Kategorie: In Köln unterwegs

Japanisch essen in Köln: Das Daitokai

Und gestern endlich war es soweit: Wir waren im Daitokai essen, dem japanischen Restaurant in Köln. Zur Hochzeit hatten wir Gutscheine im Wert von 125 Euro geschenkt bekommen, die wir nun endlich “verjubeln” wollten. Ein tolles Geschenk, denn japanisches Essen lieben der Mann und ich über alles. Sushi könnte ich eigentlich fast jeden Tag essen, aber natürlich hat die japanische Küche noch so einiges mehr zu bieten – wer einmal bei Kintaro, dem wohl besten Japaner Kölns war, weiß, was ich meine. Das Daitokai funktioniert aber nochmal anders: Hier wird nämlich nach Teppanyaki-Art gekocht. Das bedeutet, dass die Gerichte nicht in der Küche zubereitet werden, sondern auf einer riesigen Stahlkochplatte, um die man in kleinen Gruppen sitzt. Wir waren zu viert, direkte neben uns saßen weitere drei Personen. Bis zu acht Leuten sitzen also um so einen Tisch an den beiden kurzen und der langen Seite, die andere lange Seite aber gehört dem Koch, der aus den verschiedenen Zutaten am Tisch kleine Gerichte zaubert – frischer geht´s also nicht. In Amsterdam waren wir bereits vor zwei Jahren mal in einem Teppanyaki-Restaurant, doch das Daitokai sei um Klassen besser, meinte mein Mann, der dort schon öfter essen war. Und wenn man nach dem Daitokai googelt, findet man nur top Bewertungen. In Berlin gibt es ein weiteres Daitokai, das Kölner Restaurant wurde 1973 gegründet und gehört somit zu den ersten Japanern der Stadt.

Wir entschieden für das Menue “Iroli Spezial” mit extra Sushi – wenn schon, denn schon. Beide hatten wir tags extra weniger gegessen, um abends genügend Appetit und Hunger mitzubringen. Eine gute Idee, denn das, was wir zu essen bekamen, war nicht eben wenig. Der Mann entschied sich beim Hauptgericht allerdings für das Rind, während ich die Ente bestellte. Mein Menue sah so aus:

Los ging es mit einem Appetitanreger: Kleine Fischchen, angemacht mit Zwiebeln und einer Sauce. Eigentlich sehr lecker, bis ich sah, dass die Fischchen ja noch Köpfchen hatten und in den Köpfchen kleine weiße Äugelchen zu sehen waren. Brrr, nix für mich. Weiter ging es mit einer ersten Vorspeise, einem Dreierlei: Frittierte Schwarzwurzeln, gebratene Ente mit Kaviar und Weißfisch in Gelee. Eigentlich alles lecker, der Geleefisch war mir allerdings geschmacklich zu nah an dem, was man im Supermarkt in der Kühltheke als “Hering in Gelee” in kleinen quadratischen Plastikbechern bekommt. Die nächste Vorspeise war da schon eher nach meinem Geschmack: Sushi! Und zwar in Form von drei Nigiri mit Ebi, Sake und Toro. Toro und Ebi esse ich eher selten, meist finde ich den Thunfisch zu wässrig und den Ebi dagegen oft zäh. Aber hier war davon nichts zu merken, der Thunfisch war superaromatisch, die Garnele ebenso und dazu auch noch zart. Auch der nächste Gang war ein Highlight: Jakobsmuscheln, Riesengarnelen und Lachs. Alles direkt am Tisch gebraten, dazu ein bisschen gedünsteter Pak Choi. Leckerst! Weiter ging es mit einem Salat mit Daitokai-Dressing: Das Dressing fand ich etwas zu kalt und ein bisschen zu sauer, aber das ist sicher auch Geschmackssache. Und nun kam das Hauptgericht: Gebratene Entenbrust in einer Orangen-Teriyaki-Sauce mit Sprossen, Pilzen, Zuckerschoten und Reis. Meine Ente war ein klitzeklein bisschen zu lang auf der Platte und daher nicht perfekt rosa, trotzdem aber war alles sehr lecker. Ein bisschen verliebt war ich außerdem in die Kräutersaitlinge, denn die sind einfach meine Lieblingspilze. Schließlich noch das Dessert: Ein in einem hauchzarten Pfannkuchen flambiertes Stück Teppan-Eis mit ein bisschen Obst und Himbeersauce. Sehr schön. Ohne Getränke hat mein Menue 75 Euro gekostet – ohne dem extra dazubestellten Sushi wären es 66 Euro gewesen.

