136/365: Im Tierpark Lindenthal

Mai 16th, 2014 § 2 comments § permalink

Ein Bild anklicken – dann startet die Bildergalerie.

Die wirklich schönen Ecken in Köln sind selten, man eine Weile suchen, bis man weiß, wo sie sich verstecken. Eine davon ist der Tierpark Lindenthal, der am hinteren Ende des Stadtgartens Lindenthal beginnt. Und als am Freitag nach den vielen Regentagen das Wetter endlich wieder schön ist, fahren wir spontan vorbei, es sind ja gerade mal zehn Minuten, bis wir dort ist.

Die Anlage gibt´s seit 1908, ein umzäuntes Gelände mit Wald und Wiesen, großzügigen Gehegen und Weiden und allerlei Tieren: Hochlandrinder, Esel, verschiedene Schafarten, Ziegen, eine Menge Geflügel und natürlich freilaufendes Damwild. Außerdem überall Automaten, an denen man sich für ein paar Cent Tierfutter kaufen kann – der Eintritt ist immerhin frei und der Futterverkauf somit eine Möglichkeit für den Förderverein, ein bisschen Geld einzunehmen. Und für die Besucher eine Gelegenheit, die Tiere ganz nah zu erleben. Oder noch ein bisschen näher, wenn eine der Ziegen einem die Bluse anknabbert und neben einen auf die Bank springt, weil man so besser an das Futter kommt oder ein Rindertier einem mit dem Horn fast die Kamera aus der Hand stupst.

Viele Eltern mit Kindern sind unterwegs, denn Tiere in einem fast natürlichem Umfeld erleben, sie füttern und anfassen, wo kann man das schon mitten in der Stadt? Man trifft sich hier, manche veranstalten Picknicks mit mitgebrachten Getränken und Essen, am Wochenende gibt es einen rollenden Kioks, an dem man Eis und Getränke kaufen kann. Zwischendrin viele Paare wie wir, die ein bisschen spazieren gehen und die Sonne genießen, in der einen Hand Handy oder Fotoapparat, in der anderen den Pappbecher mit dem Latta Macchiato.

Ich mag diesen Park.

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Die Kamera, mit der ich die Fotos gemacht habe, wurde mir freundlicherweise von momondo zur Verfügung gestellt – dafür nochmals vielen Dank! momondo organisiert gerade die Fotostrecke “momondo local” und hatte mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, dafür ein paar Bilder von Köln zu schießen.

Da ich in der letzten Zeit eher wenig über Köln geschrieben habe, fand ich das eine schöne Idee, die ich auch als Anlass nehme, ab sofort wieder mehr von Köln zu zeigen. Mit dem Tierpark ging es los.

Winterwonderland in Köln Sülz

Januar 22nd, 2013 § 3 comments § permalink

Und dann hat es geschneit, letzte Woche schon und nochmal am Wochenende und weil es kalt draußen ist, ist der Schnee nicht zu hässlichem Matsch geschmolzen, sondern liegen geblieben. Gut 20 Zentimeter Schnee sind es und wer nicht raus muss, lässt es lieber bleiben. Kaum alte Menschen sind auf den Straßen zu sehen, die bleiben lieber daheim, denn es ist glatt und einen Oberschenkelhalsbruch will niemand riskieren. Auf den Gehwegen vor den Wohnhäusern wird geschippt, gesalzen und gestreut, was nur geht, die öffentlichen Wege aber und die Straßen werden nicht geräumt, denn die Stadt muss sparen und Räumfahrzeuge und Streusalz kosten Geld. Wer doch raus muss, weil die Lebensmittel knapp werden oder weil er nicht wie ich zur Zeit daheim arbeiten kann, läuft hektisch an den Wohnhäusern vorbei, den Blick stets besorgt nach oben gerichtet, denn noch immer haben alle hier im Veedel die Frau in Erinnerung,die samt Baby im Kinderwagen von einer Dachlawine verschüttet worden war. Die Sache ging zum Glück gut aus, doch das hätte auch anders enden können, die Schwiegereltern, die ein paar Straßen weiter im Viertel wohnen, erzählen vom Auto eines Nachbarn, dessen Heckscheibe von einer Dachlawine komplett zerstört wurde. Da, wo ich herkomme, sind Lawinenschutzgitter auf den Dächern Pflicht, in Köln aber sieht man das wohl nicht so eng.

