Tag 14 – Edinburgh: Die Sache mit dem Haggis

September 6th, 2012 § 1 comment § permalink

Und über diesen Tag nur kurz, eigentlich ist heute nämlich schon Tag 16 und ich hinke ein bisschen hinterher, denn wir sind schon in Brighton. Der Mann rasiert sich gerade im Bad und gleich gehen wir an den Strand, weil hier heute phantastisches Wetter ist…

Tag 14 also. Nach dem Frühstück gehen wir zuerst in den großartigen Laden, in dem es die wunderschönen Sachen von Anta gibt – im Schaufenster hängen diese tollen Karo-Taschen und ich habe mich ganz furchtbar in eine von ihnen verliebt, ohne zu wissen, was sie kostet und jedes Mal, wenn wir am Laden vorbeilaufen, ist der gerade geschlossen. Die Tasche kostet deutlich mehr als erwartet, nämlich stolze 68 Pfund, hat aber eine phantastische Qualität – das Material ist ein robuster, wasserabweisender schottischer Teppichstoff und die freundliche Ladenbesitzerin erzählt, sie hätte ihre seit sechs Jahren täglich in Nutzung und würde durchaus schwere Sachen damit transportieren. Dann zeigt sie auf ihre Tasche, die hat zwar ein paar Flecken, sieht aber ansonsten noch absolut top aus und überhaupt, diese Farben und Muster sind soooo toll… das hier ist jedenfalls jetzt meine:

Das Castle wollen wir uns anschauen,  dafür steigen wir geschätzte 200 Stufen in einer der Nebengassen den Berg hinauf, doch die langen Schlangen an der Kasse verheißen nichts Gutes, wir rechnen mit mindestens einer halben Stunde Wartezeit und ist nicht ein Castle irgendwie wie das andere und die Burg in Meersburg hatten wir uns doch eh erst neulich angeschaut? Wir fotografieren das Ding also vom Hof her, das muss reichen und gehen einfach wieder….

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… und landen ein paar Meter weiter in  der “Camera Obscura”. Hier hießt es erstmal wieder Treppen steigen, fünf Stockwerke geht es hoch in einen Turm und als ich schnaufend durch die Türe nach draußen auf den Balkon trete, muss ich nicht nur wegen der Treppen tief atmen, sondern auch wegen des mehr als phantastischen Blicks auf die Stadt:

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Im Turm ist dann auch eine echte Camera Obscura untergebracht, in einem dunklen Raum wird sie uns vorgeführt und wir stehen kichernd an einem runden, nach innen gewölbten Tisch, auf den das Bild, was sie draußen aufnimmt, gestrahlt wird und beobachten, wie die Touristen nebenan im Hof des Castles herumlaufen, wie unten am Busbahnhof der Dudelsackspieler vor sich hinpfeifft und wie ganz hinten auf einem der Hügel, die die Stadt einrahmen, die Leute sich beim Hochlaufen abmühen. Das Museum hat aber noch viel mehr zu bieten, auf jeder Etage gibt es verschiedene Attraktionen zu sehen, es geht um optische Täuschungen. Man kann eine Menge anfassen und ausprobieren, und dann verlaufe ich mich tatsächlich noch im Spiegellabyrinth und finde erst wieder raus, als der Mann von draußen den Kopf nochmal hineinsteckt und nach mir guckt.

Nach dem Museum bin ich ein wenig hinüber und wir gehen erstmal etwas essen. Dass ich Haggis essen würde, hatte ich morgens lauthals bei Facebook verkündet, doch dann bin ich doch ganz froh, als wir in einer Art amerikanischem Diner landen und ich einen Burger mit Fritten bestellen kann. Haggis, das ist irgendwie alles vom Schaf außer den Augen, dann doch lieber Frittiertes, abends ist ja auch noch Zeit.

Die “Britannia”, die in Edinburgh vor Anker liegt, steht noch auf unserem Programm, also setzen wir uns mit unserem 2-Tages-Ticket nochmal in einen der On-Off-Busse und fahren die “Majestic”-Tour, die uns runter an den Hafen der Stadt führt. 20120906-211015.jpg

Besonders schön ist es da unten nicht wirklich und weil wir spät dran sind, ist die Britannia schon geschlossen und wir sind fast ein bisschen froh darüber und fahren einfach wieder zurück, gehen ins Hotel und legen uns kurz hin, die Koffer müssen wir ja außerdem auch noch packen.

