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Wetter, Wetter, Wetter

Und weil man sich gerade wieder für eine Woche einen Strandkorb gemietet hat, seit zwei Tagen wenig Sonne und kühle Temperaturen. Als es mal gerade nicht regnet, sich aufs Rad setzen und ein wenig rumradeln und weil Regenjacken etwas für Touristen ist, bleiben die natürlich daheim. In Nebel was Kleines zu Mittag essen, dann weiter Richtung Norddorf. Am Anlun ein wenig aufs Watt und die Nachbarinsel gucken (hinten am Horizont zu sehen) und im Teehaus Burg ein Kännchen Sikkim mit Bernsteinkuchen bestellen. Weiter an die Südspitze, dann in den Ort, dort ein wenig im Supermarkt einkaufen, wieder rauskommen und erstmal schön in ein gemeines Unwetter geraten, also ins nächstbeste Café flüchten, das dann in diesem Fall das vornehme “Hüttmanns” ist, dort ein Kännchen Darjeeling trinken und weil es leider immer noch schüttet und die Regenjacken daheim auf dem Hundesofa liegen, die Räder stehen lassen und mit dem Bus heimfahren. Daheim ankommen und pengggg…..  schönster Sonnenschein.

Weltmännisch Cocktails trinken auf dem Kniep

Was an dieser Insel allerdings seltsam ist: Sie heißen hier alle Quedens und es gibt kaum einen Tag, an dem nicht einer von ihnen in einem der drei Ortschaften einen Diavortrag hält. Die haben dann so schöne Titel wie “Faszination Wattenmeer”, “Wasser und Sand” oder “Nordsee – Mordsee” und werden unverändert seit Jahren in den Sommermonaten den Toursten gezeigt und ich schwöre, letzteren habe ich schon 1998 gesehen, und schon damals waren die Dias schon reichlich durch und überhaupt, Dias! Dass dann aber auch noch die Sängerin der Vorgruppe, die gestern Abend in der Strandbar beim Konzert auftrat, den gleichen Nachnamen hatte und dass die Sängerin der anderen auftretenden Band dazu auch noch ein neonpinkfarbenes Shirt trug und vor allem pseudoknödelte, wie es ein Westernhagen nicht mehr viel schlimmer hätte tun können, also nunja, wie auch immer, unsere Cocktails tranken wir dann doch lieber fernab vom Geschehen mitten auf dem Kniepsand. Beziehungsweise gar nicht so sehr, denn irgendwie saßen wir auf einmal eher mitten auf einem Fußballfeld und konnten froh sein, dass uns unsere Handys und Cocktails nicht um die Ohren flogen. Weil das so gut geklappt hat, hat der Mann sein Handy nachher kurzentschlossen in seinen Cocktail geworfen, um mir hinterher etwas von konischen Becherformen erklären wollen, naja, war ja zum Glück nicht mein Handy. Dann haben wir noch weltmännisch ein paar Zigarillos geraucht und ungefähr 9000 Fotos vom Sonnenuntergang gemacht. Schön war das.

Falls es unklar sein sollte: Ich bin die Frau links, der Mann der Mann rechts auf dem Foto.

Inseltage

Und dann ist Dienstag und wir sind schon über eine Woche hier und ich fange an, die Zeit zu vergessen und überhaupt beinahe alles, was sonst so daheim ist. Manchmal weiss ich sogar nicht mehr, dass ich ja jetzt in Köln lebe und nicht mehr da unten am Bodensee. Seit Tagen kaum Sonne, grau und kühl ist es, bis gestern dazu viel Wind, so dass Radeln und Schwimmen gehen wenig Spaß machen, aber das ist gut, denn so ist es sehr ruhig auf der Insel, weil die Tagestouristen ausbleiben.

Wir schlafen lang und viel, ab und an gehen wir raus und laufen im Sturm auf dem Deich oder am Meer herum, wir machen uns über die Touristen lustig, die trotz 20 Grad in dicken Jacken, Schals und Mützen herumlaufen, als wären sie an der Arktis, wir klickseln im Internet, lesen gedruckte Zeitungen und Magazine, wir machen Fotos und ab und zu besuchen uns die Hunde, die rennen dann über unser Bett und schlafen auf dem Sofa. Seit Tagen ernähre ich mich hauptsächlich von Matjes, Bratkartoffeln, Milchkaffee und sauren Zungen, das ist praktisch, weil wir viel Essen gehen und ich mich so nicht jedes Mal aufs Neue entscheiden muss, was ich bestellen will.

Weil man ab und zu auch mal etwas anderes machen muss, fahren wir mit dem Schiff auf die Nachbarinsel, eine Stunde hin, dreieinhalb Stunden Aufenthalt und eine Stunde zurück, auf dem Schiff gelangweilte Gesichter. Stimmung kommt erst etwas auf, als mich der Kapitän vor den anderen ermahnt, doch bitte meinen Fuß von der Bank zu nehmen und ich ihm erkläre, dass meine Sohlen die Bank überhaupt gar nicht berührt hätten und ich fühle mich auf einmal, als wäre ich wieder 16. Dass ich damals die Beine hochgelegt hatte, weil das cool war und nicht wie heute, weil ich was am Knie habe, muss ja keiner wissen. In Wyk laufen wir durch die kleinen schmucken Gassen, überall mit Rosen bewachsene Friesenhäuser, putzige Vorgärten und weiß angemalte Holzmöwen in den Fenstern, dazwischen Geschäfte, die alle den gleichen Schnickschnack anbieten, Tee, Porzellantassen, Windräder und geringelte Schals, es sieht aus wie in einem friesischen Disneyland und wir sind ein wenig erschlagen davon. Wir gehen in den tollen Bernsteinladen und zum ersten Mal will ich nichts kaufen, obwohl es so tolle Sachen gibt und ich Bernstein liebe,  vermutlich hätte ich letztes Mal nicht fragen sollen, woher der angebotene Bernstein eigentlich stammt. Nicht, dass ich das nicht vorher gewusst hätte, aber die Vorstellung, dass Uwe, der Ladenhinhaber, da mit seinen Gummistiefeln durchs Watt läuft und…  In einem anderen Laden kaufe ich mir für kleines Geld hübsche rote Karneol-Ohrstecker, wie es sie auch in Köln in jedem Schmuckgeschäft gibt.

Als wir in einem der Restaurants essen möchten, bekommen wir einen Platz im hinteren Teil des Raumes zugewiesen, weil im vorderen Bereich alles von den anderen Touristen belegt ist und die Gäste, die nach uns kommen, hängen ihre bunten Freizeitjacken an der uralten Holzgarderobe auf, die dort eigentlich nur zur Dekoration herumsteht. Ich bestelle mir meinen Matjes und dann gucke ich aus dem Fenster. Auf der Fensterbank wieder diese weiß angemalten Holzmöwen und eine alte Brotschneidemaschine, dahinter eine Menge Gardine, doch dann sehe ich auf einen ziemlich hässlichen Hinterhof, ein Fahrrad steht da rum und eine Frau hängt direkt vor unserem Tisch ihre Unterhosen auf und ich bin froh, endlich doch mal noch etwas Echtes zu sehen.

Wer Fotos von dem ganzen sehen will: AuxChampsElise