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Geschichten über Köln, Konstanz und die Sache mit der Heimat

Nachdem in diesen Tagen das großartige Wiesbaden-Buch “63,75 – das Buch” erschienen ist, in dem auch ein Artikel von mir erschienen ist, haben viele andere Blogger das Thema “Heimat” ebenfalls für sich entdeckt. Herr Buddenbohm hat das zum Anlass genommen und in einer Blogparade dazu aufgerufen, Texte über Hamburg zu schreiben, die er in seinem Blog sammelt: Der Rest von Hamburg. Frau Bogdan sammelt parallel in ihrem Blog Artikel über den Rest der Welt und schreibt dabei insbesondere über Helgoland. Und Anne Schüssler sammelt Artikel über das Ruhrgebiet.

Ich selber schreibe hier ja seit über zwei Jahren über Köln und Konstanz, nachdem ich vor zwei Jahren der Liebe wegen vom Bodensee ins Rheinland umgezogen bin. Und gerne möchte ich diese Gelegenheit nutzen und auf meine eigenen Lieblingsartikel dazu nochmals hinweisen:

Und über Konstanz und den Bodensee habe ich natürlich auch eine ganze Menge geschrieben, zum Beispiel:

  • In der Eisenbahnstraße”erzählt von einer ganz besonderen Hausgemeinschaft in einer ganz besonderen Straße
  • “Der Katzen-Opa”erzählt nochmals von dieser besonderen Straße
  • “Konstanz halt” handelt davon, wie es ist, nach längerer Zeit mal wieder in die alte Heimat zurückzukommen.
  • “Heimat” erschien vor drei Jahren in einer früheren Ausgabe des Stijlroyal-Magazins und erzählt davon, was ich persönlich als Heimat empfinde

Viel Spaß beim Lesen! Und natürlich werde ich in diesem Blog auch weiterhin über die Sache mit der Heimat schreiben, denn da gibt es noch so einiges zu erzählen…

 

Sauce und Käse

Wie unterschiedlich das Rheinland und Süddeutschland sind, merkt man vor allem beim Kochen. “Heute Abend gibt es Pute mit Kohlrabi”, sagte der Mann gestern Abend zu mir. Und dann sagte er die magischen Worte: “Ich koche!” Ich liebe es, wenn der Mann kocht und noch mehr liebe ich es, auf dem Küchensofa hinter ihm zu sitzen und schlaue Kommentare zu seiner Kocherei abzugeben. Denn der Mann ist Kölner und Kölner kochen so ganz anders als wir da unten am Bodensee. Kölner lieben nämlich Saucen und die gibt es in Mengen zum Fleisch, zum Fisch, zum Gemüse, zu Nudeln und vor allem zu Kartoffeln. Essen ohne Sauce, das ist wie Köln ohne Dom und kann daher einfach nicht sein. Sobald sich also in irgendeiner Pfanne beim Braten etwas Bratensatz angesammelt hat, wird der Mann also nervös, denn daraus kann man doch noch eine tolle Sauce machen! Den Bratensatz findet er meistens, wenn er gerade das Gericht auf den Tellern verteilt hat und ich mit dem Essen anfangen möchte. Aber nein, zack, schon geht es wieder los: Der Bratensatz, und sei es auch noch so wenig, wird “noch schnell” mit Brühe, Butter, Wein, Bier, Zwiebeln und allem, was sich in Reichweite befindet, zu mindestens einem Liter Sauce verlängert und wenn es auch nur Milch ist – Hauptsache, es gibt viel leckere Sauce! Pfeffer, rein, Senf dazu, noch ein bisschen Zimt und Kakao und ein Spritzer Zitrone! Und während ich derweil ungeduldig am Tisch sitze, einen Teller leckerer Sachen vor mir, rührt der Mann in den Töpfen und Pfannen und hat dabei diesen irren Blick in den Augen.

