Die Sache mit dem Baumarkt

Mai 20th, 2012 § 5 comments § permalink

Spätestens zwei Jahre nach dem Einzug in eine neue Wohnung beginnt unweigerlich diese merkwürdige Phase, in der Teile der Wohnung noch immer nicht fertig eingerichtet sind, während an anderen Stellen die ersten Dinge schon wieder kaputt gehen und ersetzt werden müssen: Während wir im Büro nach wie vor nur eine nackte Glühbirne in der Fassung als Beleuchtung haben und auf den meisten Wänden noch immer keine Bilder hängen, blättert im Schlafzimmer bereits die Grundierung mit der aufgetragenen Farbe von der Wand und im Parkett gibt es zwei böse Schrammen. Höchste Zeit also für den Baumarkt!

Jeder, der je in einer Wohnung gewohnt hat, weiß: Baumärkte sind so ungefähr die Box der Pandora, nur in noch schlimmer. Denn war man erst einmal dort, werden die Abstände, in denen man sie erneut aufsuchen muss, immer kürzer. Da möchte man sich zum Beispiel Gardinen ans Fenster hängen, dafür braucht man aber eine Aufhängung. Man fährt also in den Baumarkt, um sich ein Drahtseil und ein paar Dübel zu kaufen. Ein paar Tage später muss man aber noch einmal hin, denn die Wand hat sich als Problemwand entpuppt und Problemwände brauchen Spezialdübel. Und wieder ein paar Tage steht man schon wieder an der Kasse, um den Ersatzbohrer für die Bohrmaschine bezahlen, denn der Vorgänger ist mittlerweile in der Problemwand einfach abgebrochen. Mit im Einkaufswagen: Spachtelmasse, denn mit der müssen die hässlichen Fehlbohrlöcher verputzt werden. Doch dem nicht genug: Sind die hässlichen Bohrlöcher verspachtelt, sind überall diese grauen Flecken an der Wand. Und weil man sich ja für ein Spannseil und nicht für eine Deckenschiene entschieden hat, lassen sich diese Flecken nicht einfach mit dem Vorhang kaschieren. Wandfarbe muss also her, um rund um die Aufhängung ein wenig zu weißeln. Aber ach, das sieht jetzt aber irgendwie komisch aus, wie sich die neue weiße Farbe von der mittlerweile leicht angegrauten alten Wandfarbe abhebt und eigentlich, so nach zwei Jahren, könnte man doch schon mal wieder….?

Diese Phase haben wir zum Glück schon hinter uns, der Mann und ich, wir sind da bereits einen Schritt weiter. Nachdem der Vorhang gut ein Jahr hing, ist uns neulich das Drahtseil aus der Halterung geflutscht, weil die Enden so ausgefranst waren, dass die Zugschraube das alles nicht mehr halten konnte. Selbstredend, dass das Seil aus unserem noch vorrätigen Drahtseil-Set mit 6,50 Meter zu kurz ist, denn wir brauchen ja 7 Meter. Und wo gibt es Drahtseile? Richtig!

Aber nicht nur die Wohnung ist handwerkstechnisch ein Fass ohne Boden, denn wir haben ja auch noch einen Balkon. Und wer wir wir Heimgärtner ist, weiß, was das bedeutet: Jedes Jahr, wirklich jedes, jedes Jahr, wenn man gerade mühsam den letzten 10-Liter-Sack Erde aus dem Baumarkt nach Hause geschleift hat, um endlich die vorgezogenene Setzlinge zu pikieren, fehlt zum Schluss immer genau ein Tontopf. Also nochmal in den Baumarkt sausen und einen Tontopf kaufen. Sind endlich genügend Erde und genügend Tontöpfe im Haus, ja dann fehlt auf einmal garantiert genau ein Untersetzer und das geht nicht, denn man will ja keine Stockflecken unter dem Blumentopf auf dem schönen Bankireiboden! Und natürlich braucht man dann noch Rankhilfen, Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel. Und hat man dann schließlich den letzten Schädling vernichtet, sind die schönen Blumen daran garantiert zugrunde gegangen und man muss nochmal in die Gartenabteilung des Baumarkts, um Ersatzblumen zu kaufen und alles geht wieder von vorne los.

