Was mit Wolle

Oktober 29th, 2012 Kommentare deaktiviert

Manchmal stelle ich mir vor, ich würde Schluss machen. Einfach so, von einem Tag auf den anderen. Ich würde den Rechner vom Balkon über den vier Meter hohen Kirschlorbeer in den Garten von Doktor Socke nebenan werfen. Danach würde ich das Handy wie in diesem Filmchen bei Youtube in den Blender stecken und es innerhalb von Sekunden zu kleinen schwarzen Metall- und Kunststoffflocken zerschreddern. Im Garten würde ich außerdem ein riesiges Lagerfeuer entfachen und die fünf oder sechs Packen Papier, die ich im Büroschrank lagere, sowie alle Notizblöcke und Notizbücher darin verbrennen, anschließend würde ich alle Stifte, die ich besitze, unter den Hortensien vergraben.

Und ich hätte endlich meine Ruhe, denn ich müsste nicht mehr schreiben, keine Mails, keine Tweets und keine Facebook-Updates mehr, keine Blogartikel und keine Texte mehr für Leute, die damit Dinge verkaufen wollen, bei denen ich im Leben nicht darauf käme, sie besitzen zu wollen. Dann würde ich in die Stadt fahren und mir einen riesigen Berg Wolle kaufen. Wolle in allen Farben, die man sich nur irgendwie vorstellen kann. Wolle zum Häkeln und zum Stricken, außerdem eine Sortiment an Strick- und Häkelnadeln in allen Stärken mit Griffen aus Bambus, Metall, Kunststoff oder regenbogenfarbenem Holz. Und dann ginge es los. Ich würde gestreifte Kissen in Grüntönen häkeln und Vasenschoner im Color-Blocking-Look. Riesige Schals würde ich stricken, die man sich vier Mal um den Hals wickeln kann.

Bezüge für Wärmflaschen, Hüllen für Handys und iPads (von anderen Leuten, ich hätte ja beides nicht mehr), Blumen in Regenbogenfarben für Baumsocken, Körbe, Teelichter, Stuhlbezüge und Decken würden außerdem in meinen Händen entstehen. Vielleicht würde ich auch damt beginnen, irgendwelche Fähren einzuhäkeln. Und Etiketten würde ich mir machen lassen, die ich auf alles, was ich so mit dem Berg Wolle machen würde, nähen würde und vielleicht würde da einfach “Gemacht mit Liebe von @Frau_Elise” drauf stehen. Und natürlich würde ich auch geringelte Tassenwärmer häkeln. Denn es tut gut, ab und an reale Dinge zu machen, Dinge, die man anfassen kann und die dabei nicht immer einen Sinn haben müssen. Dinge, die einfach nur das sein können, was sie sind, nämlich bunt und schön.

Aber das ist natürlich Quatsch. Natürlich mache ich mit dem Schreiben nicht Schluss. Die Wolle aber habe ich mir natürlich trotzdem vor ein paar Wochen gekauft und in Gemacht mit Liebe kann man ganz bald gucken, was daraus so wird.

(Nachtrag: Das Blog war bisher bei WordPress gehostet, zieht aber in den nächsten Tagen auf diese neue und eigene Domain um)

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