Tag 23 – Guernsey: Peter Port, der letzte Tag und überhaupt

September 14th, 2012 § 2 comments § permalink

Der Tag beginnt kühl, es nieselt und am liebsten blieben wir einfach im Bett, doch müde schleppen wir uns trotzdem um halb neun in den Frühstücksraum. Da sitzen sie schon alle, das lesbische Pärchen aus der 24, das Rentnerquartett aus der 17, die beiden Schweizer, von denen ich lange bevor ich ihr schwitzerdütsch gehört hatte, wusste, dass sie aus der Schweiz kommen, wegen seines Zirbelbarts nämlich, mit dem er aussieht wie ein Zirkusdirektor. Und natürlich die Krauses aus Deutschland, er trägt diesmal irritierenderweise nicht grünblautürkisgelblängsgestreift oder gelborangegeblümt, sondern ein schlichtes graues Hemd und darin sieht er so unscheinbar aus, dass ich ihn fast nicht erkenne. Obwohl wir alle seit einer Woche Morgen für Morgen gemeinsam frühstücken, grüßt keiner der anderen, lieber gibt man sich distanziert und nickt sich höchstens nur ganz leicht zu, so leicht, dass es nie ganz klar ist, ob da nun genickt wurde oder nicht und immer ein kleiner Restzweifel bleibt.

harbour peter portWie immer müssen wir eine Weile warten, bis wir unseren Kaffee und die Eier auf Toast ordern können. Zwar flitzen die Servicemädels zuhauf durch den Saal und tragen volle Teller hinein und leere wieder hinaus oder bieten mit missmutigen Gesichtern denen, die ihren Teller mit dampfenden Bohnen, Würstchen, Schinken, Black Pudding oder Tomaten vor sich stehen haben, brown sauce aus silbernen Saucieren an, doch Bestellungen nehmen nur die beiden männlichen Servicekräfte an und wenn, dann so, dass die Bestellung eines Tischs in einem ledergebundenen Notizbuch notiert und in die Küche getragen wird, bevor man an den nächsten Tisch geht, um dort die nächste Bestellung anzunehmen. Es wird also sehr viel gelaufen und daher dauert alles etwas länger und während wir da sitzen und auf unsere Eier auf Toast warten, fühlen wir uns fast wie bei der 100-Meter-Staffel im Stadion. Serviceroboter sind das, meint der Mann, und in der Tat,  unterkühlt und unherzlich ist die Atmosphäre, man hat das Gefühl, allen irgendwie lästig zu sein. Das Paar, das neben uns sitzt, schweigt sich während des ganzen Frühstücks an und als sie stumm aufstehen und den Raum verlassen, atmen wir beinahe ein wenig auf.

Es ist unser letzter Urlaubstag und irgendwie haben wir beide so keine richtige Lust mehr auf Urlaub, nach dem Frühstück heute erst recht nicht. Bis mittags hängen wir im Bett herum und lesen, nachmittags haben wir in Peter Port eine Fahrt auf dem Bumblebee gebucht, ein Motorboot, mit dem man um die Insel geschippert wird. Mit dem Bus fahren wir mittags also in die town und als wir gerade am Hafen herumlaufen, um unser Boot zu suchen und uns über den enormen Tidenhub zu wundern, kommt der Anruf, die Fahrt müsse heute leider ausfallen. Motorschaden, da könne man nichts machen. Wir sind enttäuscht und ratlos, was fangen wir nun mit dem halben Tag an? Nochmal irgendwo anders hinfahren? Im Meer schwimmen? Radeln? Das Castle angucken? Oder doch etwa die Fresien…? Doch irgendwie ist es gut mit der Insel und diesem Urlaub, wir entscheiden uns für einen Lunch in einem der Bistros, laufen noch ein bisschen im Ort herum, trinken irgendwo einen Kaffee und fahren einfach zurück ins Hotel. Es reicht jetzt, wir wollen heim. Irgendwo noch toll essen gehen? Poah, sagt der Mann, wir haben dreieinhalb Wochen toll gegessen, eine Scheibe Vollkornbrot mit Leberwurst daheim auf dem Sofa, das wärs jetzt eigentlich, und er hat Recht. Beides ist hier nicht zu bekommen, also gehen wir doch ein letztes Mal in den netten Pub drei Straßen weiter, The Captains, und da sind sie alle, Urlauber wie wir, die noch etwas essen möchten, und noch mehr Insulaner, die vor der Theke herumstehen und alle trinken ihr Freitagabendbier und lachen und erzählen, dass es eine Freude ist. Drei Gänge essen wir dann doch noch und es schmeckt großartig und danach laufen wir Hand in Hand durch die stockdunklen Straßen, in denen man die Hand vor den Augen nicht sehen kann, zurück ins Hotel und die Sterne leuchten uns den Weg. Naja, und die Handies auch.

