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Tag 23 – Guernsey: Peter Port, der letzte Tag und überhaupt

Der Tag beginnt kühl, es nieselt und am liebsten blieben wir einfach im Bett, doch müde schleppen wir uns trotzdem um halb neun in den Frühstücksraum. Da sitzen sie schon alle, das lesbische Pärchen aus der 24, das Rentnerquartett aus der 17, die beiden Schweizer, von denen ich lange bevor ich ihr schwitzerdütsch gehört hatte, wusste, dass sie aus der Schweiz kommen, wegen seines Zirbelbarts nämlich, mit dem er aussieht wie ein Zirkusdirektor. Und natürlich die Krauses aus Deutschland, er trägt diesmal irritierenderweise nicht grünblautürkisgelblängsgestreift oder gelborangegeblümt, sondern ein schlichtes graues Hemd und darin sieht er so unscheinbar aus, dass ich ihn fast nicht erkenne. Obwohl wir alle seit einer Woche Morgen für Morgen gemeinsam frühstücken, grüßt keiner der anderen, lieber gibt man sich distanziert und nickt sich höchstens nur ganz leicht zu, so leicht, dass es nie ganz klar ist, ob da nun genickt wurde oder nicht und immer ein kleiner Restzweifel bleibt.

harbour peter portWie immer müssen wir eine Weile warten, bis wir unseren Kaffee und die Eier auf Toast ordern können. Zwar flitzen die Servicemädels zuhauf durch den Saal und tragen volle Teller hinein und leere wieder hinaus oder bieten mit missmutigen Gesichtern denen, die ihren Teller mit dampfenden Bohnen, Würstchen, Schinken, Black Pudding oder Tomaten vor sich stehen haben, brown sauce aus silbernen Saucieren an, doch Bestellungen nehmen nur die beiden männlichen Servicekräfte an und wenn, dann so, dass die Bestellung eines Tischs in einem ledergebundenen Notizbuch notiert und in die Küche getragen wird, bevor man an den nächsten Tisch geht, um dort die nächste Bestellung anzunehmen. Es wird also sehr viel gelaufen und daher dauert alles etwas länger und während wir da sitzen und auf unsere Eier auf Toast warten, fühlen wir uns fast wie bei der 100-Meter-Staffel im Stadion. Serviceroboter sind das, meint der Mann, und in der Tat,  unterkühlt und unherzlich ist die Atmosphäre, man hat das Gefühl, allen irgendwie lästig zu sein. Das Paar, das neben uns sitzt, schweigt sich während des ganzen Frühstücks an und als sie stumm aufstehen und den Raum verlassen, atmen wir beinahe ein wenig auf.

Es ist unser letzter Urlaubstag und irgendwie haben wir beide so keine richtige Lust mehr auf Urlaub, nach dem Frühstück heute erst recht nicht. Bis mittags hängen wir im Bett herum und lesen, nachmittags haben wir in Peter Port eine Fahrt auf dem Bumblebee gebucht, ein Motorboot, mit dem man um die Insel geschippert wird. Mit dem Bus fahren wir mittags also in die town und als wir gerade am Hafen herumlaufen, um unser Boot zu suchen und uns über den enormen Tidenhub zu wundern, kommt der Anruf, die Fahrt müsse heute leider ausfallen. Motorschaden, da könne man nichts machen. Wir sind enttäuscht und ratlos, was fangen wir nun mit dem halben Tag an? Nochmal irgendwo anders hinfahren? Im Meer schwimmen? Radeln? Das Castle angucken? Oder doch etwa die Fresien…? Doch irgendwie ist es gut mit der Insel und diesem Urlaub, wir entscheiden uns für einen Lunch in einem der Bistros, laufen noch ein bisschen im Ort herum, trinken irgendwo einen Kaffee und fahren einfach zurück ins Hotel. Es reicht jetzt, wir wollen heim. Irgendwo noch toll essen gehen? Poah, sagt der Mann, wir haben dreieinhalb Wochen toll gegessen, eine Scheibe Vollkornbrot mit Leberwurst daheim auf dem Sofa, das wärs jetzt eigentlich, und er hat Recht. Beides ist hier nicht zu bekommen, also gehen wir doch ein letztes Mal in den netten Pub drei Straßen weiter, The Captains, und da sind sie alle, Urlauber wie wir, die noch etwas essen möchten, und noch mehr Insulaner, die vor der Theke herumstehen und alle trinken ihr Freitagabendbier und lachen und erzählen, dass es eine Freude ist. Drei Gänge essen wir dann doch noch und es schmeckt großartig und danach laufen wir Hand in Hand durch die stockdunklen Straßen, in denen man die Hand vor den Augen nicht sehen kann, zurück ins Hotel und die Sterne leuchten uns den Weg. Naja, und die Handies auch.

