Kategorie: gereist

Stories and Places

Vorgestern erhielt ich morgens eine E-Mail von Volker: Ob ich nicht Lust hätte, mal auf der neuen Plattform “Stories and Places” vorbeizuschauen und mitzumachen: Auf einer interaktiven Landkarte kann man Links zu Blogartikeln setzen, die sich mit diesem Ort beschäftigen. Die Idee dahinter: Im Dezember wurde in vielen Blogs über verschiedene Städte und Stadtteile berichtet – warum diese alle nicht auch auf einer Landkarte sammeln, um dort virtuelle Spaziergänge und Reisen quer durch Deutschland, aber auch durch andere Länder zu unternehmen, um zu schauen, welche Geschichten es zu welchen Orten gibt. Eine tolle Idee! Viele Blogger haben gestern und vorgestern bereits fleissig Artikel verlinkt (bei mir selber waren es ungefähr 30 und ich bin noch nicht mal fertig, obwohl ich nur eine Auswahl verlinkt habe), aber da geht natürlich noch ein bisschen was…  also guckt vorbei und macht mit – und macht auf dieses großartige und unkommerzielle Projekt aufmerksam!

Initiiert haben das Projekt Volker, der unter Koffiepauze bloggt und als “Der Graf” twittert sowie Jana, die unter Kittykoma bloggt und als Miz Kitty twittert.

Wolle schie bummse?

Für das Buch 63,75 – 63 Menschen schreiben über 75 Orte, Objekte, Sachverhalte in Wiesbaden” habe ich auch einen Beitrag geschrieben und ich bin überaus stolz darauf, dass ich das machen durfte. Mein Text handelt von der Holländischen Straße in Wiesbaden, in der ich selbstverständlich noch nie gewesen bin. Wie alle Autoren habe ich einfach ein Foto von “meinem” Ort bekommen und mir dazu dann etwas ausgedacht. Das ist daraus geworden:

Die Holländische Straße ist eine von diesen Straßen, die keiner kennt, nicht einmal der Taxifahrer, der einen dorthin fahren soll. „Holländische Straße? Kenn ick nich, jibtet nich, fahrense woanders hin. Nich? Na denn steigense ma schnell wieda aus, die Dame!“ würde er sagen, wäre man in Berlin. Aber man ist ja nicht in Berlin, sondern im beschaulichen Wiesbaden. Also würde man seufzend das Handy aus der Handtasche kramen, den Weg googeln und dem Fahrer erklären, wie er fahren muss.

Raus nach Kohlheck würde es gehen, an den Stadtrand von Wiesbaden, also dahin, wo kurz danach das große Nichts anfängt. Eine kleine Nebenstraße ist sie, die Holländische Straße, und durch die fährt man nicht einmal, wenn man zum 1. SC Kohlheck 1951 e.V. will, um sich ein Fußballspiel anzugucken. Oder vielleicht in den Kohlhecker Waldkindergarten Zappelphilipp oder in die Freie Christliche Schule Wiesbaden am Waldrand, die aussieht wie ein Knast. Reihenhäuser stehen hier, eins wie das andere, kleine Würfel in Brauntönen. Hier ein bisschen Holz, da ein  bisschen Klinker, Küchenfenster und Türe im Erdgeschoss, ein kleines und ein großes Fenster im oberen Stockwerk, darüber ein Flachdach. Holländischer Stil nennt sich die Bauweise, platzsparend, kantig, zweckmäßig und ein bisschen verspielt, in den 90ern war das modern, heute wundert man sich über die Enge. Lange Gärten nach hinten und kleine Vorgärten mit Jägerzaun nach vorne raus, vor den Türen stehen Gummistiefel, Fahrräder und Tontöpfe mit Tulpen und vor dem Jägerzaun der Kleinwagen. „Und samstags wird der Rasen gemäht“, denkt man belustigt.

