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Japanisch essen in Köln: Das Daitokai

Und gestern endlich war es soweit: Wir waren im Daitokai essen, dem japanischen Restaurant in Köln. Zur Hochzeit hatten wir Gutscheine im Wert von 125 Euro geschenkt bekommen, die wir nun endlich “verjubeln” wollten. Ein tolles Geschenk, denn japanisches Essen lieben der Mann und ich über alles. Sushi könnte ich eigentlich fast jeden Tag essen, aber natürlich hat die japanische Küche noch so einiges mehr zu bieten – wer einmal bei Kintaro, dem wohl besten Japaner Kölns war, weiß, was ich meine. Das Daitokai funktioniert aber nochmal anders: Hier wird nämlich nach Teppanyaki-Art gekocht. Das bedeutet, dass die Gerichte nicht in der Küche zubereitet werden, sondern auf einer riesigen Stahlkochplatte, um die man in kleinen Gruppen sitzt. Wir waren zu viert, direkte neben uns saßen weitere drei Personen. Bis zu acht Leuten sitzen also um so einen Tisch an den beiden kurzen und der langen Seite, die andere lange Seite aber gehört dem Koch, der aus den verschiedenen Zutaten am Tisch kleine Gerichte zaubert – frischer geht´s also nicht. In Amsterdam waren wir bereits vor zwei Jahren mal in einem Teppanyaki-Restaurant, doch das Daitokai sei um Klassen besser, meinte mein Mann, der dort schon öfter essen war. Und wenn man nach dem Daitokai googelt, findet man nur top Bewertungen. In Berlin gibt es ein weiteres Daitokai, das Kölner Restaurant wurde 1973 gegründet und gehört somit zu den ersten Japanern der Stadt.

Wir entschieden für das Menue “Iroli Spezial” mit extra Sushi – wenn schon, denn schon. Beide hatten wir tags extra weniger gegessen, um abends genügend Appetit und Hunger mitzubringen. Eine gute Idee, denn das, was wir zu essen bekamen, war nicht eben wenig. Der Mann entschied sich beim Hauptgericht allerdings für das Rind, während ich die Ente bestellte. Mein Menue sah so aus:

Los ging es mit einem Appetitanreger: Kleine Fischchen, angemacht mit Zwiebeln und einer Sauce. Eigentlich sehr lecker, bis ich sah, dass die Fischchen ja noch Köpfchen hatten und in den Köpfchen kleine weiße Äugelchen zu sehen waren. Brrr, nix für mich. Weiter ging es mit einer ersten Vorspeise, einem Dreierlei: Frittierte Schwarzwurzeln, gebratene Ente mit Kaviar und Weißfisch in Gelee. Eigentlich alles lecker, der Geleefisch war mir allerdings geschmacklich zu nah an dem, was man im Supermarkt in der Kühltheke als “Hering in Gelee” in kleinen quadratischen Plastikbechern bekommt. Die nächste Vorspeise war da schon eher nach meinem Geschmack: Sushi! Und zwar in Form von drei Nigiri mit Ebi, Sake und Toro. Toro und Ebi esse ich eher selten, meist finde ich den Thunfisch zu wässrig und den Ebi dagegen oft zäh. Aber hier war davon nichts zu merken, der Thunfisch war superaromatisch, die Garnele ebenso und dazu auch noch zart. Auch der nächste Gang war ein Highlight: Jakobsmuscheln, Riesengarnelen und Lachs. Alles direkt am Tisch gebraten, dazu ein bisschen gedünsteter Pak Choi. Leckerst! Weiter ging es mit einem Salat mit Daitokai-Dressing: Das Dressing fand ich etwas zu kalt und ein bisschen zu sauer, aber das ist sicher auch Geschmackssache. Und nun kam das Hauptgericht: Gebratene Entenbrust in einer Orangen-Teriyaki-Sauce mit Sprossen, Pilzen, Zuckerschoten und Reis. Meine Ente war ein klitzeklein bisschen zu lang auf der Platte und daher nicht perfekt rosa, trotzdem aber war alles sehr lecker. Ein bisschen verliebt war ich außerdem in die Kräutersaitlinge, denn die sind einfach meine Lieblingspilze. Schließlich noch das Dessert: Ein in einem hauchzarten Pfannkuchen flambiertes Stück Teppan-Eis mit ein bisschen Obst und Himbeersauce. Sehr schön. Ohne Getränke hat mein Menue 75 Euro gekostet – ohne dem extra dazubestellten Sushi wären es 66 Euro gewesen.

Für das Essen würde ich insgesamt eine 2+ geben – ich fand alles sehr gut gemacht und die Zutaten waren jeweils top. Was mir aber ein bisschen gefehlt hat, war die Liebe zum Kochen. Ich hatte den Eindruck, dass das Zubereiten zu automatisch erfolgte. Jeder Handgriff sitzt perfekt und das Kochprogramm wird ein bisschen heruntergespult, eben so, wie man es seit Jahren dort macht, denn die Speisekarte wurde ja auch seit Jahren nicht verändert. Und die typische Show, in der der Koch seine Kunstfertigkeit zur Schau stellt, gibt es auch nicht. Wenn nach und nach an allen Tisch reihum das Licht ausgeschaltet wird, damit man beim Flambieren der Nachspeise die Flammen besser sehen kann, hat man das Gefühl, in einer Art Teppanyaki-Fabrik zu sitzen und das ist ein bisschen schade. Dafür aber wiederum war der Service erstklassik und superaufmerksam, aufgefallen ist mir auch, wie ordentlich und sauber gearbeitet wird. In Amsterdam damals war das zum Beispiel ganz anders: Je später der Abende, umso verkokelter die Kochplatte. Und alles, was darauf noch zubereitet wurde, schmeckte dann auch entsprechend leicht angebrannt, während wir hinterher rochen, als hätten wären wir im Wald beim Grillen gewesen. Hier wurde dagegen nach jedem Gang pingelig die Platte gereinigt.

Wer sehr gutes japanisches Essen inklusive Teppanyaki möchte: Unbedingt hingehen – es lohnt sich.