Am Sonntag gehen wir im Park spazieren und ich ziehe zum ersten Mal in diesem Winter die neuen gefütterten Stiefelschuhe mit der superdicken Sohle an, obwohl ich Stiefel schon immer noch mehr gehasst habe als Strumpfhosen und Erbseneintopf zusammen. Die Stiefel sind unwahrscheinlich schwer und es ist anstrengend, damit durch den Schnee zu stapfen, erst recht nach den faulen letzten drei Wochen auf dem Wohnzimmersofa. Weil es wieder schneit und ich auch Mützen hasse, habe ich die Kapuze weit über den Kopf gezogen und den Schal dreimal um den Hals gewickelt, wenn ich mehr als nur den halben Meter Boden vor meinen Füßen sehen oder hören möchte, was der Mann erzählt, muss ich den Kopf weit nach hinten reissen und der Mann lacht sich darüber kaputt. Wir laufen einen weiten Bogen durch Sülz und gehen in der Neuenhöfer Allee in den Park hinein. Überall Väter, die Schlitten mit schlafenden Kindern hinter sich aus dem Park ziehen, quiekende Kinder mit roten Gesichtern und bunten Pudelmützen, die hinter ihren Eltern in den Park hineinmarschieren, aber auch viele Paare wie wir, die einfach nur spazieren gehen, und alle haben sie dieses Leuchten in den Augen. Wir laufen weiter in den Park hinein, am Tennisplatz links vorbei und dann sehen wir es, das riesige bunte Gewusel vor uns. Rechts der flache Hügel, auf dem die kleineren Kinder rodeln, umsäumt von einer Horde Eltern, die den Kindern ihre Mützen gerade rücken, die Abfahrten gebührend bewundern, den Kleinen die Nasen putzen und die Schlitten dann wieder nach oben ziehen. Und links die große steile Rodelbahn am Pilzberg, eine der härtesten Abfahrten der Stadt, wie uns ein Neunjähriger erklärt, der einen knallrotem Plastikbob hinter sich herziehend, an uns vorbeistapft. Es müssen Hunderte von Menschen sein, die sich hier versammelt haben und es sind nicht nur die Kleinen, die sich todesmutig auf die Schlitten werfen, um mit einem Affenzahn den Hang hinunterzurasen. Hin und wieder stürzt einer, vor allem nach der fiesen Schanze, nach der man, wenn man sie richtig anfährt, einige Zehntelsekunden durch die Luft fliegen kann. Der Weg unter dem Berg ist verschwunden, denn der ist nun Teil der Rodelbahn und wer vorbeilaufen will, muss mitten über die Wiese laufen, auf der aber der Schnee von den vielen Menschen längst zu einer flachen Platte festgetreten wurde. Am Rand der Bahn eine Karawane von Eltern und Kindern, die die Schlitten wieder nach oben zerren, und weil es so viele sind, dass man nicht richtig vorankommt, gehen viele ein paar Meter nebenan quer durch den Wald nach oben. Man sieht nur wenige Kinder weinen, alle aber haben sie dieses Strahlen im Gesicht, auch die Erwachsenen, die wie wir einfach nur ein bisschen zugucken. So muss Winter sein, genau so und nicht anders, und genau so hat man ihn auch aus der eigenen Kindheit in Erinnerung und es ist großartig, dass es ihn jetzt, im Januar 2013, auch in der Großstadt noch gibt.

