136/365: Im Tierpark Lindenthal

Mai 16th, 2014 § 2 comments § permalink

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Die wirklich schönen Ecken in Köln sind selten, man eine Weile suchen, bis man weiß, wo sie sich verstecken. Eine davon ist der Tierpark Lindenthal, der am hinteren Ende des Stadtgartens Lindenthal beginnt. Und als am Freitag nach den vielen Regentagen das Wetter endlich wieder schön ist, fahren wir spontan vorbei, es sind ja gerade mal zehn Minuten, bis wir dort ist.

Die Anlage gibt´s seit 1908, ein umzäuntes Gelände mit Wald und Wiesen, großzügigen Gehegen und Weiden und allerlei Tieren: Hochlandrinder, Esel, verschiedene Schafarten, Ziegen, eine Menge Geflügel und natürlich freilaufendes Damwild. Außerdem überall Automaten, an denen man sich für ein paar Cent Tierfutter kaufen kann – der Eintritt ist immerhin frei und der Futterverkauf somit eine Möglichkeit für den Förderverein, ein bisschen Geld einzunehmen. Und für die Besucher eine Gelegenheit, die Tiere ganz nah zu erleben. Oder noch ein bisschen näher, wenn eine der Ziegen einem die Bluse anknabbert und neben einen auf die Bank springt, weil man so besser an das Futter kommt oder ein Rindertier einem mit dem Horn fast die Kamera aus der Hand stupst.

Viele Eltern mit Kindern sind unterwegs, denn Tiere in einem fast natürlichem Umfeld erleben, sie füttern und anfassen, wo kann man das schon mitten in der Stadt? Man trifft sich hier, manche veranstalten Picknicks mit mitgebrachten Getränken und Essen, am Wochenende gibt es einen rollenden Kioks, an dem man Eis und Getränke kaufen kann. Zwischendrin viele Paare wie wir, die ein bisschen spazieren gehen und die Sonne genießen, in der einen Hand Handy oder Fotoapparat, in der anderen den Pappbecher mit dem Latta Macchiato.

Ich mag diesen Park.

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Die Kamera, mit der ich die Fotos gemacht habe, wurde mir freundlicherweise von momondo zur Verfügung gestellt – dafür nochmals vielen Dank! momondo organisiert gerade die Fotostrecke “momondo local” und hatte mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, dafür ein paar Bilder von Köln zu schießen.

Da ich in der letzten Zeit eher wenig über Köln geschrieben habe, fand ich das eine schöne Idee, die ich auch als Anlass nehme, ab sofort wieder mehr von Köln zu zeigen. Mit dem Tierpark ging es los.

Winterwonderland in Köln Sülz

Januar 22nd, 2013 § 3 comments § permalink

Und dann hat es geschneit, letzte Woche schon und nochmal am Wochenende und weil es kalt draußen ist, ist der Schnee nicht zu hässlichem Matsch geschmolzen, sondern liegen geblieben. Gut 20 Zentimeter Schnee sind es und wer nicht raus muss, lässt es lieber bleiben. Kaum alte Menschen sind auf den Straßen zu sehen, die bleiben lieber daheim, denn es ist glatt und einen Oberschenkelhalsbruch will niemand riskieren. Auf den Gehwegen vor den Wohnhäusern wird geschippt, gesalzen und gestreut, was nur geht, die öffentlichen Wege aber und die Straßen werden nicht geräumt, denn die Stadt muss sparen und Räumfahrzeuge und Streusalz kosten Geld. Wer doch raus muss, weil die Lebensmittel knapp werden oder weil er nicht wie ich zur Zeit daheim arbeiten kann, läuft hektisch an den Wohnhäusern vorbei, den Blick stets besorgt nach oben gerichtet, denn noch immer haben alle hier im Veedel die Frau in Erinnerung,die samt Baby im Kinderwagen von einer Dachlawine verschüttet worden war. Die Sache ging zum Glück gut aus, doch das hätte auch anders enden können, die Schwiegereltern, die ein paar Straßen weiter im Viertel wohnen, erzählen vom Auto eines Nachbarn, dessen Heckscheibe von einer Dachlawine komplett zerstört wurde. Da, wo ich herkomme, sind Lawinenschutzgitter auf den Dächern Pflicht, in Köln aber sieht man das wohl nicht so eng.

