Tag 11 – Kopenhagen: Noch mehr Rumradeln und Rumgucken

Heute nur ein paar Bilder, ich bin schreibfaul und auf meinen Nachttisch liegt Herrndorfs “Tschick” und möchte endlich weitergelesen werden.

Den Tag haben wir größtenteils einfach auf dem Rad verbracht und es war großartig. Sich einfach aufs Rad setzen und losfahren, ohne irgendein Ziel, immer der Nase nach, am Kastellet vorbei und im Hintergrund liegt das Traumschiff aus der ZDF-Serie…

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…weiter zum Schloss Amalienburg, wo gerade Wachablösung stattfindet, Königs waren laut gehisster Fahne übrigens gerade zu Besuch im Schloss, ich weiß allerdings nicht genau, wer von der Familie, aber das ist eigentlich auch egal…

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…an den Befestigungsringen am Ufer von Christiania an phantasievoll gebauten Häuschen und einer Menge Schrott vorbeifahren, wo man eigentlich nicht fotografieren darf, weil die Hippies damit keinen Spaß verstehen…

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… und dann immer weiter gerade aus, bis man wieder am Wasser ist und einen sensationellen Blick aufs Kopenhagener Hafenbecken und eine Menge Schiffe hat, ein Platz, wo man als Tourist vermutlich eher selten hinkommt…

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…irgendwo an einem der Kanäle Kaffeetrinken und zugucken, wie gleich einer der Kanuten umkippen wird…

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… sich dann in ein Schiff setzen und sich dann ein bisschen durch den Hafen fahren lassen…

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… ein paar Türme fotografieren…

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…was essen…

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… und noch ein bisschen rumlaufen.

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Tschüss Kopenhagen, es war mir eine große Freude! Und morgen? Da fliegen wir nach Edingburgh.

 

Tag 10 – Kopenhagen: Rumradeln, seltsame Restaurants und Achterbahnfahren

 

Und gestern sind wir ziemlich viel herumgeradelt, einfach immer der Nase nach. Radeln ist in Kopenhagen das große Ding und besser als vom Rad aus kann man eine Stadt sowieso nicht erleben. Die Tasche über die Schulter werfen, den Schal festzurren und ein Pornogesicht auflegen und los geht`s.  Das Kastellet angucken, auf dem echte Soldaten mit echten Gewehren rumlaufen und aufpassen, dass bloß nichts passiert. Im Hintergrund das ECHTE Traumschiff am Hafen, also das, das immer im ZDF rumfährt. Am Schloss Amalienborg bei der Wachablösung zugucken, wie die einen Männer mit bekloppten Fellmützen von anderen Männern mit bekloppten Fellmützen abgelöst werden. Dann einmal quer durch die Stadt und raus nach Christiania, einen Kaffee trinken, was man da normalerweise ja eher nicht so macht, aber die Leute waren trotzdem nett zu uns, auch wenn einige da ganz schön hinüber aussahen. Nur so viel dazu aber: Mein Rad stand versehentlich eine Stunde unabgeschlossen herum und danach war es immer noch da. Mittagessen in einem Restaurant, in dem es tolle Salate geben sollte, leider bekamen wir erst nach einer halben Stunde mit, dass man an der Theke bestellen musste, um dann noch eine weitere geschlagene Stunde aufs Essen zu warten und weil es da sehr kalt war, hatten wir in der Zwischenzeit blaue Lippen, und dann kam das Essen und das vom Mann war völlig verbrannt, kein Wunder, wenn es eine Stunde unterm Salamander steht oder was auch immer die damit gemacht haben. Ein bisschen schlafen im Hotel und dann nochmal raus ins Tivoli, einem der ältesten Vergnügungsparks der Welt, in dem sich Walt Disney alles für sein später gegründetes Disneyland abgeguckt hat. Statt Micky Maus gibt es den Petzi Bär, doch den haben wir leider nicht gesehen, nur einmal als kleine Statue, immerhin, ins Petzi-Bär-Café wäre ich noch gerne gegangen, aber der Mann hat mich einfach daran vorbeigezerrt, der spinnt ja. (Nachher muss ich mal noch googlen, ob es Petzi-Bär-Nachttisch-Lampen gibt.)

Ja und dann die Achterbahn. Als Kind bin ich ein paar Mal in einem belgischen Freizeitpark gefahren, im Bobbejaanland, allerdings ohne Loopings, das war`s dann aber auch mit meiner Achterbahn-Erfahrung. Der Mann hat mich daher zum Warmwerden erstmal in die Holzachterbahn gezerrt, wo dann diese schöne Foto oben entstand – wie man sieht, waren wir ziemlich begeistert. Später fuhren wir noch mit der großen Achterbahn, die zwei oder drei Loopings fährt und ein mords Tempo vorlegt, doch davon hab ich gar nicht viel mitbekommen, denn ich habe während der 50 Sekunden Fahrt einfach mal so gar nicht hingeguckt und schon gar nicht geatmet, ich bin ja nicht verrückt.

