Köln und die Sache mit DHL

Dezember 13th, 2011 § 8 comments § permalink

Eine der großen Segnungen des Lebens in der Großstadt: Weil immer etwas los ist, wird einem nie langweilig. Und wenn doch, kann man immer noch ein Paket über die DHL bestellen. Will man die Sache dabei noch ein wenig aufregender machen, zieht man vorher noch nach Köln-Sülz, um unter die Zuständigkeit der Paketannahmestelle am Sülzgürtel 32 zu fallen.

Bisher hat die Sache mit der Paketen immer gut funktioniert. Eigentlich. Die meisten werden von DHL gebracht. Kommt der sympathische Pole, der eigentlich ein Russe ist und uns immer mit “Herr Stefan” und “Frau Daniela” anspricht, sind die Pakete spätestens bis zwölf Uhr im Haus. Kommt der Kollege, wird es etwa 15 Uhr. Liefert Hermes, brauchen wir vor 20 Uhr mit nichts zu rechnen, denn die Dame mit der verkehrt herumsitzenden Perücke kommt selten vor 21 Uhr und samstags kann es auch schon mal noch eine Stunde später werden. Alle anderen Zulieferer sind praktische Menschen. Unabhängig davon, ob jemand im Haus ist oder nicht, kommen sie durch die tagsüber wegen der Bauarbeiten offenstehenden Haustür ins Treppenhaus, werfen sämtliche Pakete und Päckche kurzerhand der einen Treppenabsatz tiefer wohnenden Nachbarin vor die Tür und hauen dann sofort wieder ab, den Rest regeln wir intern im Haus. Die Paketzulieferer und wir, wir waren ein eingespieltes Team.

Doch seit etwa einer Woche ist der Wurm drin: Die Päckchen werden nicht mehr durchs Treppenhaus geworfen, nein, ist niemand im Haus anzutreffen, werden sie einfach wieder mitgenommen. Und neu dazu: Wir fanden letzte Woche einen gelben Benachrichtigungsschein im Briefkasten, Ausstellungsdatum 1. Dezember. Dort war nicht nur praktischerweise unser Namen und unsere Adresse aufgeschrieben, sondern auch eine Nachricht: Man habe uns ein Paket liefern wollen, niemand sei aber da gewesen,  wir könnten uns das Paket in der Filiale am Sülzgürtel abholen kommen, dort würde es sieben Werktage für uns bereit liegen. Weil in dieser Woche viel zu tun war, schaffte der Mann es erst am darauffolgenden Donnerstag, den 8. Dezember, zur Postfiliale zu gehen, nicht weiter schlimm, denn das war ja noch innerhalb der Frist. Nur, dass das Paket trotzdem nicht da war. Warum und wieso? Keiner wusste etwas. Der Mann musste unverrichteter Dinge abrücken. Er könne ja von daheim aus einen Suchantrag stellen, rief man ihm noch hinterher. Daheim rief er also bei der Post an, beschwerte sich und gab die Sendenummer des Pakets durch. Man kümmere sich, sagte man ihm, und man riefe zurück, sobald man mehr wisse. Er solle sich aber keine Sorgen machen, das Paket würde noch rechtzeitig gefunden und nicht an den Absender zurückgeschickt werden.

