Tag 8: Karlskrona – Mit dem Schiff durch den Skärgården

August 30th, 2012 § Kommentare deaktiviert § permalink

Und Tag 8 beginnt mit ein bisschen Kopfweh, leichtem Sonnenbrand auf komischen Körperteilen und einem rotbraunen Farbton im Gesicht, gucke ich in den Spiegel, erkenne ich mich kaum noch. Die rote Bluse ziehe ich also lieber nicht an. Feuermelderverwechslungsgefahr und so. Das Frühstück ist dafür etwas entspannter als gestern, ich frühstücke ja liebend gerne in Hotels, aber das erste Mal in einem neuen Frühstücksraum finde ich immer etwas anstrengend, ich mag es morgens nicht, wenn ich nicht weiß, was wo steht und wie was genau ist und dann sind da immer noch diese Leute. Das Frühstücksangebot ist robuster als das in Danzig, zwei Sorten Wurst, eingelegter Hering, saure Gurken, zwei enorme Platten mit Gurken und Tomaten, ein vier Kilo Riesencheddar, von dem man sich etwas abhobelt und natürlich Würstchen sowie Rührei mit Speck. Übertrieben wird dafür beim Joghurt , es gibt mit 2 Prozent Fett, mit 3 Prozent Fett, mit extra Calcium, mit 0,5 Prozent Fett, mit Vanillegeschmack, mit Zucker und mit 4 Prozent Fett, ähnliches auch bei der Milch, denn da gibt es Sojamilch, Reismilch, fettarme Milch, 2 Prozent Milch, 3 Prozent Milch, warme Milch. Auch bei den Brotsorten das gleiche, drei oder vier süße Brote, verschiedene Weißbrote und Knäckebrote, Kekse und immerhin auch Vollkornbrot. Acht Sorten Frühstücksflocken außerdem. Und zweierlei Eier, hartgekochte und weiche, beide jeweils kalt, aber immer noch besser als die überraschenden 2-Minuten-Eier in Danzig, die dort nur ohne Eierbecher angeboten wurden.

Den Tag wollen wir genauso entspannt angehen wie den gestrigen, also kaufen wir uns zwei Tickets für eine Fahrt quer durch den Skärgården vor Karlskrona. Drei Stunden dauert die Fahrt, zunächst fahren wir die Inseln Tjurkö, Sturkö und Senoren an, dann folgen Ytterön, Hästholmen, Inlängan, Stenshamm, Ungskär, Langören und über Ytteron geht es anschließend wieder zurück. Besonders warm ist es nicht und irgendwann fängt es auch noch an zu regnen, was aber der Schönheit der Schären nicht wirklich schadet…

 

 

Abends essen wir Pizza im Hotel und als dann der blöde schwedische Wäschetrockner meine weiße Lieblingshose frisst, ist es Zeit, von Schweden Abschied zu nehmen. Morgen um 10 Uhr 40 fahren wir ab – nach Kopenhagen. Und vielleicht haben die da eine schöne weiße Hose für mich, mal sehen.

Tag 7: Karlskrona – Auf Aspö im Skärgarden

August 29th, 2012 § Kommentare deaktiviert § permalink

Heute folgt nur ein kurzer Bericht, ich bin furchtbar müde und möchte eigentlich nur ganz schnell ins Bett.

Unterwegs waren wir heute auf der Nachbarinsel Aspö. Wir hatten lange überlegt, auf welche der vielen Inseln wir fahren möchten, hatten uns dann für Aspö entschieden, weil die Fährverbindung dorthin so günstig ist, weil die Insel zum Radeln ideal ist und weil die Fähre nach dort auch nichts kostet. Um elf ging’s los – bei strahlend blauem Himmel!

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Die Fahrt dauert gerade mal eine halbe Stunde. Man fährt durch die vielen kleinen Felsinseln, die vor Karlskrona verstreut im Meer liegen, hindurch – auf vielen finden sich übrigens noch militärische Überreste.

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Aspö ist eine der vier größeren Schäreninseln, die vor Karlskrona liegen, fast rund ist sie und misst dabei vom einen Ende zum anderen etwa drei Kilometer. Ab dem Fährhafen fuhren wir einfach immer der Straße entlang, um uns von dem, was kommen würde,  überraschen zu lassen, genaue Vorstellungen hatten wir nicht – einfach etwas herumfahren, vielleicht irgendwo baden gehen und mittags noch was essen gehen war die Idee.

Die Insel ist wunderschön, man kann es gar nicht anders sagen. Unmengen an niedlichen Schwedenhäusern in allen Farben stehen überall auf großen Grundstücken, viele mit eigenen Bootsstegen, den Segeln und Bootfahren ist hier wie in Karlskrona das ganz große Ding, dazu viel lauschiger Wald mit zahllosen Felsen, herrlichen Farnen und Moosen. Sehr hübsch das alles.

