Wetter, Wetter, Wetter

Juli 8th, 2011 § Kommentare deaktiviert § permalink

Und weil man sich gerade wieder für eine Woche einen Strandkorb gemietet hat, seit zwei Tagen wenig Sonne und kühle Temperaturen. Als es mal gerade nicht regnet, sich aufs Rad setzen und ein wenig rumradeln und weil Regenjacken etwas für Touristen ist, bleiben die natürlich daheim. In Nebel was Kleines zu Mittag essen, dann weiter Richtung Norddorf. Am Anlun ein wenig aufs Watt und die Nachbarinsel gucken (hinten am Horizont zu sehen) und im Teehaus Burg ein Kännchen Sikkim mit Bernsteinkuchen bestellen. Weiter an die Südspitze, dann in den Ort, dort ein wenig im Supermarkt einkaufen, wieder rauskommen und erstmal schön in ein gemeines Unwetter geraten, also ins nächstbeste Café flüchten, das dann in diesem Fall das vornehme “Hüttmanns” ist, dort ein Kännchen Darjeeling trinken und weil es leider immer noch schüttet und die Regenjacken daheim auf dem Hundesofa liegen, die Räder stehen lassen und mit dem Bus heimfahren. Daheim ankommen und pengggg…..  schönster Sonnenschein.

Weltmännisch Cocktails trinken auf dem Kniep

Juli 7th, 2011 § 5 comments § permalink

Was an dieser Insel allerdings seltsam ist: Sie heißen hier alle Quedens und es gibt kaum einen Tag, an dem nicht einer von ihnen in einem der drei Ortschaften einen Diavortrag hält. Die haben dann so schöne Titel wie “Faszination Wattenmeer”, “Wasser und Sand” oder “Nordsee – Mordsee” und werden unverändert seit Jahren in den Sommermonaten den Toursten gezeigt und ich schwöre, letzteren habe ich schon 1998 gesehen, und schon damals waren die Dias schon reichlich durch und überhaupt, Dias! Dass dann aber auch noch die Sängerin der Vorgruppe, die gestern Abend in der Strandbar beim Konzert auftrat, den gleichen Nachnamen hatte und dass die Sängerin der anderen auftretenden Band dazu auch noch ein neonpinkfarbenes Shirt trug und vor allem pseudoknödelte, wie es ein Westernhagen nicht mehr viel schlimmer hätte tun können, also nunja, wie auch immer, unsere Cocktails tranken wir dann doch lieber fernab vom Geschehen mitten auf dem Kniepsand. Beziehungsweise gar nicht so sehr, denn irgendwie saßen wir auf einmal eher mitten auf einem Fußballfeld und konnten froh sein, dass uns unsere Handys und Cocktails nicht um die Ohren flogen. Weil das so gut geklappt hat, hat der Mann sein Handy nachher kurzentschlossen in seinen Cocktail geworfen, um mir hinterher etwas von konischen Becherformen erklären wollen, naja, war ja zum Glück nicht mein Handy. Dann haben wir noch weltmännisch ein paar Zigarillos geraucht und ungefähr 9000 Fotos vom Sonnenuntergang gemacht. Schön war das.

Falls es unklar sein sollte: Ich bin die Frau links, der Mann der Mann rechts auf dem Foto.

Inseltage

Juli 5th, 2011 § Kommentare deaktiviert § permalink

Und dann ist Dienstag und wir sind schon über eine Woche hier und ich fange an, die Zeit zu vergessen und überhaupt beinahe alles, was sonst so daheim ist. Manchmal weiss ich sogar nicht mehr, dass ich ja jetzt in Köln lebe und nicht mehr da unten am Bodensee. Seit Tagen kaum Sonne, grau und kühl ist es, bis gestern dazu viel Wind, so dass Radeln und Schwimmen gehen wenig Spaß machen, aber das ist gut, denn so ist es sehr ruhig auf der Insel, weil die Tagestouristen ausbleiben.

Wir schlafen lang und viel, ab und an gehen wir raus und laufen im Sturm auf dem Deich oder am Meer herum, wir machen uns über die Touristen lustig, die trotz 20 Grad in dicken Jacken, Schals und Mützen herumlaufen, als wären sie an der Arktis, wir klickseln im Internet, lesen gedruckte Zeitungen und Magazine, wir machen Fotos und ab und zu besuchen uns die Hunde, die rennen dann über unser Bett und schlafen auf dem Sofa. Seit Tagen ernähre ich mich hauptsächlich von Matjes, Bratkartoffeln, Milchkaffee und sauren Zungen, das ist praktisch, weil wir viel Essen gehen und ich mich so nicht jedes Mal aufs Neue entscheiden muss, was ich bestellen will.