Es gibt natürlich weitere sehr gute Japaner in Köln: Zum Beispiel das Kintaro (da unbedingt Tempura essen!!) – das ist zwar nicht gerade günstig, dafür kocht hier ein original japanischer Sushi-Koch, der ganz genau weiß, was er tut. Sehr gutes Sushi gibt es auch bei Sumo-Sushi. Sumo gibt es mittlerweile drei Mal in Köln: Im Hürth-Center, in Efferen (Luxemburger Straße 83), in der Aachener-Straße 17 – 19 sowie am Mediapark (Kümpchenshof 21). Ebenfalls gutes Running-Sushi “all you can eat” gibt es im Kyoto, das aber seltsamerweise fast immer gähnend leer ist, wenn man daran vorbei fährt. Top Sushi gibt es außerdem auch bei Sushi-Samurai, ebenfalls mit einem Stammsitz in der Luxemburger Straße.

Ab und an sind wir auch im Sakura, dort gibt es Running Sushi “all you can eat”, allerdings ist die Auswahl an dem, was über das Band läuft, sehr unterschiedlich. Letztes Mal waren wir ein bisschen enttäuscht, vorletztes Mal dagegen war es gut. Wer mehr wissen möchte: Bei Sülz-Köln.de ist letztes Jahr dazu von mir eine Restaurant-Kritik veröffentlicht worden. Günstig ist es dafür allemal: Man zahlt nur knapp 20 Euro.

 

Winterwonderland in Köln Sülz

Und dann hat es geschneit, letzte Woche schon und nochmal am Wochenende und weil es kalt draußen ist, ist der Schnee nicht zu hässlichem Matsch geschmolzen, sondern liegen geblieben. Gut 20 Zentimeter Schnee sind es und wer nicht raus muss, lässt es lieber bleiben. Kaum alte Menschen sind auf den Straßen zu sehen, die bleiben lieber daheim, denn es ist glatt und einen Oberschenkelhalsbruch will niemand riskieren. Auf den Gehwegen vor den Wohnhäusern wird geschippt, gesalzen und gestreut, was nur geht, die öffentlichen Wege aber und die Straßen werden nicht geräumt, denn die Stadt muss sparen und Räumfahrzeuge und Streusalz kosten Geld. Wer doch raus muss, weil die Lebensmittel knapp werden oder weil er nicht wie ich zur Zeit daheim arbeiten kann, läuft hektisch an den Wohnhäusern vorbei, den Blick stets besorgt nach oben gerichtet, denn noch immer haben alle hier im Veedel die Frau in Erinnerung,die samt Baby im Kinderwagen von einer Dachlawine verschüttet worden war. Die Sache ging zum Glück gut aus, doch das hätte auch anders enden können, die Schwiegereltern, die ein paar Straßen weiter im Viertel wohnen, erzählen vom Auto eines Nachbarn, dessen Heckscheibe von einer Dachlawine komplett zerstört wurde. Da, wo ich herkomme, sind Lawinenschutzgitter auf den Dächern Pflicht, in Köln aber sieht man das wohl nicht so eng.

Am Sonntag gehen wir im Park spazieren und ich ziehe zum ersten Mal in diesem Winter die neuen gefütterten Stiefelschuhe mit der superdicken Sohle an, obwohl ich Stiefel schon immer noch mehr gehasst habe als Strumpfhosen und Erbseneintopf zusammen. Die Stiefel sind unwahrscheinlich schwer und es ist anstrengend, damit durch den Schnee zu stapfen, erst recht nach den faulen letzten drei Wochen auf dem Wohnzimmersofa. Weil es wieder schneit und ich auch Mützen hasse, habe ich die Kapuze weit über den Kopf gezogen und den Schal dreimal um den Hals gewickelt, wenn ich mehr als nur den halben Meter Boden vor meinen Füßen sehen oder hören möchte, was der Mann erzählt, muss ich den Kopf weit nach hinten reissen und der Mann lacht sich darüber kaputt. Wir laufen einen weiten Bogen durch Sülz und gehen in der Neuenhöfer Allee in den Park hinein. Überall Väter, die Schlitten mit schlafenden Kindern hinter sich aus dem Park ziehen, quiekende Kinder mit roten Gesichtern und bunten Pudelmützen, die hinter ihren Eltern in den Park hineinmarschieren, aber auch viele Paare wie wir, die einfach nur spazieren gehen, und alle haben sie dieses Leuchten in den Augen. Wir laufen weiter in den Park hinein, am Tennisplatz links vorbei und dann sehen wir es, das riesige bunte Gewusel vor uns. Rechts der flache Hügel, auf dem die kleineren Kinder rodeln, umsäumt von einer Horde Eltern, die den Kindern ihre Mützen gerade rücken, die Abfahrten gebührend bewundern, den Kleinen die Nasen putzen und die Schlitten dann wieder nach oben ziehen. Und links die große steile Rodelbahn am Pilzberg, eine der härtesten Abfahrten der Stadt, wie uns ein Neunjähriger erklärt, der einen knallrotem Plastikbob hinter sich herziehend, an uns vorbeistapft. Es müssen Hunderte von Menschen sein, die sich hier versammelt haben und es sind nicht nur die Kleinen, die sich todesmutig auf die Schlitten werfen, um mit einem Affenzahn den Hang hinunterzurasen. Hin und wieder stürzt einer, vor allem nach der fiesen Schanze, nach der man, wenn man sie richtig anfährt, einige Zehntelsekunden durch die Luft fliegen kann. Der Weg unter dem Berg ist verschwunden, denn der ist nun Teil der Rodelbahn und wer vorbeilaufen will, muss mitten über die Wiese laufen, auf der aber der Schnee von den vielen Menschen längst zu einer flachen Platte festgetreten wurde. Am Rand der Bahn eine Karawane von Eltern und Kindern, die die Schlitten wieder nach oben zerren, und weil es so viele sind, dass man nicht richtig vorankommt, gehen viele ein paar Meter nebenan quer durch den Wald nach oben. Man sieht nur wenige Kinder weinen, alle aber haben sie dieses Strahlen im Gesicht, auch die Erwachsenen, die wie wir einfach nur ein bisschen zugucken. So muss Winter sein, genau so und nicht anders, und genau so hat man ihn auch aus der eigenen Kindheit in Erinnerung und es ist großartig, dass es ihn jetzt, im Januar 2013, auch in der Großstadt noch gibt.

