Tag 13 – Edinburgh: Cranachan essen, im Whiskyfass herumfahren und Wale gucken (!!!)

Tage, die komisch anfangen, enden meistens großartig, vor allem dann, wenn man so ungefähr gar nichts plant, sondern sich auf alles, was da eben so kommt, einfach mal einlässt. So wie heute.

Wenn man in Edinburgh nicht so recht weiß, was man tun soll, kauft man sich einfach ein Zweitagesticket für die On-Off-Busse. Da kann man an zwei Tagen auf den verschiedenen Touren so viel herumfahren und an den einzelnen Stationen ein- und aussteigen, wie man nur möchte und im Paket dabei ist eine Rundfahrt auf dem Schiff über den Firth of Forth. Welche Tour nun genau wohin fährt, wissen wir nicht so genau, also springen wir einfach in irgendeinen der Busse am Busbahnhof und los gehts. Kopfhörer gibt es und die steckt man an der Seite in eine Buchse und hört eine Stimme, die einem erklärt, wo der Mensch, der das Telefon erfunden hat, gewohnt hat, was Schriftsteller X über das Denkmal, das für Y vor 200 Jahren errichtet wurde, gedacht hat, was Sir Conan Doyle morgens so frühstückte und wer wann wo warum gehenkt wurde. Und in den Sprechpausen zwischendurch wird viel gefidelt und es gibt eine Menge Sprechpausen und irgenwann wird man daher fast wahnsinnig. Richtig bequem ist es in den Bussen ja außerdem auch nicht, denn es holpert und kracht, dass man das Gefühl hat, jederzeit bräche der gesamte obere Stockwerk des Doppeldeckers ein, wenn der Busfahrer nicht vorher noch gegen eines der Straßenschilder fährt, das noch nicht diese seltsamen Knicke und Beulen auf einer merkwürdigen Höhe von drei Metern nochwas hat, was alles ein wenig beunruhigend ist, wenn man da oben drin sitzt, ich mein ja nur. Und man fährt und fährt und immer geht es irgendwie rund um das Castle und in immer noch kleinere Gassen und Ecken, bis man dann wieder irgendwo das Castle sieht und so weiter und so fort, man fährt jedenfalls eine ganze Weile so herum.

20120904-224118.jpg20120904-224139.jpgNach einer Stunde ist man zurück am Bahnhof, weil wir immer noch nicht so recht wissen, was wir tun sollen, springen wir einfach in den nächsten Bus und siehe da, der fährt aus der Stadt raus zum Firth of Forth, diesem Fjord, und dort kann man in eines der Boote steigen und auf dem Fjord herumfahren. Boot und Wasser, prima, genau unser Ding. Nach einer Stunde sind wir da, schneller geht es leider nicht, denn vorher müssen wir ja noch an 99 Kunstgalerien, dem Haus, wo der Erfinder der Röntgenstrahlen mal gewohnt hat, sowie dem Haus, wo die Frau, die irgendwelchen Pferden aus Mitleid so Pferdetränken gebaut hat, vorbeigefahren werden. Aber wir sind geduldig, wir sind ja schließlich im Urlaub und der Busfahrer macht ja auch nur seinen Job. An der Endstation dann klettern wir alle, auch der Busfahrer, etwas ermattet aus dem Bus und, peng, stehen wir an diesem Fjord mit dem komischen Namen Firth of Forth und da sind die Mole und diese irrsinnigen Brücken und da steht auch schon unser Boot, die Forth Belle, und wartet auf uns.

20120904-224356.jpg

Windig ist es und ein bisschen kühl, wir aber sitzen natürlich draußen, weil nur Weicheier auf Schiffen drinnen sitzen, den Schal ziehe ich mir übers Kinn und den Kragen der Jacke klappe ich mir irgendwie über die Ohren, und dass die Frisur nach nur zwei Minuten schon hinüber ist, ist nun auch egal. Und los geht es, quer über den Fjord. Und nach nur fünf Minuten sagt der Kapitän dann halt einfach per Durchsage, man würde jetzt mal einen Schlenker fahren, weg von der eigentlichen Route, denn da hinten irgendwo habe er auf der vorigen Route, glaube er jedenfalls, Wale gesehen und die könne man sich ja mal angucken. Wale? Ja, Wale, Grindwale genauer gesagt, und die gibt es hier eigentlich sonst nie zu sehen. Wir fahren also an diese Stelle und als der Kapitän sagt, da hinten, da seien sie, springen wir alle auf und starren ins Wasser und dann sehe ich sie auch: Eine Gruppe von wohl 20 Grindwalen, die sich gemächtlich im Wasser treiben lassen und ab und an tauchen, nach “Squeeds” sagt der Kapitän, denn von denen ernähren sie sich. Er selbst scheint noch viel erstaunter über die Wale zu sein als wir, bis auf knapp 30 Meter kommen wir an sie heran und ich habe auf einmal Tränen in den Augen, weil mich das so berührt. Wale! Die habe ich natürlich schon tausend Mal im Fernsehen gesehen und auch im Connyland, im Zoo und bei Sealife, aber es ist so völlig anders, wenn sie da in Echt direkt vor einem herum schwimmen. Das ist so mächtig, irgendwie bedeutend und vor allem aber unwahrscheinlich verblüffend.

