Tag 17 – Brighton: Mit dem Schiff nach Guernsey

Und Tag 17 beginnt ziemlich früh: brighton wheelUm fünf Uhr stehen wir auf, denn um sechs steht das Taxi vorm Hotel, das uns nach Portsmouth bringen soll. Das kostet satte 100 Pfund, aber mit der Bahn oder mit dem Bus hätte es keine gute Verbindung gegeben und außerdem haben wir ja noch die zwei riesigen Koffer mit je 20 Kilo Gewicht. Aber beim Essen waren wir in den letzten beiden Tagen etwas sparsamer, daher ist das in Ordnung. Ein letzter Blick aufs Wheel, direkt von der Hoteltüre aus gemacht, und dann geht es auch schon los, mit der wohl nettesten Taxifahrerin der Welt, die uns auf der Fahrt die Geschichte von ihrem Honeymoon und Guernsey erzählt, nämlich als ihr frisch angetrauter Gatte und sie die Idee hatten, mal eben kurz rüber nach Guernsey zu fahren und dann auf der Fähre feststellen mussten, brighton ferrydass die Überfahrt ja geschlagene sechs Stunden dauert und keiner hatte an ein paar Klamotten zum Wechseln gedacht, geschweige denn daran, irgendwo in einem Hotel ein Zimmer zu reservieren…

Wir reisen dagegen etwas komfortabler und haben auf dem Schiff sogar eine Kabine gebucht, um auf der Überfahrt ein wenig schlafen zu können. Wir gucken noch zu, wie das Festland hinter uns verschwindet und nehmen ein strammes Frühstück zu uns und ich kann versichern, dass es genauso fürchterlich schmeckt, wie es aussieht.

scottish breakfast

“Scottish Breakfast” nennt es sich und neben dem Bacon und dem Spiegelei gehören dazu Bohnen in Ketchup-Sauce, eine lasche Wurst, eine lauwarme Kartoffelecke, aufgewärmte, aber irgendwie trockene Dosenpilze und aufgewärmte Dosentomaten. Weil es mein Glückstag ist, ist kein Black Pudding dabei, das ist so etwas wie gebratene Blutwurst. Die esse ich eigentlich ganz gerne, dann aber als feste Schwarzwurst aus dem Schwarzwald. Schon die Kölner Flönz ist mir zu weich und was bitte soll man von Blutwurst halten, die “Black Pudding” genannt wird? Eben.

Später sitzen wir ein bisschen an Deck herum und ich packe zum ersten Mal seit zwei Wochen mein Häkelzeug aus und häkle ein bisschen das Schiff ein.

yarn bombing Wir landen in Peters Port auf Guernsey und sind erstaunt, wie wahnsinnig warm es auf der Insel ist, ein Taxi bringt uns raus nach St. Martin zu unserem Hotel La Barbarie. In Serpentinen geht es durch die bewaldeten Klippen auf engen Straßen nach oben und der Fahrer sieht ein bisschen aus wie ein amerikanischer Schauspieler und hat eine CD eingelegt, Musik für den Hippie ab 50 und alles ist gut.

La Barbarie ist ein ziemlich schönes Hotel, zwei Gebäude gehören dazu und wir haben eines der Appartments mit Terrasse. Im Innenhof gibt es einen Pool und als wir zu unserem Zimmer geführt werden, drehen sich 20 Köpfe zu uns um und von neugierigen, in Beige gekleideten Rentnern, die am Pool herumhängen, werden wir von oben bis unten begutachtet und mein Haar sitzt leider so überhaupt nicht. Wir werfen die Koffer ins Zimmer und wollen ans Meer, baden gehen, 500 Meter sind es laut Karte bis zur Bucht und als wir uns auf den Weg machen, staunen wir, wie steil der Weg hinunter geht und wie lang der auf einmal ist, mindestens eine halbe Stunde würden wir bis nach unten brauchen und wohl noch länger nach oben und in eineinhalb Stunden haben wir einen Tisch im Restaurant reserviert. Enttäuscht drehen wir um, ein Bad im Meer wäre so schön gewesen bei der Hitze, doch war da nicht noch der Pool…? Zurück ins Zimmer, rein in die Badeklamotten und dann mache ich etwas, was mich selbst wundert: Der versammelten beigen Rentnerschar meinen Luxuskörper im Badeanzug präsentieren und es ist mir fast so gut wie völlig egal. So einfach kann es sein.

Abends essen wir mehr als gut im Hotel-Restaurant und hier sitzen sie dann alle wieder, die Rentner. Die Männer tragen alle blaugemusterte Kurzarmhemden und die Damen geblümt und wir amüsieren uns darüber, bis wir feststellen, dass ja auch der Mann ein blaugemustertes Kurzarmhemd und ich geblümt, aber ist ja auch egal jetzt. Wir wählen das Menü, die Kellner flitzen zwischen den Tischen herum, alles ist ein bisschen vornehm, so britisch und aber auch so französisch. Die Vorspeise habe ich leider bereits vergessen, als Hauptgang gibt es unverschämt gute Ribeye-Steaks und hinterher eine kleine Käseplatte mit ausgewähltem Guernsey-Käse. Und der ist mehr als phantastisch und das böse Frühstück von der Fähre ist längst vergessen.

Tag 16 – Brighton: Strandtag

Und heute? Heute war Strandtag und der sah so aus: Vormittags Herumliegen am Strand, hinterher Herumliegen im Hotel, anschließend weiteres Herumliegen am Strand und abends schließlich Herumlaufen auf der Pier. Und es war ein großartiger Tag.