Das einzige, was zum ganz großen Glück fehlt: Ein Glühweinstand. Den Glühwein trinken wir dann aber daheim und daheim, das ist nur fünf Gehminuten vom Winterwonderland entfernt.

Geschichten über Köln, Konstanz und die Sache mit der Heimat

Nachdem in diesen Tagen das großartige Wiesbaden-Buch “63,75 – das Buch” erschienen ist, in dem auch ein Artikel von mir erschienen ist, haben viele andere Blogger das Thema “Heimat” ebenfalls für sich entdeckt. Herr Buddenbohm hat das zum Anlass genommen und in einer Blogparade dazu aufgerufen, Texte über Hamburg zu schreiben, die er in seinem Blog sammelt: Der Rest von Hamburg. Frau Bogdan sammelt parallel in ihrem Blog Artikel über den Rest der Welt und schreibt dabei insbesondere über Helgoland. Und Anne Schüssler sammelt Artikel über das Ruhrgebiet.

Ich selber schreibe hier ja seit über zwei Jahren über Köln und Konstanz, nachdem ich vor zwei Jahren der Liebe wegen vom Bodensee ins Rheinland umgezogen bin. Und gerne möchte ich diese Gelegenheit nutzen und auf meine eigenen Lieblingsartikel dazu nochmals hinweisen:

Und über Konstanz und den Bodensee habe ich natürlich auch eine ganze Menge geschrieben, zum Beispiel:

  • In der Eisenbahnstraße”erzählt von einer ganz besonderen Hausgemeinschaft in einer ganz besonderen Straße
  • “Der Katzen-Opa”erzählt nochmals von dieser besonderen Straße
  • “Konstanz halt” handelt davon, wie es ist, nach längerer Zeit mal wieder in die alte Heimat zurückzukommen.
  • “Heimat” erschien vor drei Jahren in einer früheren Ausgabe des Stijlroyal-Magazins und erzählt davon, was ich persönlich als Heimat empfinde

Viel Spaß beim Lesen! Und natürlich werde ich in diesem Blog auch weiterhin über die Sache mit der Heimat schreiben, denn da gibt es noch so einiges zu erzählen…

 

Köln, Sülz und die Sache mit den Imis und den Pimmocks

Die Sache mit der Heimat ist übrigens gar nicht so einfach. Da, wo man seine Heimat hat, sind nämlich leider immer auch die Anderen. Die Anderen, das sind die, die nicht von hier sind. Wo “hier” ist, ist dabei erstmal egal. Ebenso egal ist es, dass die Anderen auch eine Heimat haben. Aber diese Heimat, daran lässt sich nun mal nichts ändern, ist eben woanders und somit die falsche Heimat. Denn DIE HEIMAT, das weiß jedes Kind, ist einzigartig und kann es daher logischerweise auch nur an einen einzigen Ort geben.

Da man leider fast überall von Menschen umgeben ist, die von woandersher kommen, ist die Sache mit der Heimat sehr anstrengend. Diese Anderen tun nämlich so, als wäre es das normalste der Welt, seelenruhig durch die Straßen zu laufen, in denen mal selber doch als mit seinen erstem Paar Diskorollschuhe gefahren ist. Manche von denen ziehen sogar in die Häuser, an denen man Morgen für Morgen auf dem Schulweg vorbeilaufen musste. Und wieder andere kaufen darüber hinaus in den Supermärkten ein, wo man sich als Teenager für Drei Mark 99 seine Flasche Faber Sekt gekauft hat, um sie hinterher mit den Freunden im Park zu trinken. Die Anderen tun einfach so, als wäre es völlig selbstverständlich, so zu leben, als wären sie hier zuhause und das ist natürlich mächtig unverschämt und geht gar nicht. Darum ist es wichtig, auf die eigene Heimat gut aufzupassen, denn was wäre, wenn diese Anderen irgendwann mal überhand nehmen würden? Dann wäre es doch so, dass es auf einmal viel mehr Heimat woanders gäbe, also da, von wo die Anderen jeweils herkommen. Und dann wäre die eigene Heimat irgendwann verloren. Und dann könnte man auch niemanden mehr beschimpfen, dass er einem nämlich die Heimat wegnehmen würde und hier daher nichts zu suchen habe und daher am besten ausgewiesen werden solle. Und was sollte man dann bitte den lieben langen Tag tun?

Köln sei so weltoffen und tolerant, heißt es immer. Doch gleichzeitig unterscheiden Kölner ziemlich genau zwischen „echten“ Kölnern und solchen, die es nicht sind und thematisieren das alles auch gerne bei sich jeder bietenden Gelegenheit. Sogar eigene Namen gibt es für die nicht „echten“ Kölner, nämlich Pimmocks“oder „Imis“. Als „Pimocks“ wurden ursprünglich Gastarbeiter bezeichnet, die einst bei der Erntezeit auf dem Land dringend gebraucht wurden, nachdem die Preußen aus der Stadt abgerückt waren. In der Regel kamen sie aus dem Osten oder der Lünebürger Heide und konnten nicht besonders gut lesen oder schreiben und so erhielt der Begriff des „Pimmocks“ eine verächtliche Konnotation, die sich bis heute erhalten hat. Wobei damals die wenigstens Landarbeiter damals wirklich gut lesen oder schreiben konnten, auch nicht die, die aus dem Rheinland stammten, aber das nur nebenbei. Die Gastarbeiter arbeiteten aber nicht nur auf dem Land, sondern auch im Bergbau im rheinischen Braunkohlerevier, das sich rund um die Stadt erstreckt. Und natürlich kamen die Gastarbeiter im letzten Jahrhundert auch längst nicht mehr vorrangig aus der Lüneburger Heide, sondern auch aus Ostpreußen, was ein bisschen etwas mit dem Ausgang des zweiten Weltkrieges zu tun hatte. Als dann endlich das Wirtschaftswunder da war und die Automobilindustrie in Deutz kräftige Unterstützung nötig hatte, kamen sie außerdem auch aus Spanien, Italien und vor allem der Türkei und waren hier herzlich willkommen, denn sie wurden dringend gebraucht. Bei Ford zum Beispiel. Die meisten von ihnen blieben in der Stadt, holten ihre Familien nach und richteten sich nach und nach eine neue Heimat ein. Oder anders: Köln hat eine lange Tradition als Einwandererstadt. Mal abgesehen davon, dass es Köln in der heutigen Größe eigentlich auch nur gibt, weil die Römer die ehemalige Ubiersiedlung im Jahr 50 nach Christus zur Stadt erklärt hatten und danach einiges dafür taten, um sie zu einer prächtigen Stadt auszubauen. Und die Römer kamen, soweit ich weiß, auch nicht gerade von hier, sondern aus Italien. Und dass es den typischen Kölner Karneval eigentlich nur wegen den Franzosen gibt… aber egal.