Ich hasse Baumarktbesuche. Ein Besuch in der Hölle könnte für mich nicht schlimmer sein. Es gibt zwei Baumärkte, in denen wir einkaufen, der eine ist der am Barbarossaplatz, der andere der in Hürth. Und in beiden werde ich nach spätestens fünf Minuten wahnsinnig und/oder sehr aggressiv. In dem am Barbarossaplatz, weil ich dort nie das bekomme, was ich brauche, weil er so klein ist und in dem in Hürth, weil ich dort nie das finde, was ich brauche, weil er so groß ist. Mittlerweile ist daher der Mann für das Finden von Dingen in Baumärkten zuständig, aber das macht die Sache nicht wirklich besser. Zwar spare ich überraschend viel Energie, seitdem ich mich anstatt aufs Wüten auf ein stummergebenes dem-Mann-Hinterhertraben konzentriere, stehe dafür aber im Unterschied zu früher auf einmal merkwürdig lange vor Regalen mit Ersatzbohrern und Spezialdübeln für Problemwände herum, während der Mann sich im Sortiment in Ekstase sucht und nicht mehr ansprechbar ist und das zehrt an meinen Nerven, ich kann ja auch nichts dafür.

Nirgends sieht man so viele sich streitende Paare wie in Baumärkten. Ich bin davon überzeugt, dass man jedes Paar erst einmal mit einem großen Einkaufszettel in den Baumarkt schicken sollte, denn nirgendwo anders erfährt man so viel über seinen Partner wie zwischen Spaxschrauben, Pömpeln und Spiralsaugschläuchen. Vermutlich wird das bereits getan, denn Kinder sehe ich im Baumarkt noch seltener als Baumarktmitarbeiter, die man vielleicht einfach mal fragen könnte, wo man die Dinge findet, die man gerade sucht.

Auch wir haben gestern im Baumarkt gestritten: In der Tapetenabteilung fand ich ein wunderschönes Wandtattoo mit wunderniedlichen Brieftauben in Pastelltönen, die nebeneinander auf einem Ast sitzen. Wandtattos sind, zugegeben, in der Regel ziemlich beknackt, aber die, die musste ich haben! Unbedingt! Für übers Bürosofa! Sooooo schööööööhööööön! Und für nur 12 Euro!!!!!! Tauben!!! Schon lagen die Tauben im Einkaufswagen, doch da begann der Mann zu hüsteln und als ich ihn ansah, machte er ein Saures-Zitronen-Gesicht und sagte: Die sind sowas von scheiße, ich habe selten etwas Hässlicheres gesehen. Und das war sein Ernst. Und so hatten wir ein Problem: Gilt jetzt die Regel, dass keiner etwas in der Wohnung macht, was der andere doof findet oder gilt die andere Regel, dass nämlich ich für die Wohnungsdeko zuständig bin? Und überhaupt, wie oft ist der Mann eigentlich in meinem Büro (maximal eine Stunde pro Woche, um dort Wäsche auf- oder abzuhängen oder den Drucker zu reparieren) und wie oft ich (ca. 40 Stunden pro Woche) und was ist dann schlimmer: Eine Stunde lang die Tauben hassen oder sich 40 Stunden wie Bolle an den Tauben erfreuen? Ja, die Stimmung war nicht sonderlich gut.

Allerdings nur für fünf Minuten. Wir sind nämlich, nachdem ich die Tauben wütend ins Regal zurückgestellt hatte, in die Farbenabteilung. Ich hatte dort, als der Mann gerade in der Seilabteilung war, bereits die ausliegenden Farbkarten studiert, denn wir wollen im Schlafzimmer eine Wand blau streichen. Ich habe die Blautöne nicht gezählt, ich glaube, es waren um die 60. Sechs Farbkarten mit je 6 Tönen waren in die engere Auswahl gekommen. “Such Dir die raus, die Du am besten findest”, sagte ich, noch knatschig wegen meiner Tauben, ohne ihm zu sagen, dass die 57.100 mein Favorit war. Der Mann studierte kurz die Blautöne im Rondell, dann meine sechs Farbkarten, legte nach und nach Karte um Karte weg und zeigte mir schließlich sein Lieblingsblau: “Die ist es. Die finde ich am besten”, sagte er und tippte auf die 57.100. Die Baumarktbeziehungsprobe haben wir, würde ich sagen, mit Bravour bestanden, wir können also getrost heiraten.

Und das Taubenwandtattoo, das kaufe ich mir einfach nächste Woche, denn da muss ich nochmal in den Baumarkt.  Wegen dem Tomatendünger.