Ein großartiger Urlaub war dieser Honeymoon, selten habe ich so viele Dinge in so kurzer Zeit erlebt und gesehen und ich bin voller Eindrücke, Bilder und Gedanken, und schöner könnte ein Start in eine Ehe nicht sein. Und dass wir uns trotzdem nun so auf zuhause freuen, ist genau richtig. Wenn ich mir für unsere Ehe etwas wünsche, dann das: dass wir uns das beibehalten, dass wir jeden Tag ununterbrochen Dinge einander zu erzählen haben. Wie in diesem unterkühlten Frühstücksraum heute Morgen, wie in den ganzen drei Wochen unseres Urlaubs, in dem wir nie länger als eine halbe Stunde voneinander getrennt waren, und überhaupt, wie schon in den drei Jahren, in denen wir bisher zusammenleben, auch.

 

Tag 22 – Guernsey: Strandtag an Vazon Bay

Guernsey Vazon Bay

An Tag 22 wollen wir ans Meer. Im Supermarkt decken wir uns mit Würstchen, Brausebonbons und Reiswaffeln ein und fahren mit dem Bus auf die andere Seite der Insel nach Vazon Bay, einer etwas größeren Bucht mit Sandstrand. Als wir ankommen, sieht es hier etwas enttäuschend aus, es ist Ebbe und bis zum Wasser sind es gute 100 Meter und davor liegen einfach nur eine Menge Steine, Felsen und Tang herum und erst ganz hinten rechts sieht man einen ganz kleinen Streifen vom Meer. Außer uns sind nur ein paar vereinzelte Spaziergänger hier und alle tragen sie warme Jacken und lange Hosen. Wir bleiben, denn der Sand ist warm, die Sonne scheint und der Himmel ist strahlend blau. Und ein paar Stunden später sieht der Strand dann aus wie ausgewechselt: Die Bucht ist nun mit Wasser vollgelaufen, das Wasser glitzert herrlich und ein paar Meter vor uns laufen die Wellen rauschend am Strand aus. Auf der linken Seite der Bucht wird gesurft, einige Leute sind nun auch im Wasser und ein paar Kinder buddeln im Sand, während ihre Mütter dahinter sitzen und miteinander plaudern. Wie im Katalog, denke ich, während ich in den Wellen schwimme.

Am Ende der Bucht taucht ein Flugzeug von den Red Arrows auf, am Flughafen findet heute ein Flugtag statt, bei dem die berühmten Kunstflieger zu Besuch sind. Auf etwa 150 Meter Höhe fliegt der Flieger über unsere Köpfe, von unten sieht man die die blaurote Bemalung, wie die englische Flagge eben, und als er über mir ist, fliegt er steil nach oben und dreht einen langen Looping über das Meer.

Tag 21 – Guernsey: Auf dem Cliff-Path zwischen Saints Bay und Icart Point

An Tag 21 haben wir nicht viel Lust auf große Aktion, also bleiben wir im Hotel und laufen mittags  einfach nur den Weg runter Richtung Saints Bay, wo wir an unserem ersten Tag auf Guernsey schwimmen waren.

Kurz vor davor biegen wir auf den Klippenweg Richtung Icart Point ab und hat man sich erstmal über den steilen Weg nach oben gequält, ist die Aussicht phänomenal. Renoir war irgendwann auch hier und hat eine Menge Bilder von der Bucht und den Klippen bei Icart Point gemalt, wir haben es etwas einfacher und halten alles auf ein paar Fotos fest.

Bei Icart Point gibt es einen kleinen Teagarden, wir essen ein paar Sandwiches zum Lunch, und dann gehen wir einfach zurück ins Hotel und hängen da noch ein bisschen am Pool herum. Mehr muss manchmal nicht sein.