Was aber hat es nun mit den Imis und den Pimmocks wirklich auf sich? „Enne Pimmok es enne Fremde, dä Ete-Pitete es un sich net aanpasse will. Pimmoks die sich aanjepass hann, weede zom Immi“,, so kann man hier nachlesen. „Imi“ kommt dabei nicht von „Imigrant“, sondern von „enne imiteete Kölsche“, also jemand, der imitiert, Kölner zu sein. Das trifft für die Gastarbeiter nun sicher nicht zu, aber eigentlich auch nicht unbedingt für alle anderen, die irgendwann in die Stadt zugewandert sind. Ich kenne jedenfalls niemanden, der es schafft, Kölner täuschend echt nachzumachen, denn das ist allein durch den kölschen Dialekt gar nicht möglich. Und was unter „Ete-Pitete“ zu verstehen ist, ist auch nicht ganz klar, mit Bildung kann es jedenfalls nichts zu tun haben, denn wenn man sich die aktuelle Studie vom Integrationsrat der Stadt Köln anschaut, wird klar, dass einen typischen Fremden gar nicht gibt. Imigranten leben in völlig verschiedenen “Milieus” – “Milieu” ist nicht abwertend gemeint, sondern ist ein feststehender Begriff aus der Statistik, mit dem Bevölkerungsschichten beschrieben werden: 12 Prozent stammen jedenfalls aus dem “statusorientiertem Milieu” und 11 Prozent aus dem “Intellektuell-Kosmopolitischen Milieu” – das könnte eventuell auf dieses “Ete Pitete” hinweisen, wenn diese Gruppe zusammengerechnet nicht eben nur schlappe 23 Prozent ausmachen würde. Der Rest ist setzt sich nämlich völlig anders zusammen: 9 Prozent stammen aus dem “entwurzelten Milieu”, 16 Prozent aus dem “Arbeitermilieu”, 15% aus der “Subkultur”, 16 Prozent aus dem “bürgerlichen Milieu”, 13 Prozent aus dem “multikulturellem Performer-Milieu” und 7 Prozent aus dem “religiös-verwurzelten Milieu”. Einen “typischen Imi” oder “Pimmock” gibt es also gar nicht.

Aber was bedeutet das nun für die “Imis”? Wer sind sie denn nun und wo findet man sie, fragte ich mich lange. Bis ich letzte Woche endlich fündig geworden bin. Und zwar bei Facebook! Da gibt es eine Sülz-Gruppe und auf die wurde ich vor ein paar Wochen von einer Bekannten aufmerksam gemacht, die dort mehrere Texte und Bilder von mir gefunden hatte. Texte aus diesem Blog, aber auch PR-Texte, die ich an ein Kölner Portel verkauft hatte und eben Fotos. Das war insofern problematisch, weil ich PR-Texte immer mit einfachen Nutzungsrechten verkaufe und diese daher nur zweckgebunden verwendet werden dürfen, sofern nichts anders ausgemacht wurde. Und natürlich ist es schlichtweg nicht in Ordnung, anderen Leuten Texte zu klauen, um sich selber als Autor auszugeben. Denn keiner der Artikel war verlinkt worden, nirgends war ich als Autorin genannt worden und gefragt worden bin ich natürlich auch nicht, ob das denn in Ordnung gehe.

In der Regel diskutiere ich in solchen Fällen mit den Dieben nicht lange herum, sondern schicke eine Unterlassungserklärung und eine saftige Rechnung. In dem Fall war es eine rein privat betriebene Seite. Die Betreiberin entschuldigte sich, versprach, meine Texte zu löschen und gelobte Besserung, daher beließ ich die Sache dabei. Die anderen drei Autoren, denen auch Texte geklaut worden waren, taten es ebenso, was ich sehr großzügig fand, denn einer der Person waren nicht wie mir nur eine Hand voll Sachen geklaut worden, sondern um die 50 Texte, so dass man von einem “Versehen” nicht wirklich sprechen konnte. Aber es ging ja auch ein bisschen um Sülz – den Stadtteil, in dem die anderen Autoren und ich ja auch gerne leben, daher fiel die Entscheidung nicht ganz schwer. Sie habe es nur gut gemeint, erklärte auch die Diebin außerdem zerknirscht. Nichts desto Trotz gucke ich seitdem ab und an auf der Seite vorbei, vor allem, da offensichtlich weiterhin Inhalte von anderen geklaut werden, aber eben diesmal nur von anderen.

Wie auch immer, hier, bei dieser Gruppe, stand sie dann endlich schwarz auf hellblau, die Beschreibung des typischen Sülzer “Imi” und die möchte ich hier einfach mal wörtlich zitieren:

 ”Meiner Meinung liegt das Problem darin, dass wir zu viel Zugegezogene pseudo-Intellektuelle in Sülz haben und die Öko’s machen alles kaputt im Veedel. Was meinst Du wie die sich hier vorkommen?”  – “JA SIE HABEN DIE NASE OBEN U WOLLEN BESSER SEIN ALS DIE EINGESESSENEN IN SÜLZ” – “Ja so ist es. Die sprechen noch nicht einmal Kölsch und wenn Du als Kölner Kölsch sprichst, wirst Du noch dumm angeschaut. Ich mache das dann extra, damit sie nichts mehr verstehen. Ganz schlimm, so finde ich, ist es auf der Berrenrather Straße….. Vor dem Alnaturladen… Die Leute sollte man des Veedels verweisen….. Die gehören hier nicht hin, ist jetzt meine persönliche Meinung….” -  “DA GEBE ICH DIR RECHT” – “Danke !!! Da sind wir ja einer Meinung…. Viele andere aus dem Veedel denken ebenso…. Aber gegen eine solche Flut von Immi’s kann man nicht machen.”