Am Bodensee isst man schon auch mal Sauce, aber die heißt dann Bolognese oder Casimir und ist fester Bestandteil des Gerichts. Denn was in Köln die Sauce ist, ist am Bodensee der Käse. Der Bodensee ist nämlich so etwas wie ein Käseparadies und darum muss Käse in fast jedes Gericht oder es wird damit überbacken oder bestreut, am besten aber alles davon und dann nennt es sich Überbackene Kässpätzle mit Parmesan und hat pro Portion ungefähr 8000 Kalorien. “Überbacke es mit Käse und es ist wie nie neu”, sagt man da unten und das meint man auch so, alles, was vom Vortag übrig ist, wird einfach nochmal überbacken – die Spätzle, Kartoffeln, Pfannkuchen, Nudeln, Maultaschen oder Fleisch und sogar Suppen. Wenn man es traditionell mag, nimmt man dazu den Käse aus dem Allgäu, Emmentaler, Lindenthaler oder Bergkäse. Letzteren gibt es auch aus dem österreichischen Vorarlberg und schmeckt ein bisschen deftiger als der aus dem Allgäu. Wer sich modern und weltoffen gibt, isst Käse aus der Schweiz, Raclette, Gruyere oder Appenzeller zum Beispiel. Ein bisschen weiter weg ist Frankreich und da gibt es herrlichen Ziegenkäse und Weichkäse und wer es mediterran liebt, kauft sich am Wochenende in Mailand Grana Padano oder Parmiggiano, um ihn beim Pasta-Essen mit Freunden mit dramatischer Gestik über seine Nudeln oder seinen Caesar Salad zu reiben, aber das sind dann eher die Leute, die auch ein Meter lange Pfeffermühlen auf dem Tisch stehen haben. Überhaupt Pfeffermühlen, ich hatte vor Jahren mal einen Flirt mit einem Herrn, der mir bei unserem ersten Date – wir aßen mit Käse überbackene Schnitzel – von seiner elektrischen Pfeffermühle vorschwärmte, weil so etwas am Bodensee eben ein Statussymbol ist, aber das ist eine andere Geschichte.

“Was hast Du denn, auch in Köln lieben wir den Käse!”, sagte der Mann neulich und zeigte mir am Käseregal im Supermarkt Gouda am Stiel. “Käse am Stiel? Die spinnen, die Kölner”, sagte ich. “Aber hier, guck, in jeder Kneipe gibt es Röggelchen und da ist Käse drauf, das ist kölsche Kultur!”, sagte der Mann abends im “Sölzer Klaaf”, wo wir noch ein Kölsch trinken waren. Ich bestellte eines von diesen Dingern und staunte: Der Käse war gute fünf Millimeter dick und lag auf einem rabenschwarz gebackenem Brötchen, das mit dick Senf bestrichen war. “Hm”, sagte ich, strich den Senf vom Käse, aß ihn und stopfte das verbrannte Brötchen heimlich in die Erde des hinter mir stehenden Gummibaums. “Esst Ihr hier auch anderen Käse?”, fragte ich ihn dann. “Ja, Old Amsterdam, das ist alter Gouda, und dann Maigouda, das ist junger Gouda. Und gebackenen Camenbert mit frittierter Petersilie.” “Hm”, sagte ich.  “Ich esse auch gerne Cheddar”, versuchte es der Mann dann. “Ich liebe Dich”, sagte ich und bestellte mir noch ein Kölsch.

“Ich koche”, sagte der Mann also gestern Abend, schälte den Kohlrabi, schnitt ihn in Streifen und legte ihn in einen Topf mit heißem Salzwasser. “Es gibt Putenschnitzel mit Kohlrabi in weißer Sauce”, sagte er. “Lecker!” sagte ich vom Küchensofa aus und: “Aber vielleicht nicht so flüssig diesmal den Kohlrabi” und meinte: Mach nicht so viel Sauce. “Nicht so flüssig? Ja gut, mach ich, mein Schatz”, sagte der Mann, erhitzte Öl in der Pfanne und briet die Putenschnitzel. “Essen!” rief er dann und stellte die Pfanne mit dem Fleisch auf den Tisch. “Setz Dich und verteil schon mal die Schnitzel, ich muss noch kurz…” sagte er, ging zum Herd zurück und begann wie wild im Kohlrabitopf herumzurühren, während eine weiße Puderwolke aus dem Topf heraufstieg, um ihn und den Herd in sich zu verschlingen. “Was…?” fragte ich. “Gleich! Wart!” rief der Mann und fuchtelte mit einem Mehlsieb in der Hand herum. “Aber…!?” – “Waaart, gleich!! Nur die Sauce noch!”

