutz! Mülheim!) oder von sonst woher kommt. Solange man immer schon auf derselben Straße (besser noch: auf derselben Straßenseite) wohnt wie der Kölner, ist man sofort beste Freunde.

  • “Kraat” gibt’s leider überall. RT @function: Die @Frau_Elise schreibt über “Imis” und “Pimmocks”: http://t.co/wcxNYjnG

  • kluelz sagt:

    Ich wüsste letztlich keinen Ort auf der Welt, an dem man tatsächlich mit allen dort anzutreffenden sich verstehen kann oder mag, also außer bei mir zuhause oder bei Einladungen bei guten Freunden/Bekannten. Wo man sich nicht wohlfühlt, da geht man doch einfach nicht mehr hin, zumal, wenn es massig Gelegenheiten gibt, sich an Orten aufzuhalten, an denen man sich wohlfühlt und wo man mit den Leuten zurecht kommt und umgekehrt. Dass ich nach 14 Jahren erstmalig auf eine derartige Gruppierung stieß sagt ja nun auch einiges, zumal wenn man bedenkt, dass ich zuvor schon einmal 8 Jahre in Köln wohnte, in denen mir solche Begegnungen völlig erspart blieben.

    Absolut frappierend hingegen finde ich ja, dass sie wieder Fotos und Texte klaut, wenngleich nicht bei uns. Z.T. steht dabei, dass sie diese mit freundlicher Genehmigung veröffentliche, was ihr geglaubt sei, z.T. scheint sie nicht zu wissen, dass man Fotos von Wikipedia nur unter Hinweis auf die dort benannte Lizenz veröffentlichen darf und die Angaben in der Lizenz darüber hinaus berücksichtigen muss. Sie scheint darauf zu vertrauen, dass diejenigen, die sie kürzlich beschimpfte, sie schon nicht verraten werden oder gar nicht merken, woher sie die Sachen hat. Generell gilt eigentlich: Gutes Foto = geklaut, schlechtes Foto = selbst gemacht.

    Was mich betrifft hat sie sogar recht. Ich verpetze selbst solche nicht, die mich beschimpfen oder etwas verdreht darstellen. Sie habe mich sogar besucht um die Sachen mit mir gemeinsam zu löschen, hieß es da kürzlich in einem später gelöschten Thread. Das ist zwar halbwegs korrekt, doch eigentlich hätte es heißen müssen, dass ich mich bereit erklärte und ich die Zeit opferte, die Sachen bei mir mit ihr gemeinsam zu löschen, weil sie es selbst sogar nach einer Vielzahl von Tagen allein nicht schaffte, weil sie eine Weile im Krankenhaus nur auf ihr Smartphone zurückgreifen konnte, wegen Umzugs danach noch kein DSL zur Verfügung hatte und letztlich auch gar nicht mehr wusste, was und wo sie überall geklaut hatte. Da ich vermeiden wollte, dass da die Geduld von solchen, deren Urheberrechte dort verletzt worden waren überstrapaziert wurden, bot ich mich an, was sich dann später so anhörte wie beschrieben.

    Bei ihren ersten neuerlichen Verstößen mailte ich sie gar an. Es hieß, dass sie in einem Fall die Erlaubnis für den unglaublich schlechten Scan habe, der dann aber ulkiger Weise verschwand und in einem anderen Fall folgte letztlich tatsächlich ein eigenes, schlechtes Foto nach Löschung des geklauten.

    Und statt dass sie mal in der Gruppe erklärte, wie viel sie da geklaut hatte und von wem, schrieb sie nebulös, dass die Gruppe ja gar nicht nachvollziehen könne, was da im Hintergrund so alles gelaufen sei bis hin zu Unterlassungserklärungen. Zu einer solchen an eine andere Person und von sich aus ohne Aufforderung hatte ich sie überredet um damit ggf. zu erreichen, dass der Streitwert im Falle, dass man sie ans Schlafittchen nehmen würde, sich in einem bezahlbaren Rahmen bewegt, wie ich bei einem Anwalt um sie zu schützen für sie abklärte.