 

 

 

Tag 20 – Guernsey: Port Soif und Grandes Rocques

Und an Tag 20 ist Regen angesagt, also gehen wir nicht an den Strand, sondern beschließen, lieber ein bisschen auf der Insel herumzufahren und zu schauen, allerdings nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Bus, sicher ist sicher. Der Bus hält drei Gehminuten vom Hotel entfernt und fährt in die “Town”, also nach St. Peter Port. Mit Bushaltestellen hat man es auf Guernsey nicht so, dafür ist auf den engen Straßen auch schlichtweg kein Platz – ein Schriftzug auf der Straße muss reichen, da stellt man sich einfach hin und irgendwann kommt um irgendeine der angrenzenden Straßenecken ein Bus geschossen und wenn der Fahrer einen anwinkt, ist es wohl der richtige Bus und man steigt einfach mal ein.

Nach einer halben Stunde sind wir da, aber auf Bummeln in der “Town” haben wir irgendwie überhaupt keine Lust, also setzen wir uns am Terminus, der zentralen Haltestelle gleich in den nächsten Bus, der uns auf die andere Seite der Insel bringt. Der Bus ist voller älterer Herrschaften, die wohl von dem großen Kreuzfahrtschiff stammen, das im Hafen ankert. Die Damen tragen dicke Brilliantringe, Schlangenledertaschen und pinkfarbene Acrylnägel, die Herren dunkelblaue sportliche Bundfaltenhosen und Toupets, reich sind sie und das soll auch jeder sehen. Englisch sprechen sie alle nicht, es dauert eine Weile, bis endlich alle verstanden haben, wohin der Bus fährt und was die Fahrt kostet und dann geht es endlich los. Die einzigen Deutschen haben sich hinter uns gesetzt und der Mann bestellt daher mal wieder auf finnisch zwei Bier bei mir und ich antworte, ebenfalls auf finnisch, dass ich einen Plattfuß im hinteren Reifen hätte, bloß nicht in Gespräche verwickelt werden! Danach aber schweigen wir lieber, mehr finnisch können wir nämlich nicht und wenn die nun mitkriegen, dass wir gar keine Finnen sind, ist der Ofen gelaufen. Eine Station weiter steigt ein Pärchen ein, das von der Insel stammen muss – er trägt eine Trainingshose und Schuppen auf dem Oberteil, sie ein riesiges Baguette und ein Lächeln, nachdem der Busfahrer sie fröhlich mit “Hello, my Love” begrüßt hat. So geht das auf Guernsey nämlich. Die Deutschen hinter uns wollen zur Fresienschau und dann ins Kriegsmuseum, wir ziehen es vor, an der Küste irgendwo im Nirgendwo auszusteigen und als wir uns den Weg durch den Bus bahnen, gucken uns die Kreuzfahrer verblüfft hinterher und ich kann es mir gerade noch verkneifen, dem Insulaner mit den Schuppen im Vorbeilaufen auf die Schultern zu hauen und ihm auf englisch ins Ohr zu brüllen, man würde sich abends im Pub treffen.

Wir klettern durch die Brombeeren auf den kleinen Damm neben der Straße und dann ist da vor uns eine Bucht mit viel Sand und noch mehr Steinen und davor stehen hohe Klippen, um die sich die Wellen schlagen und es ist ziemlich toll. guernsey port soif grandes rocquesAuf dem kleinen Weg laufen wir einfach weiter und landen in der nächsten Bucht und es ist noch viel toller – mehr Sand, mehr Steine, mehr Klippen und Wellen, eine atemberaubende Szenerie und wir fühlen uns ein bisschen wie bei “20 000 Meilen unter dem Meer”, als es die kleine Gruppe an diesen Urzeitstrand in der unterirdischen Höhle verschlagen hatte. Wir laufen durch die zweite Bucht und machen eine Menge Fotos, in der Bucht hat es tolle Wellen und wir ärgern uns, dass wir mal wieder auf die Wettervorhersage gehört haben und statt Badezeug die Jacken im Rucksack dabei haben. Links und rechts ist die Bucht von 20 bis 30 Meter hohen Klippen eingerahmt und dazwischen sind die herrlichen Wellen und vor allem Sand und wenig Steine auf dem Boden – ein Traum von einem Strand. Und menschenleer, denn eine Fresienschau und ein Kriegsmuseum sind natürlich deutlich interessanter als so etwas.