Abends essen wir in einem Pub am Grassmarket, dem “The Mitre”, Frittiertes kann ich nun nicht mehr sehen, es gibt immerhin Haggis-Balls, aber ich brauche etwas Grünes und bestelle mir den Ziegenkäse auf Rote-Beete-Salat und in der Tat, es ist der merkwürdigste Salat, den ich je in meinem Leben gegessen hatte. Nicht, dass die Zutaten nicht gut gewesen wären, aber die Kombination ist besorgniserregend. Oben der Ziegenkäse mit Honig, der ja eigentlich ganz gut zur Roten Beete passen würde, wenn da nicht noch die Tomaten, Gurken, Karotten, der Rucola und der viele Aceto Balsamico wären. Die deutschen IT-Fritzen nebenan ordern die Haggis-Balls, nachdem sie eine halbe Stunde unruhig an ihrem Tisch saßen und sich wunderten, warum sie nicht bedient werden, bis der Mann ihnen erklärt, wie das in so einem Pub in Schottland so läuft. Die Balls sehen aus wie Hackbällchen und wären vermutlich die bessere Wahl gewesen, aber jetzt ist es zu spät und wir müssen im Kiosk nebenan noch ein 50-Gramm-Tütchen Essig-Zwiebelringe kaufen, damit ich den komischen Geschmack aus dem Mund bekomme. Tschüss Edinburgh, tschüss Schottland, ich komme bald mal wieder, versprochen. Und dann esse ich Haggis!

Tag 13 – Edinburgh: Cranachan essen, im Whiskyfass herumfahren und Wale gucken (!!!)

September 4th, 2012 § 4 comments § permalink

Tage, die komisch anfangen, enden meistens großartig, vor allem dann, wenn man so ungefähr gar nichts plant, sondern sich auf alles, was da eben so kommt, einfach mal einlässt. So wie heute.

Wenn man in Edinburgh nicht so recht weiß, was man tun soll, kauft man sich einfach ein Zweitagesticket für die On-Off-Busse. Da kann man an zwei Tagen auf den verschiedenen Touren so viel herumfahren und an den einzelnen Stationen ein- und aussteigen, wie man nur möchte und im Paket dabei ist eine Rundfahrt auf dem Schiff über den Firth of Forth. Welche Tour nun genau wohin fährt, wissen wir nicht so genau, also springen wir einfach in irgendeinen der Busse am Busbahnhof und los gehts. Kopfhörer gibt es und die steckt man an der Seite in eine Buchse und hört eine Stimme, die einem erklärt, wo der Mensch, der das Telefon erfunden hat, gewohnt hat, was Schriftsteller X über das Denkmal, das für Y vor 200 Jahren errichtet wurde, gedacht hat, was Sir Conan Doyle morgens so frühstückte und wer wann wo warum gehenkt wurde. Und in den Sprechpausen zwischendurch wird viel gefidelt und es gibt eine Menge Sprechpausen und irgenwann wird man daher fast wahnsinnig. Richtig bequem ist es in den Bussen ja außerdem auch nicht, denn es holpert und kracht, dass man das Gefühl hat, jederzeit bräche der gesamte obere Stockwerk des Doppeldeckers ein, wenn der Busfahrer nicht vorher noch gegen eines der Straßenschilder fährt, das noch nicht diese seltsamen Knicke und Beulen auf einer merkwürdigen Höhe von drei Metern nochwas hat, was alles ein wenig beunruhigend ist, wenn man da oben drin sitzt, ich mein ja nur. Und man fährt und fährt und immer geht es irgendwie rund um das Castle und in immer noch kleinere Gassen und Ecken, bis man dann wieder irgendwo das Castle sieht und so weiter und so fort, man fährt jedenfalls eine ganze Weile so herum.

20120904-224118.jpg20120904-224139.jpgNach einer Stunde ist man zurück am Bahnhof, weil wir immer noch nicht so recht wissen, was wir tun sollen, springen wir einfach in den nächsten Bus und siehe da, der fährt aus der Stadt raus zum Firth of Forth, diesem Fjord, und dort kann man in eines der Boote steigen und auf dem Fjord herumfahren. Boot und Wasser, prima, genau unser Ding. Nach einer Stunde sind wir da, schneller geht es leider nicht, denn vorher müssen wir ja noch an 99 Kunstgalerien, dem Haus, wo der Erfinder der Röntgenstrahlen mal gewohnt hat, sowie dem Haus, wo die Frau, die irgendwelchen Pferden aus Mitleid so Pferdetränken gebaut hat, vorbeigefahren werden. Aber wir sind geduldig, wir sind ja schließlich im Urlaub und der Busfahrer macht ja auch nur seinen Job. An der Endstation dann klettern wir alle, auch der Busfahrer, etwas ermattet aus dem Bus und, peng, stehen wir an diesem Fjord mit dem komischen Namen Firth of Forth und da sind die Mole und diese irrsinnigen Brücken und da steht auch schon unser Boot, die Forth Belle, und wartet auf uns.

