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  1. Was die Kritik am Zeitpunkt angeht, kann man das ja auch so sehen: Man lässt sich sowas gefallen und steckt es weg und dann hört man auf einmal, wie jemand, der einen sexuell belästigt hat oder sich eindeutig sexistisch geäußert hat, zum Parteivorsitzenden gewählt wird und dankt sich dann: „Nein. Jemand, der so etwas tut, sollte nicht Parteivorsitzender sein.“

    Natürlich schadet es Brüderle jetzt besonders, aber das soll es vielleicht auch. Und natürlich, wie du richtig schreibst, zu einem anderen Zeitpunkt wäre der Vorwurf vermutlich verpufft und hätte für wenig Aufmerksamkeit gesorgt. So ist man jetzt gezwungen, sich damit auseinander zu setzen.

  2. Es lief darauf hinaus, dass sie meinte, man solle manche Situationen nicht zu eng sehen als Frau und damit etwas lockerer umgehen, da man sich ja ansonsten in eine Art Opferhaltung begeben würde.

    Diese Verknappung, liebe Daniela, nehme ich Dir persönlich übel, denn ich habe mit Sicherheit niemals irgendwo gesagt, „Frauen sollen das mal nicht so eng sehen und sich lockerer machen“.

    Im Gegenteil: ich habe oft genug darauf hingewiesen, dass jeder unterschiedliche Grenzen hat. Und dass natürlich auch „feinere“ Grenzen eingehalten werden müssen.
    Ich habe lediglich gesagt, dass auf so viele Unterschiede eingegangen werden muss, sie berücksichtigt und thematisiert werden müssen, und nicht kurzerhand die feinste Sensoreinstellung zu einem allgemeingüligen Regelwerk führen kann.

    Um unserer virtuellen Freundschaft Willen, die bisher, wie ich glaube, von gegenseitigem Respekt und vielleicht sogar so etwas wie Mögen geprägt war, hoffe ich, dass Du das nur aus Deiner Empörung heraus geschrieben hast.

  3. Nein, explizit so formuliert hattest Du es nicht, aber das war das, wie ich die Diskussion bei FB verstanden hatte – ich fand die Argumentation einfach nicht gut – Hinterherpfeiffen und auf den Busen starren ist in meinen Augen als sexuelle Belästigung zu verstehen. Die Art, wie man das persönlich wahrnimmt, ändert das nicht, auch nicht die Art, wie man damit umgeht – wenn man das, wie Du in der Diskussion eher locker nimmt oder sich darüber freut, wenn es vielleicht jemand macht, den man attraktiv findet. Und genau diese Haltung impliziert das für mich: Wer das als Belästigung empfindet, soll doch einfach seine Haltung dazu ändern im Sinne von „sich nicht so haben“.

    Dass ich anderer Meinung in diesem Thema bin als Du, bedeutet für mich nicht, dass ich Dich deswegen weniger mag als vorher oder weniger respektiere – ich sehe das einfach nur anders und es ist mir wichtig, das zu sagen, weil ich den Eindruck hatte, mit meinem letzten Artikel, bzw. diesem Zitat von mir falsch verstanden zu werden. Das Thema ist einfach sehr wichtig und je mehr darüber diskutiert und gestritten wird, um so besser. <3

  4. Wie ich Dir drüben bei Facebook schon schrieb, halte ich die Einstellung „Frauen müssen sich nur mal locker machen, is‘ doch alles nicht so schlimm“ für brandgefährlich und zutiefst frauenverachtend.

    Hier zu lesen, dass ich das so oder sehr ähnlich gesagt haben soll, hat mich vorhin sehr verletzt und einfach Rot sehen lassen. Danke, dass Du das richtiggestellt hast.

    Die Tatsache aber, dass Du mich SO VERSTANDEN hast, zeigt mir, wie unfassbar wichtig es ist, in dieser Debatte in jeder Sekunde auf seine Worte zu achten. Es kann einfach zu viel kaputtgehen.

    Danke, Daniela. <3

  5. Über das persönliche Empfinden, was Sexismus bzw. sexuelle Belästigung ist und die daraus resultierende unterschiedliche Wahrnehmung habe ich auch mal einen Blogartikel verfasst:

    http://nur-miria.blogspot.de/2013/02/unterschiedliche-wahrnehmungen.html

    Ich persönlich glaube nämlich, dass das das häufigste Problem in der Diskussion ist, warum so viele Menschen dabei aneinander geraten.

    Auch du schreibst, selbst wenn es jemandem gefällt, dass hinerhergepfiffen oder auf die Brüste geguckt wird, ist es trotzdem sexuelle Belästigung. Das sehe ich anders: In der Situation, wenn zwei Menschen übereinstimmend zusammenkommen, ist das doch ein Kompliment oder vielleicht der Start eines Flirts.
    Ich glaube, dass es objektiv gar nicht möglich ist zu entscheiden, was ok ist und was nicht, da jeder Mensch das anders wahrnimmt.
    Ich möchte einer Frau, die sich durch länger Blicke in ihr Dekoltee belästigt fühlt, nicht ihre Wahrnehmung absprechen, aber doch genausowenig einer Frau, die sich darüber freut.

    Viele Grüße,
    Miria

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