Am Ende dieser zweiten Bucht ein Schild mit dem Hinweis, der Tea-Garden habe geöffnet und da gibt es einen Burger für den Mann, ein Chicken Sandwich für mich und ein herrliches Stück Carrot Cake mit Cream für uns beide. Der Tea-Garden wird liebevoll von drei charmanten Damen betrieben und ist sehr hübsch und gepflegt – wer je auf Guernsey ist: Bitte hingehen!guernsey grandes rocques

Danach laufen wir den Weg einfach immer weiter und als wir schließlich den Bogen vor der dritten Bucht umlaufen haben, staunen wir: Auf der anderen Seite der Bucht gibt es auf den Klippen auf wohl 70 Meter Höhe eine Befestigungsanlage. Grandes Rocques nennt sich der Ort und die Anlage wurde von den Deutschen im 2. Weltkrieg errichtet, nachdem sie sich auf der Insel breitgemacht hatten. Als sie wieder weg waren, wurde ein Großteil abgerissen, stehen geblieben sind aber viele alte Mauern und eine Aussichtsplattform, von der aus man eine atemberaubende Sicht auf das Meer und die unzähligen Klippen hat. Wir klettern auf der Anlage herum und auch auf den Felsen und der Mann macht ungefähr neunhundertzwölfzig Fotos mit der Canon und einen kleinen Film, ich knipse derweil mit dem iPhone herum. Die Bilder zeigen aber leider nur ansatzweise, wie großartig es dort ist.

Von der Anlage führt ein Weg zurück zur Uferstraße, dort hält dann auch unser Bus, so dass wir nicht erst zurück zur anderen Haltestelle müssen. Wir fahren zurück nach St. Peter Port, kaufen im Tabakladen noch ein paar Zigarillos und in der Drogerie lustige englische Haarpflegeprodukte für mich und dann fahren wir einfach zurück nach St. Martin in unser Hotel, wo wir abends noch ein sehr, sehr gutes Dreigang-Menü essen. Mit Champagner übrigens, denn wir haben noch auf etwas anzustoßen: Unseren Jahrestag, denn seit genau drei Jahren sind wir an diesem 11.9. ein Paar.

Tag 19 – Guernsey: In der Bucht Saints Bay

Und gestern? Der Strasse vorm Hotel einfach mal runter ans Meer folgen und nach zehn Minuten strammen Bergabgehens in der menschenleeren Bucht Saints Bay landen, links und rechts 30 Meter hohe Klippen, dazwischen ein kleiner Streifen Strand und davor das Meer. Und es ist einfach nur wunderschön. Da liegen wir den ganzen Tag lang herum, lesen und schwimmen und Fotos gibt es keine, weil wir keine Kamera dabei haben.

Abends hüpfen wir noch in den Hotel-Pool und gehen später großartig im “Wicked Wolf” in St. Martin essen.

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Ein rundum schöner und entspannter Tag, mehr kann man dazu nicht sagen.

Tag 18 – Guernsey: Im Meer schwimmen

Über die Hotel-Rezeption haben wir uns Fahrräder gemietet und die braucht man auch auf Guernsey, wenn man kein Auto hat, denn die Insel ist groß und es gibt unendlich viele kleine Straßen und Wege, auf denen man sich ziemlich gut verlaufen kann. Für Fußgänger und Radler gibt es verkehrsberuhigte Wege, auf denen die Autos nur 15 Meilen schnell fahren dürfen, alles andere wäre gefährlich, denn die Wege sind alle gerade mal so breit, dass ein Auto gerade eben mal so durchpasst.

guernsey 1Vor Jahren habe ich im Fernsehen mal eine Doku über die Kanalinseln gesehen, man sah Familien gemütlich und fröhlich singend durch von Hortensien und Rosen gesäumte Wege radeln, links und rechts war das Meer und der Sprecher erzählte, dass Autofahren nicht erlaubt sei. Das muss das Fahrradparadies sein, dachte ich damals und irrte mich ganz gewaltig, denn Radeln auf Guernsey ist, nun ja, irgendwie gar nicht so einfach, vor allem, wenn man als nicht ganz schlanke Person ein Fahrrad mit extra kurzem Abstand zwischen Lenkstange und Sattel bekommen hat, wo man gerade eben noch so durchpasst, aber nur, wenn man sich zuvor ordentilch mit dem einen Fuß am Boden abgestoßen hat, um die Schwungphase für das Durchzwängen zu nutzen. Ganz blöd ist es, wenn man eine etwas weitere Hose und ein langes Oberteil trägt, die sich beim Aufsteigen dann auch ab und an schön am Sattel hängen bleiben, meistens aber gerade dann, wenn man sich an irgendwelchen Straßenkreuzungen beeilen muss, weil da ja noch die anderen Autos hinter einem sind und man sich ein bisschen konzentrieren muss, um das mit dem Rechtsverkehr auf die Reihe zu bekommen und das ist gar nicht so einfach manchmal.  guernsey 2Das ist aber noch nicht alles: Cool an meinem Rad sind die top Federung und die 18 Gänge, denn auf Guernsey geht es manchmal mächtig bergauf und noch mächtiger bergab, auch mal mit Steigungen um die 20 Grad und gerne auch mit 90-Grad-Kurven mittendrin, vorwiegend an Stellen, an denen man mit sowas so gar nicht rechnet. Die Insel befindet sich auf einer Art Hochplateau und runter zum Meer gibt es einen Höhenunterschied von irgendwas zwischen 70 und 100 Metern und die muss man eben rauf oder runter, je nachdem, wohin man möchte. Das macht zwar Spaß (wenn man erstmal auf dem Rad sitzt), ist dann aber eher sportlich als gemütlich.