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Windig ist es und ein bisschen kühl, wir aber sitzen natürlich draußen, weil nur Weicheier auf Schiffen drinnen sitzen, den Schal ziehe ich mir übers Kinn und den Kragen der Jacke klappe ich mir irgendwie über die Ohren, und dass die Frisur nach nur zwei Minuten schon hinüber ist, ist nun auch egal. Und los geht es, quer über den Fjord. Und nach nur fünf Minuten sagt der Kapitän dann halt einfach per Durchsage, man würde jetzt mal einen Schlenker fahren, weg von der eigentlichen Route, denn da hinten irgendwo habe er auf der vorigen Route, glaube er jedenfalls, Wale gesehen und die könne man sich ja mal angucken. Wale? Ja, Wale, Grindwale genauer gesagt, und die gibt es hier eigentlich sonst nie zu sehen. Wir fahren also an diese Stelle und als der Kapitän sagt, da hinten, da seien sie, springen wir alle auf und starren ins Wasser und dann sehe ich sie auch: Eine Gruppe von wohl 20 Grindwalen, die sich gemächtlich im Wasser treiben lassen und ab und an tauchen, nach “Squeeds” sagt der Kapitän, denn von denen ernähren sie sich. Er selbst scheint noch viel erstaunter über die Wale zu sein als wir, bis auf knapp 30 Meter kommen wir an sie heran und ich habe auf einmal Tränen in den Augen, weil mich das so berührt. Wale! Die habe ich natürlich schon tausend Mal im Fernsehen gesehen und auch im Connyland, im Zoo und bei Sealife, aber es ist so völlig anders, wenn sie da in Echt direkt vor einem herum schwimmen. Das ist so mächtig, irgendwie bedeutend und vor allem aber unwahrscheinlich verblüffend.

Natürlich sieht man das alles auf dem iPhone-Foto nicht so richtig gut, aber dass es Wale sind, sieht man doch:

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Wir fahren weiter, an einer Robbe vorbei, die sich auf einer Boje sonnt, irgendwo soll es außerdem Pinguine geben, aber die sehen wir dann nicht mehr.

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Aber Bohrinseln mit viel Zeug drauf, alte Felseninseln mit einem Castle drauf, andere Inseln mit Festungsanlagen drauf und eine Menge tolle Natur drumherum. Schottland hat mich, das weiß ich, als ich da an der Reeling stehe, den Wind in den Haaren. Und vielleicht kaufe ich mir auch so ein Boot wie die Forth Belle und fahre den ganzen Tag auf diesem Fjord herum, irgendwann mal, wer weiß.

Auf der Rückfahrt, eine Stunde später, sahen wir die Wale noch einmal, diesmal sind wir sogar noch näher dran, nur 15 Meter Entfernung sind es nun. Und wir sehen, wie groß sie sind, bis zu sechs Metern lang und das ist enorm und trotzdem, so friedlich und gelassen ist es auf dem Wasser, da die Wale und hier drüben wir in unserem Boot und es ist einfach unwahrscheinlich schön.

Wieder in der Stadt zurück landen wir im Whiskymuseum und auch hier können wir uns wieder herumfahren lassen, nämlich in überdimensionalen Whiskyfässern, wir erfahren, wie Whisky hergestellt wird und wie man sich fühlt, wenn man durch Hefe fährt, dann gibt es noch eine Whiskyverkostung und dabei steht man in der größten Whiskysammlung der Welt, hält sein Glas gegen das Licht und schwenkt es ein bisschen herum, bevor man weltmännisch seine Nase ins Glas hängt und tief einatmet.

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Ein bisschen angeschickert, mit zwei Gläsern und zwei kleinen Whiskyfläschchen im Rucksack gehen wir ins Hotel zurück, der Laden mit den wunderschönen Schottentaschen, von denen ich mir vielleicht eine kaufen möchte, hat leider schon wieder zu, aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Abends gehen wir essen und zwar überaus sehr sehr gut im “The Mitre”, ich bestelle das halbe Huhn und hinterher den wohl leckersten Nachtisch der Welt, Cranachan. Beides ist unwahrscheinlich lecker, vor allem aber der Nachtisch, eine sensationelle Mischung aus Cream, Himbeeren, Honig, gerösteten Oats und Whisky und selbst ein Viertel der Portion hätte mich glücklich gemacht. Aber was heißt hätte, ich bin es, denn der Tag und überhaupt alles ist heute ziemlich, ziemlich gut.