An anderer Stelle wird dann nochmal genauer erklärt, was es mit diesen “Öko-Immi’s” auf sich hat:

“Öko: Stets Fahrradfahrend auf dem Bürgersteig, schnell pampig werdend. Gegen Auto tretende Fahrradfahrer (speziell Berrenrather Strasse), Menschen die dm Mitarbeitern mit ihren Laktiaeintoleranzen auf den Keks gehen, die jegliche Inhaltsstoffe eines Haarshampoos erläutert haben möchten. Leute die mich als geistig verroht beschimpfen, wenn ich im 12 Apostel ein Fleischgericht bestelle. Menschen die ihre Kinder ganze Regale ausräumen lassen und dann noch frech werden, wenn man darauf hinweist, dass das Kind das bitte unterlassen soll. Das sind Öko’s”.

Und da war ich dann doch wieder ganz froh. Denn ganz offensichtlich bin ich dann doch kein “Immi”, den man, wie an weiterer Stelle gefordert wurde “raus aus dem Veedel” verweisen müsse, weil Sülz von den “Immis dominiert” werde, weswegen es “heute nicht mehr so schön in unserem Veedel” sei. Warum? Na ist doch klar: Ich kaufe eigentlich nie bei Alnatura ein, sondern schräg gegenüber bei Naturata. Aber auch nur einmal in zwei Monaten, ehrlich! Eine Laktoseintoleranz habe ich auch nicht und was in meinem Shampoo drin ist, ist mir relativ egal. Ich bin auch nicht pseudo-intellektuell, sondern eher intellektuell. Reden Leute Kölsch, gucke ich nicht dumm, sondern antworte auf badisch. Und stehen in der Berrenrather Autos in zweiter Reihe auf der Straße, trete ich beim Vorbeiradeln auch nie auf die Tür, wenn mich wieder mal fast einer beim Öffnen der selbigen vom Rad nietet, nein, dann beschimpfe ich ihn einfach als Vollidioten und rufe gegenbenfalls, falls er mich doch erwischt haben sollte, die Polizei. Wenn ich dann noch leben sollte, weil ich in der Zwischenzeit nicht von einem anderem Auto auf der Straße liegend überfahren wurde.

Ob ich besser bin als alteingesessene Sülzer, weiß ich auch nicht. Zumindest kann ich mich verbal besser als einige von ihnen ausdrücken und weiß zum Beispiel auch, dass man “Imi” mit einem “m” und im Plural ohne Deppenapostroph schreibt. Und ich weiß auch, dass man man sich in Köln nur dann Kölner nennen darf, wenn man in der dritten Generation hier lebt. So wie die meisten der jungen Türken in Mülheim zum Beispiel.

Also die Türken übrigens, gegen die Gruppierungen wie die fürchterlichen Typen rund um “Pro Köln” so mobil machen und deren Äußerungen auf Facebook die Betreiberin der Sülz-Seite, die so gegen die “Immi’s” und die “Öko’s” hetzt, gerne mit einem “Like” versieht. Aber das ist eine andere andere, gruselige Geschichte. Ich muss jetzt auch los, durch die Straßen laufen und in einem Sülzer Supermarkt noch was einkaufen. Nicht, weil ich Sülz so phantastisch finde übrigens, sondern weil ich hier halt einfach zuhause bin. Meine Heimat aber ist woanders.

P.S. Die meisten Sülzer, die ich mittlerweile persönlich kennengelernt habe, sind übrigens sehr nette Menschen. Und die Kölner auch!

Im Katchina Supper Club: Essen mit Wildfremden

Letzten Samstag bin ich zum Essen verabredet. Zum Essen mit zehn wildfremden Menschen in einer privaten Wohnung irgendwo hier in meinem Stadtteil, in der ich noch nie war bei Gastgebern, die ich noch nie gesehen habe. Vor Wochen hatte ich mich dafür im “Katchina Supper Club” angemeldet, den Miss Katchina und Herr Oger vor Kurzem gegründet hatten. Die beiden kannte ich bis dahin nur online über Twitter und Facebook. Irgendwann erzählte Miss Katchina mir von dem Club und fragte, ob ich nicht Lust hätte zu kommen und ich sagte einfach ja. Ein Abend hatte bereits stattgefunden, dieses hier würde der zweite werden.

Supper Clubs wie der Katchina Supper Club schießen derzeit in den großen Städten wie Pilze aus dem Boden – in anderen Ländern gibt es sie dagegen schon seit ein paar Jahren, vor allem in den USA und Australien. Der erste deutsche Supper Club wurde wohl 2008 von Shane McMahon, einem Profikoch, gegründet – ein Freund war in den USA gewesen und hatte ihm davon erzählt. McMahon fand die Idee toll: Kochen und Bewirten im privaten Rahmen von bis zu 20 Personen, wobei in der Regel nach einem bestimmten Motto gekocht wird. Bald wurden weitere Clubs gegründet und mittlerweile findet man sie überall in Deutschland und es ist eine rege Szene, die sich dort trifft. Die Clubs funktionieren in der Regel anonym – man erfährt also vorab weder etwas über die anderen Gäste, noch, wo das Essen stattfindet. Man meldet sich online an – über Facebook oder ein Blog – und bekommt mit etwas Glück einen der Plätze und wird dann kurz vor dem Essen darüber informiert, wo man sich trifft. Dass man die Adresse nicht öffentlich bekannt gibt, ist ein ungeschriebenes Gesetz. Irgendwo im Netz wurden Supper Clubs als “halblegale Underground-Restaurants” bezeichnet, in denen sich die “Kreativwirtschaft trifft”, das klingt subversiv und mächtig aufregend, aber der beschriebene Supper Club ist einer in Berlin und in Berlin muss alles immer irgendwie subversiv sein oder aber mit der Kreativwirtschaft zu tun haben. In Wirklichkeit ist es viel weniger aufregend. Zwar werden Supperclubs nicht offiziell als Restaurant oder Veranstaltung angemeldet, aber das ist auch gar nicht nötig, denn ein Essen im Supperclub ist im Grunde nicht viel mehr als ein privates Essen, nur dass eben die Gastgeber vorab nicht wissen, wer sich anmeldet und umgekehrt die Gäste nicht wissen, wer die anderen Gäste sind. Ein Supperclub verfolgt kein kommerzielles Interesse – man gründet ihn, weil man Spaß daran hat, andere zu bekochen und zu bewirten und man geht hin, weil man gerne gut isst, sich mit Gleichgesinnten übers Kochen austauschen möchte und weil man sich gerne auf etwas Neues einlässt. Natürlich wird aber erwartet, dass man sich an den Unkosten beteiligt – in Form einer Spende.