Ein großartiger Urlaub war dieser Honeymoon, selten habe ich so viele Dinge in so kurzer Zeit erlebt und gesehen und ich bin voller Eindrücke, Bilder und Gedanken, und schöner könnte ein Start in eine Ehe nicht sein. Und dass wir uns trotzdem nun so auf zuhause freuen, ist genau richtig. Wenn ich mir für unsere Ehe etwas wünsche, dann das: dass wir uns das beibehalten, dass wir jeden Tag ununterbrochen Dinge einander zu erzählen haben. Wie in diesem unterkühlten Frühstücksraum heute Morgen, wie in den ganzen drei Wochen unseres Urlaubs, in dem wir nie länger als eine halbe Stunde voneinander getrennt waren, und überhaupt, wie schon in den drei Jahren, in denen wir bisher zusammenleben, auch.

 

Tag 22 – Guernsey: Strandtag an Vazon Bay

September 14th, 2012 § 1 comment § permalink

Guernsey Vazon Bay

An Tag 22 wollen wir ans Meer. Im Supermarkt decken wir uns mit Würstchen, Brausebonbons und Reiswaffeln ein und fahren mit dem Bus auf die andere Seite der Insel nach Vazon Bay, einer etwas größeren Bucht mit Sandstrand. Als wir ankommen, sieht es hier etwas enttäuschend aus, es ist Ebbe und bis zum Wasser sind es gute 100 Meter und davor liegen einfach nur eine Menge Steine, Felsen und Tang herum und erst ganz hinten rechts sieht man einen ganz kleinen Streifen vom Meer. Außer uns sind nur ein paar vereinzelte Spaziergänger hier und alle tragen sie warme Jacken und lange Hosen. Wir bleiben, denn der Sand ist warm, die Sonne scheint und der Himmel ist strahlend blau. Und ein paar Stunden später sieht der Strand dann aus wie ausgewechselt: Die Bucht ist nun mit Wasser vollgelaufen, das Wasser glitzert herrlich und ein paar Meter vor uns laufen die Wellen rauschend am Strand aus. Auf der linken Seite der Bucht wird gesurft, einige Leute sind nun auch im Wasser und ein paar Kinder buddeln im Sand, während ihre Mütter dahinter sitzen und miteinander plaudern. Wie im Katalog, denke ich, während ich in den Wellen schwimme.

Am Ende der Bucht taucht ein Flugzeug von den Red Arrows auf, am Flughafen findet heute ein Flugtag statt, bei dem die berühmten Kunstflieger zu Besuch sind. Auf etwa 150 Meter Höhe fliegt der Flieger über unsere Köpfe, von unten sieht man die die blaurote Bemalung, wie die englische Flagge eben, und als er über mir ist, fliegt er steil nach oben und dreht einen langen Looping über das Meer.

Tag 21 – Guernsey: Auf dem Cliff-Path zwischen Saints Bay und Icart Point

September 14th, 2012 § 1 comment § permalink

An Tag 21 haben wir nicht viel Lust auf große Aktion, also bleiben wir im Hotel und laufen mittags  einfach nur den Weg runter Richtung Saints Bay, wo wir an unserem ersten Tag auf Guernsey schwimmen waren.