Man würde den Fahrer bezahlen, aussteigen und ein paar Schritte durch die Straße laufen. In den Bäumen zwitschernde Vögel und ein leichter Wind, der sanft den Kirschlorbeer in den Vorgärten streichelt, auf der andere Straßenseite eine Frau mit Dackel, die irgendwie ein bisschen wie Marijke Amado aussieht. Und auf einmal hätte man diesen unheimlich leckeren Duft in der Nase, gebratenes Fleisch und irgendwas Frittiertes. Da kocht jemand, würde man denken und die kleinen Fenster in den Erdgeschossen absuchen und sich darüber wundern, dass hier keiner Vorhänge hat, so dass man durch die Wohnungen bis in die Gärten hindurch gucken kann. In einer der Küchen würde man eine Frau am Herd sehen, mit dicken geflochtenen blonden Zöpfen, einer komischen Mütze, einer blauweiß-gestreiften Bluse und einem roten Halstuch, und sie würde lachend das Fenster öffnen und rufen „Hunger? Dann iss mit uns! In zehn Minuten gibt es Essen!“ Zwei kleine blonde Kinder mit Holzpantoletten an den Füßen würden einen in den Garten führen, in dem unter einem blühenden Apfelbaum ein langer, gedeckter Tisch mit buntem Plastikgeschirr steht. „Komm, wir holen Opa!“, würden die Kinder dann sagen und einem links und rechts eine warme Hand reichen und zu dritt würden wir so durch die kniehohe Wiese durch den Garten laufen, um Opa zu holen.

Am Ende des Gartens, ganz versteckt und von der Terrasse aus nicht zu sehen, würde ein alter Wohnwagen mit offener Tür stehen, davor unter einem bunt getupftem Sonnenschirm zwei Männer auf Klappstühlen, die sich kichernd miteinander unterhalten. Der eine um die 80, recht groß, schlank, graues langes Haar und eine seltsam dicke Zigarette in der Hand, der andere vielleicht Mitte 60, etwas kleiner, rundlich und mit Vollbart, in der Hand eine Plastikflasche Erdbeer-Slimfast. „Hm, leeeckkkerrr!“ würde er rufen und einen tiefen Schluck aus der Flasche nehmen. Dann würde man feststellen, dass das ja Rudi Carrell und Harry Wijnvoord sind und bevor man sich darüber wundert, würde Rudi einen angucken und kichernd sagen: „Harry kriegt halt immer so einen Durst von der Kifferei!“ und dann würde Harry kichernd sagen: „Rudi, das Zeug ist zwar scheiße, aber es schmeckt wirklich verdammt leckkkkerrrr!“ und Rudi würde mich angucken und fragen: „Wolle schie bummse?“ und eines der beiden kleinen Kinder würde entrüstet sagen „Opa, Du sollst das doch nicht dauernd sagen!“ und ich würde das Angebot höflich ablehnen und fragen, ob ich stattdessen nicht lieber mitrauchen könnte. „Klar, setz Dich zu uns! Es ist herrlich hier!“ würde Harry rufen. „Ein Paradies! Nebenan wohnen die de Mols, zwei Häuser weiter Herman van Veen und einmal pro Woche gehe ich mit Sylvie und Marijke zur Pediküre! Und Antje kocht ab und an für uns! Keine nervigen Fans, denn niemand weiß, dass wir alle hier wohnen, unsere Straße kennt nämlich keine Sau, denn so wie wir will ja keiner wohnen. Und dass Rudi noch lebt, weiß auch keiner!“ Und Rudi würde am Joint ziehen, dann Harry angucken und fragen: „Aber schie, wolle schie bummse?“ und dann würden wir so lange lachen, bis wir keine Luft mehr bekommen würden.

Antje würde uns rufen, dass das Essen jetzt fertig sei und wir kommen sollten. Und dann würde ich an diesem herrlichen Maitag unter einem blühenden Apfelbaum sitzen, zusammen mit Rudi Carell, Harry Wijnvoord, Frau Antje und ihren zwei Kindern, wir würden einen Berg Frikandel, Fritjes und Satesauce sowie eine Kugel Gouda aufessen und hinterher noch ein paar Erdbeer-Slimfast trinken, weil man von der ganzen Kifferei immer so einen Appetit bekommt und abends, wenn es dunkel werden würde, würde Frau Antje die Kinder ins Bett bringen und kleine Kerzen in den Lampions im Baum anzünden. Die van der Vaarts würden rüberkommen, außerdem Marijke Amado und Herman van Veen. Ich würde neben Sylvie sitzen, die ungeschminkt wäre und wunderschön aussehen würde, und sie würde mir erzählen, wie satt sie diese ganze Anpinselei habe und das sei ja alles nur fürs Fernsehen, in Wirklichkeit hasse sie Make Up, aber das dürfe ich keinem erzählen. Und Herman würde seine Gitarre auspacken und ein bisschen was spielen und Marijke würde dazu singen.