Das einzige, was zum ganz großen Glück fehlt: Ein Glühweinstand. Den Glühwein trinken wir dann aber daheim und daheim, das ist nur fünf Gehminuten vom Winterwonderland entfernt.

Geschichten über Köln, Konstanz und die Sache mit der Heimat

November 19th, 2012 § 4 comments § permalink

Nachdem in diesen Tagen das großartige Wiesbaden-Buch “63,75 – das Buch” erschienen ist, in dem auch ein Artikel von mir erschienen ist, haben viele andere Blogger das Thema “Heimat” ebenfalls für sich entdeckt. Herr Buddenbohm hat das zum Anlass genommen und in einer Blogparade dazu aufgerufen, Texte über Hamburg zu schreiben, die er in seinem Blog sammelt: Der Rest von Hamburg. Frau Bogdan sammelt parallel in ihrem Blog Artikel über den Rest der Welt und schreibt dabei insbesondere über Helgoland. Und Anne Schüssler sammelt Artikel über das Ruhrgebiet.

Ich selber schreibe hier ja seit über zwei Jahren über Köln und Konstanz, nachdem ich vor zwei Jahren der Liebe wegen vom Bodensee ins Rheinland umgezogen bin. Und gerne möchte ich diese Gelegenheit nutzen und auf meine eigenen Lieblingsartikel dazu nochmals hinweisen:

Und über Konstanz und den Bodensee habe ich natürlich auch eine ganze Menge geschrieben, zum Beispiel:

  • In der Eisenbahnstraße”erzählt von einer ganz besonderen Hausgemeinschaft in einer ganz besonderen Straße
  • “Der Katzen-Opa”erzählt nochmals von dieser besonderen Straße
  • “Konstanz halt” handelt davon, wie es ist, nach längerer Zeit mal wieder in die alte Heimat zurückzukommen.
  • “Heimat” erschien vor drei Jahren in einer früheren Ausgabe des Stijlroyal-Magazins und erzählt davon, was ich persönlich als Heimat empfinde

Viel Spaß beim Lesen! Und natürlich werde ich in diesem Blog auch weiterhin über die Sache mit der Heimat schreiben, denn da gibt es noch so einiges zu erzählen…

 

Köln, Sülz und die Sache mit den Imis und den Pimmocks

Oktober 22nd, 2012 § 25 comments § permalink

Die Sache mit der Heimat ist übrigens gar nicht so einfach. Da, wo man seine Heimat hat, sind nämlich leider immer auch die Anderen. Die Anderen, das sind die, die nicht von hier sind. Wo “hier” ist, ist dabei erstmal egal. Ebenso egal ist es, dass die Anderen auch eine Heimat haben. Aber diese Heimat, daran lässt sich nun mal nichts ändern, ist eben woanders und somit die falsche Heimat. Denn DIE HEIMAT, das weiß jedes Kind, ist einzigartig und kann es daher logischerweise auch nur an einen einzigen Ort geben.

Da man leider fast überall von Menschen umgeben ist, die von woandersher kommen, ist die Sache mit der Heimat sehr anstrengend. Diese Anderen tun nämlich so, als wäre es das normalste der Welt, seelenruhig durch die Straßen zu laufen, in denen mal selber doch als mit seinen erstem Paar Diskorollschuhe gefahren ist. Manche von denen ziehen sogar in die Häuser, an denen man Morgen für Morgen auf dem Schulweg vorbeilaufen musste. Und wieder andere kaufen darüber hinaus in den Supermärkten ein, wo man sich als Teenager für Drei Mark 99 seine Flasche Faber Sekt gekauft hat, um sie hinterher mit den Freunden im Park zu trinken. Die Anderen tun einfach so, als wäre es völlig selbstverständlich, so zu leben, als wären sie hier zuhause und das ist natürlich mächtig unverschämt und geht gar nicht. Darum ist es wichtig, auf die eigene Heimat gut aufzupassen, denn was wäre, wenn diese Anderen irgendwann mal überhand nehmen würden? Dann wäre es doch so, dass es auf einmal viel mehr Heimat woanders gäbe, also da, von wo die Anderen jeweils herkommen. Und dann wäre die eigene Heimat irgendwann verloren. Und dann könnte man auch niemanden mehr beschimpfen, dass er einem nämlich die Heimat wegnehmen würde und hier daher nichts zu suchen habe und daher am besten ausgewiesen werden solle. Und was sollte man dann bitte den lieben langen Tag tun?