So sieht es übrigens aus, wenn man direkt vor unserem Hotel steht (die anderen drei Bilder stammen von der Pier):

20120907-205351.jpg

 

20120907-205101.jpg

 

20120907-205115.jpg

20120907-205135.jpg

Und morgen? Da heißt es ziemlich früh aufstehen, denn das Taxi nach Portsmouth holt uns um 6 Uhr 20 ab. Und ab Portsmouth geht es mit der Fähre zur letzten Station unserer Rundreise, nämlich auf die Insel Guernsey, wo wir noch fast eine Woche bleiben werden.

 

Tag 15 – Brighton: Höher, schneller und im Kreis herum

Tag 15 unserer Rundreise beginnt sehr früh, um sechs klingelt der Wecker. Die restlichen Kairportlamotten in die Koffer packen, im Hotel auschecken und am Eingang steht schon das Taxi und wir fahren raus zum Flughafen. Dort gibt es ein strenges Frühstück mit Pancakes, Würstchen und Spiegelei, dann einchecken und schon fliegen wir auf 10 000 Metern rüber nach England. Die Maschine ist voll, wir sitzen eingepfercht zu dritt in der Reihe, der Mann quetscht sich in die Mitte, damit ich am Fenster sitzen kann und keine fremden Menschen berühren muss. Wir starten und als wir auf zehntausend Metern Höhe sind, möchte ich am liebsten irgendwas ins Flugzeug brüllen, weil das doch so furchtbar hoch und alles andere als normal ist, auch wenn das hier mein fünfter Flug in diesem Jahr ist und das alles langsam zur Routine wird. the brighton wheelIch lasse es aber lieber und kichere einfach nur hysterisch vor mich hin, während ich aus dem Fenster starre und mir überlege, ob das nun gut ist, dass da am Flugzeugfügel vor meinem Fenster ein großes Stück Lack abgeplatzt ist und ob mir mit meinem Jenseits-der-Norm-Körper eigentlich die Rettungs-Schwimmweste passt, bis ich irgendwann einschlafe.

In Gatwick landen wir dann und alles geht irre schnell. Wir marschieren mit den Mitpassagieren durch endlos lange Gänge mit dicken Teppichen durch das Flughafengebäude, dann sind wir am Kofferband und das läuft auch sofort los, als wir in die Halle kommen, unsere Koffer sind die ersten auf dem Band und weiter geht es in der Herde rüber in die große Halle, bloß niemanden brighton wheel 2anschauen, sondern einfach immer gerade aus und darauf achten, dass der Koffer gut rollt und man nirgendwas aneckt und die coolsten Koffer aber haben definitiv wir, denn unsere rollen auf vier Rädern und sind superleicht zu bewegen trotz ihres Gewichts. Die Rolltreppe hoch und raus, da gibt es dann auch gleich eine Bahn, die einen rüber zur Train Station fährt und in der Halle der Train Station herrscht das totale Chaos, überall Menschen mit einer Menge Gepäck, die alle auch noch irgendwo hin wollen, manche schreien und ab und an verhaken sich die Trollys ineinander und dann stolpert wieder einer, auch hier bloß niemanden anschauen und sich einfach nur auf die Füße konzentrieren. Der Mann aber bleibt total cool, zieht am Automaten die Tickets nach Brighton und schon sitzen wir auch schon im richtigen Zug und fahren los und zwischen Landen des Flugzeuges und Losfahren des Zuges sind es maximal eine halbe Stunde und ich staune, wie schnell das hier alles läuft.

In Brighton fahren wir mit dem Taxi ins Hotel und dann staunen wir: Wir wohnen 100 Meter Luftlinie entfernt vom Riesenrad und das steht einfach am Ende der Straße, in der unser Hotel liegt. Der Empfang ist sehr nett, aber das Zimmer ist irgendwie anders, riesengroß, lila gestrichen, braungelbe Möbel, ein HIMMELBETT mit gelblila Plüschvorhängen, ein weinroter, dramatisch drapierter Vorhang mit Volants, ein

grüngelbrot gemustertes Plüschsofa und ein Bad, nunja, irgendwas stimmt mit diesem Bad nicht so ganz, aber das möchte ich jetzt nicht näher erklären, die Dusche ist allerdings riesig und das ist gut. Wir gehen ein bisschen an den Strand runter und gucken ins Wasser, ich bin furchtbar müde, doch um den Rest des Tages im Bett zu verbringen ist die Zeit zu schade und außerdem ist das noch die ganze schmutzige Wäsche und der Waschsalon drei Straßen weiter.

brighton sundownAbends essen wir großartig in einem Pub, und nachdem ich gestern den wohl schlimmsten Salat meines Lebens gegessen habe, habe ich heute richtig Glück mit meinem “Confit Free-ranged Pork Bell” – wer jemals in Brighton ist, geht bitte im “Black Lion” essen und bestellt sich das: Langsam gegartes Schwein mit irgendeiner süßen Glasur und Sesam auf einem asiatischen Salat mit Sprossen, Ingwer und Zeug, dazu Karottenchips und krosse, fettfreie Schweinekruste als Deko. Ein Traum, zumal ich von dem ganzen frittierten Zeug, das man hier wie in Schottland überall bekommt, die Nase voll habe.

Dann gehen wir noch ein bisschen an der Pier spazieren, die Sonne geht unter und der Himmel leuchtet orange und weil es ein so schöner Abend ist, fahren wir noch mit dem Riesenrad und dass mir beim Runtergucken durch die Glastüren dabei fast schlecht wird, ist nun auch egal, wer auf 10 000 Metern nicht laut WHATTHEFUCK ins Flugzeug gebrüllt hat, kann sowas einfach ignorieren. Naja, fast.