Für das Essen würde ich insgesamt eine 2+ geben – ich fand alles sehr gut gemacht und die Zutaten waren jeweils top. Was mir aber ein bisschen gefehlt hat, war die Liebe zum Kochen. Ich hatte den Eindruck, dass das Zubereiten zu automatisch erfolgte. Jeder Handgriff sitzt perfekt und das Kochprogramm wird ein bisschen heruntergespult, eben so, wie man es seit Jahren dort macht, denn die Speisekarte wurde ja auch seit Jahren nicht verändert. Und die typische Show, in der der Koch seine Kunstfertigkeit zur Schau stellt, gibt es auch nicht. Wenn nach und nach an allen Tisch reihum das Licht ausgeschaltet wird, damit man beim Flambieren der Nachspeise die Flammen besser sehen kann, hat man das Gefühl, in einer Art Teppanyaki-Fabrik zu sitzen und das ist ein bisschen schade. Dafür aber wiederum war der Service erstklassik und superaufmerksam, aufgefallen ist mir auch, wie ordentlich und sauber gearbeitet wird. In Amsterdam damals war das zum Beispiel ganz anders: Je später der Abende, umso verkokelter die Kochplatte. Und alles, was darauf noch zubereitet wurde, schmeckte dann auch entsprechend leicht angebrannt, während wir hinterher rochen, als hätten wären wir im Wald beim Grillen gewesen. Hier wurde dagegen nach jedem Gang pingelig die Platte gereinigt.

Wer sehr gutes japanisches Essen inklusive Teppanyaki möchte: Unbedingt hingehen – es lohnt sich.

Es gibt natürlich weitere sehr gute Japaner in Köln: Zum Beispiel das Kintaro (da unbedingt Tempura essen!!) – das ist zwar nicht gerade günstig, dafür kocht hier ein original japanischer Sushi-Koch, der ganz genau weiß, was er tut. Sehr gutes Sushi gibt es auch bei Sumo-Sushi. Sumo gibt es mittlerweile drei Mal in Köln: Im Hürth-Center, in Efferen (Luxemburger Straße 83), in der Aachener-Straße 17 – 19 sowie am Mediapark (Kümpchenshof 21). Ebenfalls gutes Running-Sushi “all you can eat” gibt es im Kyoto, das aber seltsamerweise fast immer gähnend leer ist, wenn man daran vorbei fährt. Top Sushi gibt es außerdem auch bei Sushi-Samurai, ebenfalls mit einem Stammsitz in der Luxemburger Straße.

Ab und an sind wir auch im Sakura, dort gibt es Running Sushi “all you can eat”, allerdings ist die Auswahl an dem, was über das Band läuft, sehr unterschiedlich. Letztes Mal waren wir ein bisschen enttäuscht, vorletztes Mal dagegen war es gut. Wer mehr wissen möchte: Bei Sülz-Köln.de ist letztes Jahr dazu von mir eine Restaurant-Kritik veröffentlicht worden. Günstig ist es dafür allemal: Man zahlt nur knapp 20 Euro.

 

Stories and Places

Vorgestern erhielt ich morgens eine E-Mail von Volker: Ob ich nicht Lust hätte, mal auf der neuen Plattform “Stories and Places” vorbeizuschauen und mitzumachen: Auf einer interaktiven Landkarte kann man Links zu Blogartikeln setzen, die sich mit diesem Ort beschäftigen. Die Idee dahinter: Im Dezember wurde in vielen Blogs über verschiedene Städte und Stadtteile berichtet – warum diese alle nicht auch auf einer Landkarte sammeln, um dort virtuelle Spaziergänge und Reisen quer durch Deutschland, aber auch durch andere Länder zu unternehmen, um zu schauen, welche Geschichten es zu welchen Orten gibt. Eine tolle Idee! Viele Blogger haben gestern und vorgestern bereits fleissig Artikel verlinkt (bei mir selber waren es ungefähr 30 und ich bin noch nicht mal fertig, obwohl ich nur eine Auswahl verlinkt habe), aber da geht natürlich noch ein bisschen was…  also guckt vorbei und macht mit – und macht auf dieses großartige und unkommerzielle Projekt aufmerksam!