Bevor es los geht, decken wir uns im Supermarkt “Mark & Spencer” mit Proviant ein und dann fahren wir einfach los, quer über die Insel an irgendeinen der Sandstrände zum offenen Meer hin. Warm ist es, aber auch windig und bewölkt und als wir am menschenleeren Strand sieht es dort nicht wirklich einladend aus, um im Meer zu schwimmen.

S20120910-093419.jpgeit Tagen freue ich mich aufs Meer und jetzt, wo es da ist, möchte ich nicht hinein. Zunächst jedenfalls. Der Mann springt in die Badehose und legt vor, und als ich ihn da so im Wasser stehen sehe, mache ich es ihm nach und ab, rein. Saukalt ist es zunächst, aber dann mehr als großartig.

Hinterher gibt es ein Strandpicknick, Käse-Scones, Shortbreas, Chicken Wings, Saft und Milch, was man am Strand eben so isst, und dann radeln wir einfach weiter, vorbei an einer Bucht mit kleinen Booten, dann an einem Aussichtspunkt, an dem man die Klippen und die Steilküste sieht.

guernsey 5Die Radelei ist anstrengend, macht aber doch ziemlich viel Spaß, die Landschaft ist wunderschön und überall riecht es so nach Äpfeln, Kuhdung und den unzähligen Geranien, Hortensien und Petunien, die überall wuchern. Sogar Palmen wachsen hier! Dann fängt es an zu regnen und wir stellen uns unter einem Baum unter, aber das hilft nicht wirklich und irgendwann sind wir hübsch durchnässt, also zurück ins Hotel und da springen wir einfach, weil wir es können, nochmal in den (beheizten!) Pool und führen den anderen Gästen unsere Bademode vor. Und auch, wie erwachsene Menschen unwahrscheinlich viel Spaß mit einer grasgrünen Badegurke aus Schaumstoff haben können.

Abends schließlich essen wir mehr als gut im “The Captains”, einem Pub ein paar Straßen weiter. Ich habe einen herrlichen Gratin mit Lobster, Crabs und Prawns, der Mann Scholle, davor gibt es frittierte Prawns mit Chili-Sauce und hinterher essen wir noch Nachtisch – der Mann nimmt einen Sticky-Toffee-Pudding und ich das Mango-Parfait und danach haben wir beide einen Zuckerschock, denn unter “süß” versteht man hier eindeutig etwas ganz anderes als bei uns daheim. Und dann der Heimweg durch dunkle Gassen, denn Straßenbeleuchtung gibt es keine und natürlich haben auch unsere Räder kein Licht. Aber es gibt ja noch die Sterne, die in vollster Pracht am Himmel leuchten. Und unsere Handys.

Tag 17 – Brighton: Mit dem Schiff nach Guernsey

Und Tag 17 beginnt ziemlich früh: brighton wheelUm fünf Uhr stehen wir auf, denn um sechs steht das Taxi vorm Hotel, das uns nach Portsmouth bringen soll. Das kostet satte 100 Pfund, aber mit der Bahn oder mit dem Bus hätte es keine gute Verbindung gegeben und außerdem haben wir ja noch die zwei riesigen Koffer mit je 20 Kilo Gewicht. Aber beim Essen waren wir in den letzten beiden Tagen etwas sparsamer, daher ist das in Ordnung. Ein letzter Blick aufs Wheel, direkt von der Hoteltüre aus gemacht, und dann geht es auch schon los, mit der wohl nettesten Taxifahrerin der Welt, die uns auf der Fahrt die Geschichte von ihrem Honeymoon und Guernsey erzählt, nämlich als ihr frisch angetrauter Gatte und sie die Idee hatten, mal eben kurz rüber nach Guernsey zu fahren und dann auf der Fähre feststellen mussten, brighton ferrydass die Überfahrt ja geschlagene sechs Stunden dauert und keiner hatte an ein paar Klamotten zum Wechseln gedacht, geschweige denn daran, irgendwo in einem Hotel ein Zimmer zu reservieren…