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Seltsam war, dass trotz der vielen, vielen Häuschen die Insel fast menschenleer war – bis wir in der Badebucht auf der anderen Seite der Insel waren, hatten wir gerade mal vier Insulaner gesehen  und das an einem so sonnigen Tag wie heute. Von Geschäften und Cafés war außerdem auch weit und breit nichts zu sehen.

Neben der Badebucht gab es große, glatte Felsplatten mit Gras drauf, die ins Meer ragten, dort blieben wir erstmal für zwei, drei Stunden, Badetücher und Bücher hatten wir mitgenommen. Schön war es da, baden waren wir allerdings nicht, denn an den rutschigen Steinen wäre man zwar prima INS Wasser gekommen, das mit dem RAUS wäre aber so eine Sache gewesen.

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Wir fuhren dann ziemlich lange durch ziemlich viel Wald…

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… kauften im Insel-Supermarkt auf der anderen Seite der Insel für ein kleines Picknick ein, denn das eine der beiden Insel-Cafés hatte geschlossen und das andere gehörte zu einer Galerie, auf die wir irgendwie keine Lust hatten und Restaurants gab es ja keine. Auf Aspö macht man anscheinend nichts, außer ziemlich schön Wohnen und am Meer sein. Herrlich unaufgeregt und sehr sympathisch. Wenn ich später doch kein Seemann werde, dann ziehe ich nach Aspö und mache dort ein Restaurant auf.

Wir fanden noch einen sehr hübschen Sandstrand, wo wir eine weitere Weile einfach herumlagen und lasen. Ins Wasser sind wir hier aber auch nicht, es war einfach viel zu kalt.

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Mit der Fähre ging es dann wieder zurück nach Karlskrona, wo wir noch sehr lecker im Niwa essen waren – allerdings nicht speziell schwedisch – ich hatte ein Steak, der Mann einen Burger. Und nun liegen wir hier im Hotel herum, supermüde und mit glühenden Gesichtern von der vielen Sonne.

Und morgen? Wissen wir noch nicht so genau – wahrscheinlich fahren wir einfach auf eine der anderen Inseln. Oder machen eine Inselrundfahrt. Auf jeden Fall werden wir wieder viel in der Sonne herumliegen und lesen. Und übermorgen geht es dann mit dem Zug weiter nach Kopenhagen.

Tag 6: Karlskrona – Rumradeln auf den Schären und Riesenkäse bei Lidl

August 28th, 2012 § 5 comments § permalink

Und dann sind wir in Karlskrona, beziehungsweise auf einer der Nachbarinseln, eine gute Stunde zu früh und völlig übermüdet spuckt uns die Fähre aus und da stehen wir wieder wie vor ein paar Tagen in Gdynia auf einem Parkplatz im Nirgendwo und trotzdem ist hier alles so ganz anders. So aufgeräumt irgendwie. Und organsierter. Der Bus kommt dann auch gleich, der Fahrer spricht perfekt englisch und einen Sitzplatz haben wir auch. Wir sitzen hinter drei Polen, die auch auf der Fähre waren, zwei Frauen und ein Mann, er sieht aus wie Onkel Popov, nur in betrunken und die eine der Frauen hat sich ihr strähniges Haar mit zwei Schleifchen drapiert und schreit dauernd “Kurwa!” durch den Bus und dann fällt ihre pinke Reisetasche mit dem Glitzertiger, die auf unseren Koffern liegen, auch noch runter und der Mann und ich reden einfach mal wieder ein bisschen auf finnisch. Meine Haare sehen vermutlich auch nicht viel besser aus, nur ohne Schleifen, denn wir haben ja noch nicht geduscht.

30 Minuten dauert die Fahrt und dann sind wir auch schon in Karlskrona, fünf Minuten geht es zu Fuß noch ins Hotel und um kurz vor neun sind wir dort. Die Dame an der Rezeption guckt grimmig und erklärt uns, vor zwölf sei unser Zimmer nicht fertig, die Koffer dürfen wir aber abstellen und aufs Klo auch, ein bisschen verzweifelt sind wir trotzdem, denn eigentlich möchten wir nur heiß duschen und einfach noch ein Stündchen schlafen. Ein paar Häuser weiter gibt es ein kleines Kaffee, für umgerechnet 20 Euro bekommen wir zwei Latte Macchiato und zwei belegte Brötchen, ich habe mein Buch im Koffer liegen lassen und das freie WLan im Cafe funktioniert auch nicht. Aber der Kaffee ist sehr gut.