Ich bin sehr neugierig auf den Abend und habe keine Ahnung, was da auf mich zukommt. Das Menü wurde vorab bekannt gegeben: Vier Gänge gibt es, das Menü nennt sich “Cajuns Delight” und dabei sollen Rezepte aus der Cajun-Küche auf den Tisch kommen – plus verschiedene dazu passende Weine. Das klingt furchtbar spannend. Ich habe bisher viele verschiedene nationale Küchen probiert, aber Cajun-Küche kenne ich so gar nicht, noch nicht einmal wie man das schreibt, weiß ich.

Ich habe Glück, bis zu meinem Supper Club habe ich es nicht so weit und das ist auch gut, denn es regnet in Strömen und ich bin mit dem Fahrrad unterwegs. Meine Jacke ist sofort durchnässt wie ein Schwamm, das Wasser läuft mir den Rücken hinunter, in meinen Schuhen schwappt es und ich wickle mir den Schal fast vollständig ums Gesicht, damit nicht auch noch mein Make-Up verläuft. Tropfnass klingle ich bei meinen Gastgebern, drei andere Gäste sind auch gerade gekommen und etwas verwirrt stehen wir im Flur, es ist komisch, mit Fremden bei (Fast-)Fremden im Flur zu stehen und ihnen den Boden klitschnass vollzutropfen. Doch unsere Gastgeber empfangen uns, als wären wir alte Freunde, meine nasse Jacke kommt im Schlafzimmer auf den Stuhl und dass ich sogar regennasse Unterwäsche habe, wird vermutlich auch keiner merken. Ein Blick in den Spiegel – Haare und Makeup haben nichts abbekommen und der Rest ist jetzt einfach egal. Ich überreiche Miss Katchina ein paar Blümchen und einen Wein aus meiner Heimat, da kommen auch schon die restlichen Gäste und dann stehen wir auch schon alle im großen Wohnzimmer mit einem herrlichen Aperitif in der Hand – ein rosefarbener Sekt nach Champagnermethode hergestellt, sehr lecker. Das Gespräch verläuft noch etwas holprig, wir stellen uns untereinander vor und niemand kann sich die Namen der anderen merken. Die Leute sehen nett aus, keiner fällt auf den ersten Blick unangenehm aus dem Rahmen. Einige sind älter, andere jünger, mit 40 bin ich anscheinend genau in der Mitte. Zehn Leute sind wir, darunter zwei Paare, eines hat noch eine Freundin mitgebracht, ein drittes Paar ist kein Paar, sondern nur miteinander befreundet, eine Frau, die wie ich alleine gekommen ist und unsere Gastgeber. Den Mann hätte ich zu gerne mitgebracht, aber er ist beruflich für ein paar Tage unterwegs, aber das finde ich gar nicht so schlimm, so muss ich mich mehr auf die anderen Gäste einlassen.

Wir werden zum Tisch geführt und ich überlege, wie ich es unauffällig anstellen kann, neben meiner Gastgeberin zu sitzen, damit wir uns endlich etwas näher kennenlernen können, aber da lotst sie mich auch schon auf den freien Stuhl neben ihr, vermutlich hatte sie das gleiche vorgehabt. Ich freue mich  – auf die Gesellschaft und auf das Essen. Meine Gastgeber sind ein bisschen nervös, aber doch sehr locker und gut gelaunt und vor allem sehr herzlich. Die anfängliche Befangenheit verfliegt schnell, den anderen geht es wohl wie mir – wir sitzen entspannt an einem schön gedeckten Tisch und sind furchtbar neugierig, was jetzt kommt.

Und dann geht es auch schon los: Das erste Gericht ist Filé Gumbo – ein würziger Eintopf mit Hühnchen und Räucherwurst. Miss Katchina und Herr Oger erklären uns, dass die Cajun-Küche ihren Ursprung bei den französischen Einwanderern hat, die nach Louisiana im  Süden der USA eingewandert waren – die Küche steht für einfache, rustikale Rezepte mit lokalen Zutaten, einige der Gerichte haben dabei einen leicht französischen Einschlag, daneben gibt es viele Parallelen zur creolischen Küche. Die Basis der Suppe ist eine Mehlschwitze, die eine halbe Stunde lang gerührt werden muss, bis sie richtig dunkel ist  – das gibt der Suppe die rauchige Würze. Ein bisschen erinnert der Geschmack an ein Gulasch. In der Überlieferung sagen viele, Gumbo sei eine adaptierte Form der französischen Bouillabaise, andere sagen, der Name käme vom angolanischen Namen “Kingumbo” – also Okra, was oft eine der Zutaten ist. Zur Suppe gibt es Brot mit zweierlei Majonaisen – sehr lecker.

Als zweiten Gang bekommen wir einen Salat mit Apfelscheiben und karamelisierten Pekanüssen, die in Louisiana traditionell angebaut werden. Dazu gibt es Blue-Cheese-Spuma und ich beschließe, dass ich unbedingt auch so einen Aufschäumer haben muss, denn dieser Blue-Cheese-Spuma ist ein Gedicht.