Initiiert haben das Projekt Volker, der unter Koffiepauze bloggt und als “Der Graf” twittert sowie Jana, die unter Kittykoma bloggt und als Miz Kitty twittert.

Im Katchina Supper Club: Essen mit Wildfremden

Letzten Samstag bin ich zum Essen verabredet. Zum Essen mit zehn wildfremden Menschen in einer privaten Wohnung irgendwo hier in meinem Stadtteil, in der ich noch nie war bei Gastgebern, die ich noch nie gesehen habe. Vor Wochen hatte ich mich dafür im “Katchina Supper Club” angemeldet, den Miss Katchina und Herr Oger vor Kurzem gegründet hatten. Die beiden kannte ich bis dahin nur online über Twitter und Facebook. Irgendwann erzählte Miss Katchina mir von dem Club und fragte, ob ich nicht Lust hätte zu kommen und ich sagte einfach ja. Ein Abend hatte bereits stattgefunden, dieses hier würde der zweite werden.

Supper Clubs wie der Katchina Supper Club schießen derzeit in den großen Städten wie Pilze aus dem Boden – in anderen Ländern gibt es sie dagegen schon seit ein paar Jahren, vor allem in den USA und Australien. Der erste deutsche Supper Club wurde wohl 2008 von Shane McMahon, einem Profikoch, gegründet – ein Freund war in den USA gewesen und hatte ihm davon erzählt. McMahon fand die Idee toll: Kochen und Bewirten im privaten Rahmen von bis zu 20 Personen, wobei in der Regel nach einem bestimmten Motto gekocht wird. Bald wurden weitere Clubs gegründet und mittlerweile findet man sie überall in Deutschland und es ist eine rege Szene, die sich dort trifft. Die Clubs funktionieren in der Regel anonym – man erfährt also vorab weder etwas über die anderen Gäste, noch, wo das Essen stattfindet. Man meldet sich online an – über Facebook oder ein Blog – und bekommt mit etwas Glück einen der Plätze und wird dann kurz vor dem Essen darüber informiert, wo man sich trifft. Dass man die Adresse nicht öffentlich bekannt gibt, ist ein ungeschriebenes Gesetz. Irgendwo im Netz wurden Supper Clubs als “halblegale Underground-Restaurants” bezeichnet, in denen sich die “Kreativwirtschaft trifft”, das klingt subversiv und mächtig aufregend, aber der beschriebene Supper Club ist einer in Berlin und in Berlin muss alles immer irgendwie subversiv sein oder aber mit der Kreativwirtschaft zu tun haben. In Wirklichkeit ist es viel weniger aufregend. Zwar werden Supperclubs nicht offiziell als Restaurant oder Veranstaltung angemeldet, aber das ist auch gar nicht nötig, denn ein Essen im Supperclub ist im Grunde nicht viel mehr als ein privates Essen, nur dass eben die Gastgeber vorab nicht wissen, wer sich anmeldet und umgekehrt die Gäste nicht wissen, wer die anderen Gäste sind. Ein Supperclub verfolgt kein kommerzielles Interesse – man gründet ihn, weil man Spaß daran hat, andere zu bekochen und zu bewirten und man geht hin, weil man gerne gut isst, sich mit Gleichgesinnten übers Kochen austauschen möchte und weil man sich gerne auf etwas Neues einlässt. Natürlich wird aber erwartet, dass man sich an den Unkosten beteiligt – in Form einer Spende.

Ich bin sehr neugierig auf den Abend und habe keine Ahnung, was da auf mich zukommt. Das Menü wurde vorab bekannt gegeben: Vier Gänge gibt es, das Menü nennt sich “Cajuns Delight” und dabei sollen Rezepte aus der Cajun-Küche auf den Tisch kommen – plus verschiedene dazu passende Weine. Das klingt furchtbar spannend. Ich habe bisher viele verschiedene nationale Küchen probiert, aber Cajun-Küche kenne ich so gar nicht, noch nicht einmal wie man das schreibt, weiß ich.