Hinterher Abendessen, was aber gar nicht so einfach war, denn auf Leute, die um zehn noch essen wollen, ist man in den Tivoli-Restaurants nicht wirklich eingestellt, mit Ach und Krach haben wir noch ein japanisches Buffet mit arroganten Kellnern gefunden, die vor allem im Weg herumstanden, wenn die Gäste an ihnen vorbei zum Buffet wollten. Essen-Gehen ist in Dänemark anscheinend nicht so das große Ding, ist aber auch nicht so schlimm, dafür passt meine neue Jeans nach wie vor toppitopp.

Und heute? Heute radeln wir einfach noch ein bisschen herum und dann werden wir schon sehen.

Tag 9: Kopenhagen – Auf der Öresundbrücke, ein bellender Chinese und eine ziemlich mickrige Meerjungfrau

Irgendwann im Mai war es, da lief dieser mehrteilige schwedisch-dänischer Krimi: Mitten auf der Öresundbrücke wird eine zweigeteilte Leiche gefunden, der eine Teil liegt auf der dänischen, der andere auf der schwedischen Seite, puh, igitt, gruselig, und über mehrere Folgen hinweg ermitteln nun dieser dänische Polizist und diese schwedischen Polizistin herum, was anfangs nicht sonderlich gut läuft, denn während er Stress daheim mit seiner Frau hat, weil er fremd gegangen ist, ist sie sowas wie ein autistischer Polizei-Nerd. Wie auch immer, wir haben alle Folgen angeguckt, sogar der Mann, obwohl der sonst Krimis hasst und als wir dann unsere Reise planten, dachten wir, fahren wir halt auch mal über diese Brücke, ist ja anscheinend immer was los da. Und das haben wir heute dann auch gemacht und zwar mit der Bahn. Von Karlskrona kann man direkt bis zum Hauptbahnhof Kopenhagen fahren, einmal quer durch Südschweden, und das dauert gerade mal drei Stunden.20120831-223333.jpg

Ich liebe es, mit dem Zug zu reisen. Man sitzt da so rum, liest was (Wolfgang Herrndorf), hört Musik, isst ab und an einen Keks und guckt ansonsten einfach aus dem Fenster und lässt die Landschaft an einem vorbeirauschen. Das Gefühl, unterwegs zu sein, ist hier ein ganz anderes als in einem Flugzeug, viel direkter eben. Unzählige Schwedenhäuschen, viele Felsen, Wälder, ab und an Felder, im Zug riecht es dezent nach Käsefüßen und irgenwann stelle ich fest, dass das ja meine ollen Schuhe von Lands End sind, aber da kann ich dann leider auch nichts machen.

Unsere riesigen Koffer haben wir irgendwie unter die Sitze geklemmt, Abstellflächen für Gepäck gibt es nicht in diesem Zug, dafür aber einen Zugbegleiter, der ohne weiteres bei den Chippendales auftreten könnte, riesige Zugtoiletten und statt ekliger Kippmülleimer unter den Tischchen hängen da praktische Plastiktüten, in die man seinen Müll hineinsteckt und jede Stunde kommt ein anderer Zugbegleiter und räumt den Kram weg. Der ist allerdings nicht ganz so attraktiv wie der andere. Prima Nackenkissen gibt es, die sind aus Leder und höhenverstellbar, und sogar den Arm kann man prima auf dem kleinen Absatz unter dem Fenster abstützen. Zugfahren in Schweden ist sehr angenehm, wesentlich angenehmer als in Deutschland jedenfalls. Von der Brücke allerdings sehen wir nicht viel, die Bahn fährt eine Etage tiefer, links ist halt Wasser und rechts auch, nicht wirklich spektakulär. Leichen waren auch keine zu sehen, aber es kann ja nicht überall Schwedenkrimi sein.

In Kopenhagen fahren wir mit dem Taxi ins Hotel, im Esplanaden wohnen wir, und als wir an der Rezeption sagen, dass wir im Honeymoon sind, bekommen wir eine Flasche Weißwein geschenkt und ein Zimmer mit durchgehendem Doppelbett, hurra! Das Zimmer ist nett geschnitten und liegt nach hinten raus, die Matratzen sind fest, was nach den weichen Matten in Karlskrona und auf der Fähre nach dort eine Wohltat ist. Schrankplatz gibt es mehr als genug, dafür aber nur zwei Kleiderbügel, jedes Hotel hat eben so seine Eigenheiten und versuchen, sie zu verstehen, würde einen glaube ich irgendwann verrückt machen. Zwei Kleiderbügel, geht´s noch? Fünf frisch in Karlskrona gewaschene und gebügelte Tuniken habe ich im Koffer und ehrlich gesagt bin ich mit sowas empfindlich, Stinkschuhe hin oder her! Ansonsten ist das Zimmer ein bisschen heruntergewohnt, das Bad auch nicht ganz so pieksauber wie das in Schweden, aber der Rest wiegt das locker wieder auf.