    Statt einem Dank wegen der überaus nachsichtigen Behandlung ihrer Person, scheint sie nun wohl zu meinen, dass sie nun ja wisse, wie sie reagieren müsse, wenn sie nochmals erwischt werde ohne zu Bedenken, dass keinesfalls alle in ihrem Urheberrecht verletzten derartige Nachsicht an den Tag legen.

    • Frau Elise sagt:

      Ja, das ist mir auch schon aufgefallen, dass wohl wieder Texte, Bilder und sogar Logos von anderen Leuten als eigene ausgegeben werden. Wie gesagt, finde ich nochmals etwas von mir, schicke ich kommentarlos eine saftige Rechnung.

  • captainnora sagt:

    Mit einem Schmunzeln, das sich im laufe der Zeit zu einem breiten Grinsen entwickelt hat, habe ich den Text gelesen….Ich als Kölner (born and raised) von der vornehmlich als “falsche” Rheinseite bezeichneten Stadthälfte stammend….bin froh das man es auch mit Humor nehmen kann…Ich liebe meine Stadt aber es gibt tatsächlich ne Menge Idis, nicht “Imis”, hier :D….Danke für den herzerfrischenden Anpfiff ;)

  • LinaLuna sagt:

    Hm. In Düsseldorf hab ich sowas noch nie erlebt!! :)

    • Maik sagt:

      Aus Lübeck nach Köln und zurück nach Hamburg bin ich nun gezogen und ich muss sagen es ist doch überall sehr ähnlich. Gut in Lübeck gibt es diese Stadtteilgezanke nicht dafür ist die Stadt zu klein und die Lübecker vielleicht zu abgeklärt.
      Was ich in Köln kennen gelernt habe gibt’s auch hier in Hamburg. Vielleicht nicht mit so einem hohen Maß an neiderei aber ein wenig Stadtteilpatriotismus ist hier auch vorhanden, wenn auch nicht so stark ausgeprägt wie in Köln! Was mir auch sehr stark auf viel ist die hartnäckige Intoleranz und inaktzeptanz dem anderen Stadtteil (ich sag nur Lindenthal) der anderen Rheinseite, der Stadt Düsseldorf und letztendlich der ganzen restlichen Welt gegenüber. Nicht umsonst ist ein echter Kölner noch nie auf der schäl sik und im Ausland gewesen!

  • [...] “Köln, Sülz und die Sache mit den Imis und den Pimmocks” erzählt davon, wie Kölner und Nicht-Kölner miteinander leben und von Sülzern, die ihr ganz eigenes verqueres Weltbild pflegen [...]

  • [...] ich mir gemacht, nämlich über den Stadtteil, in dem ich lebe, denn hier geht es teilweise auch ein wenig merkwürdig zu, denn mit den “Fremden” hat man es hier nicht immer so. Im November schließlich [...]

  • Ti Na W sagt:

    Sehr erfrischend. I hob denkt, des gibts nua in Bayern. Do bin i nämlich der Preis.

    Lustig, ich habe gedacht, dieses Verhalten sei bayrisch, aber offensichlich gibt es das überall….

  • Marion sagt:

    Übrigens, die Übersetzung “Kraat” = Spießbürger stimmt so nicht, obwohl sie im Kölsch-Worterbuch online so zu finden ist. Unter alteingesessenen Kölnern ess en Kraat ein primitiver, sehr gewöhnlich auftretender Mensch.

    Vielleicht muss man auch Kölner sein, um zu verstehen, dass die Neckereien zwischen Köln und Düsseldorf, rechts- und linksrheinisch, Imis und “echten” Kölnern absolut nicht ernst zu nehmen sind.

    Herzliche Grüße aus dem Agnesviertel :)

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