209/365: Montag

Juli 28th, 2014 § Kommentare deaktiviert § permalink

IMG_4500

Der Montag ist schlimm, anders kann man es nicht sagen. Die Katze darf morgens nicht raus, weil sie ja zuhause sein muss, wenn die Ärztin kommt und als ich gleich ganz früh morgens anrufe, erreiche ich erstmal niemanden und es dauert, bis sie sich zurückmeldet und dann auch nicht versprechen kann, ob sie morgens noch kurz vorbeigucken kann. Eventuell werde es eher mittags. Und ich habe da diese aufgeregte, ununterbrochen laut klagende Katze, die sich nur ein bisschen beruhigt, wenn man sie auf dem Arm herumträgt. Setzt man sich aber hin, rennt sie weg und will sofort raus und schreit, weil die Klappe ja verschlossen ist. Das Ding im Mund eitert und riecht schlimm, mein Ärmel ist voll mit dem Zeug und als sie sich schliesslich erschöpft unter meinem Schreibtisch in den auf dem Boden liegenden Vorhang einrollt und ein bisschen schläft, finde ich später dort eine kleine Lache auf dem Boden. Immerhin kommt sie aber erstmal zur Ruhe und das ist das wichtigste. Meine Nerven flattern und ich bin mir nicht sicher, wie der Tag enden wird. Ich muss noch Blogtexte für einen Kunden schreiben, daran ist aber erstmal nicht zu denken, das muss auf morgen warten. Es ist nur eine kleine Katze und kein Mensch, das weiss ich, aber es ist meine Katze und die hat die letzten 13 Jahre Tag für Tag mit mir verbracht und ist für mich Familie.

Dann ist die Ärztin da, zwei Spritzen gibt es, diesmal mit höherer Dosierung. Ich erzähle ihr von den klugen Ratschlägen, die man mir gegeben hat, ich solle dies und jenes machen und das aber helfe garantiert. Ich sage ihr auch, dass ich davon nicht so viel halte, sie habe immerhin Tiermedizin studiert und langjährige Erfahrung mit sowas, wie soll jemand ohne diesen Background so etwas besser wissen. Sie erklärt mir nochmal, dass es definitiv ein Tumor und kein Ekzem ist, die Struktur des Dings ist blumenkohlförmig, was ein eindeutiger Beleg ist. Und auch die  Lage spricht Bände, nämlich am Zahn und somit ist garantiert auch der Kiefer schon befallen. Natürlich könne man die Katze nochmal röntgen, um es genau zu überprüfen, aber dazu müsse man sie betäuben und manchmal würden bei solchen Untersuchungen die Tumore aufbrechen und dann würde man die Tiere erst gar nicht mehr aufwecken. Nein, das machen wir nicht, alles was Stress ist für das Tier wird möglichst vermieden. Als sie weg ist, heule ich erstmal, ich bin fix und fertig und als ich mich völlig k.o. auf den Sessel setze und dabei fast einschlafe, kommt der Kater, setzt sich schnurrend auf meinen Schoss und weicht überhaupt den ganzen Nachmittag nicht mehr von meiner Seite. Er bekommt mit, dass etwas im Gange ist. Jedesmal, wenn die Ärztin da ist und mit der Katze etwas macht, kommt er hoch und beobachtet alles.

Die Katze ist später erstmal draußen unterwegs, wir sehen sie erst abends wieder und dann kommt sie rein, futtert eine Schale leer und rennt wieder raus. Die Unruhe scheint weg zu sein, der Appetit ist da und fressen geht auch erstmal wieder. Die Spritzen wirken nun, das ist gut. Zwei Wochen Aufschub also, oder zumindest eine oder halt ein paar Tage.

Am Freitag fahre ich in den Baumarkt und kaufe die Schaufel, mit der wir dann das Loch in den Garten graben werden. Ich möchte, dass alles vorbereitet ist, das beruhigt mich ein bisschen. Und trotzdem: Die nächsten Tage werden erstmal etwas besser sein, das weiss ich.

 

 

 

208/365: Katzenjammer

Juli 27th, 2014 § Kommentare deaktiviert § permalink

pfote

Einer der Tage, von denen man wusste, dass sie noch früh genug kommen werden: Der Katze geht´s nicht gut. Die letzten Spritzen sind fast drei Wochen her und wirken nun nicht mehr, das Futter mit dem Schmerzmittel hatte sie morgens nicht so ganz aufgegessen und so, vermuten wir jedenfalls, hat sie Schmerzen. Wir wissen es ja nicht, sie kann mit uns ja nicht sprechen. Wir sehen aber, dass sie das Ding im Mund verrückt macht, das soll weg, sofort, aber es verschwindet ja nun mal nicht. Wir sehen sie hecheln und schnaufen, mit weit aus dem Mund hängender Zunge, sie jammert und klagt, ist sehr aufgeregt. Das Ding eitert auch und riecht wieder. Und zwischendurch rennt sie wie von der Hummel gestochen durch den Garten. Es ist nicht einfach für uns, wir sind hilflos und wissen nicht, was wir tun sollen und es ist auch alles andere als schön, sein Tier so zu erleben. Aber sie hat Hunger und frisst ein bisschen und so bekommt sie nochmals eine Ladung Schmerzmittel von uns. Doppelte Ration heute also und ein wenig später sehen wir sie mitten im Garten im Gras liegen und sind nicht ganz sicher, ob sie noch lebt oder nun einfach gestorben ist. Der Mann geht gucken und als er sie anstubst, beschwert sie sich lauthals, weil man sie geweckt hat, und legt sich wieder hin.

Morgen kommt der Doc und gibt ihr neue Spritzen. Ich weiss, dass der Tag, an dem ich sie einschläfern lassen muss, ein Stück näher gerückt ist. Aber noch ist genügend Energie in dem Tier und wir werden alles tun, ihr diese Zeit noch so angenehm wie möglich zu machen.

207/365: Zehenstegsandalen

Juli 26th, 2014 § Kommentare deaktiviert § permalink

Brot

Der Tag war lang und der Tag war nervig und einige Momente, an denen ich am liebsten einfach gegangen wäre, gab es auch. Und dann sind wir abends endlich wieder daheim, mit der Bescheinigung für die erfolgreiche Teilnahme am Ersthelferkurs in der Tasche. Der Mann wirft ein paar Steaks auf den Grill und im Ofen bäckt das Kräuterbrot, dazu gibt´s Radieschen und Kirschschorle und alles ist wieder gut und wir sind beide so froh, es hinter uns zu haben und überhaupt sind wir gutes Team. Außerdem: Es gibt jetzt den neuen Plan, einen Bulli zu kaufen, damit das mit dem Führerschein wenigstens einen wirklich guten Grund hat. Bisher war uns beiden nämlich noch nicht so gar nicht wirklich klar, wozu wir ein Auto brauchen könnten. Und: Letzte Nacht gelesen, dass Zehenstegsandalen überhaupt das Beste gegen Halux sind. Ich hab ja beides, ich denke, damit komme ich über die Runden.