Am Sonntag gehen wir im Park spazieren und ich ziehe zum ersten Mal in diesem Winter die neuen gefütterten Stiefelschuhe mit der superdicken Sohle an, obwohl ich Stiefel schon immer noch mehr gehasst habe als Strumpfhosen und Erbseneintopf zusammen. Die Stiefel sind unwahrscheinlich schwer und es ist anstrengend, damit durch den Schnee zu stapfen, erst recht nach den faulen letzten drei Wochen auf dem Wohnzimmersofa. Weil es wieder schneit und ich auch Mützen hasse, habe ich die Kapuze weit über den Kopf gezogen und den Schal dreimal um den Hals gewickelt, wenn ich mehr als nur den halben Meter Boden vor meinen Füßen sehen oder hören möchte, was der Mann erzählt, muss ich den Kopf weit nach hinten reissen und der Mann lacht sich darüber kaputt. Wir laufen einen weiten Bogen durch Sülz und gehen in der Neuenhöfer Allee in den Park hinein. Überall Väter, die Schlitten mit schlafenden Kindern hinter sich aus dem Park ziehen, quiekende Kinder mit roten Gesichtern und bunten Pudelmützen, die hinter ihren Eltern in den Park hineinmarschieren, aber auch viele Paare wie wir, die einfach nur spazieren gehen, und alle haben sie dieses Leuchten in den Augen. Wir laufen weiter in den Park hinein, am Tennisplatz links vorbei und dann sehen wir es, das riesige bunte Gewusel vor uns. Rechts der flache Hügel, auf dem die kleineren Kinder rodeln, umsäumt von einer Horde Eltern, die den Kindern ihre Mützen gerade rücken, die Abfahrten gebührend bewundern, den Kleinen die Nasen putzen und die Schlitten dann wieder nach oben ziehen. Und links die große steile Rodelbahn am Pilzberg, eine der härtesten Abfahrten der Stadt, wie uns ein Neunjähriger erklärt, der einen knallrotem Plastikbob hinter sich herziehend, an uns vorbeistapft. Es müssen Hunderte von Menschen sein, die sich hier versammelt haben und es sind nicht nur die Kleinen, die sich todesmutig auf die Schlitten werfen, um mit einem Affenzahn den Hang hinunterzurasen. Hin und wieder stürzt einer, vor allem nach der fiesen Schanze, nach der man, wenn man sie richtig anfährt, einige Zehntelsekunden durch die Luft fliegen kann. Der Weg unter dem Berg ist verschwunden, denn der ist nun Teil der Rodelbahn und wer vorbeilaufen will, muss mitten über die Wiese laufen, auf der aber der Schnee von den vielen Menschen längst zu einer flachen Platte festgetreten wurde. Am Rand der Bahn eine Karawane von Eltern und Kindern, die die Schlitten wieder nach oben zerren, und weil es so viele sind, dass man nicht richtig vorankommt, gehen viele ein paar Meter nebenan quer durch den Wald nach oben. Man sieht nur wenige Kinder weinen, alle aber haben sie dieses Strahlen im Gesicht, auch die Erwachsenen, die wie wir einfach nur ein bisschen zugucken. So muss Winter sein, genau so und nicht anders, und genau so hat man ihn auch aus der eigenen Kindheit in Erinnerung und es ist großartig, dass es ihn jetzt, im Januar 2013, auch in der Großstadt noch gibt.

Das einzige, was zum ganz großen Glück fehlt: Ein Glühweinstand. Den Glühwein trinken wir dann aber daheim und daheim, das ist nur fünf Gehminuten vom Winterwonderland entfernt.

Geschichten über Köln, Konstanz und die Sache mit der Heimat

November 19th, 2012 § 4 comments § permalink

Nachdem in diesen Tagen das großartige Wiesbaden-Buch “63,75 – das Buch” erschienen ist, in dem auch ein Artikel von mir erschienen ist, haben viele andere Blogger das Thema “Heimat” ebenfalls für sich entdeckt. Herr Buddenbohm hat das zum Anlass genommen und in einer Blogparade dazu aufgerufen, Texte über Hamburg zu schreiben, die er in seinem Blog sammelt: Der Rest von Hamburg. Frau Bogdan sammelt parallel in ihrem Blog Artikel über den Rest der Welt und schreibt dabei insbesondere über Helgoland. Und Anne Schüssler sammelt Artikel über das Ruhrgebiet.

Ich selber schreibe hier ja seit über zwei Jahren über Köln und Konstanz, nachdem ich vor zwei Jahren der Liebe wegen vom Bodensee ins Rheinland umgezogen bin. Und gerne möchte ich diese Gelegenheit nutzen und auf meine eigenen Lieblingsartikel dazu nochmals hinweisen:

Und über Konstanz und den Bodensee habe ich natürlich auch eine ganze Menge geschrieben, zum Beispiel:

  • In der Eisenbahnstraße”erzählt von einer ganz besonderen Hausgemeinschaft in einer ganz besonderen Straße
  • “Der Katzen-Opa”erzählt nochmals von dieser besonderen Straße
  • “Konstanz halt” handelt davon, wie es ist, nach längerer Zeit mal wieder in die alte Heimat zurückzukommen.
  • “Heimat” erschien vor drei Jahren in einer früheren Ausgabe des Stijlroyal-Magazins und erzählt davon, was ich persönlich als Heimat empfinde

Viel Spaß beim Lesen! Und natürlich werde ich in diesem Blog auch weiterhin über die Sache mit der Heimat schreiben, denn da gibt es noch so einiges zu erzählen…