Als dritten Gang servieren unsere Gastgeber ein Seafood-Jambalaya. Jambalaya ist ein Pendant zur spanischen Paella, hat aber auch risottohafte Züge. Wie bereits bei der Suppe ist eine wichtige Zutat die für die Cajun-Küche so typische “Holy Trinity” aus Staudensellerie, Paprika und Zwiebeln. Wie das Gericht genau gekocht wurde, weiß ich nicht – Reis ist jedenfalls drin, Flußkrebse, Schinkenstücke und angebratene Riesengarnelen – und dazu wird noch mit einer rauchigschmeckenden scharfen Sauce nachgewürzt. Das alles schmeckt fremd – aber lecker!

Am Tisch wird viel geredet und gelacht, Miss Katchina und Herr Oger erzählen von ihren USA-Reisen, wir unterhalten uns tischübergreifend über das Urheberrecht, Steaks, das Rauchen und den Kölner Dom und weil es so viel zu reden gibt, fällt gar nicht auf, dass wir bisher gar keine Vorstellungsrunde gemacht haben und holen das erst jetzt, nach dem dritten Gang nach. Interessante Berufe sind dabei, der Mann neben mir war Immobilienmakler, bis er von dem Beruf die Nase voll hatte und beim Krankenhaus als Fahrer arbeitet, seine Frau leitet ein Labor, jemand anderes hat lange in der Musikindustrie gearbeitet, andere arbeiten bei der Stadt Köln, einer ist Architekt, und, und, und – Berufe, über die es so viel zu erzählen gibt, dass niemand Sorge hat, dass der Gesprächsstoff ausgehen konnte. Angenehm, dass die Vorstellungsrunde allgemein bleibt – niemand will sein Geschäft anpreisen oder schlimmer: networken. Die Stimmung ist sehr angenehm. Das hätte auch ganz anders laufen können: Beim letzten Supper waren Leute gekommen, die schon während des Aperitifs wieder gingen. Mit der Begründung, sie hätten sich das alles ja ganz anders vorgestellt.

Dann wird der Nachtisch serviert und der ist mein Lieblingsgang: Ein phantastischer Louisiana Bread Pudding mit Bourbon-Sauce und hausgemachtem Vanilleeis. Ich bin hin und weg und beschließe, mir nicht nur den Aufschäumer, sondern auch eine Eismaschine zu kaufen. Anschließend gibt es noch Espresso oder einen Absacker nach Wahl – ich entscheide mich für einen Whisky und das war vielleicht keine so gute Idee, denn ich habe bereits Sekt, Weiß- und Rotwein getrunken und nachdem ich im Sommer einige Zeitlang gar keinen Alkohol getrunken hatte, vertrage ich, wenn ich nun trinke, nicht mehr so viel – und werde supermüde. Aber es ist auch schon spät – halb eins nämlich und der Abend ist zu Ende. Wir verabschieden uns sehr herzlich voneinander. Visitenkarten und Adressen werden keine getauscht, aber das ist okay. Ich finde es angenehm, das mit dem Wiedertreffen unverbindlich offen zu lassen und bin mir aber sehr sicher, dass ich den ein oder anderen bei irgendeinem anderen Supperclub wiedertreffen werde. Denn so etwas mache ich gerne wieder mit. Nur mit Miss Katchina und Herr Oger habe ich mit schon verabredet – zum Grillen bei uns daheim.

Den Katchina-Supperclub findet man bei Facebook – die Essen finden etwa alle vier Wochen statt. Die Plätze sind allerdings auf zehn Leute limitiert, während es beide Male deutliche mehr Anmeldungen gab. Im Netz finden sich aber viele weitere Supperclubs. Und natürlich kann man jederzeit auch einen eigenen eröffnen…

Sauce und Käse

Wie unterschiedlich das Rheinland und Süddeutschland sind, merkt man vor allem beim Kochen. “Heute Abend gibt es Pute mit Kohlrabi”, sagte der Mann gestern Abend zu mir. Und dann sagte er die magischen Worte: “Ich koche!” Ich liebe es, wenn der Mann kocht und noch mehr liebe ich es, auf dem Küchensofa hinter ihm zu sitzen und schlaue Kommentare zu seiner Kocherei abzugeben. Denn der Mann ist Kölner und Kölner kochen so ganz anders als wir da unten am Bodensee. Kölner lieben nämlich Saucen und die gibt es in Mengen zum Fleisch, zum Fisch, zum Gemüse, zu Nudeln und vor allem zu Kartoffeln. Essen ohne Sauce, das ist wie Köln ohne Dom und kann daher einfach nicht sein. Sobald sich also in irgendeiner Pfanne beim Braten etwas Bratensatz angesammelt hat, wird der Mann also nervös, denn daraus kann man doch noch eine tolle Sauce machen! Den Bratensatz findet er meistens, wenn er gerade das Gericht auf den Tellern verteilt hat und ich mit dem Essen anfangen möchte. Aber nein, zack, schon geht es wieder los: Der Bratensatz, und sei es auch noch so wenig, wird “noch schnell” mit Brühe, Butter, Wein, Bier, Zwiebeln und allem, was sich in Reichweite befindet, zu mindestens einem Liter Sauce verlängert und wenn es auch nur Milch ist – Hauptsache, es gibt viel leckere Sauce! Pfeffer, rein, Senf dazu, noch ein bisschen Zimt und Kakao und ein Spritzer Zitrone! Und während ich derweil ungeduldig am Tisch sitze, einen Teller leckerer Sachen vor mir, rührt der Mann in den Töpfen und Pfannen und hat dabei diesen irren Blick in den Augen.