Bis tief in die Nacht säßen wir da und ab und an würden wir noch einen Joint rauchen und Antje würde einen Gouda nach dem anderen anrollen und alle würden wir sie aufessen, weil man von der Kifferei ja so einen Appetit bekommt und dazu würden wir Chocomel mit Whisky auf Eis trinken. Vom Fernsehen würden sie erzählen und auch von den Deutschen, die immer in Klischees denken und meinen würden, man müsse alles in eine Schublade stecken können, um es besser zu verstehen und über das, was man nicht verstehen würde, würde man sich halt ironisch lustig machen und dass doch alles viel besser wäre, wenn man das mal bleiben ließe, um statt dessen das Leben mit seinen Mitmenschen zu genießen, eben so, wie es ist. Harry würde noch ein paar Erdbeer-Slimfast holen, die wir mit Gin trinken würden und irgendwann tief in der Nacht würde Rudi Sylvie fragen: „Wolle schie bummse?“ und Rafael würde wütend aufspringen und Rudi Carell eine langen. Fernseh-Ikonen hauen sei zwar nicht so super,  würde er danach sagen, aber meine Frau, die gräbt hier keiner blöd an, nicht mal Rudi Carrell! Rudi würde sich die Backe reiben und „Schulldigung“ nuscheln und Harry würde laut rufen: „Kinder, vertragt Euch wieder, hoch die Gläser! Prost! Auf das Leben!“ Und wir alle, auch Rudi und Rafael, würden miteinander anstoßen und unsere Erdbeer-Slimfast auf Gin herunterkippen. Auf Ex natürlich. Aber so genau weiß ich das alles natürlich auch nicht, denn ich war ja noch nie da, in dieser Holländischen Straße.

Seit dieser Woche ist es im Handel: Das Wiesbaden-Buch der anderen Art, herausgebracht von der Wiesbadener Designagentur Stijlroyal. 63,75 Autoren haben über ein Wiesbaden geschrieben, das es so vielleicht, vielleicht aber auch nicht gibt. Daraus wurde ein grandioses Buch mit vielen wunderbaren, phantasievollen Texten, das ich Ihnen hiermit dringend ans Herz legen möchte:

“63,75 – Das Buch”, 208 Seiten, A3, 1,5 Kilo, ISBN 978-3-00-039713-4, 39,90 Euro.

Weitere Infos hier, das Buch kann außerdem natürlich auch bei Amazon erworben werden.

Tag 23 – Guernsey: Peter Port, der letzte Tag und überhaupt

Der Tag beginnt kühl, es nieselt und am liebsten blieben wir einfach im Bett, doch müde schleppen wir uns trotzdem um halb neun in den Frühstücksraum. Da sitzen sie schon alle, das lesbische Pärchen aus der 24, das Rentnerquartett aus der 17, die beiden Schweizer, von denen ich lange bevor ich ihr schwitzerdütsch gehört hatte, wusste, dass sie aus der Schweiz kommen, wegen seines Zirbelbarts nämlich, mit dem er aussieht wie ein Zirkusdirektor. Und natürlich die Krauses aus Deutschland, er trägt diesmal irritierenderweise nicht grünblautürkisgelblängsgestreift oder gelborangegeblümt, sondern ein schlichtes graues Hemd und darin sieht er so unscheinbar aus, dass ich ihn fast nicht erkenne. Obwohl wir alle seit einer Woche Morgen für Morgen gemeinsam frühstücken, grüßt keiner der anderen, lieber gibt man sich distanziert und nickt sich höchstens nur ganz leicht zu, so leicht, dass es nie ganz klar ist, ob da nun genickt wurde oder nicht und immer ein kleiner Restzweifel bleibt.

harbour peter portWie immer müssen wir eine Weile warten, bis wir unseren Kaffee und die Eier auf Toast ordern können. Zwar flitzen die Servicemädels zuhauf durch den Saal und tragen volle Teller hinein und leere wieder hinaus oder bieten mit missmutigen Gesichtern denen, die ihren Teller mit dampfenden Bohnen, Würstchen, Schinken, Black Pudding oder Tomaten vor sich stehen haben, brown sauce aus silbernen Saucieren an, doch Bestellungen nehmen nur die beiden männlichen Servicekräfte an und wenn, dann so, dass die Bestellung eines Tischs in einem ledergebundenen Notizbuch notiert und in die Küche getragen wird, bevor man an den nächsten Tisch geht, um dort die nächste Bestellung anzunehmen. Es wird also sehr viel gelaufen und daher dauert alles etwas länger und während wir da sitzen und auf unsere Eier auf Toast warten, fühlen wir uns fast wie bei der 100-Meter-Staffel im Stadion. Serviceroboter sind das, meint der Mann, und in der Tat,  unterkühlt und unherzlich ist die Atmosphäre, man hat das Gefühl, allen irgendwie lästig zu sein. Das Paar, das neben uns sitzt, schweigt sich während des ganzen Frühstücks an und als sie stumm aufstehen und den Raum verlassen, atmen wir beinahe ein wenig auf.