Ich habe Glück, bis zu meinem Supper Club habe ich es nicht so weit und das ist auch gut, denn es regnet in Strömen und ich bin mit dem Fahrrad unterwegs. Meine Jacke ist sofort durchnässt wie ein Schwamm, das Wasser läuft mir den Rücken hinunter, in meinen Schuhen schwappt es und ich wickle mir den Schal fast vollständig ums Gesicht, damit nicht auch noch mein Make-Up verläuft. Tropfnass klingle ich bei meinen Gastgebern, drei andere Gäste sind auch gerade gekommen und etwas verwirrt stehen wir im Flur, es ist komisch, mit Fremden bei (Fast-)Fremden im Flur zu stehen und ihnen den Boden klitschnass vollzutropfen. Doch unsere Gastgeber empfangen uns, als wären wir alte Freunde, meine nasse Jacke kommt im Schlafzimmer auf den Stuhl und dass ich sogar regennasse Unterwäsche habe, wird vermutlich auch keiner merken. Ein Blick in den Spiegel – Haare und Makeup haben nichts abbekommen und der Rest ist jetzt einfach egal. Ich überreiche Miss Katchina ein paar Blümchen und einen Wein aus meiner Heimat, da kommen auch schon die restlichen Gäste und dann stehen wir auch schon alle im großen Wohnzimmer mit einem herrlichen Aperitif in der Hand – ein rosefarbener Sekt nach Champagnermethode hergestellt, sehr lecker. Das Gespräch verläuft noch etwas holprig, wir stellen uns untereinander vor und niemand kann sich die Namen der anderen merken. Die Leute sehen nett aus, keiner fällt auf den ersten Blick unangenehm aus dem Rahmen. Einige sind älter, andere jünger, mit 40 bin ich anscheinend genau in der Mitte. Zehn Leute sind wir, darunter zwei Paare, eines hat noch eine Freundin mitgebracht, ein drittes Paar ist kein Paar, sondern nur miteinander befreundet, eine Frau, die wie ich alleine gekommen ist und unsere Gastgeber. Den Mann hätte ich zu gerne mitgebracht, aber er ist beruflich für ein paar Tage unterwegs, aber das finde ich gar nicht so schlimm, so muss ich mich mehr auf die anderen Gäste einlassen.

Wir werden zum Tisch geführt und ich überlege, wie ich es unauffällig anstellen kann, neben meiner Gastgeberin zu sitzen, damit wir uns endlich etwas näher kennenlernen können, aber da lotst sie mich auch schon auf den freien Stuhl neben ihr, vermutlich hatte sie das gleiche vorgehabt. Ich freue mich  – auf die Gesellschaft und auf das Essen. Meine Gastgeber sind ein bisschen nervös, aber doch sehr locker und gut gelaunt und vor allem sehr herzlich. Die anfängliche Befangenheit verfliegt schnell, den anderen geht es wohl wie mir – wir sitzen entspannt an einem schön gedeckten Tisch und sind furchtbar neugierig, was jetzt kommt.

Und dann geht es auch schon los: Das erste Gericht ist Filé Gumbo – ein würziger Eintopf mit Hühnchen und Räucherwurst. Miss Katchina und Herr Oger erklären uns, dass die Cajun-Küche ihren Ursprung bei den französischen Einwanderern hat, die nach Louisiana im  Süden der USA eingewandert waren – die Küche steht für einfache, rustikale Rezepte mit lokalen Zutaten, einige der Gerichte haben dabei einen leicht französischen Einschlag, daneben gibt es viele Parallelen zur creolischen Küche. Die Basis der Suppe ist eine Mehlschwitze, die eine halbe Stunde lang gerührt werden muss, bis sie richtig dunkel ist  – das gibt der Suppe die rauchige Würze. Ein bisschen erinnert der Geschmack an ein Gulasch. In der Überlieferung sagen viele, Gumbo sei eine adaptierte Form der französischen Bouillabaise, andere sagen, der Name käme vom angolanischen Namen “Kingumbo” – also Okra, was oft eine der Zutaten ist. Zur Suppe gibt es Brot mit zweierlei Majonaisen – sehr lecker.