Am Bodensee isst man schon auch mal Sauce, aber die heißt dann Bolognese oder Casimir und ist fester Bestandteil des Gerichts. Denn was in Köln die Sauce ist, ist am Bodensee der Käse. Der Bodensee ist nämlich so etwas wie ein Käseparadies und darum muss Käse in fast jedes Gericht oder es wird damit überbacken oder bestreut, am besten aber alles davon und dann nennt es sich Überbackene Kässpätzle mit Parmesan und hat pro Portion ungefähr 8000 Kalorien. “Überbacke es mit Käse und es ist wie nie neu”, sagt man da unten und das meint man auch so, alles, was vom Vortag übrig ist, wird einfach nochmal überbacken – die Spätzle, Kartoffeln, Pfannkuchen, Nudeln, Maultaschen oder Fleisch und sogar Suppen. Wenn man es traditionell mag, nimmt man dazu den Käse aus dem Allgäu, Emmentaler, Lindenthaler oder Bergkäse. Letzteren gibt es auch aus dem österreichischen Vorarlberg und schmeckt ein bisschen deftiger als der aus dem Allgäu. Wer sich modern und weltoffen gibt, isst Käse aus der Schweiz, Raclette, Gruyere oder Appenzeller zum Beispiel. Ein bisschen weiter weg ist Frankreich und da gibt es herrlichen Ziegenkäse und Weichkäse und wer es mediterran liebt, kauft sich am Wochenende in Mailand Grana Padano oder Parmiggiano, um ihn beim Pasta-Essen mit Freunden mit dramatischer Gestik über seine Nudeln oder seinen Caesar Salad zu reiben, aber das sind dann eher die Leute, die auch ein Meter lange Pfeffermühlen auf dem Tisch stehen haben. Überhaupt Pfeffermühlen, ich hatte vor Jahren mal einen Flirt mit einem Herrn, der mir bei unserem ersten Date – wir aßen mit Käse überbackene Schnitzel – von seiner elektrischen Pfeffermühle vorschwärmte, weil so etwas am Bodensee eben ein Statussymbol ist, aber das ist eine andere Geschichte.

“Was hast Du denn, auch in Köln lieben wir den Käse!”, sagte der Mann neulich und zeigte mir am Käseregal im Supermarkt Gouda am Stiel. “Käse am Stiel? Die spinnen, die Kölner”, sagte ich. “Aber hier, guck, in jeder Kneipe gibt es Röggelchen und da ist Käse drauf, das ist kölsche Kultur!”, sagte der Mann abends im “Sölzer Klaaf”, wo wir noch ein Kölsch trinken waren. Ich bestellte eines von diesen Dingern und staunte: Der Käse war gute fünf Millimeter dick und lag auf einem rabenschwarz gebackenem Brötchen, das mit dick Senf bestrichen war. “Hm”, sagte ich, strich den Senf vom Käse, aß ihn und stopfte das verbrannte Brötchen heimlich in die Erde des hinter mir stehenden Gummibaums. “Esst Ihr hier auch anderen Käse?”, fragte ich ihn dann. “Ja, Old Amsterdam, das ist alter Gouda, und dann Maigouda, das ist junger Gouda. Und gebackenen Camenbert mit frittierter Petersilie.” “Hm”, sagte ich.  “Ich esse auch gerne Cheddar”, versuchte es der Mann dann. “Ich liebe Dich”, sagte ich und bestellte mir noch ein Kölsch.

“Ich koche”, sagte der Mann also gestern Abend, schälte den Kohlrabi, schnitt ihn in Streifen und legte ihn in einen Topf mit heißem Salzwasser. “Es gibt Putenschnitzel mit Kohlrabi in weißer Sauce”, sagte er. “Lecker!” sagte ich vom Küchensofa aus und: “Aber vielleicht nicht so flüssig diesmal den Kohlrabi” und meinte: Mach nicht so viel Sauce. “Nicht so flüssig? Ja gut, mach ich, mein Schatz”, sagte der Mann, erhitzte Öl in der Pfanne und briet die Putenschnitzel. “Essen!” rief er dann und stellte die Pfanne mit dem Fleisch auf den Tisch. “Setz Dich und verteil schon mal die Schnitzel, ich muss noch kurz…” sagte er, ging zum Herd zurück und begann wie wild im Kohlrabitopf herumzurühren, während eine weiße Puderwolke aus dem Topf heraufstieg, um ihn und den Herd in sich zu verschlingen. “Was…?” fragte ich. “Gleich! Wart!” rief der Mann und fuchtelte mit einem Mehlsieb in der Hand herum. “Aber…!?” – “Waaart, gleich!! Nur die Sauce noch!”

Und dann kam er mit dem Kohlrabitopf. “Aber der ist ja randvoll mit Sauce, mindestens ein Liter, und äh, wieso ist die so glibberig?” fragte ich. “Ja, wieso, Glibber, ich hab halt saure Sahne und Saucenbinder reingegeben, ich fand das ja auch etwas komisch und so glibberige Sauce finde ich ja auch nicht so toll, aber du hast doch gesagt, du willst die Sauce diesmal nicht so flüssig, also habe ich sie halt angedickt, extra für dich!” -”Hm”, sagte ich. Und: “Haben wir eigentlich noch Parmesan?”

 

Geradelt: Am Rhein entlang nach Zündorf

Und heute endlich die Radtour, die wir schon länger machen wollten und die wegen schlechten Wetters mehrere Male ausfallen musste: Richtung Zollstock in die Südstadt, dort durch den Volksgarten und dann über die Severinsbrücke auf die andere Seite, durch Deutz zu den Poller Wiesen und den Drachenfliegern, dann immer weiter Richtung Porz, irgendwo davor im Café Wiesenhaus einen Kaffee trinken und ausnahmsweise ein Eis essen, danach durch Porz hindurch und zwischen Weizenfeldern und dem Rhein weiter nach Zündorf und dort auf die Halbinsel Groov. Am Sandstrand sitzen und ins Wasser gucken, schließlich mit dem Krokodil auf die andere Seite übersetzen und von dort alles wieder zurückradeln, erst durch den Auenwald, dann vor Rodenkirchen an den unzähligen Strandparties vorbei und sich durch das Gewusel an der Promenade durchschlängeln. Nun an den Restaurant-Kähnen vorbei, immer weiter bis nach Bayenthal und da links rein und den Gürtel hochradeln, wieder durch Zollstock durch, schließlich nach der Eisenbahnbrücke am Bahndamm entlang und danach rechts hoch, über die Luxemburger rüber und daheim ankommen. Mit schmerzenden Hintern, aber dafür mit 33,5 Kilometern in den Beinen.

(Und das Blog hat übrigens endlich ein neues Kleid bekommen)