Weil man ab und zu auch mal etwas anderes machen muss, fahren wir mit dem Schiff auf die Nachbarinsel, eine Stunde hin, dreieinhalb Stunden Aufenthalt und eine Stunde zurück, auf dem Schiff gelangweilte Gesichter. Stimmung kommt erst etwas auf, als mich der Kapitän vor den anderen ermahnt, doch bitte meinen Fuß von der Bank zu nehmen und ich ihm erkläre, dass meine Sohlen die Bank überhaupt gar nicht berührt hätten und ich fühle mich auf einmal, als wäre ich wieder 16. Dass ich damals die Beine hochgelegt hatte, weil das cool war und nicht wie heute, weil ich was am Knie habe, muss ja keiner wissen. In Wyk laufen wir durch die kleinen schmucken Gassen, überall mit Rosen bewachsene Friesenhäuser, putzige Vorgärten und weiß angemalte Holzmöwen in den Fenstern, dazwischen Geschäfte, die alle den gleichen Schnickschnack anbieten, Tee, Porzellantassen, Windräder und geringelte Schals, es sieht aus wie in einem friesischen Disneyland und wir sind ein wenig erschlagen davon. Wir gehen in den tollen Bernsteinladen und zum ersten Mal will ich nichts kaufen, obwohl es so tolle Sachen gibt und ich Bernstein liebe,  vermutlich hätte ich letztes Mal nicht fragen sollen, woher der angebotene Bernstein eigentlich stammt. Nicht, dass ich das nicht vorher gewusst hätte, aber die Vorstellung, dass Uwe, der Ladenhinhaber, da mit seinen Gummistiefeln durchs Watt läuft und…  In einem anderen Laden kaufe ich mir für kleines Geld hübsche rote Karneol-Ohrstecker, wie es sie auch in Köln in jedem Schmuckgeschäft gibt.

Als wir in einem der Restaurants essen möchten, bekommen wir einen Platz im hinteren Teil des Raumes zugewiesen, weil im vorderen Bereich alles von den anderen Touristen belegt ist und die Gäste, die nach uns kommen, hängen ihre bunten Freizeitjacken an der uralten Holzgarderobe auf, die dort eigentlich nur zur Dekoration herumsteht. Ich bestelle mir meinen Matjes und dann gucke ich aus dem Fenster. Auf der Fensterbank wieder diese weiß angemalten Holzmöwen und eine alte Brotschneidemaschine, dahinter eine Menge Gardine, doch dann sehe ich auf einen ziemlich hässlichen Hinterhof, ein Fahrrad steht da rum und eine Frau hängt direkt vor unserem Tisch ihre Unterhosen auf und ich bin froh, endlich doch mal noch etwas Echtes zu sehen.

Wer Fotos von dem ganzen sehen will: AuxChampsElise

Freitags am Meer

Juli 1st, 2011 § 1 comment § permalink

Und dann ist es Freitag. Ich staune noch immer über mein Gesicht, das immer brauner wird, während meine Haare von Tag zu Tag blonder werden und überall ist dieser Sand, in den Schuhen, im Bett, in meiner Tasche, in den Ohren, in der Marmelade und in der Gesichtscreme. Aber längst haben wir es aufgegeben, uns daran zu stören. Die Tage fliessen so vor sich hin und ganz langsam schaffe ich es, endlich das Gefühl abzulegen, immer etwas tun zu müssen, anstatt einfach nur zu sein.