Köln sei so weltoffen und tolerant, heißt es immer. Doch gleichzeitig unterscheiden Kölner ziemlich genau zwischen „echten“ Kölnern und solchen, die es nicht sind und thematisieren das alles auch gerne bei sich jeder bietenden Gelegenheit. Sogar eigene Namen gibt es für die nicht „echten“ Kölner, nämlich Pimmocks“oder „Imis“. Als „Pimocks“ wurden ursprünglich Gastarbeiter bezeichnet, die einst bei der Erntezeit auf dem Land dringend gebraucht wurden, nachdem die Preußen aus der Stadt abgerückt waren. In der Regel kamen sie aus dem Osten oder der Lünebürger Heide und konnten nicht besonders gut lesen oder schreiben und so erhielt der Begriff des „Pimmocks“ eine verächtliche Konnotation, die sich bis heute erhalten hat. Wobei damals die wenigstens Landarbeiter damals wirklich gut lesen oder schreiben konnten, auch nicht die, die aus dem Rheinland stammten, aber das nur nebenbei. Die Gastarbeiter arbeiteten aber nicht nur auf dem Land, sondern auch im Bergbau im rheinischen Braunkohlerevier, das sich rund um die Stadt erstreckt. Und natürlich kamen die Gastarbeiter im letzten Jahrhundert auch längst nicht mehr vorrangig aus der Lüneburger Heide, sondern auch aus Ostpreußen, was ein bisschen etwas mit dem Ausgang des zweiten Weltkrieges zu tun hatte. Als dann endlich das Wirtschaftswunder da war und die Automobilindustrie in Deutz kräftige Unterstützung nötig hatte, kamen sie außerdem auch aus Spanien, Italien und vor allem der Türkei und waren hier herzlich willkommen, denn sie wurden dringend gebraucht. Bei Ford zum Beispiel. Die meisten von ihnen blieben in der Stadt, holten ihre Familien nach und richteten sich nach und nach eine neue Heimat ein. Oder anders: Köln hat eine lange Tradition als Einwandererstadt. Mal abgesehen davon, dass es Köln in der heutigen Größe eigentlich auch nur gibt, weil die Römer die ehemalige Ubiersiedlung im Jahr 50 nach Christus zur Stadt erklärt hatten und danach einiges dafür taten, um sie zu einer prächtigen Stadt auszubauen. Und die Römer kamen, soweit ich weiß, auch nicht gerade von hier, sondern aus Italien. Und dass es den typischen Kölner Karneval eigentlich nur wegen den Franzosen gibt… aber egal.