Und dann kam er mit dem Kohlrabitopf. “Aber der ist ja randvoll mit Sauce, mindestens ein Liter, und äh, wieso ist die so glibberig?” fragte ich. “Ja, wieso, Glibber, ich hab halt saure Sahne und Saucenbinder reingegeben, ich fand das ja auch etwas komisch und so glibberige Sauce finde ich ja auch nicht so toll, aber du hast doch gesagt, du willst die Sauce diesmal nicht so flüssig, also habe ich sie halt angedickt, extra für dich!” -”Hm”, sagte ich. Und: “Haben wir eigentlich noch Parmesan?”

 

Konstanz halt

 

Und dann ist es Freitag und ich fahre nach Konstanz, zum dritten Mal in diesem Jahr. Erstaunlicherweise geht bei der Bahnfahrt alles gut. Die Bahn fährt nach Fahrplan los, die Lok geht nicht kaputt, niemand hat Bomben neben die Bahngleise gelegt, keiner wirft sich vor den Zug, die Oberleitungen wurden nicht geklaut, Klimaanlagen und Heizungen halten und ich sitze fast durchgehend allein in einem Abteil in der ersten Klasse – ohne dauertelefonierende Mitfahrer, ohne schreiende Kinder mit hektischen Müttern, ohne alten Damen, die sich weigern, ihre Koffer in die Ablage zu legen, ohne Leberwurstbrotesser und ohne dürre Frauen, die mich vorwurfsvoll anschauen, weil ich statt stillem Mineralwasser ein Apfelschorle trinke. Eine ruhige, entspannte Fahrt also, wie sie auf dieser Strecke selten erlebt habe. Und ich bin sie oft genug gefahren.

Irgendwann habe ich den Schwarzwald hinter mir gelassen und bin im Hegau. Hohenhewen und Hohenstoffeln auf der einen Seite, auf der anderen der Mägdeberg, Hohenkrähen und der Hontes, schließlich Maggi in Singen, Bohlingen, Radolfzell -  und dann ist der da, der See und ich schaue nicht mal hin, so wie früher, als ich noch hier gelebt habe. Ich weiß ja, dass er da ist. Allensbach, Hegne, Reichenau, das Konstanzer Industriegebiet, die große Gaskugel von den Stadtwerken und dahinter mein altes Büro, Petershausen, die schönen Schrebergärten mit den alten Obstbäumen haben sie abgerissen, schließlich der Kiosk am Bahnübergang, wo man Bier und schlechte Döner bekommt. Daneben meine alte Wohnung, in die man vom Zug aus reingucken kann und in der die Wände wackeln werden, während wir an ihr vorbeirauschen. Ob sie den Riss im Flur mittlerweile verputzt haben? Links nun der See mit Alpenpanorama, rechts der Seerhein, die Spitalkellerei, das Theater, das Konzil und dann der Bahnhof. Als ich aussteige, duftet es intensiv nach Waffeln und ich denke an irgendwas mit Heimat, doch dann klingelt das Handy. Meine Freundin ist dran, sie komme später, um mich abzuholen, sie stehe Stau. Mit all den anderen Mitreisenden lasse ich mich durch ekelhafte Bahnunterführung treiben, die Fliesen sind dreckig, es riecht nach Pisse und natürlich geht, wie seit ungefähr zehn Jahren, das Gepäckband nicht. Keine Stadt Deutschlands hat einen gammeligeren Bahnhof als Konstanz, früher war es mir immer peinlich, Besuch vom Zug abzuholen. Meine Freundin ruft wieder an, sie wäre jetzt da, fände aber keinen Parkplatz. Ich bin nun endlich auf Gleis 1 angelangt und kann wieder atmen, muss mich aber noch am engen Bahnsteig durch die Menschenmengen zwängen, fast ein Ding der Unmöglichkeit, weil alle dicke Winterjacken tragen und somit noch mehr Platz verbrauchen. Dann geht es durch das Nadelöhr zwischen Touristinformation und Schließfächern, ich stolpere über Koffer und Fahrräder hindurch, irgendeiner tritt mir auf den Fuß und es riecht nach Kotze. Meine Freundin ruft wieder an, sie stehe jetzt auf der anderen Straßenseite bei Mc Donald´s. Wir müssen nochmal ins Industriegebiet, bevor wir zu ihr nach Hause fahren, für den Weg brauchen wir fast eineinhalb Stunden, weil am Lago und rund um den Zoll  Stau ist. Hallo Konstanz, da bin ich wieder, was für ein Empfang.