Kurz vor davor biegen wir auf den Klippenweg Richtung Icart Point ab und hat man sich erstmal über den steilen Weg nach oben gequält, ist die Aussicht phänomenal. Renoir war irgendwann auch hier und hat eine Menge Bilder von der Bucht und den Klippen bei Icart Point gemalt, wir haben es etwas einfacher und halten alles auf ein paar Fotos fest.

Bei Icart Point gibt es einen kleinen Teagarden, wir essen ein paar Sandwiches zum Lunch, und dann gehen wir einfach zurück ins Hotel und hängen da noch ein bisschen am Pool herum. Mehr muss manchmal nicht sein.

 

 

 

Tag 20 – Guernsey: Port Soif und Grandes Rocques

September 12th, 2012 § 4 comments § permalink

Und an Tag 20 ist Regen angesagt, also gehen wir nicht an den Strand, sondern beschließen, lieber ein bisschen auf der Insel herumzufahren und zu schauen, allerdings nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Bus, sicher ist sicher. Der Bus hält drei Gehminuten vom Hotel entfernt und fährt in die “Town”, also nach St. Peter Port. Mit Bushaltestellen hat man es auf Guernsey nicht so, dafür ist auf den engen Straßen auch schlichtweg kein Platz – ein Schriftzug auf der Straße muss reichen, da stellt man sich einfach hin und irgendwann kommt um irgendeine der angrenzenden Straßenecken ein Bus geschossen und wenn der Fahrer einen anwinkt, ist es wohl der richtige Bus und man steigt einfach mal ein.

Nach einer halben Stunde sind wir da, aber auf Bummeln in der “Town” haben wir irgendwie überhaupt keine Lust, also setzen wir uns am Terminus, der zentralen Haltestelle gleich in den nächsten Bus, der uns auf die andere Seite der Insel bringt. Der Bus ist voller älterer Herrschaften, die wohl von dem großen Kreuzfahrtschiff stammen, das im Hafen ankert. Die Damen tragen dicke Brilliantringe, Schlangenledertaschen und pinkfarbene Acrylnägel, die Herren dunkelblaue sportliche Bundfaltenhosen und Toupets, reich sind sie und das soll auch jeder sehen. Englisch sprechen sie alle nicht, es dauert eine Weile, bis endlich alle verstanden haben, wohin der Bus fährt und was die Fahrt kostet und dann geht es endlich los. Die einzigen Deutschen haben sich hinter uns gesetzt und der Mann bestellt daher mal wieder auf finnisch zwei Bier bei mir und ich antworte, ebenfalls auf finnisch, dass ich einen Plattfuß im hinteren Reifen hätte, bloß nicht in Gespräche verwickelt werden! Danach aber schweigen wir lieber, mehr finnisch können wir nämlich nicht und wenn die nun mitkriegen, dass wir gar keine Finnen sind, ist der Ofen gelaufen. Eine Station weiter steigt ein Pärchen ein, das von der Insel stammen muss – er trägt eine Trainingshose und Schuppen auf dem Oberteil, sie ein riesiges Baguette und ein Lächeln, nachdem der Busfahrer sie fröhlich mit “Hello, my Love” begrüßt hat. So geht das auf Guernsey nämlich. Die Deutschen hinter uns wollen zur Fresienschau und dann ins Kriegsmuseum, wir ziehen es vor, an der Küste irgendwo im Nirgendwo auszusteigen und als wir uns den Weg durch den Bus bahnen, gucken uns die Kreuzfahrer verblüfft hinterher und ich kann es mir gerade noch verkneifen, dem Insulaner mit den Schuppen im Vorbeilaufen auf die Schultern zu hauen und ihm auf englisch ins Ohr zu brüllen, man würde sich abends im Pub treffen.