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Dann ist es zehn Uhr, also laufen wir ein bisschen durch die Stadt, Räder wollen wir uns mieten, ich bin quengelig, denn Lust auf die Lauferei habe ich überhaupt nicht, dafür aber zwei Blasen an den Füßen und die bequemen Laufschuhe liegen bei meinem Buch im Koffer und ich fühle mich immer nur noch mehr ungeduschter. Wann bin ich eigentlich zum letzten Mal mit Haaren draußen herumgelaufen, die ich zuletzt am Vortag gewaschen hatte, so 1984 vielleicht? Bei Facebook jammere ich ein wenig herum, jemand kommentiert, das sei ja alles ganz schön stressig, was wir da machen würden, das seien doch Flitterwochen und überhaupt, wo bleibe da die Zweisamkeit? Ich weiß ja nicht, was andere Leute so in ihren Flitterwochen machen, aber anstrengend und unzweisam war es bei uns weniger, ab und an ist halt mal sowas wie heute mit dem Einchecken im Hotel oder man ist halt mal müde, aber was soll`s, dafür werden wir in diesen drei Wochen unendlich viel sehen. Und ich kenne auch niemanden, mit dem es sich entspannter reisen würde als meinen Mann. Der hat jederzeit alle Tickets und Fahrtzeiten parat, weiß immer, wo man hin muss und trägt außerdem meinen sauschweren Koffer dauernd irgendwelche Treppen hinauf. Und überhaupt hat er die ganze Route zusammengestellt und so wie es bisher aussieht, hat er das mehr als großartig gemacht. Und was er auch gut kann: Mich geduldig ertragen, wenn ich mal wie heute Morgen kurz nicht gut gelaunt bin. Mit meinem Mann reisen ist also mehr als gut.

Dann haben wir endlich unsere Räder, zwei quitschgelbe Dinger mit Körben am Lenker, drei Gängen und keinem Licht, hier im Norden braucht man sowas wohl nicht, was auch immer, wir fahren jedenfalls einfach ein bisschen herum. Die über 30 Schäreninselchen, auf der die Stadt verteilt liegt, sind mit kleinen Brücken miteinander verbunden, auf der wohl siebten oder achten Insel, Dragsö heißt sie, gibt es einen Campingplatz in einem kleinen Wäldchen und davor eine Wiese und da setzen wir uns erstmal hin, um ins Wasser zu gucken. Links ein paar Felsen und oben drauf hübsche Schwedenhäuser, im Wasser ein Steg mit einer paar Booten und wir mitten drin, in diesem Postkartenidyll. Schön ist es in Karlskrona.

 

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Um kurz nach zwölf checken wir schließlich im Hotel ein, unser Appartment liegt im dritten Stockwerk eines Wohnhauses – eine kleine Küchenzeile und ein sehr hübsch eingerichteter Wohn- und Schlafraum, alles frisch und modern eingerichtet und vor allem blitzsauber. Duschen, noch die Fotos von gestern posten und eine Stunde schlafen, dann ist es drei und wir müssen irgendwas zu Mittag essen. Um die Zeit haben die meisten Restaurants zu, und wie teuer hier Essen sein kann, haben wir morgens schon gemerkt, also gibt es einen Döner von der Bude auf dem großen Platz in der Mitte der Stadt, dann fängt es an zu regnen und wir flüchten unter den Vorbau einer Kirche und essen dort, auf den Säulenabsätzen sitzend, dazu gibt es Zitronensprudel und ich frage mich, warum sie den bei uns nicht auch verkaufen. Wir radeln Richtung Leuchtturm…

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…und dann einfach immer weiter am Ufer entlang, es ist nicht sonderlich warm, aber wunderschön hier. Und seltsamerweise fast menschenleer. Ab und an ein Jogger und ein paar Spaziergänger, das wars aber auch schon. Dazu kein Stadtlärm und keine Autos, nur das Rauschen der Wellen. Karlskrona ist so entspannt.

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Der Mann da oben auf dem Fahrrad ist übrigens meiner.

Wir radeln noch ein bisschen weiter, dann tun uns die Hintern von den harten Fahrradsatteln weh und wir machen auf der kleinen Felsinsel, Stakholmen, noch eine kleine Pause.

 

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Auf Essen gehen haben wir heute keine Lust mehr, wir beschließen, bei Lidl (!) einfach Brot und was fürs Drauflegen zu kaufen. Viele der Produkte kenne ich von unseren Supermärkten, aber die riesigen Käsestücke, die sie hier abgepackt verkaufen, die finde ich dann doch sehr verwunderlich. Aber Menschen, die viel Käse essen, können eigentlich nur zu den Guten gehören.

Und morgen? Da fahren wir raus auf die Insel Aspö und legen uns ein bisschen an den Strand. Und vielleicht gehen wir auch Schwimmen, das Wetter soll schließlich schön werden.