Wir reisen dagegen etwas komfortabler und haben auf dem Schiff sogar eine Kabine gebucht, um auf der Überfahrt ein wenig schlafen zu können. Wir gucken noch zu, wie das Festland hinter uns verschwindet und nehmen ein strammes Frühstück zu uns und ich kann versichern, dass es genauso fürchterlich schmeckt, wie es aussieht.

scottish breakfast

“Scottish Breakfast” nennt es sich und neben dem Bacon und dem Spiegelei gehören dazu Bohnen in Ketchup-Sauce, eine lasche Wurst, eine lauwarme Kartoffelecke, aufgewärmte, aber irgendwie trockene Dosenpilze und aufgewärmte Dosentomaten. Weil es mein Glückstag ist, ist kein Black Pudding dabei, das ist so etwas wie gebratene Blutwurst. Die esse ich eigentlich ganz gerne, dann aber als feste Schwarzwurst aus dem Schwarzwald. Schon die Kölner Flönz ist mir zu weich und was bitte soll man von Blutwurst halten, die “Black Pudding” genannt wird? Eben.

Später sitzen wir ein bisschen an Deck herum und ich packe zum ersten Mal seit zwei Wochen mein Häkelzeug aus und häkle ein bisschen das Schiff ein.

yarn bombing Wir landen in Peters Port auf Guernsey und sind erstaunt, wie wahnsinnig warm es auf der Insel ist, ein Taxi bringt uns raus nach St. Martin zu unserem Hotel La Barbarie. In Serpentinen geht es durch die bewaldeten Klippen auf engen Straßen nach oben und der Fahrer sieht ein bisschen aus wie ein amerikanischer Schauspieler und hat eine CD eingelegt, Musik für den Hippie ab 50 und alles ist gut.

La Barbarie ist ein ziemlich schönes Hotel, zwei Gebäude gehören dazu und wir haben eines der Appartments mit Terrasse. Im Innenhof gibt es einen Pool und als wir zu unserem Zimmer geführt werden, drehen sich 20 Köpfe zu uns um und von neugierigen, in Beige gekleideten Rentnern, die am Pool herumhängen, werden wir von oben bis unten begutachtet und mein Haar sitzt leider so überhaupt nicht. Wir werfen die Koffer ins Zimmer und wollen ans Meer, baden gehen, 500 Meter sind es laut Karte bis zur Bucht und als wir uns auf den Weg machen, staunen wir, wie steil der Weg hinunter geht und wie lang der auf einmal ist, mindestens eine halbe Stunde würden wir bis nach unten brauchen und wohl noch länger nach oben und in eineinhalb Stunden haben wir einen Tisch im Restaurant reserviert. Enttäuscht drehen wir um, ein Bad im Meer wäre so schön gewesen bei der Hitze, doch war da nicht noch der Pool…? Zurück ins Zimmer, rein in die Badeklamotten und dann mache ich etwas, was mich selbst wundert: Der versammelten beigen Rentnerschar meinen Luxuskörper im Badeanzug präsentieren und es ist mir fast so gut wie völlig egal. So einfach kann es sein.

Abends essen wir mehr als gut im Hotel-Restaurant und hier sitzen sie dann alle wieder, die Rentner. Die Männer tragen alle blaugemusterte Kurzarmhemden und die Damen geblümt und wir amüsieren uns darüber, bis wir feststellen, dass ja auch der Mann ein blaugemustertes Kurzarmhemd und ich geblümt, aber ist ja auch egal jetzt. Wir wählen das Menü, die Kellner flitzen zwischen den Tischen herum, alles ist ein bisschen vornehm, so britisch und aber auch so französisch. Die Vorspeise habe ich leider bereits vergessen, als Hauptgang gibt es unverschämt gute Ribeye-Steaks und hinterher eine kleine Käseplatte mit ausgewähltem Guernsey-Käse. Und der ist mehr als phantastisch und das böse Frühstück von der Fähre ist längst vergessen.