Was aber hat es nun mit den Imis und den Pimmocks wirklich auf sich? „Enne Pimmok es enne Fremde, dä Ete-Pitete es un sich net aanpasse will. Pimmoks die sich aanjepass hann, weede zom Immi“,, so kann man hier nachlesen. „Imi“ kommt dabei nicht von „Imigrant“, sondern von „enne imiteete Kölsche“, also jemand, der imitiert, Kölner zu sein. Das trifft für die Gastarbeiter nun sicher nicht zu, aber eigentlich auch nicht unbedingt für alle anderen, die irgendwann in die Stadt zugewandert sind. Ich kenne jedenfalls niemanden, der es schafft, Kölner täuschend echt nachzumachen, denn das ist allein durch den kölschen Dialekt gar nicht möglich. Und was unter „Ete-Pitete“ zu verstehen ist, ist auch nicht ganz klar, mit Bildung kann es jedenfalls nichts zu tun haben, denn wenn man sich die aktuelle Studie vom Integrationsrat der Stadt Köln anschaut, wird klar, dass einen typischen Fremden gar nicht gibt. Imigranten leben in völlig verschiedenen “Milieus” – “Milieu” ist nicht abwertend gemeint, sondern ist ein feststehender Begriff aus der Statistik, mit dem Bevölkerungsschichten beschrieben werden: 12 Prozent stammen jedenfalls aus dem “statusorientiertem Milieu” und 11 Prozent aus dem “Intellektuell-Kosmopolitischen Milieu” – das könnte eventuell auf dieses “Ete Pitete” hinweisen, wenn diese Gruppe zusammengerechnet nicht eben nur schlappe 23 Prozent ausmachen würde. Der Rest ist setzt sich nämlich völlig anders zusammen: 9 Prozent stammen aus dem “entwurzelten Milieu”, 16 Prozent aus dem “Arbeitermilieu”, 15% aus der “Subkultur”, 16 Prozent aus dem “bürgerlichen Milieu”, 13 Prozent aus dem “multikulturellem Performer-Milieu” und 7 Prozent aus dem “religiös-verwurzelten Milieu”. Einen “typischen Imi” oder “Pimmock” gibt es also gar nicht.

Aber was bedeutet das nun für die “Imis”? Wer sind sie denn nun und wo findet man sie, fragte ich mich lange. Bis ich letzte Woche endlich fündig geworden bin. Und zwar bei Facebook! Da gibt es eine Sülz-Gruppe und auf die wurde ich vor ein paar Wochen von einer Bekannten aufmerksam gemacht, die dort mehrere Texte und Bilder von mir gefunden hatte. Texte aus diesem Blog, aber auch PR-Texte, die ich an ein Kölner Portel verkauft hatte und eben Fotos. Das war insofern problematisch, weil ich PR-Texte immer mit einfachen Nutzungsrechten verkaufe und diese daher nur zweckgebunden verwendet werden dürfen, sofern nichts anders ausgemacht wurde. Und natürlich ist es schlichtweg nicht in Ordnung, anderen Leuten Texte zu klauen, um sich selber als Autor auszugeben. Denn keiner der Artikel war verlinkt worden, nirgends war ich als Autorin genannt worden und gefragt worden bin ich natürlich auch nicht, ob das denn in Ordnung gehe.

In der Regel diskutiere ich in solchen Fällen mit den Dieben nicht lange herum, sondern schicke eine Unterlassungserklärung und eine saftige Rechnung. In dem Fall war es eine rein privat betriebene Seite. Die Betreiberin entschuldigte sich, versprach, meine Texte zu löschen und gelobte Besserung, daher beließ ich die Sache dabei. Die anderen drei Autoren, denen auch Texte geklaut worden waren, taten es ebenso, was ich sehr großzügig fand, denn einer der Person waren nicht wie mir nur eine Hand voll Sachen geklaut worden, sondern um die 50 Texte, so dass man von einem “Versehen” nicht wirklich sprechen konnte. Aber es ging ja auch ein bisschen um Sülz – den Stadtteil, in dem die anderen Autoren und ich ja auch gerne leben, daher fiel die Entscheidung nicht ganz schwer. Sie habe es nur gut gemeint, erklärte auch die Diebin außerdem zerknirscht. Nichts desto Trotz gucke ich seitdem ab und an auf der Seite vorbei, vor allem, da offensichtlich weiterhin Inhalte von anderen geklaut werden, aber eben diesmal nur von anderen.