Es ist unser letzter Urlaubstag und irgendwie haben wir beide so keine richtige Lust mehr auf Urlaub, nach dem Frühstück heute erst recht nicht. Bis mittags hängen wir im Bett herum und lesen, nachmittags haben wir in Peter Port eine Fahrt auf dem Bumblebee gebucht, ein Motorboot, mit dem man um die Insel geschippert wird. Mit dem Bus fahren wir mittags also in die town und als wir gerade am Hafen herumlaufen, um unser Boot zu suchen und uns über den enormen Tidenhub zu wundern, kommt der Anruf, die Fahrt müsse heute leider ausfallen. Motorschaden, da könne man nichts machen. Wir sind enttäuscht und ratlos, was fangen wir nun mit dem halben Tag an? Nochmal irgendwo anders hinfahren? Im Meer schwimmen? Radeln? Das Castle angucken? Oder doch etwa die Fresien…? Doch irgendwie ist es gut mit der Insel und diesem Urlaub, wir entscheiden uns für einen Lunch in einem der Bistros, laufen noch ein bisschen im Ort herum, trinken irgendwo einen Kaffee und fahren einfach zurück ins Hotel. Es reicht jetzt, wir wollen heim. Irgendwo noch toll essen gehen? Poah, sagt der Mann, wir haben dreieinhalb Wochen toll gegessen, eine Scheibe Vollkornbrot mit Leberwurst daheim auf dem Sofa, das wärs jetzt eigentlich, und er hat Recht. Beides ist hier nicht zu bekommen, also gehen wir doch ein letztes Mal in den netten Pub drei Straßen weiter, The Captains, und da sind sie alle, Urlauber wie wir, die noch etwas essen möchten, und noch mehr Insulaner, die vor der Theke herumstehen und alle trinken ihr Freitagabendbier und lachen und erzählen, dass es eine Freude ist. Drei Gänge essen wir dann doch noch und es schmeckt großartig und danach laufen wir Hand in Hand durch die stockdunklen Straßen, in denen man die Hand vor den Augen nicht sehen kann, zurück ins Hotel und die Sterne leuchten uns den Weg. Naja, und die Handies auch.

Ein großartiger Urlaub war dieser Honeymoon, selten habe ich so viele Dinge in so kurzer Zeit erlebt und gesehen und ich bin voller Eindrücke, Bilder und Gedanken, und schöner könnte ein Start in eine Ehe nicht sein. Und dass wir uns trotzdem nun so auf zuhause freuen, ist genau richtig. Wenn ich mir für unsere Ehe etwas wünsche, dann das: dass wir uns das beibehalten, dass wir jeden Tag ununterbrochen Dinge einander zu erzählen haben. Wie in diesem unterkühlten Frühstücksraum heute Morgen, wie in den ganzen drei Wochen unseres Urlaubs, in dem wir nie länger als eine halbe Stunde voneinander getrennt waren, und überhaupt, wie schon in den drei Jahren, in denen wir bisher zusammenleben, auch.

 

Tag 22 – Guernsey: Strandtag an Vazon Bay

Guernsey Vazon Bay

An Tag 22 wollen wir ans Meer. Im Supermarkt decken wir uns mit Würstchen, Brausebonbons und Reiswaffeln ein und fahren mit dem Bus auf die andere Seite der Insel nach Vazon Bay, einer etwas größeren Bucht mit Sandstrand. Als wir ankommen, sieht es hier etwas enttäuschend aus, es ist Ebbe und bis zum Wasser sind es gute 100 Meter und davor liegen einfach nur eine Menge Steine, Felsen und Tang herum und erst ganz hinten rechts sieht man einen ganz kleinen Streifen vom Meer. Außer uns sind nur ein paar vereinzelte Spaziergänger hier und alle tragen sie warme Jacken und lange Hosen. Wir bleiben, denn der Sand ist warm, die Sonne scheint und der Himmel ist strahlend blau. Und ein paar Stunden später sieht der Strand dann aus wie ausgewechselt: Die Bucht ist nun mit Wasser vollgelaufen, das Wasser glitzert herrlich und ein paar Meter vor uns laufen die Wellen rauschend am Strand aus. Auf der linken Seite der Bucht wird gesurft, einige Leute sind nun auch im Wasser und ein paar Kinder buddeln im Sand, während ihre Mütter dahinter sitzen und miteinander plaudern. Wie im Katalog, denke ich, während ich in den Wellen schwimme.

