Köln halt

Wie mir ein Kandidat der AfD mit Schlägen drohte

Vorhin in der Sülzburgstraße unterwegs zum Einkaufen, wie immer mit dem Fahrrad. Das muss abgestellt werden und das tue ich wie immer neben der alten Telefonzelle vorm Kaffeeröster. Zwei Stände stehen heute dort: Der eine vom Kölner Stadtanzeiger und der andere von der AfD. Als ich das Rad abschliesse, kommt ein Mann vom Wahlstand auf mich zu und spricht mich an. Um die 70 ist er, graues kurzes Haar, unauffällige Erscheinung soweit. Ich lehne dankend ab und sage, dass ich mich nicht mit ihm unterhalten möchte, dann kümmere ich mich weiter um mein Rad, das Gespräch ist für mich beendet. Nicht aber für den Mann, denn der kommt nun noch näher und meint, leicht grinsend: Ach, warum denn nicht, irgendwann kämen doch sowieso alle zu ihnen. Also sage ich nochmals: Danke, nein, ich habe kein Interesse. Und ergänze: Ich wähle außerdem keine Nazis.

Nun flippt der Mann aus, der Satz passt ihm offensichtlich so gar nicht. Ganz nah kommt er auf mich zu, baut sich auf und hebt seine Hand zu einer drohenden Gebärde, als wolle er in der nächsten Sekunde in mein Gesicht schlagen. Recht laut fragt er nun: Was ich da gesagt habe? Ob ich ihn etwa als Nazi bezeichnet habe? Dabei fuchtelt er drohend mit seiner Hand vor mir herum und sagt: Wenn Sie das nochmal wiederholen, schlage ich.

Sein Kollege ist auf die Situation aufmerksam geworden und kommt nun dazu. Aber nicht, um mir aus dieser bedrohlichen Situation zu helfen, indem er seinen Mitstreiter um Contenance bittet. Nein, wortlos steht er einfach nur neben ihm. Ich ziehe es auch vor, nichts zu sagen, ich habe keine Lust auf eine blutige Lippe. Und ich bin mehr als verblüfft: Hier hat eben ein Mann sein wahres Gesicht gezeigt, von der Fassade, die er kurz zuvor noch am Stand als freundlich lächelnden Opi gegeben hat, ist nichts mehr übrig.

Man droht niemandem mit Schlägen, nur weil er sagt, dass er keine Nazis wählt. Man droht niemandem mit Schlägen, weil er politisch anders denkt.

Die Situation löst sich nun ganz schnell auf. Ich glaube, nicht etwa, weil ihm bewusst wird, dass man Frauen nicht öffentlich mit Schlägen droht. Sondern viel mehr, weil ihm auffällt,, dass es vielleicht nicht so ideal ist, wenn jemand am Vortag der Wahl in einer solchen Situation gesehen wird.  Ich kümmere mich also wieder um mein Rad, zupfe meinen Schal zurecht und gehe grinsend an ihm vorbei. Ich fühle mich gut. Angst hatte ich keine und hätte er mich wirklich geschlagen, es wäre egal gewesen. Dieser Mann hate einfach nur sein wahres, schäbiges Ich gezeigt.

Eine halbe Stunde später komme ich zurück und als ich mein Rad aufschliesse, kommt nun eine der AfD-Frauen auf mich zu und will mich ansprechen.  Ich sage freundlich: Danke, nein, nachdem Ihr Kollege mir vorhin erst noch Schläge angedroht hat, bin ich nicht interessiert. Sie grinst hilflos und weiss nicht so recht, was sie tun soll. Nun kommt der Sekundant von vorhin dazu und meint: Naja, er habe die Situation vorhin aber ganz anders wahrgenommen. Ich hätte sie ja als Nazis bezeichnet. Ich muss ihn erstmal aufklären, dass ich niemanden als Nazi bezeichnet, sondern den Satz „Ich wähle keine Nazis“ gesagt habe. Und selbst, wenn ich ihn doch als Nazi bezeichnet hätte: Man drohe niemandem mit Schlägen.  Dann gehe ich.

Daheim kann ich auf der Website der Afd Köln den Mann namentlich identifizieren. Wer ihn wissen möchte, kann sich gerne bei mir melden.