Wir klettern durch die Brombeeren auf den kleinen Damm neben der Straße und dann ist da vor uns eine Bucht mit viel Sand und noch mehr Steinen und davor stehen hohe Klippen, um die sich die Wellen schlagen und es ist ziemlich toll. guernsey port soif grandes rocquesAuf dem kleinen Weg laufen wir einfach weiter und landen in der nächsten Bucht und es ist noch viel toller – mehr Sand, mehr Steine, mehr Klippen und Wellen, eine atemberaubende Szenerie und wir fühlen uns ein bisschen wie bei “20 000 Meilen unter dem Meer”, als es die kleine Gruppe an diesen Urzeitstrand in der unterirdischen Höhle verschlagen hatte. Wir laufen durch die zweite Bucht und machen eine Menge Fotos, in der Bucht hat es tolle Wellen und wir ärgern uns, dass wir mal wieder auf die Wettervorhersage gehört haben und statt Badezeug die Jacken im Rucksack dabei haben. Links und rechts ist die Bucht von 20 bis 30 Meter hohen Klippen eingerahmt und dazwischen sind die herrlichen Wellen und vor allem Sand und wenig Steine auf dem Boden – ein Traum von einem Strand. Und menschenleer, denn eine Fresienschau und ein Kriegsmuseum sind natürlich deutlich interessanter als so etwas.

Am Ende dieser zweiten Bucht ein Schild mit dem Hinweis, der Tea-Garden habe geöffnet und da gibt es einen Burger für den Mann, ein Chicken Sandwich für mich und ein herrliches Stück Carrot Cake mit Cream für uns beide. Der Tea-Garden wird liebevoll von drei charmanten Damen betrieben und ist sehr hübsch und gepflegt – wer je auf Guernsey ist: Bitte hingehen!guernsey grandes rocques

Danach laufen wir den Weg einfach immer weiter und als wir schließlich den Bogen vor der dritten Bucht umlaufen haben, staunen wir: Auf der anderen Seite der Bucht gibt es auf den Klippen auf wohl 70 Meter Höhe eine Befestigungsanlage. Grandes Rocques nennt sich der Ort und die Anlage wurde von den Deutschen im 2. Weltkrieg errichtet, nachdem sie sich auf der Insel breitgemacht hatten. Als sie wieder weg waren, wurde ein Großteil abgerissen, stehen geblieben sind aber viele alte Mauern und eine Aussichtsplattform, von der aus man eine atemberaubende Sicht auf das Meer und die unzähligen Klippen hat. Wir klettern auf der Anlage herum und auch auf den Felsen und der Mann macht ungefähr neunhundertzwölfzig Fotos mit der Canon und einen kleinen Film, ich knipse derweil mit dem iPhone herum. Die Bilder zeigen aber leider nur ansatzweise, wie großartig es dort ist.

Von der Anlage führt ein Weg zurück zur Uferstraße, dort hält dann auch unser Bus, so dass wir nicht erst zurück zur anderen Haltestelle müssen. Wir fahren zurück nach St. Peter Port, kaufen im Tabakladen noch ein paar Zigarillos und in der Drogerie lustige englische Haarpflegeprodukte für mich und dann fahren wir einfach zurück nach St. Martin in unser Hotel, wo wir abends noch ein sehr, sehr gutes Dreigang-Menü essen. Mit Champagner übrigens, denn wir haben noch auf etwas anzustoßen: Unseren Jahrestag, denn seit genau drei Jahren sind wir an diesem 11.9. ein Paar.

Tag 19 – Guernsey: In der Bucht Saints Bay

September 11th, 2012 § Kommentare deaktiviert § permalink

Und gestern? Der Strasse vorm Hotel einfach mal runter ans Meer folgen und nach zehn Minuten strammen Bergabgehens in der menschenleeren Bucht Saints Bay landen, links und rechts 30 Meter hohe Klippen, dazwischen ein kleiner Streifen Strand und davor das Meer. Und es ist einfach nur wunderschön. Da liegen wir den ganzen Tag lang herum, lesen und schwimmen und Fotos gibt es keine, weil wir keine Kamera dabei haben.

Abends hüpfen wir noch in den Hotel-Pool und gehen später großartig im “Wicked Wolf” in St. Martin essen.

20120911-094454.jpg

20120911-094502.jpg

20120911-094511.jpg

Ein rundum schöner und entspannter Tag, mehr kann man dazu nicht sagen.