Am nächsten Tag, dem Freitag, kam DHL mit einem weiteren Paket – meine Winterjacke, auf die ich seit sechs Wochen wartete. Niemand war daheim, also nahm der Zulieferer das Paket wieder mit, nachdem er wieder einen Benachrichtigungsschein in den Briefkasten geworfen hatte. Sie ahnen, was kommen muss: Als ich gestern bei der Post-Filiale am Sülzgürtel mein Paket holen wollte, war es nicht da. “Paket? Welches Paket denn? Hier gibt es kein Paket, zumindest jedenfalls nicht dieses”, erklärte mir die Post-Mitarbeiterin am Schalter. Wo es sei? Ja das wisse sie auch nicht, keine Ahnung. Es sei halt einfach nicht da und dafür könne sie ja auch nichts. Sie sei ja schließlich keine Post-Mitarbeiterin. – Warum sie dann da am Schalter stehe und über dem Schalter ein großes Post-Logo prange? – Ja das sei schon eine Filiale hier, aber sie sei keine Post-Mitarbeiterin und sie könne da gar nichts machen. Ich könne ja mal die auf dem Benachrichtigungsschein angegebene Servicetelefonnummer anrufen, sagte sie, und tippte mit dem Kuli auf die dort angeführte Telefonnummer. Ich warf ein, der Anruf wäre gebührenpflichtig und ich würde nicht auch nicht einsehen, warum nun ich für das Telefonat etwas bezahlen solle, wo doch nicht ich, sondern die Post, bzw. DHL einen Bock abgeschossen habe. Und das schon zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen, denn das andere Paket und so weiter und so fort. “Okay”, sagte die Frau, “ich kopiere mal ihren Schein und frage in der  Zentrale nach.” Sprach es und wählte eine Telefonnummer, wartete kurz, legte wieder auf und sagte: “Da ist besetzt.” – “Ah. Und nun?” – “Hm, dann rufe ich mal in der anderen Filiale in der Berrenrather Straße an, vielleicht wissen die etwas.” Doch auch dort wusste niemand etwas und schon gar nicht, wo mein Paket mit meiner Winterjacke oder das Paket vom Mann sein könnten. “Und nun?” – “Ja, dann ist das Paket vielleicht gar nicht hierher gebracht worden”, sagte die Post-Mitarbeiterin. “Wohin denn dann bitte?” – “Ich habe keine Ahnung. Wissen Sie, ich bin ja keine Post-Mitarbeiterin.” -”Äh, aber Sie stehen doch hier am Post-Schalter und…? Also, ich habe die Sendung im Internet verfolgt, da steht ganz klar, dass mein Paket letzten Freitag um 11.27 Uhr hierher gebracht worden ist. Es muss hier sein”, sagte ich. “Nein, hier ist es nicht”, sagte die Post-Mitarbeiterin. “Wissen Sie, es ist bald Weihnachten, da haben wir halt viele Pakete. Und ich ja auch gar keine…” – “Das kenne ich!” brüllte da ein aufgebrachter Mann neben mir. “Mir sind in dieser Woche DREI Pakete hier in dieser Filiale abhanden kommen, für alle habe ich einen Suchauftrag gestellt, doch nix! Keiner weiß was! Scheiß Laden!” – “Wissen Sie was”, sagte die Mitarbeiterin und legte mir ein kleines Kärtchen mit weiteren Telefonnummern auf den Tisch. “Rufen Sie mal bei der Nummer hier an, die können Ihnen weiterhelfen. Das kostet Sie auch gar nichts.”

Was soll ich sagen, ich ging also. Daheim rief ich die angeführte Nummer an und landete in einer Art Geheim-Callcenter der Post, vermutlich der für hartnäckige Fälle. Eine freundliche Dame hörte mir geduldig zu, ließ sich die Sendenummer des Pakets und meine Telefonnummer geben und sagte, sie werde sich um alles kümmern und riefe mich dann zurück. Als fünf Stunden später niemand angerufen hatte, rief ich nochmal bei der Nummer an und hatte eine andere Dame in der Leitung. “Wissen Sie, Ihr Paket kann in ganz Köln gelandet sein. Wo genau, können wir aber nicht sagen. Das hängt davon ab, bei welcher Filiale der Fahrer das abends abgeliefert hat.” – “Äh. Dann schauen Sie doch einfach nach, wer Dienst hatte, rufen Sie ihn an und…” – “Ja, nein, so einfach geht das auch nicht, die Fahrer wissen das doch nicht mehr, wo sie abends überall so waren.” – “Äh. Aber…” – “Nein, nein, wir machen das jetzt so: Wir leiten den Suchauftrag an alle Filialen weiter, auch nochmal den für das zweite fehlende Paket, irgendwo wird es ja sein, und dann wird es wieder dem Fahrer mitgegeben und in ein paar Tagen haben Sie Ihr Paket, ganz sicher.” – “Äh, aber, das erste Paket liegt doch nun seit mehr als sieben Werktagen irgendwo rum, das wurde doch sicher längst wieder zurückgeschickt und…”- “Nein, nein, das finden wir schon rechtzeitig. Wir melden uns. Das kann aber drei bis vier Tage dauern.” -”Äh… gut, bis dann.”

Abends prüften wir nochmal im Internet die Sendungsverläufe unsere Pakete. Das erste, so stand da, war mittlerweile von der Filiale am Sülzgürtel wieder zurück an den Versender geschick worden und das zweite würde dort noch immer liegen. Meine Winterjacke? Die webe ich mir jetzt aus Katzenhaaren zusammen.

Nachtrag: Passenderweise hat der NDR gerade eine Doku über die DHL für ZAPP gedreht: Ausbeutung. Undercover als Paketzusteller. Ziemlich interessant – da wundert einen jedenfalls nichts mehr.

 

 

Weihnachten

Dezember 24th, 2009 § Kommentare deaktiviert § permalink

Oder so

Dezember 23rd, 2009 § 4 comments § permalink

Natürlich kann man Fahrkarten für eine Fahrt am 23. 12. quer durch Deutschland auch etwas früher als am Montag vorher kaufen und so zum Beispiel noch eine Platz-reservierung bekommen. Man kann aber auch einfach auf gut Glück in Baden-Baden in den Zug einsteigen und dann den wirklich allerallerletzten freien Sitzplatz finden, während sich alle anderen, die gleichzeitig oder später eingestiegen sind, auf den Gängen zwischen Koffern, Taschen, Tüten und Geigenkoffern stehend zusammenquetschen und die Strecke über stehen müssen :-)