Am Ende der Bucht taucht ein Flugzeug von den Red Arrows auf, am Flughafen findet heute ein Flugtag statt, bei dem die berühmten Kunstflieger zu Besuch sind. Auf etwa 150 Meter Höhe fliegt der Flieger über unsere Köpfe, von unten sieht man die die blaurote Bemalung, wie die englische Flagge eben, und als er über mir ist, fliegt er steil nach oben und dreht einen langen Looping über das Meer.

Tag 21 – Guernsey: Auf dem Cliff-Path zwischen Saints Bay und Icart Point

An Tag 21 haben wir nicht viel Lust auf große Aktion, also bleiben wir im Hotel und laufen mittags  einfach nur den Weg runter Richtung Saints Bay, wo wir an unserem ersten Tag auf Guernsey schwimmen waren.

Kurz vor davor biegen wir auf den Klippenweg Richtung Icart Point ab und hat man sich erstmal über den steilen Weg nach oben gequält, ist die Aussicht phänomenal. Renoir war irgendwann auch hier und hat eine Menge Bilder von der Bucht und den Klippen bei Icart Point gemalt, wir haben es etwas einfacher und halten alles auf ein paar Fotos fest.

Bei Icart Point gibt es einen kleinen Teagarden, wir essen ein paar Sandwiches zum Lunch, und dann gehen wir einfach zurück ins Hotel und hängen da noch ein bisschen am Pool herum. Mehr muss manchmal nicht sein.

 

 

 

Tag 20 – Guernsey: Port Soif und Grandes Rocques

Und an Tag 20 ist Regen angesagt, also gehen wir nicht an den Strand, sondern beschließen, lieber ein bisschen auf der Insel herumzufahren und zu schauen, allerdings nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Bus, sicher ist sicher. Der Bus hält drei Gehminuten vom Hotel entfernt und fährt in die “Town”, also nach St. Peter Port. Mit Bushaltestellen hat man es auf Guernsey nicht so, dafür ist auf den engen Straßen auch schlichtweg kein Platz – ein Schriftzug auf der Straße muss reichen, da stellt man sich einfach hin und irgendwann kommt um irgendeine der angrenzenden Straßenecken ein Bus geschossen und wenn der Fahrer einen anwinkt, ist es wohl der richtige Bus und man steigt einfach mal ein.

Nach einer halben Stunde sind wir da, aber auf Bummeln in der “Town” haben wir irgendwie überhaupt keine Lust, also setzen wir uns am Terminus, der zentralen Haltestelle gleich in den nächsten Bus, der uns auf die andere Seite der Insel bringt. Der Bus ist voller älterer Herrschaften, die wohl von dem großen Kreuzfahrtschiff stammen, das im Hafen ankert. Die Damen tragen dicke Brilliantringe, Schlangenledertaschen und pinkfarbene Acrylnägel, die Herren dunkelblaue sportliche Bundfaltenhosen und Toupets, reich sind sie und das soll auch jeder sehen. Englisch sprechen sie alle nicht, es dauert eine Weile, bis endlich alle verstanden haben, wohin der Bus fährt und was die Fahrt kostet und dann geht es endlich los. Die einzigen Deutschen haben sich hinter uns gesetzt und der Mann bestellt daher mal wieder auf finnisch zwei Bier bei mir und ich antworte, ebenfalls auf finnisch, dass ich einen Plattfuß im hinteren Reifen hätte, bloß nicht in Gespräche verwickelt werden! Danach aber schweigen wir lieber, mehr finnisch können wir nämlich nicht und wenn die nun mitkriegen, dass wir gar keine Finnen sind, ist der Ofen gelaufen. Eine Station weiter steigt ein Pärchen ein, das von der Insel stammen muss – er trägt eine Trainingshose und Schuppen auf dem Oberteil, sie ein riesiges Baguette und ein Lächeln, nachdem der Busfahrer sie fröhlich mit “Hello, my Love” begrüßt hat. So geht das auf Guernsey nämlich. Die Deutschen hinter uns wollen zur Fresienschau und dann ins Kriegsmuseum, wir ziehen es vor, an der Küste irgendwo im Nirgendwo auszusteigen und als wir uns den Weg durch den Bus bahnen, gucken uns die Kreuzfahrer verblüfft hinterher und ich kann es mir gerade noch verkneifen, dem Insulaner mit den Schuppen im Vorbeilaufen auf die Schultern zu hauen und ihm auf englisch ins Ohr zu brüllen, man würde sich abends im Pub treffen.