Abends sind wir auf einer Weihnachtsfeier. Ich unterhalte mich mit einem Bekannten über Social Media, er hat eine Agentur für Kommunikationsdesign. Facebook, Xing, Twitter und so, das fände er alles unnötig, das bringe doch nichts für den Beruf, erklärt er mir, daher sei er dort auch nicht aktiv. Aber der ganze Input, werfe ich ein, wo soll der in dieser selbstreferentiellen Stadt herkommen, man kriegt hier unten doch nichts mit von dem, was in der Welt da draußen laufe, hier sei man doch von allem abgeschnitten. Ach, sagt er, da gehe er einmal im Jahr auf die Typo nach Berlin, da bekomme er genug Input. Ah, sage ich, aber der regelmässige Austausch mit anderen, mit Gleichgesinnten und Leuten, die einen ähnlichen Job machen? Und überhaupt, Netzwerken! Ach, sagt er, das ist doch alles virtuell. Nein, sage ich, eigentlich nicht, die meisten habe ich irgendwann mal irgendwo getroffen, privat und beruflich, viele interessante Kontakte hätten sich daraus ergeben und auch Jobs. Ach, sagt er, wenn er netzwerken wolle, dann gehe er einfach in den hiesigen Ski-Club. Ach so, sage ich. Und dann: Du, ich gehe mir mal ein neues Bier holen, wir sehen uns später.

Nach der Feier fahren wir zu dritt noch in die Schwarze Katz. Es ist zwölf Uhr und in der Bar sitzen genau zwölf Leute, wir inklusive. Was ist denn hier los, frage ich die anderen. Nix, sagen sie, das ist normal. Heute ist Freitagabend, da ist hier nie was los. Ach so, sage ich.

Am Samstag schlafen wir lange, mittags gehe ich ein bisschen in die Stadt zum Bummeln, ewig bin ich nicht mehr hier gewesen und ich freue mich auf die kleinen Gässchen und die vielen schönen Ecken der Innenstadt. Ich laufe im Regen durch die Fußgängerzone und schließlich durch die Niederburg, doch dort hat um drei Uhr an diesem dritten Advent kein einziges Geschäft mehr offen. Meine Haare sind verklebt, meine Hose bis zur Wade durchweicht und es ist kalt. Ich gucke ins Münster, auch hier war ich schon ewig nicht mehr, eine Kerze zünde ich an und dann setze ich mich auf eine der Bänke. Zum ersten Mal seit ein paar Stunden habe ich endlich mal wieder Netz, also fummle ich heimlich, versteckt unter der Jacke, an meinem iPhone herum und mache ein schlechtes Foto von den brennenden Kerzen, schicke in Whatsapp ein paar Herzchen an den Mann und twittere ein bisschen herum. Was man halt so macht, wenn man in Kirchen rumsitzt und eigentlich lieber woanders wäre. Aber weil ich ja nun schon mal hier bin, kann ich ja noch den Weihnachtsmarkt angucken gehen. Und war die Innenstadt ansonsten wie ausgestorben, hier drängen sie sich alle wie die Verrückten um die Stände. Als ich noch in Konstanz wohnte, bin ich nie auf den Markt gegangen, weil es jedes Jahr genau die gleichen Dinge an den genau wie im Vorjahr gleichplatzierten Buden gab. Und so ist es auch diesmal wieder. Am Ende der Marktstätte zieht sich der Markt durch die Unterführung, ich lasse mich mittreiben, es ist eng, aber das ist auch gut so, denn so sieht man die vollgebruntzelten Betonwände nicht so sehr und schließlich bin ich da, worauf Konstanz so stolz ist: Am See. Doch von dem ist nicht viel zu sehen, denn es ist mittlerweile dunkel geworden. Brav laufe ich noch eine Runde durch den Stadtgarten an all den Ständen vorbei, doch eigentlich reicht es mir und ich nehme am Konzil die Abkürzung über den Fischmarkt, um nicht nochmal durch die Unterführung zu müssen.