Wir wollen im Meer schwimmen, es hat viel Wind und mittags liegt die Flut günstig, also müssen die Wellen heute sehr hoch sein. Die Fahrt an den Strand ist anstrengend, wir radeln gegen den Wind und trotzdem amüsieren wir unterwegs uns über Leute, die in Jacken mit Kunstpelzkapuzen, Wanderschuhen, Regenjacken und Wollmützen unterwegs sind, denn wir tragen Flip Flops und der Mann ein T-Shirt mit einer kurzen Hose. Wir radeln über die Heide an der Straße entlang, dann durch den Wald und schon sind wir bei den Dünen, wo wir die Räder abstellen. Auf dem Bohlenweg laufen wir raus ans Wasser, bis vorne sind es gute 1000 Meter, von dort stapfen wir noch ein langes Stück durch den Sand zum Korb, wieder gegen den Wind und mir tut das blöde Knie weh, aber das muss jetzt egal sein. Am Korb schnell umziehen und rein ins Wasser, das ist mit 17 Grad fast so warm wie die Luft und die Wellen sind bis zu 1,50 Meter hoch. Der Strand ist fast wie ausgestorben, wir sind die einzigen, die im Meer sind, ab und an bleiben Spaziergänger stehen und gucken uns neidisch dabei zu, wie wir wie Kinder beinahe eine Stunde lang durch Wellen und Brandung springen. Dann raus und unter der Stranddusche das Salz abspülen und bibbernd ans andere Ende des Strandes laufen, wo wir unsere Handtücher hingelegt haben, die Strömung hat uns so weit abgetrieben, dann hoch zum Strandkorb und endlich in die trockenen Klamotten. Das nasse Zeug knoten wir an der Wäscheleine auf der Rückseite des Korbes fest. Wir haben Fischbrötchen aus der Butt’ze dabei, die essen wir und auch die Möwe, die vor unserem Korb herumlungert, bekommt etwas ab. Ungemütlich ist es, der Sand fliegt von allen Seiten in den Korb, in unsere Kleidung, in Ohren, Nase und Mund, es hat Windstärke 6 oder mehr und ich habe höchstens noch Haare, aber defintiv keine Frisur mehr, doch wir mummeln uns einfach in Pullis und Schal ein und schlafen ein bisschen ein, glücklich, weil genau so ein perfekter Tag aussieht und weil wir noch eine ganze Weile auf dieser Insel bleiben dürfen.

 

Ferien

Juni 26th, 2011 § 5 comments § permalink

Ja und dann ist Sonntag, unser erster ganzer Tag hier. Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Bus in den Nachbarort, wo es den besten Fahrradverleih der Insel gibt, ich bekomme mein rotes Rad, der Mann eines in schwarz mit zwei Körben und wir sind glücklich, denn genau so haben wir uns das vorgestellt. Damit fahren wir an den Strand am anderen Ende der Insel und hängen die Füße ins Wasser, kalt ist es, aber trotzdem werden wir morgen darin baden, unbedingt, da gibt es nichts, naja, wir werden sehen. Wir legen uns irgendwo hinter einer Surfschule in den Sand, es ist so warm und ich bin zu faul, mir die extra mitgebrachte Sonnencreme ins Gesicht zu schmieren, dann schlafe ich ein und hole mir einen ordentlichen Sonnenbrand, eben so einen, an dem man hier diejenigen erkennt, die gerade erst auf die Insel gekommen sind und in ein paar Tagen werden wir uns über sie und ihre Sonnenbrände amüsieren. Wir beobachten die anderen, da sind die Männer, die in langarmigen Hemden und langen Hosen herumlaufen, die alten Frauen mit Strickmänteln und Zweitfrisuren, die Männer in knackengen azurfarbenen Badehosen, unter denen sich alles abzeichnet und die Eltern, die ihre Kinder ankeifen und der Surflehrer in dem grässlichbunten Shirt. Und natürlich auch die zu dicken Frauen, die in ihren Badeanzügen herumlaufen als wäre es das normalste auf der Welt und die ich dafür bewundere, aber morgen oder so bin auch ich fällig. Wir machen Fotos mit unseren Handys, vom Meer, vom Sand und vom Himmel, das Netz ist irgendwie schlechter als im letzten Jahr, von zu Hause bekommen wir Katzenfotos über Whatsapp zugeschickt, andere schicken uns über Twitter Tipps zu, wo wir unbedingt mal hin müssen und ich antworte nicht darauf, weil ich das alles doch schon selber weiss, weil ich doch schon so oft hier war, ja wir sind gut vernetzt, auch hier. Wir fahren zurück nach Hause, am Watt entlang, an einer Bank machen wir Pause und hören in die Natur, unendlich viele Vögel, durchs Schilf rauschender Wind, sonst nichts.  Dann geht es weiter, allerdings ist der Weg zu Ende und wir müssen unsere Räder durch den Sand zerren, mühsam ist das. Aus dem Watt kommen ein paar Jungs, der eine ist in den Schlick gefallen und von Kopf bis Fuß rabenschwarz, so wird er noch durch den Ort laufen müssen, der irgendwo hinter dem Sand anfängt, ja selbst hier ist immer was los. Dann sind wir daheim, wir ziehen uns was Nettes an und gehen Essen, der Mann ist eine Menge Fisch und ich Fleisch mit Ofenkartoffel, die in Alufolie verpackt ist, die wie ein Schwan geformt ist. Wir schauen durchs Fenster, draußen ist der kleine Hafen, fünf Enten watscheln über den Weg und irgendwo ganz da hinten muss das Festland, doch das ist weit weg und dort soll es auch noch eine Weile bleiben.