Ein paar Straßen weiter mieten wir uns Räder und als wir durch die Stadt radeln, fühle ich mich wie Königin Beatrix, nur viel besser, in Städten radeln ist so viel würdevoller als zu Fuß durch die Straßen zu tapern, habe ich schon erwähnt, dass ich fast nichts mehr hasse, als zu Fuß durch Innenstädte zu laufen?

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Wir radeln also so herum, immer der Nase nach, radeln in Kopenhagen ist großartig, denn überall gibt es Radwege und überhaupt sind hier einfach alle auf dem Rad unterwegs. Wir landen beim oder am, ich weiß nicht, wie man das nennt, Nyhavn, der Mann war hier vor Jahren schon mal was essen und wir haben Hunger. Am Nyhavn ist die Hölle los, hier trifft man sich am Freitagabend in den zahllosen kleinen Restaurants, viele sitzen aber auch einfach mit mitgebrachten Getränken auf der Mauer an der Seite. Es ist so ganz anders als in Karlskrona, denn hier gibt es richtig Leben auf der Straße. Fisch gibt es überall in den Restaurants zu essen, Schnecken, Lobster, Ostseefisch, Muscheln, Austern, Kopenhagen ist immerhin eine Hafenstadt, wir gehen aber einfach in einer der Nebenstraßen zum Chinesen und essen Ente.  Als wir an der Vorspeise, scharfe Rippchen, herumnagen, beiße ich mir ein Stück Zahn ab und bin ein bisschen geschockt, zum Glück tut es nicht weh und dann sind da am Nebentisch noch die Chinesen und der eine niest dauernd in die Mitte des Tisches und anfangs sind wir auch davon ein bisschen geschockt, weil wir erst glauben, da säße ein Hund, den das Niesen hört sich wie Bellen an, aber es ist dann doch nur der Chinese und das lenkt dann von der Sache mit dem Zahn auch wieder ab. Unser Essen jedenfalls war lecker.

Nach dem Essen steigen wir am Nyhavn in eines der Boote, die einstündige Touren über die Kanäle und durch den Hafen fahren, eben das, was eben Touristen hier so machen. Wir sitzen ein wenig eingepfercht, vor uns gestikulierende Spanier, hinter uns zwei Frauen mit zwei Kindern, die uns permanent in die Rücken boxen und an den Haaren ziehen, kühl ist es, aber golden leuchtet die Abendsonne über das goldblaue Wasser, während wir durch unzählige kleine Nebenkanäle fahren, vorbei an alten prächtigen Gebäuden, unzähligen Booten, Straßencafés aus denen die Leute uns fröhlich zuwinken. Es ist wunderschön.

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Wir fahren am Militärhafen vorbei, dann an der königlichen Yacht, ein Matrose in Uniform steht an der Reeling und winkt uns zu, und schließlich halten wir an der Meerjungfrau. Mit Märchen hatte ich es nie, mit denen von Hans Christian Andersen sowieso nicht, der war eh ein komischer Kauz, der die meiste Zeit seines Lebens in Hotels wohnte und dabei immer ein langes Seil dabei hatte, um sich damit, wenn es mal brennen sollte, aus dem Fenster abzuseilen. Die Meerjungfrau ist ziemlich mickrig, gerade mal ein Meter hoch, doch die Leute auf dem Schiff springen extatisch auf und fotografieren wie verrückt, zumindest den Rücken, denn das Ding ist ja zum Ufer hin ausgerichtet. Ich wundere mich ein wenig. Am Ufer steht eine große Gruppe Menschen, die das Ding von vorne fotografiert, einer hat sich außerdem auf die Steine des Ufers gesetzt und sieht aus, als würde er die Statue anbeten. Ich verstehe das Theater nicht so ganz und fotografiere einfach die Leute, wie sie die Statue fotografieren und nicht mal das sieht auf dem Foto irgendwie interessant aus.
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Dann fahren wir zurück zum Nyhavn und steigen aus, später trinken wir noch einen Kaffee und fahren anschließend einfach ins Hotel.

Kopenhagen erinnert mich an Amsterdam in schön, es ist bunt und lebendig, überall das Wasser, nur ist alles etwas prächtiger und vor allem weniger laut. Wenn das mit dem Restaurant auf Aspö nichts wird, vorausgesetzt, dass das mit dem Seemann in der Danziger Bucht nicht klappt, dann kaufe ich mir eines dieser Hausboote, die ich heute gesehen habe, und mache da ein Wollgeschäft drin auf. Ganz bestimmt.