Meine Freundin und ich haben uns im Klimperkasten verabredet, bis sie kommt, ruft sie drei Mal an, um mir zu sagen, dass sie später kommt, bzw. keinen Parkplatz findet, bzw. jetzt einen hat und dann gleich kommt. Ich habe kurz Netz und telefoniere mit dem Mann, dann trinke ich einen mit Pulver angerührten Chai Latte und wundere mich, dass nur zehn Leute in dem Café sitzen. Das ist normal, sagt meine Freundin später, es ist schließlich Samstagnachmittag. Ach so, sage ich.

Dann gehen wir nebenan im Il Boccone etwas essen, hier gibt es wieder viele Menschen, genauer: viel zu viele, und die meisten von ihnen stehen direkt vor unserem Tisch herum, weil sie auch gerne einen Tisch hätten, aber keiner von den geschätzten 200 auf den beiden Etagen mehr frei ist. Das ist normal, sagt meine Freundin, es ist schließlich Samstagabend. Achso, sage ich, und esse die überaus leckeren Gnocchi mit Pesto auf. Wenigstens können sie hier gut kochen. Wir überlegen, ob wir ins Kino gehen, doch ich habe wieder kein Netz und kann nicht nachschauen, was wo läuft. Macht nichts, sagt meine Freundin, wir gehen einfach hin und entscheiden uns dort. Sie gehe kaum noch aus, sagt meine Freundin dann. Hier sei nichts los, sie kenne zu wenig Leute, und überhaupt, man würde hier auch einfach keine neuen Leute kennenlernen.” – “Konstanz halt”, sage ich und: “Du musst hier dringend weg.”

“Zwei Mal Dunkle Begierde” sage ich später an der Kasse. “Läuft im anderen Kino”, sagt der Mann hinter dem Schalter. “Achso”, sage ich. “Dann zwei Mal Jane Eyre.” – “Läuft im anderen Kino”, sagt der Mann. “Achso”, sage ich. “Dann halt zwei Mal Gott des Gemetzels.” Der Mann an der Kasse fängt an, hysterisch zu lachen. Wir gehen ins andere Kino, gucken den (sehr großartigen) Film an und fahren nach Hause. “In der Schwarzen Katz ist am Samstagabends nix los”, sagt meine Freundin, “woanders kann man hier nicht hingehen.” Ach so, sage ich.

Am Sonntag schlafen wir lange aus, dann gibt es ein opulentes Frühstück, anschließend packe ich meine Sachen, denn um zwei Uhr fährt mein Zug. “Ich fahre dich schnell an den Bahnhof und hinterher gehe ich joggen”, sagt meine Freundin, zieht sich ein hübsches Kleidchen an und schminkt sich. “Für wen machst du das, du fährst mich doch nur zum Bahnhof, da sieht dich doch keiner?” frage ich. “Ach, nur so, falls ich doch jemanden treffe. Man weiß ja nie”, sagt meine Freundin. “Ach so”, sage ich und: “Du musst wirklich dringend hier weg.” Am Bahnhof lässt sie mich raus, wir verabschieden uns, schön war´s. Ich verspreche, bald wiederzukommen. “Vielleicht im Frühjahr oder so” , sage ich und denke: “Da kann ich sicher nicht.” Ich fahre los und als ich in Karlsruhe bin, schreibe ich >ins Internet: “Sich 14 Monate nach dem Umzug nicht mehr so fühlen, als ob man die Heimat zurück lässt, sondern als ob man nach Hause fährt.”