Natürlich sieht man das alles auf dem iPhone-Foto nicht so richtig gut, aber dass es Wale sind, sieht man doch:

20120904-224451.jpg

Wir fahren weiter, an einer Robbe vorbei, die sich auf einer Boje sonnt, irgendwo soll es außerdem Pinguine geben, aber die sehen wir dann nicht mehr.

20120904-224439.jpg

Aber Bohrinseln mit viel Zeug drauf, alte Felseninseln mit einem Castle drauf, andere Inseln mit Festungsanlagen drauf und eine Menge tolle Natur drumherum. Schottland hat mich, das weiß ich, als ich da an der Reeling stehe, den Wind in den Haaren. Und vielleicht kaufe ich mir auch so ein Boot wie die Forth Belle und fahre den ganzen Tag auf diesem Fjord herum, irgendwann mal, wer weiß.

Auf der Rückfahrt, eine Stunde später, sahen wir die Wale noch einmal, diesmal sind wir sogar noch näher dran, nur 15 Meter Entfernung sind es nun. Und wir sehen, wie groß sie sind, bis zu sechs Metern lang und das ist enorm und trotzdem, so friedlich und gelassen ist es auf dem Wasser, da die Wale und hier drüben wir in unserem Boot und es ist einfach unwahrscheinlich schön.

Wieder in der Stadt zurück landen wir im Whiskymuseum und auch hier können wir uns wieder herumfahren lassen, nämlich in überdimensionalen Whiskyfässern, wir erfahren, wie Whisky hergestellt wird und wie man sich fühlt, wenn man durch Hefe fährt, dann gibt es noch eine Whiskyverkostung und dabei steht man in der größten Whiskysammlung der Welt, hält sein Glas gegen das Licht und schwenkt es ein bisschen herum, bevor man weltmännisch seine Nase ins Glas hängt und tief einatmet.

20120904-224512.jpg20120904-224521.jpg

Ein bisschen angeschickert, mit zwei Gläsern und zwei kleinen Whiskyfläschchen im Rucksack gehen wir ins Hotel zurück, der Laden mit den wunderschönen Schottentaschen, von denen ich mir vielleicht eine kaufen möchte, hat leider schon wieder zu, aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Abends gehen wir essen und zwar überaus sehr sehr gut im “The Mitre”, ich bestelle das halbe Huhn und hinterher den wohl leckersten Nachtisch der Welt, Cranachan. Beides ist unwahrscheinlich lecker, vor allem aber der Nachtisch, eine sensationelle Mischung aus Cream, Himbeeren, Honig, gerösteten Oats und Whisky und selbst ein Viertel der Portion hätte mich glücklich gemacht. Aber was heißt hätte, ich bin es, denn der Tag und überhaupt alles ist heute ziemlich, ziemlich gut.

Tag 12 – Edinburgh: Minced Pie und eine Menge Whisky

Nach einer schlaflosen Nacht stehen wir um kurz nach sechs auf, packen den ganzen Kram in die Koffer, frühstücken und fahren raus zum Kopenhagener Flughafen. Ungefähr 20 Mal müssen wir unsere Pässe vorzeigen, ich darf mich außerdem von einem Sicherheitsmann von oben bis unten befummeln lassen, weil gerade keine Frau da ist und dann fragt er mich auch noch, warum ich Tampons in der Hosentasche hätte. Irgendwann endlich sitzen wir im Flugzeug und es geht los. Bei den Norwegian Airlines gibt es WLan während das Fluges und das ist gut, denn die Fliegerei und ich, wir werden wohl keine wirklichen Freunde mehr, Turbulenzen auf 10.000 Meter Höhe finde ich nach wie vor nicht so lustig und schon gar nicht, wenn das Flugzeug dann auch noch komische Kurven im Sinkflug über das Meer fliegt.