Wir klettern durch die Brombeeren auf den kleinen Damm neben der Straße und dann ist da vor uns eine Bucht mit viel Sand und noch mehr Steinen und davor stehen hohe Klippen, um die sich die Wellen schlagen und es ist ziemlich toll. guernsey port soif grandes rocquesAuf dem kleinen Weg laufen wir einfach weiter und landen in der nächsten Bucht und es ist noch viel toller – mehr Sand, mehr Steine, mehr Klippen und Wellen, eine atemberaubende Szenerie und wir fühlen uns ein bisschen wie bei “20 000 Meilen unter dem Meer”, als es die kleine Gruppe an diesen Urzeitstrand in der unterirdischen Höhle verschlagen hatte. Wir laufen durch die zweite Bucht und machen eine Menge Fotos, in der Bucht hat es tolle Wellen und wir ärgern uns, dass wir mal wieder auf die Wettervorhersage gehört haben und statt Badezeug die Jacken im Rucksack dabei haben. Links und rechts ist die Bucht von 20 bis 30 Meter hohen Klippen eingerahmt und dazwischen sind die herrlichen Wellen und vor allem Sand und wenig Steine auf dem Boden – ein Traum von einem Strand. Und menschenleer, denn eine Fresienschau und ein Kriegsmuseum sind natürlich deutlich interessanter als so etwas.

Am Ende dieser zweiten Bucht ein Schild mit dem Hinweis, der Tea-Garden habe geöffnet und da gibt es einen Burger für den Mann, ein Chicken Sandwich für mich und ein herrliches Stück Carrot Cake mit Cream für uns beide. Der Tea-Garden wird liebevoll von drei charmanten Damen betrieben und ist sehr hübsch und gepflegt – wer je auf Guernsey ist: Bitte hingehen!guernsey grandes rocques

Danach laufen wir den Weg einfach immer weiter und als wir schließlich den Bogen vor der dritten Bucht umlaufen haben, staunen wir: Auf der anderen Seite der Bucht gibt es auf den Klippen auf wohl 70 Meter Höhe eine Befestigungsanlage. Grandes Rocques nennt sich der Ort und die Anlage wurde von den Deutschen im 2. Weltkrieg errichtet, nachdem sie sich auf der Insel breitgemacht hatten. Als sie wieder weg waren, wurde ein Großteil abgerissen, stehen geblieben sind aber viele alte Mauern und eine Aussichtsplattform, von der aus man eine atemberaubende Sicht auf das Meer und die unzähligen Klippen hat. Wir klettern auf der Anlage herum und auch auf den Felsen und der Mann macht ungefähr neunhundertzwölfzig Fotos mit der Canon und einen kleinen Film, ich knipse derweil mit dem iPhone herum. Die Bilder zeigen aber leider nur ansatzweise, wie großartig es dort ist.

Von der Anlage führt ein Weg zurück zur Uferstraße, dort hält dann auch unser Bus, so dass wir nicht erst zurück zur anderen Haltestelle müssen. Wir fahren zurück nach St. Peter Port, kaufen im Tabakladen noch ein paar Zigarillos und in der Drogerie lustige englische Haarpflegeprodukte für mich und dann fahren wir einfach zurück nach St. Martin in unser Hotel, wo wir abends noch ein sehr, sehr gutes Dreigang-Menü essen. Mit Champagner übrigens, denn wir haben noch auf etwas anzustoßen: Unseren Jahrestag, denn seit genau drei Jahren sind wir an diesem 11.9. ein Paar.

Tag 19 – Guernsey: In der Bucht Saints Bay

Und gestern? Der Strasse vorm Hotel einfach mal runter ans Meer folgen und nach zehn Minuten strammen Bergabgehens in der menschenleeren Bucht Saints Bay landen, links und rechts 30 Meter hohe Klippen, dazwischen ein kleiner Streifen Strand und davor das Meer. Und es ist einfach nur wunderschön. Da liegen wir den ganzen Tag lang herum, lesen und schwimmen und Fotos gibt es keine, weil wir keine Kamera dabei haben.

Abends hüpfen wir noch in den Hotel-Pool und gehen später großartig im “Wicked Wolf” in St. Martin essen.

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Ein rundum schöner und entspannter Tag, mehr kann man dazu nicht sagen.