Wie auch immer, hier, bei dieser Gruppe, stand sie dann endlich schwarz auf hellblau, die Beschreibung des typischen Sülzer “Imi” und die möchte ich hier einfach mal wörtlich zitieren:

 ”Meiner Meinung liegt das Problem darin, dass wir zu viel Zugegezogene pseudo-Intellektuelle in Sülz haben und die Öko’s machen alles kaputt im Veedel. Was meinst Du wie die sich hier vorkommen?”  – “JA SIE HABEN DIE NASE OBEN U WOLLEN BESSER SEIN ALS DIE EINGESESSENEN IN SÜLZ” – “Ja so ist es. Die sprechen noch nicht einmal Kölsch und wenn Du als Kölner Kölsch sprichst, wirst Du noch dumm angeschaut. Ich mache das dann extra, damit sie nichts mehr verstehen. Ganz schlimm, so finde ich, ist es auf der Berrenrather Straße….. Vor dem Alnaturladen… Die Leute sollte man des Veedels verweisen….. Die gehören hier nicht hin, ist jetzt meine persönliche Meinung….” -  “DA GEBE ICH DIR RECHT” – “Danke !!! Da sind wir ja einer Meinung…. Viele andere aus dem Veedel denken ebenso…. Aber gegen eine solche Flut von Immi’s kann man nicht machen.”

An anderer Stelle wird dann nochmal genauer erklärt, was es mit diesen “Öko-Immi’s” auf sich hat:

“Öko: Stets Fahrradfahrend auf dem Bürgersteig, schnell pampig werdend. Gegen Auto tretende Fahrradfahrer (speziell Berrenrather Strasse), Menschen die dm Mitarbeitern mit ihren Laktiaeintoleranzen auf den Keks gehen, die jegliche Inhaltsstoffe eines Haarshampoos erläutert haben möchten. Leute die mich als geistig verroht beschimpfen, wenn ich im 12 Apostel ein Fleischgericht bestelle. Menschen die ihre Kinder ganze Regale ausräumen lassen und dann noch frech werden, wenn man darauf hinweist, dass das Kind das bitte unterlassen soll. Das sind Öko’s”.

Und da war ich dann doch wieder ganz froh. Denn ganz offensichtlich bin ich dann doch kein “Immi”, den man, wie an weiterer Stelle gefordert wurde “raus aus dem Veedel” verweisen müsse, weil Sülz von den “Immis dominiert” werde, weswegen es “heute nicht mehr so schön in unserem Veedel” sei. Warum? Na ist doch klar: Ich kaufe eigentlich nie bei Alnatura ein, sondern schräg gegenüber bei Naturata. Aber auch nur einmal in zwei Monaten, ehrlich! Eine Laktoseintoleranz habe ich auch nicht und was in meinem Shampoo drin ist, ist mir relativ egal. Ich bin auch nicht pseudo-intellektuell, sondern eher intellektuell. Reden Leute Kölsch, gucke ich nicht dumm, sondern antworte auf badisch. Und stehen in der Berrenrather Autos in zweiter Reihe auf der Straße, trete ich beim Vorbeiradeln auch nie auf die Tür, wenn mich wieder mal fast einer beim Öffnen der selbigen vom Rad nietet, nein, dann beschimpfe ich ihn einfach als Vollidioten und rufe gegenbenfalls, falls er mich doch erwischt haben sollte, die Polizei. Wenn ich dann noch leben sollte, weil ich in der Zwischenzeit nicht von einem anderem Auto auf der Straße liegend überfahren wurde.

Ob ich besser bin als alteingesessene Sülzer, weiß ich auch nicht. Zumindest kann ich mich verbal besser als einige von ihnen ausdrücken und weiß zum Beispiel auch, dass man “Imi” mit einem “m” und im Plural ohne Deppenapostroph schreibt. Und ich weiß auch, dass man man sich in Köln nur dann Kölner nennen darf, wenn man in der dritten Generation hier lebt. So wie die meisten der jungen Türken in Mülheim zum Beispiel.

