Neueste Artikel

Der Verrückte

nebenan haben wir einen nachbarn, der seit wochen tag und nacht den garten mit einer extrahellen lampe beleuchtet, die er sich auf seine fensterbank zum garten hin gestellt hat. eine kleine tischlampe mit drehbarem schirm, vielleicht 50cm hoch. den schirm hat er zum garten hin gedreht, die lampe darüber hinaus mit alufolie umwickelt, so dass das licht nur nach vorne strahlen kann. vielleicht, um die heruntergelassene jalousie durch die wärme nicht zu verbrennen, vielleicht aber auch als reflektor, damit das licht noch heller wird als es schon ist. hecken, bäume, sträucher, rasen, alles wird so flutlichtartig beleuchtet und das geht schon seit gut sechs wochen so. durchgehend, es ist ja schliesslich nicht so, dass das licht bei tag mal ausgeschaltet werden würde.

warum er das macht, wissen wir nicht und da können wir nur mutmaßen. zur abschreckung von ausserirdischen, meint der mann. weil er verrückt ist, meint der andere nachbar, der in der etage über dem verrückten wohnt und  der noch vor drei jahren wochenlang eine meterhohe blaue plane zwischen unseren grundstücken gespannt hatte, weil er mit unserem vermieter einen streit über die grundstücksgrenze hatte. wegen der einbrecher, meinen meine schwiegereltern. weil er tot ist und die lampe nicht mehr ausschalten kann, meinte ich zuerst, bis er mit seinen 1,90 metern auf einem klapprad auf der straße vorm haus an mir vorbeifuhr. mittlerweile habe ich eine neue these, aber davon habe ich dem mann, dem nachbarn und meinen schwiegereltern mal lieber nichts erzählt. ich glaube, er hat gemerkt, dass ich mehrfach täglich vom balkon aus zu ihm rübergucke, um zu sehen, ob das licht noch immer brennt und das brennt, um mich zu blenden, damit ich dabei nicht in seine wohnung gucken kann.

der mann ist übrigens psychotherapeut und hat eine praxis bei sich in der wohnung, in der er patienten empfängt. es ist halt ein bisschen kompliziert mit dem verrücktsein.

318/365: in der höhle

IMG_2884

der mann muss nach hamburg morgens, denn da wird geboxt und immerhin ist er derjenige, dem die glocke gehört, mit der die runden eingeläutet werden. früh aufstehen also, auch damit das bei mir mit dem duschen und dem verbandswechsel klappt. das duschen ist ja nicht ganz so einfach. dann ist der mann weg und die wohnung so still. nach hamburg wollte ich eigentlich erst mit, ein bisschen am hafen rumlaufen und schlafende schiffe gucken, das hätte sich gut angefühlt. gründe sprachen dann aber doch dagegen, später der ersatzplan, wenigstens einen schönen tag in aachen zu haben, aber auch das musste aus den gleichen gründen abgesagt werden. dafür ausflug mit der bahn nach bocklemünd, was am arsch der welt liegt.

im regen durch die wohnsiedlung, alle straßennamen fangen mit s an – silberadlerweg, seemövenweg, strandläuferweg, sehr originell, jemand hat sich sichtlich mühe gegeben, aber trotzdem ist es aber halt bocklemünd und da möchte man eigentlich gar nicht sein. dann in der einliegerwohnung, der boden ist gefliesst und im schlafzimmer das ikea-bett, ich muss so dringend aufs klo und das kann man nicht abschliessen, weil die tür klemmt. die gespräche schleppend, also wühlen alle schweigend in den garnen und gucken, was die andere in den händen halten und ob sie das wieder zurück in die kiste legen, um dann selber danach zu greifen. das sortiment ist riesig, nicht unbedingt mein geschmack vieles, ein bisschen zu bunt, wo ich eigentlich grau suche. schliesslich werde ich doch noch fündig und bin zufrieden. zurück in die stadt mit der bahn, noch schnell in den supermarkt und dann endlich heim. viel passiert nicht mehr an diesem tag. aber das reicht ja auch. in der höhle ist es ja so schön warm.