20120903-215841.jpg20120903-215852.jpg

Und dann sind wir auch schon da: In Edinburgh. Wir steigen in ein altmodisch rund geformtes Taxi, der Fahrer ist ein junger aufgeschlossener Typ, er fragt uns, woher wir kommen und ob wir schon mal da waren, dann gratuliert er uns zur Hochzeit und findet unsere Rundreise ziemlich cool und da denke ich zum ersten Mal, dass die Schotten so ganz anders sind als die Dänen und die Schweden, nämlich viel aufgeschlossener, zugänglicher.

Wir wohnen im Apex City Hotel am Grassmarket, das Zimmer ist noch nicht fertig, wir sind ein bisschen frustriert, weil wir so furchtbar müde sind und eigentlich schlafen möchten, aber das geht nicht, dass die Zimmer noch nicht fertig sind, hat auch mit der Zeitverschiebung zu tun, denn hier ist man noch eine Stunde zurück. Am Grassmarket essen wir also erstmal was, die Sonne scheint und es hat gute 25 Grad, wir sitzen auf einer Terrasse und ich bestelle mir “Minced Pie” und denke dabei an irgendeine Pastete mit Minzsauce, aber das ist natürlich ein Irrtum, “minced” heißt einfach “gehackt” und das kochendheiße und optisch leider sehr unschöne Zeug in dem Teig ist einfach eine Art Hacksauce. Dazu Karotten, Erbsen und Fritten, die Sauce lasse ich lieber mal stehen.

20120903-215911.jpg

Und dazu Guinness, wir sind ja schließlich in Schottland:

20120903-215902.jpg

Danach sind wir noch noch hinüberer, im Hotel schlafen wir erstmal bis fünf Uhr durch. Das Zimmer ist großartig – schön groß, sehr hübsch und modern eingerichtet, alles top in Schuss und ein großes Bad mit Badewanne und einer Dusche, in der locker vier Leute gleichzeitig duschen könnten. Mit dem WLan hat man sich hier auch nicht so, es gibt einen Code und über den kann man sich gleichzeitig mit allen Geräten gleichzeitig einloggen. In Kopenhagen war das so ganz anders, da bekamen wir zwei Codes für vier Geräte, beim Bloggen war das teilweise sehr nervig. Und überhaupt, der Service hier, so sehr hat sich bisher in all den anderen Hotels noch keiner um uns bemüht. Und weil wir aufs Zimmer eine Weile warten mussten, bekommen wir sogar noch eine 25-Prozent-Rabatt-VIP-Karte fürs Restaurant geschenkt.

Abends laufen wir ein bisschen durch die Stadt…

20120903-215922.jpg20120903-215930.jpg20120903-215942.jpg

20120903-220021.jpg

…einmal hoch zu dieser Burg und die lange Hauptstraße entlang, eine Kirche gucken wir noch an und dann landen wir auch schon in einem Pub, “Whiski” heißt der und es ist die “Whiskybar des Jahres”. Wir essen was, ich nehme Sausages & Mash, dazu gibt es eine sauleckere Rotwein-Zwiebelsauce und es schmeckt großartig.

Weil es eine gute Bar ist, folgt auf das Bier ein Whisky und dann bestellen wir noch einen Flight – das sind vier Whiskys, bei uns sind es Clynelish, Glenturret, Edradour und Glen Garoich. Die probieren wir nacheinander und auf einmal haben wir die Sonne nicht nur im Herzen, sondern nun auch im Gesicht scheinen. Die Franzosen am Nebentisch bestellen “Steak Ale Pie” und man sieht ihnen dabei an, dass sie mit Steaks rechnen, denn sie bestellen “Two Steaks” und als das Gemisch aus gehacktem Steak und einer Art Pie darüber kommt, machen sie lange Gesichter und wir sitzen daneben und finden es komisch, das mit dem “minzed Pie” ist ja auch schon wieder so lange her. Irgendwelche Musiker packen ihre Fideln aus und spielen eine halbe Stunde lang das gleiche Lied, der Barkeeper, der bisher keinem der Gäste ins Gesicht geguckt hat, lacht und fängt an, hinter der Theke zu tanzen.

Wie Schottland so ist, kann man nach einem halben Tag wohl noch nicht so sagen, ich glaube, es ist ein bisschen kantig, erdig und unglaublich warmherzig und ein bisschen bin ich schon verliebt.