Als zweiten Gang bekommen wir einen Salat mit Apfelscheiben und karamelisierten Pekanüssen, die in Louisiana traditionell angebaut werden. Dazu gibt es Blue-Cheese-Spuma und ich beschließe, dass ich unbedingt auch so einen Aufschäumer haben muss, denn dieser Blue-Cheese-Spuma ist ein Gedicht.

Als dritten Gang servieren unsere Gastgeber ein Seafood-Jambalaya. Jambalaya ist ein Pendant zur spanischen Paella, hat aber auch risottohafte Züge. Wie bereits bei der Suppe ist eine wichtige Zutat die für die Cajun-Küche so typische “Holy Trinity” aus Staudensellerie, Paprika und Zwiebeln. Wie das Gericht genau gekocht wurde, weiß ich nicht – Reis ist jedenfalls drin, Flußkrebse, Schinkenstücke und angebratene Riesengarnelen – und dazu wird noch mit einer rauchigschmeckenden scharfen Sauce nachgewürzt. Das alles schmeckt fremd – aber lecker!

Am Tisch wird viel geredet und gelacht, Miss Katchina und Herr Oger erzählen von ihren USA-Reisen, wir unterhalten uns tischübergreifend über das Urheberrecht, Steaks, das Rauchen und den Kölner Dom und weil es so viel zu reden gibt, fällt gar nicht auf, dass wir bisher gar keine Vorstellungsrunde gemacht haben und holen das erst jetzt, nach dem dritten Gang nach. Interessante Berufe sind dabei, der Mann neben mir war Immobilienmakler, bis er von dem Beruf die Nase voll hatte und beim Krankenhaus als Fahrer arbeitet, seine Frau leitet ein Labor, jemand anderes hat lange in der Musikindustrie gearbeitet, andere arbeiten bei der Stadt Köln, einer ist Architekt, und, und, und – Berufe, über die es so viel zu erzählen gibt, dass niemand Sorge hat, dass der Gesprächsstoff ausgehen konnte. Angenehm, dass die Vorstellungsrunde allgemein bleibt – niemand will sein Geschäft anpreisen oder schlimmer: networken. Die Stimmung ist sehr angenehm. Das hätte auch ganz anders laufen können: Beim letzten Supper waren Leute gekommen, die schon während des Aperitifs wieder gingen. Mit der Begründung, sie hätten sich das alles ja ganz anders vorgestellt.

Dann wird der Nachtisch serviert und der ist mein Lieblingsgang: Ein phantastischer Louisiana Bread Pudding mit Bourbon-Sauce und hausgemachtem Vanilleeis. Ich bin hin und weg und beschließe, mir nicht nur den Aufschäumer, sondern auch eine Eismaschine zu kaufen. Anschließend gibt es noch Espresso oder einen Absacker nach Wahl – ich entscheide mich für einen Whisky und das war vielleicht keine so gute Idee, denn ich habe bereits Sekt, Weiß- und Rotwein getrunken und nachdem ich im Sommer einige Zeitlang gar keinen Alkohol getrunken hatte, vertrage ich, wenn ich nun trinke, nicht mehr so viel – und werde supermüde. Aber es ist auch schon spät – halb eins nämlich und der Abend ist zu Ende. Wir verabschieden uns sehr herzlich voneinander. Visitenkarten und Adressen werden keine getauscht, aber das ist okay. Ich finde es angenehm, das mit dem Wiedertreffen unverbindlich offen zu lassen und bin mir aber sehr sicher, dass ich den ein oder anderen bei irgendeinem anderen Supperclub wiedertreffen werde. Denn so etwas mache ich gerne wieder mit. Nur mit Miss Katchina und Herr Oger habe ich mit schon verabredet – zum Grillen bei uns daheim.

Den Katchina-Supperclub findet man bei Facebook – die Essen finden etwa alle vier Wochen statt. Die Plätze sind allerdings auf zehn Leute limitiert, während es beide Male deutliche mehr Anmeldungen gab. Im Netz finden sich aber viele weitere Supperclubs. Und natürlich kann man jederzeit auch einen eigenen eröffnen…

Geradelt: Der Felsengarten von Fort VI, ekliges Eis in Buschbell und eine Hunderennbahn

Und weil das Wetter gestern herrlich war, waren wir wieder auf dem Rad unterwegs – die Tour diesmal war 30 Kilometer lang.