Also die Türken übrigens, gegen die Gruppierungen wie die fürchterlichen Typen rund um “Pro Köln” so mobil machen und deren Äußerungen auf Facebook die Betreiberin der Sülz-Seite, die so gegen die “Immi’s” und die “Öko’s” hetzt, gerne mit einem “Like” versieht. Aber das ist eine andere andere, gruselige Geschichte. Ich muss jetzt auch los, durch die Straßen laufen und in einem Sülzer Supermarkt noch was einkaufen. Nicht, weil ich Sülz so phantastisch finde übrigens, sondern weil ich hier halt einfach zuhause bin. Meine Heimat aber ist woanders.

P.S. Die meisten Sülzer, die ich mittlerweile persönlich kennengelernt habe, sind übrigens sehr nette Menschen. Und die Kölner auch!

Sauce und Käse

August 18th, 2012 § 7 comments § permalink

Wie unterschiedlich das Rheinland und Süddeutschland sind, merkt man vor allem beim Kochen. “Heute Abend gibt es Pute mit Kohlrabi”, sagte der Mann gestern Abend zu mir. Und dann sagte er die magischen Worte: “Ich koche!” Ich liebe es, wenn der Mann kocht und noch mehr liebe ich es, auf dem Küchensofa hinter ihm zu sitzen und schlaue Kommentare zu seiner Kocherei abzugeben. Denn der Mann ist Kölner und Kölner kochen so ganz anders als wir da unten am Bodensee. Kölner lieben nämlich Saucen und die gibt es in Mengen zum Fleisch, zum Fisch, zum Gemüse, zu Nudeln und vor allem zu Kartoffeln. Essen ohne Sauce, das ist wie Köln ohne Dom und kann daher einfach nicht sein. Sobald sich also in irgendeiner Pfanne beim Braten etwas Bratensatz angesammelt hat, wird der Mann also nervös, denn daraus kann man doch noch eine tolle Sauce machen! Den Bratensatz findet er meistens, wenn er gerade das Gericht auf den Tellern verteilt hat und ich mit dem Essen anfangen möchte. Aber nein, zack, schon geht es wieder los: Der Bratensatz, und sei es auch noch so wenig, wird “noch schnell” mit Brühe, Butter, Wein, Bier, Zwiebeln und allem, was sich in Reichweite befindet, zu mindestens einem Liter Sauce verlängert und wenn es auch nur Milch ist – Hauptsache, es gibt viel leckere Sauce! Pfeffer, rein, Senf dazu, noch ein bisschen Zimt und Kakao und ein Spritzer Zitrone! Und während ich derweil ungeduldig am Tisch sitze, einen Teller leckerer Sachen vor mir, rührt der Mann in den Töpfen und Pfannen und hat dabei diesen irren Blick in den Augen.

Am Bodensee isst man schon auch mal Sauce, aber die heißt dann Bolognese oder Casimir und ist fester Bestandteil des Gerichts. Denn was in Köln die Sauce ist, ist am Bodensee der Käse. Der Bodensee ist nämlich so etwas wie ein Käseparadies und darum muss Käse in fast jedes Gericht oder es wird damit überbacken oder bestreut, am besten aber alles davon und dann nennt es sich Überbackene Kässpätzle mit Parmesan und hat pro Portion ungefähr 8000 Kalorien. “Überbacke es mit Käse und es ist wie nie neu”, sagt man da unten und das meint man auch so, alles, was vom Vortag übrig ist, wird einfach nochmal überbacken – die Spätzle, Kartoffeln, Pfannkuchen, Nudeln, Maultaschen oder Fleisch und sogar Suppen. Wenn man es traditionell mag, nimmt man dazu den Käse aus dem Allgäu, Emmentaler, Lindenthaler oder Bergkäse. Letzteren gibt es auch aus dem österreichischen Vorarlberg und schmeckt ein bisschen deftiger als der aus dem Allgäu. Wer sich modern und weltoffen gibt, isst Käse aus der Schweiz, Raclette, Gruyere oder Appenzeller zum Beispiel. Ein bisschen weiter weg ist Frankreich und da gibt es herrlichen Ziegenkäse und Weichkäse und wer es mediterran liebt, kauft sich am Wochenende in Mailand Grana Padano oder Parmiggiano, um ihn beim Pasta-Essen mit Freunden mit dramatischer Gestik über seine Nudeln oder seinen Caesar Salad zu reiben, aber das sind dann eher die Leute, die auch ein Meter lange Pfeffermühlen auf dem Tisch stehen haben. Überhaupt Pfeffermühlen, ich hatte vor Jahren mal einen Flirt mit einem Herrn, der mir bei unserem ersten Date – wir aßen mit Käse überbackene Schnitzel – von seiner elektrischen Pfeffermühle vorschwärmte, weil so etwas am Bodensee eben ein Statussymbol ist, aber das ist eine andere Geschichte.