 

Balkonglück

März 16th, 2012 § Kommentare deaktiviert § permalink

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Frühlingsgefühl

März 14th, 2012 § Kommentare deaktiviert § permalink

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Priemeln, Planen, Plastikfolien

August 25th, 2011 § 2 comments § permalink

Ja und dann wäre da noch der Balkon. Und als wir am Sonntag vom Bodensee zurückgekommen waren, sah dieser längst nicht so idyllisch aus wie hier auf dem Foto. So war der Boden komplett mit einer Schicht weißem, staubigen Putz und Putzbröckeln überzogen. Über die gesamte Fläche. Dazu überall neue rostige Nägel in einer Länge von gut acht Zentimetern (Aktueller Zähler: 15 8cm-Nägel und ein 25cm-Nagel). Außerdem: Zigarettenkippen, Kassenbons und Holzlattenteile, denn unsere Handwerker sind da durchaus sehr kreativ und schauen, dass wir stets Abwechslung haben. Die leeren Colaflaschen haben sie allerdings bisher immer nur ins Gebüsch vorm Haus geworfen, aber das kann ja noch werden. Immerhin haben die Herren Dachdecker nach rund vier Wochen des intensiven Insistierens nun aber eine Schutzplane am Baugerüst über unserem Balkon befestigt, so dass die Wahrscheinlichkeit, von herabfallenden Dachziegeln, Werkzeugen oder Riesenzimmermannsnägeln erschlagen zu werden, ein wenig geringer geworden ist. Insgeheim habe ich die Herren im Verdacht, dass sie das Ding auch deswegen befestigt haben, um mich nicht mehr sehen zu müssen, wenn ich morgens im Pyjama auf den Balkon stürme, um sie anzubrüllen.
Die blaue Plane des Grauens? Nun, die hängt noch. Vermutlich aber nur noch bis Ende nächster Woche, denn Ende August soll ein professioneller Sichtschutz aus Milchglas und Metall befestigt werden und unser Nachbar hat sich bereit erklärt, dann sein blaues Wunderding abzuhängen. Wir sind gespannt.
Was die übrigen Bauarbeiten angeht, gibt es wenig Gutes zu vermelden, denn da kommt noch einiges auf uns zu: Da wären noch die restlichen Fliesen auf der Vorderfront des Hauses, die vermutlich nächste Woche mit Presslufthammern abgemeißelt werden sollen. Anschließend wird isoliert, gespachtelt und verputzt. Und mit etwas Glück werden auch unsere Fensterrahmen wieder repariert, die durch herabfallende Fliesen beschädigt wurden. Denn leider wurden unsere Fenster erst mit der Schutzfolie verkleidet, nachdem man mit dem Abmeißeln fertig war. Vermutlich, damit wir in unserem Wohnzimmer ersticken. Lüften war so nämlich nicht mehr möglich, der Innenraum war praktisch hermetisch abgeschlossen von der Außenwelt. Weil uns das irgendwie seltsam vorkam, haben wir die Folien nach drei Wochen dann aber selber abgehängt und können seitdem auch wieder atmen, wenn wir uns in unserem Wohnzimmer aufhalten.
Dem noch nicht genug, denn da wäre dann noch der Balkon über uns, der teilweise abgerissen werden soll. Die gute Nachricht: Der Schutt soll nicht, wie uns neulich einer der Herren Bauarbeiter erklärte, auf unseren Balkon geworfen, um dann durch unsere Wohnung abtransportiert zu werden, nein, sie stellen einfach ein Riesengerüst auf unserem Balkon auf, um dann eine Riesenplane zu spannen, in der der Schutt dann aufgefangen werden kann. Ist doch toll, oder?

 

Balkonglück

April 21st, 2011 § 1 comment § permalink

Das soll hier nun kein Home&Garden- oder sowas wie ein Hausfrauen-Blog werden, aber das muss jetzt sein, denn ich bin wirklich ein bisschen stolz: Gestern haben wir nämlich unseren Balkon begrünt. Morgens in den Baumarkt gefahren und eine Menge Pflanzen, Blumenkästen, Ton-  und Zinktöpfe, Erde und anderes Gerät gekauft, mittags alles eingebuddelt und aufgebaut. War sehr anstrengend, für mich jedenfalls, weil ich immer noch krank bin. Aber es hat sich gelohnt, denn ich glaube, wir haben nun den schönsten Balkon Kölns. Und ich freue mich wie bekloppt darüber, nachdem ich doch so wahnsinnig lange weder Balkon noch Terrasse hatte.

Bepflanzt habe ich mehrere Kästen – mit verschiedenen Petunien, Kapkörbchen (das sind so kleine Margeriten), Karnevalsblumen, Hängelobelien und Heliothrop. Dazu haben wir eine hellblaue Klematis, eine weiße und eine pinkfarbene Margerite, weitere Lobelien und schon so einiges an Kräutern. Außerdem sind die Liegen endlich gekommen – und es gibt schöne neue Stühle, die nun auch zum Tisch passen. Mit etwas Glück können wir außerdem am Wochenende grillen, denn wenn es der große Fleischgott gut mit uns meint, wird am Samstag nämlich der bestellte Grill geliefert.