Zunächst ging es zum Fort VI am Decksteiner Weiher. Das Fort war 1873-1876 gebaut worden, als man rund um Köln einen Festungsring angelegt hatte, im Fort VI selber war ein Fuß-Artillerie-Regiment untergebracht. Ein großer Teil des Forts wurde in den 20er-Jahren im Zuge der Entmilitarisierung geschleift und somit dem Erdboden gleichgemacht. Zwischen Fort und Straße entstanden Sportplätze, während das Fort für Umkleidekabinen und Bandproberäume genutzt wird – gestern wurde überall Fußball gespielt und aus den Kellern hörte man Ska… So sieht Fort VI derzeit aus:

Konrad Adenauer, in den 20er Jahren Oberbürgermeister in Köln, hatte dafür gesorgt, dass aus den ehemaligen Festungs-Rayons im Zuge der Schleifung mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Grüngürtel mit seinen vielen Parkanlagen angelegt wurde – ein fast geschlossener Halbkreis rund um Köln mit vielen Wäldern, Weihern, Parks, Grün- und Kleingartenanlagern. Auch der Decksteiner Weiher entstand in diesen Jahren – entworfen hatte ihn der Stadtplaner Fritz Schumacher (1869-1947), fertig gestellt wurde er 1925 vom Gartenbaudirektor Fritz Encke (1861-1931).

Ebenfalls aus dieser Zeit stammt der kleine Felsengarten neben dem Fort, der 1923 eröffnet wurde. Dafür wurde eine 20 Meter tiefe künstliche Schlucht mit kleinen Pfaden und einer Aussichtsplattform angelegt, von der aus man in die Schlucht und zum nahen Decksteiner Weiher schauen kann:

Der Garten verfiel allerdings bald und verwilderte, bis er 2001 schließlich von Schülern saniert wurde. Im Stadtanzeiger erschien dazu ein Artikel als Auszug aus dem Buch “111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss”. Viele weitere der 111 Orte werden übrigens hier aufgelistet. Es gibt auch eine von der Stadt Köln empfohlene Forts-Radtour, für die man sich die GPS-Daten praktischerweise aufs Handy laden kann. Die Tour steht auch schon auf unserer Liste.

Wir fuhren erstmal am Militärring weiter durch den Wald…

… durch Lindenthal und Braunsfeld bis nach Müngersdorf, dort über die Aachenerstraße über Lövenich bis Königsdorf. Das letzte Stück ist etwas gemein, denn es geht über eine lange Strecke langsam, aber stetig bergauf. Dann bogen wir ab nach Buschbell, der Berg wurde nochmal ein wenig steiler, dafür aber wurden wir oben mit einem tollen Blick auf Köln belohnt – mit Dom und Fernsehturm, was man hier auf dem iPhone-Foto allerdings nicht so sehr gut sieht:

In Buschbell wollten wir Eis und wir landetn im Eiscafe Portofino, doch das war ein Fehler – die Terrasse ist nicht nur hässlich, sondern war bevölkert von schreienden Kleinkindern, einer Horde Rauchern und Leuten, die Adiletten und Kniestrümpe zum kurzen Rock trugen. Es gab die Standard-Eiskarten “Spaghetti”, “Joghurt” und “Trinkschokolade”, die wir in glaube ich schon vier anderen Kölner Eisdielen so bekommen hatten, dazu lieblos serviertes Billig-Eis und die weltekligsten Toiletten – wir waren froh, als wieder weg waren.

Nach dem Eis ging es entspannt den Berg hinunter nach Frechen, wir radelten einmal quer durch die Fußgängerzone, vorbei am alten Rathaus, an der STAR-Tankstelle und am Keramion, dem wohl seltsamsten Museum Deutschlands, an dem wie immer weit und breit kein Mensch zu sehen war. Weiter durch die Bonnstraße, dort bogen wir ab in die Kölner Straße und fuhren durch Sieldorf vorbei am Sielsdorfer Gänsehof, wo ich dieses Jahr vielleicht eine Martinsgans holen will, und am Herrmannshof, wo die Schweine draußen auf der Wiese herumrennen dürfen. Wir radelten durch die Kornfelder…

… machten schließlich ein Schlenker zur Hunderennbahn, fuhren noch eine Runde um den Decksteiner Weiher und schließlich wieder nach Hause. – 30 Kilometer.