“Was hast Du denn, auch in Köln lieben wir den Käse!”, sagte der Mann neulich und zeigte mir am Käseregal im Supermarkt Gouda am Stiel. “Käse am Stiel? Die spinnen, die Kölner”, sagte ich. “Aber hier, guck, in jeder Kneipe gibt es Röggelchen und da ist Käse drauf, das ist kölsche Kultur!”, sagte der Mann abends im “Sölzer Klaaf”, wo wir noch ein Kölsch trinken waren. Ich bestellte eines von diesen Dingern und staunte: Der Käse war gute fünf Millimeter dick und lag auf einem rabenschwarz gebackenem Brötchen, das mit dick Senf bestrichen war. “Hm”, sagte ich, strich den Senf vom Käse, aß ihn und stopfte das verbrannte Brötchen heimlich in die Erde des hinter mir stehenden Gummibaums. “Esst Ihr hier auch anderen Käse?”, fragte ich ihn dann. “Ja, Old Amsterdam, das ist alter Gouda, und dann Maigouda, das ist junger Gouda. Und gebackenen Camenbert mit frittierter Petersilie.” “Hm”, sagte ich.  “Ich esse auch gerne Cheddar”, versuchte es der Mann dann. “Ich liebe Dich”, sagte ich und bestellte mir noch ein Kölsch.

“Ich koche”, sagte der Mann also gestern Abend, schälte den Kohlrabi, schnitt ihn in Streifen und legte ihn in einen Topf mit heißem Salzwasser. “Es gibt Putenschnitzel mit Kohlrabi in weißer Sauce”, sagte er. “Lecker!” sagte ich vom Küchensofa aus und: “Aber vielleicht nicht so flüssig diesmal den Kohlrabi” und meinte: Mach nicht so viel Sauce. “Nicht so flüssig? Ja gut, mach ich, mein Schatz”, sagte der Mann, erhitzte Öl in der Pfanne und briet die Putenschnitzel. “Essen!” rief er dann und stellte die Pfanne mit dem Fleisch auf den Tisch. “Setz Dich und verteil schon mal die Schnitzel, ich muss noch kurz…” sagte er, ging zum Herd zurück und begann wie wild im Kohlrabitopf herumzurühren, während eine weiße Puderwolke aus dem Topf heraufstieg, um ihn und den Herd in sich zu verschlingen. “Was…?” fragte ich. “Gleich! Wart!” rief der Mann und fuchtelte mit einem Mehlsieb in der Hand herum. “Aber…!?” – “Waaart, gleich!! Nur die Sauce noch!”

Und dann kam er mit dem Kohlrabitopf. “Aber der ist ja randvoll mit Sauce, mindestens ein Liter, und äh, wieso ist die so glibberig?” fragte ich. “Ja, wieso, Glibber, ich hab halt saure Sahne und Saucenbinder reingegeben, ich fand das ja auch etwas komisch und so glibberige Sauce finde ich ja auch nicht so toll, aber du hast doch gesagt, du willst die Sauce diesmal nicht so flüssig, also habe ich sie halt angedickt, extra für dich!” -”Hm”, sagte ich. Und: “Haben wir eigentlich noch Parmesan?”