Und gleich geht´s wieder los: Diesmal zum Schloss Türnich in Kerpen.

 

Geradelt: Am Otto Maigler See und durch die Niehler Aue nach Weidenpesch

Und nach wie vor radeln wir, denn wenn es in Köln schöne Ecken gibt, dann meistens da, wo man sie vom Auto aus nicht sehen kann, weil sie so gut versteckt sind. Eine dieser schönen Ecken ist der Otto-Maigler-See, irgendwo hinter Hürth liegt der und man fährt erst einmal durch eine Menge Felder und Wiesen…

…und muss schließlich einen ordentlichen Berg hinauf. Und dann liegt er da, der Otto Maigler See, umrandet von einem Wald, mit einem großen Strandbad und einer Menge Platz zum Schwimmen. Was wir allerdings nicht gemacht haben, weil wir auf einmal ganz andere Sorgen hatten: Eine gerissene Fahrradkette nämlich, riesige schwarze Wolkenberge am Himmel und sowas von kein Netz und schützende Unterstellmöglichkeiten…

…Kurz: Wir kamen irgendwie irgendwann wieder nach Hause, lebendig, und hatten vom Radeln aber erst einmal die Nase voll und als es eine Woche lang ununterbrochen regnete, war das ganz in Ordnung.

Bis dann gestern unerwartet der Sommer ausbrach und der Mann meinte, es sei jetzt an der Zeit, mal wieder radeln zu gehen. Also mittags um drei rauf aufs Rad und los. Quer durch die Stadt Richtung Flora, dann runter zum Rhein ans Niederländer Ufer und da immer weiter Richtung Niehler Hafen. Niehler Aue heißt die Ecke, bevor man an den Hafen kommt, und dort ist es wunderschön: Der Weg führt durch eine alte Allee und runter zum Rhein hin erstreckt sich die Auenlandschaftmit ihren Wiesen, Bäumen und kleinen Bade-Ecken.

Wir radeln vorbei, dann den Molenkopf auf der Halbinseln entlang, schließlich über die Brücke rüber ans Ufer…

… dann am Hippodrom vorbei nach Weidenpesch, wo wir im “Eiscafe Forum” Spaghetti-Eis essen. Danach wieder zurück an den Rhein, dann Richtung Köln am Ufer entlang, bis zu den Kranhäusern und noch ein Stück weiter bis nach Bayenthal und da über den Gürtel wieder zurück nach Sülz.

33 Kilometer lang war die Tour, das ist nicht unbedingt viel, aber wer in Köln schon mal auf dem Rad unterwegs war und darüber hinaus ein ungefedertes Rad und einen harten Sattel fährt, weiß nach so einer Fahrt ganz genau, was er getan hat und darf ruhig auch mächtige Hinternschmerzen haben.

Geradelt: Am Rhein entlang nach Zündorf

Und heute endlich die Radtour, die wir schon länger machen wollten und die wegen schlechten Wetters mehrere Male ausfallen musste: Richtung Zollstock in die Südstadt, dort durch den Volksgarten und dann über die Severinsbrücke auf die andere Seite, durch Deutz zu den Poller Wiesen und den Drachenfliegern, dann immer weiter Richtung Porz, irgendwo davor im Café Wiesenhaus einen Kaffee trinken und ausnahmsweise ein Eis essen, danach durch Porz hindurch und zwischen Weizenfeldern und dem Rhein weiter nach Zündorf und dort auf die Halbinsel Groov. Am Sandstrand sitzen und ins Wasser gucken, schließlich mit dem Krokodil auf die andere Seite übersetzen und von dort alles wieder zurückradeln, erst durch den Auenwald, dann vor Rodenkirchen an den unzähligen Strandparties vorbei und sich durch das Gewusel an der Promenade durchschlängeln. Nun an den Restaurant-Kähnen vorbei, immer weiter bis nach Bayenthal und da links rein und den Gürtel hochradeln, wieder durch Zollstock durch, schließlich nach der Eisenbahnbrücke am Bahndamm entlang und danach rechts hoch, über die Luxemburger rüber und daheim ankommen. Mit schmerzenden Hintern, aber dafür mit 33,5 Kilometern in den Beinen.

(Und das Blog hat übrigens endlich ein neues Kleid bekommen)